Warum konnten die Impfstoffe so schnell entwickelt werden? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Wie jedes Arzneimittel, das in der EU zugelassen wird, müssen auch die Impfstoffe gegen COVID-19 ein bestimmtes Verfahren erfolgreich durchlaufen. Darin werden die Impfstoffkandidaten sorgfältig auf Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit geprüft. Diesen Prozess haben auch die vor Kurzem zugelassenen COVID-19-Impfstoffe durchlaufen.

Mehr über die Phasen der Impfstoffentwicklung erfahren

In der Regel dauert die Zeit von den ersten klinischen Versuchen bis zur Zulassung viele Jahre. Wie konnten die Impfstoffe gegen COVID-19 nun so schnell entwickelt und zugelassen werden? Zunächst einmal kamen Experten und Expertinnen schon recht früh zu der Einschätzung, dass zur Eindämmung der Coronapandemie mindestens ein wirksamer Impfstoff notwendig ist. Um die Entwicklung eines solchen Impfstoffs zu beschleunigen, waren verschiedene Kriterien entscheidend:

  • Vorkenntnisse: Die Impfstoffhersteller konnten auf frühere Arbeiten von Wissenschaftlern zurückgreifen, die zu Coronaviren und der Entwicklung von Impfstoffen geforscht haben, beispielsweise zu den SARS-Coronaviren von 2003. 
  • Beratung: Die Arzneimittelbehörden standen den Herstellern schon bei der Entwicklung der Impfstoffe beratend zur Seite. Durch den engen Austausch konnten diese die behördlichen Vorgaben besser berücksichtigen. So wurden beim späteren Antrag auf Zulassung Verzögerungen vermieden.
  • Rolling-Review-Verfahren: Normalerweise durchläuft ein Impfstoff die verschiedenen Phasen des Entwicklungsprozesses nacheinander und muss danach warten, bis die Arzneimittelbehörde die Studienergebnisse für den Antrag auf Zulassung geprüft hat. Um an dieser Stelle Zeit zu sparen, hat die Europäische Arzneimittelbehörde eine Task Force eingesetzt. Bei dieser konnten die Impfstoffhersteller – noch während der Phase-III-Studien – Ergebnisse zur Vorabbewertung einreichen. So bekamen die Hersteller Gelegenheit, offene Fragen schon früh zu beantworten. Für die abschließende Zulassung waren die vollständig ausgewerteten Studienergebnisse nachzureichen.
  • Kombination von Studien verschiedener Phasen: Studien, die sonst oftmals nacheinander stattfinden, werden kombiniert, beispielsweise die Studie der Phase I mit Phase II. Das kann Zeit einsparen, indem etwa für beide Studien zusammen nach Teilnehmenden gesucht wird.
     

Wer wird zuerst geimpft? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Im Moment ist noch nicht genug Impfstoff vorhanden, um alle Menschen in Deutschland zu impfen. Deshalb hat das Bundesgesundheitsministerium in einer Verordnung festgelegt, wer den Impfstoff zuerst bekommen soll und wer sich noch etwas gedulden muss. Grundlage dieser Priorisierung sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts. Mit der Zulassung neuer Impfstoffe wird diese Verordnung regelmäßig überprüft.

Höchste Priorität haben folgende Personengruppen:

  • Menschen über 80 Jahre
  • Personen, die in stationären Einrichtungen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder die dort tätig sind
  • Pflegekräfte ambulanter Pflegedienste
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit sehr hohem Expositionsrisiko wie Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, in Coronaimpfzentren und Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen (z. B. in der Transplantationsmedizin)

Informationen zu den danach folgenden Gruppen sind z.B. auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit zu finden: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus/faq-covid-19-impfung.html#c20413

Kann ich mir den Impfstoff selbst aussuchen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Zum jetzigen Zeitpunkt stehen in Deutschland der Impfstoff Comirnaty von BioNtech und Pfizer sowie die Impfstoffe der Hersteller Moderna und AstraZeneca zur Verfügung. Aufgrund der aktuell noch begrenzten Verfügbarkeit ist eine Wahl des Impfstoffes in der Regel nicht möglich. Auch weil der Impfstoff von AstraZeneca von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nur für Personen unter 65 Jahren empfohlen wird, sind Wahlmöglichkeiten nicht gegeben.

Kann ich andere anstecken, obwohl ich geimpft bin? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Es ist bislang noch unklar, ob man sich trotz Impfschutz mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren kann, aber keine Symptome hat – und dann möglicherweise andere ansteckt. Derzeit wird untersucht, ob eine Impfung nicht allein vor der Krankheit COVID-19 schützen, sondern auch das Risiko von asymptomatischen Infektionen mit SARS-CoV-2 verringern kann - also solche, die sich nicht durch offensichtliche Symptome bemerkbar machen und dadurch meist unerkannt bleiben.

Muss vorab ausgeschlossen werden, dass ich infiziert bin? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Die Verträglichkeit der Impfung wird durch eine akute Infektion mit SARS-CoV-2 laut momentanem Forschungsstand nicht negativ beeinflusst. Deswegen muss vor einer Impfung nicht auf eine aktuelle SARS-CoV-2-Infektion getestet werden. Es wird aber empfohlen, bei (jeglicher) akuten, schweren fieberhaften Erkrankung oder Infektion die Impfung zu verschieben.

Kann ich mich impfen lassen, wenn ich schon erkrankt war? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Nach aktuellem Stand der Forschung ist eine Impfung auch dann unbedenklich, wenn jemand bereits eine Infektion (auch unbemerkt) durchgemacht hat. War jemand schon an COVID-19 erkrankt, wird davon ausgegangen, dass diese Person nach überstandener Erkrankung zumindest vorübergehend immun ist. Noch ist aber nicht bekannt, wie gut diese Immunität tatsächlich ist und wie lange sie anhält.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung etwa sechs Monate nach Genesung. Auch wenn bei Personen in der Zeit nach der ersten Teilimpfung eine SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen wurde (positiver PCR-Test), wird die zweite Injektion etwa sechs Monate nach Diagnose bzw. Genesung empfohlen. 

Wie wird die Wirksamkeit von Impfstoffen berechnet? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Die Zahlen zur Wirksamkeit der Impfstoffe werden im Folgenden am Beispiel des Impfstoffs Comirnaty von BioNtech/Pfizer dargestellt:

In der Studie zu diesem Impfstoff wurde untersucht, wie gut die Impfung eine durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste COVID-19-Erkrankung verhindert hat. Dies sind die Ergebnisse:

Die Studiendaten zeigen, dass von 10.000 Personen mit Scheinimpfung 93 COVID-19 bekommen haben. Unter den geimpften 10.000 Personen gab es nur fünf COVID-19-Fälle. Das sind 95 % weniger Erkrankungen. Das Risiko einer Erkrankung verringert sich mit der Impfung also um 95 %. 

95 % Wirksamkeit bedeutet nicht, dass 95 von 100 Geimpften geschützt sind, sondern ist eine relative Angabe, die die Risikoreduktion angibt. 

Muss der Impfstoff bei Mutationen neu angepasst werden? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Mutationen von Viren sind ein natürlicher Vorgang, bei dem sich das genetische Material des Virus verändert. Dies geschieht in unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei verschiedenen Viren. Das muss aber nicht in jedem Fall bedeuten, dass dadurch die Wirksamkeit des Impfstoffs beeinflusst wird.

Nach aktuellem Stand gehen die nationalen Arzneimittelbehörden wie das Paul-Ehrlich-Institut, die Europäische Arzneimittelagentur EMA und die internationale Wissenschaftsgemeinschaft davon aus, dass die vorhandenen COVID-19-Impfstoffe in Bezug auf die bisher beobachteten SARS-CoV-2-Virusmutationen nicht unwirksam sind. Ob dies tatsächlich so ist und wie stark die Wirksamkeit beeinträchtigt sein könnte, wird derzeit überprüft. mRNA-Impfstoffe bieten allerdings den Vorteil, dass sie schnell an Mutationen angepasst werden können.  

 

Quellen Hinweis: Diese Gesundheitsinformationen können das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin nicht ersetzen. Interessenkonflikte
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