Was ist Demenz? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Bei Demenz handelt es sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um ein sogenanntes Syndrom, also eine Kombination bestimmter Symptome. Dazu gehören unter anderem der Verlust des Gedächtnisses, des Denk- sowie des Orientierungsvermögens. Demenz ist also ein Oberbegriff für das Auftreten bestimmter Symptome bei verschiedenen Erkrankungen mit jeweils unterschiedlichen Ursachen. Man nennt diese Erkrankungen auch Demenzformen.

Welche Demenzformen unterscheidet man? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Grundsätzlich lassen sich sogenannte primäre und sekundäre Demenzen voneinander unterscheiden. 

Primäre und sekundäre Demenzen

Bei primärer Demenz sind krankhafte Veränderungen im Gehirn zu finden. Hirnzellen sterben nach und nach ab und die Verbindungen zwischen den einzelnen Hirnzellen gehen verloren. Zu den primären Demenzformen gehören unter anderem:

  • die Alzheimer-Demenz
  • die vaskuläre Demenz
  • die frontotemporale Demenz und
  • die Lewy-Körperchen-Demenz (auch Lewy-Körper-Demenz oder Lewy-Body-Demenz)

Es existieren auch gemischte Demenzformen. Die häufigste Form ist hier eine gemischte Alzheimer- und vaskuläre Demenz. Das bedeutet, dass die Menschen sowohl von Alzheimer- als auch von vaskulärer Demenz betroffen sind. Aktuell sind die primären Demenzformen nicht heilbar. Allerdings können sich sowohl Behandlungen mit Medikamenten als auch Behandlungen ohne günstig auf die Demenzsymptome auswirken. 

Bei den sogenannten sekundären Demenzen sind die Symptome nicht in erster Linie durch den Abbau von Hirngewebe bedingt. Sie treten als Folge anderer Erkrankungen auf, die ihren Ursprung oftmals nicht im Gehirn haben. Beispiele dafür sind Stoffwechselerkrankungen im Bereich der Schilddrüse, Vitaminmangelzustände und chronische Vergiftungen durch Alkohol oder Medikamente. Auch bestimmte Entzündungen und Infektionen sowie Depressionen können eine sekundäre Demenz verursachen. Sekundäre Demenzen sind mit etwa 9 % aller Demenzerkrankungen jedoch selten.
Werden sie rechtzeitig erkannt, lassen sich die Ursachen potenziell beheben und die zugehörige Demenz heilen. Allerdings kann tatsächlich nur ein kleiner Teil der sekundären Demenzen teilweise oder vollständig umgekehrt werden. 

Diese Gesundheitsinformation beschreibt primäre Demenzen.

Wie häufig tritt Demenz in Deutschland auf? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Für Deutschland liegen keine Zahlen darüber vor, wie viele Menschen genau an Demenz erkrankt sind. Die Schätzungen beruhen auf europäischen Studien. Auf dieser Grundlage ist anzunehmen, dass im Jahr 2016 insgesamt ungefähr 20 von 1.000 Menschen in Deutschland von Demenz betroffen waren, in der Altersgruppe 45 bis 64 Jahre ungefähr 1 von 1.000 Menschen. Vorrangig erkranken Menschen im höheren Alter an Demenz. Eine Ausnahme stellt die frontotemporale Demenz dar, an der Menschen typischerweise bereits im mittleren Lebensalter erkranken.

Die folgende Tabelle zeigt, wie die Erkrankungshäufigkeit mit dem Alter steigt:

Wie häufig tritt Demenz in Deutschland auf?

Von 1.000 Demenzkranken, die 65 oder älter sind, sind circa 660 Frauen. Der höhere Frauenanteil lässt sich größtenteils durch die höhere Lebenserwartung von Frauen im Vergleich zu Männern erklären.

Entstehung, Risikofaktoren und Schutzfaktoren

Wodurch entsteht Demenz? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Bei einer primären Demenz werden die Symptome durch das Absterben von Hirnzellen und die Schädigung von Hirngewebe verursacht. Die genauen Ursachen für die Schädigung sind abhängig von der Demenzform. 

Was erhöht das Risiko, an Demenz zu erkranken? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Die Faktoren, die eine Demenz wahrscheinlicher machen, unterscheiden sich abhängig von den zugrunde liegenden Demenzformen. Es gibt unveränderliche Umstände wie hohes Alter, weibliches Geschlecht und bestimmte vererbte genetische Veränderungen. Außerdem erhöhen weitere, zum Teil veränderbare Umstände das Risiko, an Alzheimer-Demenz und/oder vaskulärer Demenz zu erkranken. Dazu zählen:

  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Rauchen
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Übergewicht/ Adipositas
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Depressionen im mittleren oder späteren Erwachsenenalter

Für die Lewy-Körperchen-Demenz und frontotemporale Demenz wurden bislang außer vererbbaren Veränderungen des Erbguts (Gene) noch keine Risikofaktoren erforscht.

Was senkt das Risiko, an Demenz zu erkranken? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Ein aktiver Lebensstil mit körperlicher Bewegung sowie sozialer und geistiger Aktivität kann das Risiko von Alzheimer-Demenz und/oder vaskulärer Demenz senken. Auch eine ausgewogene Ernährung kann möglicherweise dazu beitragen, das Demenzrisiko zu mindern.

Für die Lewy-Körperchen-Demenz und frontotemporale Demenz wurden bislang noch keine Schutzfaktoren erforscht.

Symptome und Beschwerden

Woran erkennt man Demenz? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Allen Demenzformen ist gemeinsam, dass die Betroffenen ihre geistigen (kognitiven) Fähigkeiten verlieren. Dies betrifft unter anderem die Fähigkeit zu denken, sich zu erinnern, sich zu orientieren, zu sprechen oder angemessen auf Situationen zu reagieren. Deswegen können die Erkrankten ihren Alltag immer weniger allein bewältigen. Die verschiedenen Demenzformen führen zu unterschiedlich schweren Beeinträchtigungen in den genannten Bereichen. Auch gibt es typische Symptome, die auf eine bestimmte Demenzform hinweisen.

Psychische- und Verhaltenssymptome
Neben den Symptomen, die die geistigen Fähigkeiten betreffen, können sogenannte psychische und Verhaltenssymptome auftreten. Zu den häufigsten gehören:

  • Sehr streitlustiges Verhalten (Aggression)
  • Überschwängliche Hochstimmung (Euphorie)
  • Hemmungsloses Verhalten
  • Krankhafte innere Unruhe, die sich in sehr starkem Bewegungsdrang äußern kann 
  • Falsche Vorstellungen von der Realität (Wahn) und Störungen der Wahrnehmung, wie das Hören von Stimmen (Halluzinationen)  
  • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
  • Depression
  • Angst

Für die Erkrankten selbst sind diese Symptome oft belastend. Auch für Pflegende sowie weitere Personen aus dem näheren Umfeld stellen sie eine große Herausforderung dar. Man spricht daher auch von herausforderndem Verhalten. Bei etwa 80 % aller Patientinnen und Patienten mit Demenz tritt zumindest eines dieser Symptome auf.

Darüber hinaus kann es auch zu demenzbegleitenden Beschwerden wie Schlafstörungen sowie Appetitlosigkeit und Essstörungen kommen.

Verlauf

Wie verläuft Demenz? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Momentan gelten alle primären Demenzformen als unheilbar. Es handelt sich dabei um fortschreitende Erkrankungen hin zur Zerstörung von Hirnzellen und zum Abbau von Hirngewebe. Allein bei einer vaskulären Demenz kann es vorkommen, dass die Symptome zwar nicht völlig umkehrbar sind, sich ab einem gewissen Punkt aber nicht mehr verschlechtern oder sich bis zu einem gewissen Grad sogar verbessern. 

Schreitet die Zerstörung von Hirnzellen voran, nehmen die Beeinträchtigungen immer weiter zu. Demzufolge steigt die Abhängigkeit der Betroffenen von anderen Menschen, etwa von Angehörigen, weiter an. Das kann bis hin zu völliger Abhängigkeit von anderen bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens führen. Ein „typischer“ Demenzverlauf lässt sich nicht ausmachen, dafür unterscheiden sich die Formen mit ihren jeweiligen Symptomen zu stark voneinander. Aber auch innerhalb einer bestimmten Demenzform gleicht kein Mensch mit Demenz dem anderen.

Menschen mit Demenz versterben in der Regel an den Folgen der demenzbedingten Einschränkungen. So macht beispielsweise eine mögliche Mangelernährung anfälliger für Krankheitserreger und auch die Bettlägerigkeit bei schwerer Demenz kann negative Auswirkungen haben. Je nach wissenschaftlicher Studie versterben 20 bis 57 % der Menschen mit Demenz an Lungenproblemen, hauptsächlich Lungenentzündungen. Bei 16 bis 48 % der Demenzpatienten und -patientinnen führen Erkrankungen des Herzens oder der Blutgefäße zum Tod.

Mit welcher Lebenserwartung ist bei Demenz zu rechnen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Aussagen zur Lebenserwartung und zum Grad des Fortschreitens einer Demenz sind nicht einfach zu treffen. Die Lebenserwartung hängt sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnosestellung, dem Alter bei Diagnosestellung, dem Schweregrad der Demenz, ihrer Form und weiteren individuellen Faktoren wie Begleiterkrankungen ab. Generell geht man bei einer Demenzerkrankung von einer mittleren Lebenserwartung von drei bis sieben Jahren ab dem Zeitpunkt aus, an dem die Demenz von einer Ärztin oder einem Arzt festgestellt wird. Menschen können mit Demenz aber auch länger leben.

Quellen Hinweis: Diese Gesundheitsinformationen können das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin nicht ersetzen.