Berlin, 23.08.2019 - Blutdruck, Körpertemperatur oder Hormone – sie alle werden in der Medizin genutzt, um zu schauen, ob beispielsweise bestimmte Vorgänge im Körper normal ablaufen oder ob es Hinweise auf eine Krankheit gibt. Man spricht dabei auch von Biomarkern. Erfahren Sie, welche Rolle sie in der Medizin spielen und wie man sie nutzt. 

Biomarker spielen in der Medizin und insbesondere in der Diagnostik eine wichtige Rolle. Man nutzt dafür körperliche Eigenschaften und Merkmale, die bei jedem Menschen gemessen und bewertet werden können. Ein Beispiel, das wohl jedem bekannt sein dürfte, ist Fieber. Um Fieber zu erkennen, misst man die Körpertemperatur. Die Körpertemperatur kann ein Indikator für eine Erkrankung sein. Die Fachwelt spricht daher von einem Biomarker. Biomarker können bei ihrer Messung nicht beeinflusst werden. Sie liefern Informationen über unverwechselbare körperliche Merkmale wie die Blutgruppe aber auch Hinweise auf mögliche Erkrankungen einer Person. 

Welche Biomarker gibt es?

Zu den Biomarkern gehören zum Beispiel körperliche Eigenschaften wie der Blutdruck, die Körpertemperatur, der Blutzucker- oder Cholesterinwert . Doch das ist längst nicht alles. Merkmale oder Veränderungen im Erbgut können genauso als Biomarker dienen, wie bestimmte Zellen, Botenstoffe (Hormone) oder Eiweiße, die man im Blut oder im Urin messen kann. 
In der Fachwelt unterscheidet man zwischen krankheitsbezogenen und behandlungsbezogenen Biomarkern. Krankheitsbezogene Biomarker geben an, ob eine Krankheit existiert (diagnostische Biomarker) oder wie sie sich im Einzelfall entwickeln kann (prognostische Biomarker). Biomarker, die sich auf eine Behandlung beziehen, können Hinweise darauf geben, wie eine bestimmte Behandlung beim Patienten wirkt (prädiktive Biomarker). 

Was kann man mit Biomarkern messen?

Je nachdem was gemessen wird, kann mit Biomarkern zum Beispiel gezeigt werden,

  • ob bestimmte Vorgänge im Körper normal ablaufen oder es Hinweise auf eine Krankheit gibt
  • ob man ein Risiko hat, eine bestimmte Krankheit zu bekommen
  • wie sich eine vorhandene Krankheit vermutlich weiter entwickeln wird (Prognose)
  • ob eine bestimmte Behandlung (zum Beispiel mit einem Medikament) bei einem Patient wirken kann
  • ob eine schon begonnene oder abgeschlossene Behandlung tatsächlich die erwünschte Wirkung zeigt.

Wo werden Biomarker konkret eingesetzt? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Recht bekannte Beispiele für den Einsatz von sogenannten Biomarkern sind die Blutzucker- und Blutdruckmessung sowie der Schwangerschaftstest. Überschreitet beispielsweise der gemessene Blutzucker-Wert (Glucose-Wert im Blut) eine gewisse Höhe, ist das ein Hinweis auf Diabetes mellitus – umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bekannt. 
Auch der Blutdruck kann als Biomarker dienen. Er wird häufig genutzt, um das Risiko eines Schlaganfalls zu bestimmen. Bei erhöhtem Blutdruck werden zum Teil Medikamente eingesetzt, die ihn senken sollen. Mit wiederholten Messungen des Blutdrucks kann man überprüfen, ob die Behandlung wie gewünscht wirkt. 

Ein Beispiel, bei dem Hormone als Biomarker eingesetzt werden, ist der Schwangerschaftstest. Bei Frauen wird ab Beginn der Schwangerschaft ein bestimmtes Hormon vermehrt gebildet. Wenn sich dieses Hormon im Urin oder im Blut nachweisen lässt, dann deutet dies in der Regel auf eine Schwangerschaft hin. Auch die Anwesenheit von Antikörpern im Blut können auf eine Infektion hinweisen. Neben diesen schon länger bekannten Biomarkern gibt es eine große Anzahl neuartiger Biomarker.

Individualisierte Medizin durch neue molekulare Biomarker? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Früher waren Biomarker in erster Linie Indikatoren wie Blutdruck oder Herzfrequenz. Inzwischen sind aber zahlreiche neue Mess- und Testverfahren hinzugekommen. Insbesondere in der Onkologie nimmt die Bedeutung von Biomarkern immer weiter zu. Der Begriff Biomarker wird heute häufig als Synonym für sogenannte molekulare Biomarker verwendet. Diese neuartigen Biomarker geben wichtige Hinweise ob bestimmte Krankheiten vorliegen oder spezifische Behandlungen überhaupt einen Nutzen haben könnten. Die Merkmale werden z. B. im Blut, im Nervenwasser (Liquor) oder im Gewebe gemessen. Da man sie auf der Ebene von Molekülen bestimmt, spricht man auch von molekularen Markern.

Beispielsweise wird bei vielen Krebserkrankungen geprüft, ob bei dem Patienten oder der Patientin molekulare Biomarker vorhanden sind. Einige Medikamente können nur dann wirken, wenn ein bestimmter Marker im Körper nachweisbar ist.
 
Bei anderen Krankheiten  kann mit Hilfe von Biomarkern schon sehr früh erkannt werden, ob jemand an einer bestimmten Krankheit leidet – möglichst schon bevor sich die ersten Krankheitszeichen bemerkbar machen. So nutzt man zum Beispiel auch im Rahmen des sogenannten Neugeborenenscreenings verschiedene Biomarker-Tests: Babys wird in den ersten Tagen nach der Geburt Blut abgenommen, um es nach Anzeichen einer Reihe von schwerwiegenden erblichen Erkrankungen wie beispielsweise Mukoviszidose oder einer Schilddrüsenerkrankung zu untersuchen. So kann möglichst früh mit einer Behandlung der Symptome begonnen werden.

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