Berlin, 25.03.2020 - Masern sind in Europa wieder auf dem Vormarsch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registrierte in 48 europäischen Ländern 89.994 Masernfälle allein in der ersten Jahreshälfte 2019. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch in den Vorjahren waren die Fallzahlen deutlich gestiegen. Um diesen Trend zu stoppen und Masern als Krankheit zu überwinden, gilt in Deutschland seit dem 1. März 2020 erstmals eine Impfpflicht. Was jetzt beachtet werden sollte.

Impfungen zählen zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen in der Medizin. Seit Erfindung der Impfung im 18. Jahrhundert konnten viele tödliche Krankheiten, die bis dahin als Geißel der Menschheit galten, ausgerottet oder unter Kontrolle gebracht werden. Doch gerade, weil Impfungen uns so gut vor gefährlichen Infektionserkrankungen schützen, ist uns ihre lebenswichtige Funktion heute oft gar nicht mehr bewusst. Daher kommt es immer wieder vor, dass Menschen sich oder ihre Kinder nicht impfen lassen. Auch gegen Masern, eine hoch ansteckende Krankheit, die durch Viren ausgelöst wird, gibt es wirksamen Impfschutz. Doch in Deutschland sind die Impfquoten noch zu niedrig, sodass es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen kommt. 594 Masernfälle wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) 2019 in Deutschland gemeldet. Allein 187.000 Kinder des Jahrgangs 2014 waren im Alter von 24 Monaten nicht vollständig gegen Masern geimpft; 32.000 Kinder gar nicht. Diese Ergebnisse stellte das RKI mit Verweis auf die Impfsurveillance der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Januar 2019 vor. 

Was müssen Eltern und Erziehungsberechtigte, deren Kinder noch nicht betreut werden, jetzt beachten? Was gilt für Eltern und Erziehungsberechtigte, deren Kinder bereits Kita oder Schule besuchen? Gilt das Masernschutzgesetz auch für Erwachsene? Wer sollte eine Impfung nachholen?

Masern gelten als hochansteckend und können schwerwiegende Folgen haben. Zwischen den Jahren 2010 und 2017 sind nach Daten des Statistischen Bundesamtes mindestens 13 Personen in Deutschland nach einer Maserninfektion oder an den Spätfolgen der Infektionskrankheit gestorben. Die Dunkelziffern könnten aber noch höher sein, da nicht in jedem Verdachtsfall eine entsprechende Untersuchung erfolgt und Infektionen in den Todesfallstatistiken damit nur unvollständig erfasst werden. 

Deutschland beim Masernschutz im Hintertreffen Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In Europa haben 35 Länder dank einer hohen Impfquote die Masern bereits überwunden. In zwei weiteren europäischen Ländern konnte die Infektionskette zumindest für zwölf Monate unterbrochen werden, vermeldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Deutschland zählt jedoch nicht dazu. Zwar sind die Impfquoten in Deutschland bis 2016 im Vergleich zu den Vorjahren für die erste und zweite Masern-Impfung angestiegen. Seit 2016 stagnieren sie jedoch wieder. Vor allem die zweite Impfung, die zur vollständigen Immunisierung notwendig ist, erfolgt nicht im erforderlichen Maße. Nach Angaben des RKI betrug die Impfquote bei Schulanfängern 2017 für die erste Masern-Impfung 97,1 Prozent. Die zweite Impfung hatten bei Schuleintritt aber lediglich 92,8 Prozent der Kinder. Mit dem neuen Masernschutzgesetz soll dem nun entgegengewirkt werden. Denn laut WHO ist eine Impfquote von 95 Prozent notwendig, um die Krankheit vollständig auszurotten.

Dass viele Menschen in Deutschland den Stich mit der Nadel scheuen oder ihre Kinder nicht impfen lassen, hat verschiedene Ursachen. Ein wichtiger Faktor ist die persönliche Einschätzung. 82 Prozent der Bevölkerung halten eine Masern-Impfung zwar für „besonders wichtig“ oder „wichtig“. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) findet sie jedoch „nicht so wichtig“. Dies hatte eine im November 2018 veröffentlichte repräsentative Befragung zum Wissen und Verhalten der Menschen durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gezeigt. Die Mehrheit der Befragten (65 Prozent), die keinen ausreichenden oder ungewissen Schutz gegen Masern hatten, gaben außerdem an, dass sie nicht auf die Notwendigkeit einer Masern-Schutzimpfung hingewiesen wurden. 15 Prozent fürchten die Nebenwirkungen einer Impfung.

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© vacmap.de

Die Humboldt Universität zu Berlin und das Robert Koch-Institut haben eine interaktive Karte entwickelt, die den Masern-Impfstatus nach Regionen in Deutschland visualisiert.

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Die Ständige Impfkommission gibt Empfehlungen Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Bereits seit 2010 gibt die die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) Empfehlungen zur Masernimpfung. Vielen Menschen sind die Vorgaben der STIKO jedoch unbekannt. Laut BZgA kennen 72 Prozent der Bevölkerung in Deutschland bspw. die konkrete Empfehlung nicht, dass auch nach 1970 geborene Erwachsene eine Masernimpfung durchführen lassen sollten.

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