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Eierstockkrebs-Früherkennung:

Gängige Untersuchungen haben keinen nachgewiesenen Nutzen

Pressemitteilung 24.10.2018 - 09:30

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© istock/ AJ_Watt

Laut IGeL-Report 2018 war die zweithäufigste und bei den Frauen am meisten angebotene individuelle Gesundheitsleistung der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Eierstockkrebs gehört aber zu den Krebserkrankungen bei Frauen, die eher seltener vorkommt. Was viele nicht wissen: Im Moment ist für diese Untersuchung im Rahmen der Eierstockkrebs-Früherkennung kein Nutzen belegt, vielmehr können daraus sogar Schäden resultieren. Die Stiftung Gesundheitswissen klärt vor diesem Hintergrund zu den Vor- und Nachteilen der gängigen Früherkennungsmaßnahmen von Eierstockkrebs auf. Außerdem informiert sie in ihrer neuen Gesundheitsinformation über Ursachen, Symptome und Verlauf von Eierstockkrebs, da mehr Wissen im Falle einer Erkrankung zu einer schnelleren Diagnose beitragen kann. 

3,2% der jährlichen Neuerkrankungen an Krebs bei Frauen gehen auf Eierstockkrebs zurück. Verglichen mit anderen Krebsarten ist dies wenig. Der Anteil von Brustkrebs beispielsweise an den weiblichen Krebsneuerkrankungen ist mit 30,5% pro Jahr fast 10-mal höher, so die Zahlen der aktuellsten Datenbankabfrage des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) in Deutschland aus dem Jahr 2014.[1] Dennoch versterben vergleichsweise viele Frauen an Eierstockkrebs. Denn häufig wird die Erkrankung erst spät erkannt. So starben 2014 trotz der viel höheren Erkrankungsrate nur etwa 3-mal mehr Frauen mit Brustkrebs (17.670) als mit Eierstockkrebs (5.354).[2-3]

„Die Tatsache, dass Eierstockkrebs verglichen mit anderen Krebserkrankungen zwar selten vorkommt, aber dennoch viele Frauen daran versterben, führt unweigerlich zu einer gewissen Verunsicherung. Umso wichtiger ist es, über die Grenzen der angebotenen Früherkennungsmaßnahmen offen zu sprechen und mehr über Hintergründe und Symptome der Krankheit aufzuklären“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen. 

Aufklärung: Welche Sicherheit bieten Früherkennungs-Untersuchungen? 

In ihrer neuen Gesundheitsinformation wertet die Stiftung daher die derzeit verfügbaren, aktuellen Studiendaten zu Vor- und Nachteilen gängiger Früherkennungs-Untersuchungen aus. Das Fazit: Es gibt derzeit keinen Hinweis für einen Nutzen der angebotenen Untersuchungen, insbesondere von Ultraschall zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Im Gegenteil: Durch unnötige Operationen kann sogar Schaden entstehen. Bislang konnte auch nicht nachgewiesen werden, dass durch eine jährliche Teilnahme an einer Ultraschall-Untersuchung Tode durch Eierstockkrebs verhindert werden können.

Was sagen die Studiendaten?

Wissenschaftlich stichhaltige Studiendaten zum Nutzen der Tast- und der Ultraschalluntersuchung lagen für Frauen zwischen 55 und 74 Jahren vor.[4-6] Die Tastuntersuchung mit zwei Händen ist diesen Daten zufolge nicht zur Früherkennung von Eierstockkrebs geeignet. Allein mit dieser Methode ließen sich Veränderungen der Eierstöcke nicht früh erkennen. Ultraschall-Untersuchungen können demnach zwar Hinweise auf Eierstockkrebs erbringen. Trotzdem zeigte sich kein Nutzen dieser Untersuchung: Frauen, die die Untersuchung in Anspruch nahmen, starben auch nicht seltener an Eierstockkrebs als Frauen, die sich keinem Ultraschall-Screening unterzogen. Wie die Auswertung weiter zeigte, kann es durch Ultraschall-Untersuchungen vielmehr auch zu falsch positiven Befunden kommen. Dadurch werden unnötige Operationen durchgeführt und gesunde Eierstöcke entnommen. Dies kann mit Komplikationen und Nebenwirkungen verbunden sein. 

Eierstockkrebs verläuft anfangs oft symptomlos

Verschiedene Beschwerden, wie etwa Magen- und Darmprobleme, z.B. Blähungen oder Völlegefühl, eine Zunahme des Bauchumfangs, Schmerzen oder Druckgefühl im Becken oder Bauch und eine zunehmend häufige Blasenentleerung können auf Eierstockkrebs hindeuten. Das Problem: Diese Beschwerden sind unspezifisch. Das heißt, sie können auch andere Ursachen haben oder bei anderen Erkrankungen auftreten. Deshalb werden sie oftmals nicht mit Eierstockkrebs in Verbindung gebracht. Eine aktuelle Studie der World Ovarian Cancer Coalition zeigt, dass Patientinnen vor ihrer Erkrankung wenig über Eierstockkrebs und die damit verbundenen Symptome wussten.[7] Somit lagen zwischen dem Auftreten der Symptome und der Diagnose oft größere Zeiträume. Hinzu kommt, dass Eierstockkrebs häufig unbemerkt wächst, da er sich in der Bauchhöhle ungehindert ausbreiten kann. Daher informiert das Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen auch zu Symptomen sowie möglichen Risikofaktoren für die Entstehung von Eierstockkrebs.

Mehr erfahren:
Die detaillierten Ergebnisse der Analyse zum Nutzen und Schaden von Untersuchungen zur Eierstockkrebs-Früherkennung sowie weitere Informationen zum Thema Eierstockkrebs: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/eierstockkrebs-frueherkennung/hintergrund

Pressemitteilung: Eierstockkrebs-Früherkennung: Gängige Untersuchungen haben keinen nachgewiesenen Nutzen

Quellen