Berlin, 20.06.2019 - Die Zahl der Masernfälle in Europa ist 2018 sprunghaft angestiegen. Laut dem europäischen Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war sie mit knapp 82.600 Kindern und Erwachsenen etwa dreimal so hoch wie noch 2017. 72 Menschen starben 2018 an Masern – eine Krankheit, die durch verfügbare Impfungen verhindert werden kann.

Impfungen zählen zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen in der Medizin. Doch viele lassen sie nicht durchführen. Auch in Deutschland sind die Impfquoten noch zu niedrig, so dass es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen kommt. 543 Masernfälle wurden 2018 in Deutschland gemeldet. Allein 187.000 Kinder des Jahrgangs 2014 im Alter von 24 Monaten waren nicht vollständig gegen Masern geimpft; 32.000 Kinder gar nicht. Diese Ergebnisse stellt das Robert Koch-Institut (RKI) mit Verweis auf die Impfsurveillance der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Januar 2019 vor. Die KVen übermitteln dafür dem RKI anonymisierte Daten unter anderem zu Impfleistungen und Diagnosen von Erkrankungen, die durch Impfungen vermeidbar wären. 

Masern gelten als hochansteckend und können schwerwiegende Folgen haben. Zwischen den Jahren 2007 und 2015 sind nach Daten des Statistischen Bundesamtes mindestens 42 Personen in Deutschland nach einer Maserninfektion oder an den Spätfolgen der Infektionskrankheit gestorben. 2016 wurden dem Statistischen Bundesamt insgesamt sechs Todesfälle durch Masern oder Spätfolgen gemeldet. Die Dunkelziffern könnten aber noch höher sein, da nicht in jedem Verdachtsfall eine entsprechende Untersuchung erfolgt und Infektionen, gegen die Impfungen helfen, in den Todesfallstatistiken damit nur unvollständig erfasst werden. 

Für einen kompletten Impfschutz sind zwei Einzelimpfungen nötig, die jedes Kind möglichst schon im Alter von zwei Jahren vollständig erhalten haben soll. Die Impfungen können eine Maserninfektion und damit verbundene Komplikationen oder Todesfälle wirksam verhindern.

Deutschland im Hintertreffen Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In Europa haben 37 Länder dank einer hohen Impfquote die Masern bereits überwunden. In sechs weiteren europäischen Ländern konnte die Infektionskette zumindest für zwölf Monate unterbrochen werden, vermeldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Deutschland zählt jedoch nicht dazu. Zwar sind die Impfquoten in Deutschland bis 2016 im Vergleich zu den Vorjahren für die erste und zweite Masern-Impfung angestiegen. Seit 2016 stagnieren sie jedoch wieder. Vor allem die zweite Impfung, die zur vollständigen Immunisierung notwendig ist, erfolgt nicht im erforderlichen Maße. Nach Angaben des RKI betrug die Impfquote bei Schulanfängern 2017 für die erste Masern-Impfung 97,1 Prozent. Die zweite Impfung hatten bei Schuleintritt aber lediglich 92,8 Prozent der Kinder. Laut WHO sind 95 Prozent notwendig, um die Krankheit vollständig auszurotten.

Dass viele Menschen in Deutschland den Stich mit der Nadel scheuen oder ihre Kinder nicht impfen lassen, hat verschiedene Ursachen. Ein wichtiger Faktor ist die persönliche Einschätzung. 77 Prozent der Bevölkerung halten eine Masern-Impfung zwar für „besonders wichtig“ oder „wichtig“. Fast jeder Vierte (21 Prozent) findet sie jedoch „nicht so wichtig“. Dies hatte eine im September 2017 veröffentlichte repräsentative Befragung zum Wissen und Verhalten der Menschen durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gezeigt. Die Mehrheit der Befragten (70 Prozent), die keinen ausreichenden oder ungewissen Schutz gegen Masern hatten, gaben außerdem an, dass sie nicht auf die Notwendigkeit einer Masern-Schutzimpfung hingewiesen wurden. Jeder Vierte (25 Prozent) fürchtete die Nebenwirkungen einer Impfung.

Masern-Impfquoten in Deutschland Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

im Dialogfenster öffnen
© vacmap.de

Die Humboldt Universität zu Berlin und das Robert Koch-Institut haben eine interaktive Karte entwickelt, die den Masern-Impfstatus nach Regionen in Deutschland visualisiert.

Interaktive Karte öffnen

Die Ständige Impfkommission gibt Empfehlungen Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Seit 2010 empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) allen Erwachsenen eine Impfung gegen Masern, die nach 1970 geboren wurden – sofern der immunologische Schutz noch nicht ausreichend ist. Kleinkinder sollten grundsätzlich zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat gegen Masern geimpft werden. Eine weitere Impfung ist zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat vorgesehen. Später sind ggf. weitere Impfungen sinnvoll, sofern keine komplette Immunisierung besteht.

Vielen Menschen sind die Vorgaben der STIKO unbekannt. Laut BZgA kennen fast 74 Prozent der Bevölkerung in Deutschland bspw. die konkrete Empfehlung nicht, dass auch nach 1970 geborene Erwachsene eine Masern-Impfung durchführen lassen sollten.

Quellen Bildnachweis