Berlin, 12.11.2019 - Impfen oder nicht impfen? Einige Menschen sind verunsichert, wenn sie sich mit dem Thema für sich oder ihre Kinder auseinandersetzen. Hilfreich kann dabei sein, zu verstehen, was genau im Körper bei einer Impfung passiert, wann und wie eine Impfung wirkt und wie einzelne Impfempfehlungen zustande kommen. 
 
Damit wir gesund bleiben, hat unser Körper ein ausgeklügeltes Abwehrsystem aufgebaut. Stetig muss er in der Lage sein, Bakterien, Viren oder Pilze abzuwehren. Die Abwehrleistung geschieht im Inneren und an den Außengrenzen des Körpers. Die normale Hautflora, natürlicherweise vorkommende Mikroorganismen auf unserer Haut, erschweren die Ansiedlung von krankheitserregenden Pilzen und Bakterien. Bronchialschleim und Flimmerhärchen reinigen die Atemluft, und auch der Speichel und die Tränenflüssigkeit gehören zu diesen Barrieren, die unseren Körper vor Infektionen mit Krankheitserregern schützen. 

Sind trotzdem Erreger eingedrungen, reagiert unser Immunsystem. Bestimmte Zellen des Immunsystems, zum Beispiel Makrophagen, T-Zellen oder B-Zellen, erkennen die Eindringlinge und greifen sie an. Der Vorteil: Das Immunsystem hat ein Gedächtnis. Wiederholen sich Infektionen mit demselben Erreger, ist der Körper darauf vorbereitet und kann sie schneller und effektiver bekämpfen. Denn der Körper bildet nach jedem Erstkontakt mit einem Erreger spezielle Abwehrstoffe aus, die sogenannten Antikörper, die sich dann gegen den Krankheitserreger richten. Das Immunsystem ist also lebenswichtig: Es schützt den Körper vor Schadstoffen, Krankheitserregern und krankmachenden Zellveränderungen.

Was passiert bei einer Impfung im Körper? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Das Prinzip der körpereigenen Abwehr nutzt die Medizin bei einer Impfung: Denn der Impfstoff enthält abgeschwächte Krankheitserreger, gegen die das Immunsystem entsprechende Abwehrstoffe bildet. Kommt es später zu einem tatsächlichen Kontakt mit dem Krankheitserreger, kann der Körper die eigene Abwehr schneller ankurbeln. 

Wie lange dauert es, bis eine Impfung wirkt und wie lange hält sie an?

Je nach Impfstoff kann es bis zu einigen Wochen dauern, bis sich eine Immunität entwickelt. Manchmal sind mehrere Teilimpfungen nötig. Der Grund: Bei einer einzigen Impfung wird meist nur eine relativ schwache Immunisierung erreicht. Erst wenn alle vorgegebenen Teilimpfungen verabreicht sind, ist der Körper eine längere Zeit oder sogar dauerhaft unempfindlich gegen den Erreger. 

Manche Impfungen schützen lebenslang, andere lassen im Laufe der Zeit in ihrer Wirkung nach und müssen nach einigen Jahren wiederholt (man sagt auch „aufgefrischt“) werden. Nach der Auffrischung ist der Körper dann eine längere Zeit oder sogar dauerhaft unempfindlich gegen den Erreger. 

Es gibt auch Krankheitserreger, die sich verändern, wie zum Beispiel die Erreger der echten Grippe (Influenza). In diesen Fällen können zum Beispiel jährliche Impfungen mit jeweils neuen Impfstoffen erforderlich sein, um geschützt zu bleiben.

Lebendimpfstoffe, Totimpfstoffe oder Antikörper – wo ist der Unterschied?

Beim Impfen gibt es unterschiedliche Wege der Immunisierung. Der Normalfall ist die sogenannte aktive Impfung (aktive Immunisierung). Dabei erzeugt man eine Immunreaktion durch die Gabe eines Krankheitserregers. Das können sowohl abgetötete als auch lebende Erreger sein. Bei ersterem handelt es sich um sogenannte Totimpfstoffe, die, wie der Name schon sagt, abgetötete Krankheitserreger enthalten, die sich nicht mehr vermehren können.  

Bei der Gabe von lebenden Erregern, spricht man von Lebendimpfstoffen. Sie sind jedoch in ihrer Wirkung abgeschwächt, sodass die Erkrankung selbst nicht ausgelöst wird.  Bei beiden Varianten wird künstlich eine abgeschwächte Form der Krankheit erzeugt, um das Immunsystem zur Bekämpfung und zur Bildung von Antikörpern anzuregen. Abgeschwächte Lebendimpfstoffe werden etwa bei der Masern-, Mumps-, Röteln- und Windpockenimpfung eingesetzt. Totimpfstoffe werden bei der Impfung gegen Grippe (Influenza), Keuchhusten (Pertussis) und Kinderlähmung („Polio“) verwendet. Bei der Impfung gegen Haemophilus influenzae B (HiB), Leberentzündung (Hepatitis B) und die Erreger von u. a. Lungen- und Hirnhautentzündungen (Pneumokokken) sind nur einzelne Bestandteile des (toten) Erregers im Einsatz.

Neben den aktiven Impfformen gibt es auch die passive Impfung (passive Immunisierung). Sie ist recht selten. Dabei werden nicht tote oder abgeschwächte Krankheitserreger gespritzt, sondern direkt Antikörper, die der Körper dann nicht selbst produzieren muss. So ist es möglich, Infektionen sofort zu behandeln, etwa wenn der Verdacht besteht, dass der Körper schon mit einem Erreger infiziert ist.

Angewendet wird die passive Impfung zum Beispiel bei einer drohenden Tollwut-Infektion nach dem Biss eines Tieres, oder wenn Schwangere einem gefährlichen Erreger ausgesetzt waren und das Baby geschützt werden soll. Passivimpfungen wirken schnell, schon nach wenigen Stunden oder Tagen. Allerdings hält der Impfschutz auch nur wenige Wochen, weil sich die gespritzten Antikörper im Blut wieder abbauen.

Hat eine Impfung Nebenwirkungen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Dass nach einer Impfung eine Reaktion auftritt, ist normal. Meist ist das aber harmlos. Typische Beschwerden nach einer Impfung sind laut Robert Koch-Institut (RKI) Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an der Impfstelle. Auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Unwohlsein sind möglich, aber meist nach wenigen Tagen verschwunden. Schwerwiegende Komplikationen sind mit den heutigen Impfstoffen sehr selten geworden.

Trotz allem findet man immer wieder irritierende Aussagen darüber, ob beispielsweise Autismus, Diabetes oder Multiple Sklerose  durch Impfungen ausgelöst werden könnten. Einen wissenschaftlichen Nachweis dafür gibt es nicht. Die Ergebnisse zahlreicher Studien zeigten keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und den genannten Krankheiten. Darauf weisen das Robert-Koch Institut und das Paul-Ehrlich-Institut hin. Da Impfstoffe aber auch Nebenwirkungen haben können, ist es vorgeschrieben, Verdachtsfälle von Impfkomplikationen zu melden. 

Kann man trotz einer Impfung erkranken? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Die meisten Menschen in Deutschland sind geimpft. Damit sind sie vor Krankheiten geschützt, die teils schwerwiegende Folgen haben können. Durch Impfungen konnten schon einige gefährliche Erkrankungen ausgerottet oder zurückgedrängt werden. Impfungen sind in der Regel ein wirksamer und sicherer Schutz vor Infektionskrankheiten. Wie bei anderen Methoden in der Medizin ist die Wirksamkeit von Impfungen jedoch nicht immer hundertprozentig, sondern je nach Impfung und individueller Immunantwort unterschiedlich. Hier sind persönliche Faktoren wie Alter, Geschlecht, bestehende Grunderkrankungen etc. für die individuelle Reaktion auf Impfungen entscheidend. 

Warum ist Impfen wichtig? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Impfungen schützen wirksam vor Krankheiten, die tödlich sein können und früher teils verheerende Auswirkungen hatten. Eine Tollwut-Infektion etwa ist tödlich und kann mit einer Impfung verhindert werden. Eine Röteln-Infektion bei Schwangeren führt häufig zu schweren Missbildungen – eine Impfung vor der Schwangerschaft schützt. Zehntausende Menschen starben noch im Zweiten Weltkrieg in Deutschland an der Diphterie ‒ heute ist die Krankheit kaum noch bekannt. Zudem ist es durch hohe Impfquoten möglich, einzelne Krankheiten komplett auszurotten. Das ist Ende der Siebzigerjahre bei den Pocken gelungen, im Fall der Masern und der Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist es ein bislang nicht erreichtes Ziel internationaler Gesundheitspolitik. 

Welche Impfungen sind wirklich wichtig? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In Deutschland ist die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut dafür zuständig, Impfempfehlungen zu erarbeiten. Jährlich veröffentlicht sie auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse einen Impfkalender mit den für Deutschland empfohlenen Standardimpfungen für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Derzeit sind dies 16 Impfungen (siehe Kasten). Für bestimmte Risikogruppen, zum Beispiel für Personen mit bestimmten Erkrankungen oder Angehörige bestimmter Berufsgruppen, gelten zusätzliche Impfempfehlungen.

Wann welche Impfung genau erfolgen soll, wie viele Teilimpfungen nötig sind und wann versäumte Impfungen nachgeholt werden können, ist im aktuellen Impfkalender der STIKO festgehalten.

Für bestimmte Risikogruppen gelten zusätzliche Impfempfehlungen.

Quellen Bildnachweis