Studiencheck

Aktualisiert am 13. Juli 2021
Wissenschaftliche Beratung: Dr. med. Dagmar Lühmann, Prof. Dr. med. Martin Scherer

Der Impfstoff Vaxzevria (ursprünglich "COVID-19 Vaccine AstraZeneca“) wird von der Firma AstraZeneca hergestellt. Es handelt sich um einen Vektor-Impfstoff. Er wurde am 29.01.2021 in Deutschland für die Impfung von Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren zugelassen.

Seit der Zulassung des Impfstoffs, hat die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Empfehlungen für Vaxzevria mehrfach angepasst. Die Änderungen waren die Folgenden:

8. Juli 2021: Die STIKO empfiehlt, den Impfstoff Vaxzevria nach der ersten Dosis mit einem mRNA-Impfstoff als zweite Dosis zu kombinieren. 30. März 2021: Die STIKO empfiehlt den Impfstoff Vaxzevria nur noch für Menschen ab 60 Jahren. 4. März 2021: Die STIKO empfiehlt den Impfstoff Vaxzevria nun auch für Menschen über 65 Jahre.

Wir haben anhand der veröffentlichten Studiendaten die Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes von AstraZeneca zusammengefasst und beantworten weitere wichtige Fragen. Dabei fließen nur die Ergebnisse ein, die den aktuellen Impfempfehlungen in Deutschland entsprechen, z. B. in Bezug auf die Dosierung des Impfstoffes. Die Testpersonen in den eingeschlossenen Studien haben sowohl die Erstimpfung als auch die Zweitimpfung mit Vaxzevria erhalten.

Was wurde untersucht? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In vier randomisiert-kontrollierten Studien (RCT) wurde untersucht, wie wirksam und sicher der COVID-19-Impfstoff AstraZeneca ist. Die Studienteilnehmenden erhielten entweder

  • 0,5 ml des Impfstoffs AstraZeneca oder
  • einen Kontrollimpfstoff. Dabei handelte es sich um den Meningokokken-Impfstoff MenACWY oder um einen Placeboimpfstoff (Scheinimpfstoff) aus Kochsalzlösung. 

Der Impfstoff wurde in den Oberarmmuskel gespritzt. Beide Gruppen erhielten zwei Spritzen, wobei die zweite Injektion innerhalb von vier bis zwölf Wochen nach der ersten erfolgte.

Frühestens 15 Tage nach Erhalt der zweiten Injektion wurde untersucht, ob der Impfstoff AstraZeneca eine COVID-19-Erkrankung verhindern kann. Auch Impfreaktionen sowie schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden untersucht.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Wirksamkeit des Impfstoffs (Nutzen) Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Lässt sich durch die Impfung mit AstraZeneca eine COVID-19-Erkrankung verhindern?

In beiden Impfgruppen wurde untersucht, wie viele Personen nach der Impfung an COVID-19 erkrankten. Als COVID-19-Erkrankung galt, wenn ein positiver PCR-Test und mindestens eines der folgenden Symptome vorlagen: Fieber (≥ 37,8 °C), Husten, Kurzatmigkeit oder Geruchs- und Geschmacksstörungen. Eine Erkrankung wurde erst gezählt, wenn sie ab dem 15. Tag nach der zweiten Injektion aufgetreten ist. Denn es erfordert eine gewisse Zeit, bis sich der Impfschutz vollständig aufbauen kann.

Die Angaben zur Wirksamkeit beruhen auf Daten von 14.380 Teilnehmenden, bei denen zu Beginn der Studie keine vorangegangene SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen worden war. Außerdem mussten die Teilnehmenden zwei Injektionen mit dem AstraZeneca-Impfstoff oder dem Kontrollimpfstoff (teilweise in unterschiedlichen Abständen) erhalten haben, um in die Datenauswertung einzugehen. Von allen ausgewerteten Personen erkrankten 74 von 7201 in der AstraZeneca-Gruppe und 197 von 7179 Personen in der Gruppe, die den Kontrollimpfstoff bekommen hatte, an COVID-19. 

Diese Ergebnisse zeigen eine Wirksamkeit der Impfung von etwa 63 %. Anders gesagt: Die mit AstraZeneca geimpften Personen hatten eine um etwa 63 % geringere Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken, als diejenigen, die den Kontrollimpfstoff erhalten hatten.

Folgende Tabelle zeigt die Häufigkeit einer COVID-19-Erkrankung umgerechnet auf jeweils 10.000 Personen:

Wirken sich unterschiedliche Abstände zwischen den Impfdosen auf den Schutz vor COVID-19 aus?

In den vier Studien wurde auch untersucht, wie sich unterschiedliche zeitliche Abstände zwischen den beiden Injektionen auswirken. Die Ergebnisse deuten an, dass die Wirksamkeit der COVID-19-Impfung mit dem Impfstoff AstraZeneca am höchsten ist, wenn der Abstand mindestens zwölf Wochen beträgt. Ein Abstand von zwölf Wochen zwischen den Impfungen wird in Deutschland seit Anfang März von der STIKO empfohlen. Es sind aber seit Anfang Mai abweichend von der Empfehlung auch kürzere Abstände möglich. Bei einem Abstand von zwölf Wochen oder mehr beträgt die Wirksamkeit laut ersten Untersuchungen etwa 81 %. Beträgt der Abstand zwischen den beiden Impfungen neun bis elf Wochen, liegt die Wirksamkeit bei etwa 64 %. Bei einem Abstand von sechs bis acht Wochen verringert sie sich auf etwa 60 % und liegen weniger als 6 Wochen zwischen den Impfungen, sinkt die Wirksamkeit auf etwa 55 %.

Sicherheit des Impfstoffes Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Bei wie vielen Teilnehmern und Teilnehmerinnen sind in Zusammenhang mit der Impfung Impfreaktionen aufgetreten?

Unter Impfreaktionen werden Symptome an der Einstichstelle, also örtliche Impfreaktionen wie z. B. Rötung, Schwellung und Schmerzen, und systemische Impfreaktionen (Allgemeinsymptome, die den ganzen Körper betreffen) wie z. B. Fieber oder Kopfschmerzen verstanden. Diese Reaktionen sind ein Zeichen dafür, dass sich das Immunsystem mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Impfreaktionen klingen in der Regel nach einigen Tagen von selbst wieder ab.

Angaben zu Impfreaktionen stammen aus einer der vier Studien, in der der Impfstoff AstraZeneca im Vergleich zu einer Meningokokken-Impfung geprüft wurde. Dabei wurden etwa 1000 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 55 Jahren untersucht, die mindestens eine Injektion erhalten hatten. Bei ihnen wurde jeweils in den sieben Tagen nach der Injektion das Auftreten und die Stärke bestimmter Impfreaktionen nach den Kategorien leicht, mittel, schwer sowie „Krankenhauseinweisung notwendig“ abgefragt. Die Ergebnisse wurden nach der ersten Injektion erfasst.

Örtliche Impfreaktionen

Insgesamt gaben Teilnehmende der AstraZeneca-Gruppe häufiger örtliche Impfreaktionen an als die Teilnehmenden, die den Meningokokken-Impfstoff erhalten hatten. Druckempfindlichkeit, Schmerzen sowie Erwärmung an der Injektionsstelle waren insgesamt die am häufigsten genannten örtlichen Impfreaktion sowohl in der AstraZeneca-Impfstoffgruppe als auch in der Meningokokken-Impfstoffgruppe.

Die Teilnehmenden in der AstraZeneca-Gruppe gaben die Stärke der örtlichen Impfreaktionen überwiegend mit leicht oder mittel an. 1 von 100 Personen bezeichnete jeweils die Druckempfindlichkeit oder die Schmerzen an der Einstichstelle als schwer. Die Erwärmung an der Einstichstelle ordnete niemand als schwer ein. Auch von Krankenhauseinweisungen berichteten Teilnehmende aus der AstraZeneca-Gruppe nicht.

Die Stärke der örtlichen Impfreaktionen waren am ersten Tag nach der Impfung am höchsten.

Systemische Impfreaktionen (Allgemeinsymptome)

Insgesamt gaben Teilnehmende der AstraZeneca-Gruppe häufiger systemische Impfreaktionen an als die Teilnehmenden, die den Meningokokken-Impfstoff erhalten hatten. Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Unwohlsein und Muskelschmerzen waren insgesamt die am häufigsten genannten systemischen Impfreaktionen – sowohl in der AstraZeneca-Gruppe als auch in der Meningokokken-Impfstoffgruppe.

Die Teilnehmenden in der AstraZeneca-Gruppe gaben die Stärke der systemischen Impfreaktionen überwiegend mit leicht oder mittel an. Am häufigsten als schwer bezeichnet wurden erhöhte Körpertemperatur und Schüttelfrost. Dies gaben jeweils 8 von 100 Personen an. 7 von 100 Personen berichteten schweres Unwohlsein. Jeweils 6 von 100 Personen ordneten die Stärke von Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen als schwer ein. Krankenhauseinweisungen wurden in der AstraZeneca-Gruppe von den Teilnehmenden nicht berichtet.
 
Die Stärke der systemischen Impfreaktionen waren am ersten Tag nach der Impfung am höchsten.

Wie häufig sind in Zusammenhang mit der Impfung schwerwiegende unerwünschte Ereignisse aufgetreten?

In allen vier Studien traten insgesamt bei 108 (0,9 %) von 12.282 Personen in den AstraZeneca-Gruppen und bei 127 (1,1 %) von 11.962 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den Kontrollimpfstoffgruppen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf. Dabei handelte es sich beispielsweise um Blinddarmentzündungen. Ob einige dieser Ereignisse tatsächlich in einem Zusammenhang mit der Impfung stehen, wird von den Studienautoren und -autorinnen in drei Studien nicht berichtet. Da die schwerwiegenden Ereignisse in den AstraZeneca-Gruppen und in den Kontrollimpfstoffgruppen ungefähr gleich häufig auftraten, ist anzunehmen, dass die Ereignisse nicht mit den Impfungen im Zusammenhang standen. In der Studie, in der über schwerwiegende Ereignisse im Zusammenhang mit der Impfung berichtet wurde, traten keine schwerwiegenden Ereignisse im Zusammenhang mit dem AstraZeneca-Impfstoff auf.

Todesfälle, die im Zusammenhang mit der Impfung standen, sind im Rahmen der Studien in keiner der beiden Gruppen aufgetreten. Insgesamt gab es 7 Todesfälle, davon 2 in der Impfstoffgruppe und 5 in Kontrollimpfstoffgruppe. Todesursachen waren zum Beispiel ein Verkehrsunfall, ein Suizid und eine Lungenentzündung aufgrund von Pilzbefall. Eine Person aus den Kontrollimpfstoffgruppen ist an einer COVID-19-Infektion verstorben. 

Was weiß man über diesen Impfstoff noch nicht? Wer hat an der Studie teilgenommen?

Die Informationen stellen keine endgültige Bewertung dar, sondern basieren auf den besten derzeit verfügbaren Erkenntnissen.

Quellen Interessenkonflikte