Welche Ziele kann die Behandlung haben? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Panikstörungen oder Agoraphobien beeinflussen den Alltag und die Lebensqualität Betroffener und ihrer Familien in ganz unterschiedlichem Maße. Dies hängt vom Schweregrad dieser Angststörungen und der individuellen Lebenssituation ab. Haben Betroffene beispielsweise einen Beruf, der mit Meetings, Veranstaltungen oder Reisetätigkeit verbunden ist, kann eine Agoraphobie zur Arbeitsunfähigkeit führen. Andere Betroffene verlassen wegen ständiger schwerer Panikattacken die Wohnung oder das Haus nicht mehr. 

Je nachdem, auf welcher Ebene Beeinträchtigungen vorliegen, können daher verschiedene Behandlungsziele im Vordergrund stehen. Die Therapiemaßnahmen können darauf abzielen: 

  • Angstsymptome zu lindern,
  • zu erreichen, dass Betroffene ihr Vermeidungsverhalten aufgeben und sich nicht mehr zurückziehen,
  • bestehende Alltagseinschränkungen abzubauen, indem Betroffene darin unterstützt werden, bestimmte Tätigkeiten und Aktivitäten wieder wahrzunehmen,
  • Betroffenen zu helfen, ihre Arbeitsfähigkeit wiederzuerlangen.

Welche unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

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Agoraphobien und Panikstörungen werden vor allem mit Psychotherapie, mit Medikamenten oder einer Kombination aus beidem behandelt. Bei einer Psychotherapie kommen unterschiedliche Verfahren in Betracht. Dazu gehören zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie und ihre spezielle Unterform, die sogenannte Expositionstherapie. Die tiefenpsychologische Behandlung ist ein weiterer möglicher psychotherapeutischer Ansatz. 

In einigen Fällen kann nach Absprache mit dem Arzt, der Ärztin oder der Therapeutin, dem Therapeuten zunächst auch abgewartet werden, ob die Beschwerden ohne eine gezielte Behandlung wieder vergehen. Dieses Vorgehen nennt man auch beobachtendes Abwarten („watchful waiting“).

Was ist bei den unterschiedlichen Therapien zu beachten? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Dr. Jens Plag, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und stellvertretender Leiter der Angstambulanz an der Berliner Charité, fasst in den folgenden Videos zusammen, welche Inhalte und Ziele die verschiedenen Therapien bei Angststörungen haben, was die Patientinnen und Patienten erwartet und worauf sie sich im Vorfeld einstellen können.
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Behandlung mit Psychotherapie

Welche Ziele hat eine kognitive Verhaltenstherapie? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Ziel der kognitiven Verhaltenstherapie ist es, Denkmuster, die die Angst unterstützen, zu erkennen und zu verändern. Dadurch soll sich die Angst in angstauslösenden Situationen verringern. Zum Beispiel kann eine Person mit einer Angsterkrankung eigentlich harmloses starkes Herzklopfen als „Anzeichen für eine Herzerkrankung“ bewerten. Diese ungünstige Bewertung kann schließlich Angst auslösen. Ziel der Behandlung ist es, bei der Patientin, dem Patienten eine passendere Neubewertung der Situation zu erreichen, zum Beispiel: „Das Herzklopfen ist eine normale Reaktion auf körperliche Anstrengung.“ 

Außerdem können auch die Vermittlung von Wissen über die Angsterkrankung oder eine sogenannte Expositionstherapie, bei der sich Betroffene bewusst und therapeutisch begleitet in Angstsituationen hineinbegeben, Teil der kognitiven Verhaltenstherapie sein. Während der Therapie kann auch ein angemessener Umgang mit Stress erlernt werden. 

Die Dauer der kognitiven Verhaltenstherapie bei einer Panikstörung und/oder Agoraphobie ist abhängig von der Krankheitsschwere, den Begleiterkrankungen und den konkreten Lebensumständen. In der Regel finden ein bis zwei Therapiesitzungen in der Woche statt, die etwa eine Stunde dauern. Die Behandlung kann sich über einen Zeitraum von zehn bis 20 Wochen erstrecken.

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Was passiert bei einer Expositionstherapie? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Exposition bedeutet so viel wie „sich aussetzen“. Bei einer Expositionstherapie setzen sich Betroffene bewusst angstauslösenden Situationen aus. Sie werden dabei therapeutisch begleitet.

Eine Expositionstherapie ist meist Teil einer umfassenden kognitiven Verhaltenstherapie. Sie kann bei einer Agoraphobie oder einer Panikstörung eingesetzt werden, oder auch in Fällen, in denen beide Angststörungen zusammen auftreten. Eine Expositionstherapie kommt in Betracht, wenn Betroffene angstauslösende Situationen vermeiden. Sie soll erreichen, dass das Vermeidungsverhalten Schritt für Schritt wieder abgebaut wird.

Zunächst werden dabei gemeinsam mit dem Therapeuten, der Therapeutin die möglichen Hintergründe erarbeitet, die im persönlichen Fall zu der Angsterkrankung geführt haben können. Ebenso werden die Verhaltensmuster aufgedeckt, die dazu beitragen, dass die Angststörung weiter aufrechterhalten wird. Nach guter Vorbereitung begeben sich die Betroffenen dann schließlich direkt und bewusst in angstauslösende Situationen.

Expositionstherapie bei Agoraphobie Expositionstherapie bei Panikstörung

Welche psychotherapeutischen Ansätze gibt es noch? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Als weitere psychotherapeutische Möglichkeit zur Behandlung einer Panikstörung kommt auch die sogenannte tiefenpsychologische Therapie in Betracht. Der tiefenpsychologische Ansatz setzt auf das Erinnern und Wiederdurchleben verdrängter Erlebnisse. Denn solche Erlebnisse können Ursachen einer Panikstörung oder Agoraphobie sein. 

Zu den neueren Therapierichtungen in der Psychotherapie, die bei Angststörungen wie Panikstörungen oder Agoraphobie zum Einsatz kommen, gehören außerdem sogenannte achtsamkeits- und akzeptanzbasierte Ansätze. Bei ihnen geht es darum zu lernen, die Aufmerksamkeit gezielt auf die konkret bestehende Situation zu richten. Geübt wird dabei außerdem, eigene Gedanken oder Gefühle anzunehmen, ohne sie zu bewerten.

Onlinetherapien

Kann eine Psychotherapie auch online erfolgen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Zeichnung einer Frau vor dem Laptop. Das Bild illustriert Online-Therapien. im Dialogfenster öffnen

Für Menschen mit Angststörungen wie Agoraphobie und Panikstörungen stehen auch Angebote im Internet zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel Online-Psychotherapieprogramme. Sie können beispielsweise bei längeren Wartezeiten auf einen Therapieplatz eine Möglichkeit sein, zeitnah Unterstützung zu bekommen, oder auch ergänzend zu einer anderen Behandlung durchgeführt werden. Online-Psychotherapieprogramme basieren zumeist auf den Ansätzen und Inhalten der kognitiven Verhaltenstherapie. 

Welche Inhalte kann eine Onlinepsychotherapie haben? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In der Regel besteht ein Onlineprogramm zur kognitiven Verhaltenstherapie aus verschiedenen Lerneinheiten (Modulen). Darin werden Nutzer und Nutzerinnen unter anderem über die Panikstörung und Agoraphobie aufgeklärt. Welche Beschwerden können zum Beispiel auftreten? Welche Faktoren können zur Entstehung beigetragen haben? Warum verfestigt sich die Störung oft? Welche Verhaltensmuster können dazu beitragen? Weitere Lerninhalte sind Übungen zum Selbstdurchführen, die erklärt und angeleitet werden. Sie sollen dabei helfen, die Angsterkrankung zu bewältigen. 

Online-Psychotherapieprogramme können reine Selbsthilfeprogramme sein. Das heißt, sie werden ohne Kontakt zu einer Therapeutin oder einem Therapeuten durchgeführt. Im Internet werden verschiedene solcher Selbsthilfeprogramme zur Behandlung von Angststörungen angeboten, etwa von privaten Betreibern, deren Programme man kostenpflichtig nutzen kann. Zu anderen Programmen erhält man nur über einen Arzt, eine Ärztin oder eine Therapeutin, einen Therapeuten Zugang. Dabei kann es sich auch um begleitete Selbsthilfeprogramme handeln. Das heißt, dass Betroffene zum Beispiel per E-Mail oder Telefon mit einem Therapeuten, einer Therapeutin in Kontakt stehen.

Wie wirksam sind Onlinepsychotherapien? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Viele Anbieter von Onlinepsychotherapien geben an, dass wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit des Programms vorliegen. Jedoch werden längst nicht alle Onlinetherapien umfangreich untersucht. Die einzelnen Angebote können sich in ihren Inhalten unterscheiden. Was die besondere Wirksamkeit der einen Onlinetherapie ausmacht, kann in der anderen fehlen. Auch Aussagen darüber, wie wirksam die Onlinetherapie im Vergleich zur persönlichen kognitiven Verhaltenstherapie ist, lassen sich daher nicht für alle Programme treffen. 

Wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse aus Studien liegen für Onlineprogramme zur kognitiven Verhaltenstherapie bei der Panikstörung vor. Dabei hatten Betroffene über E-Mail oder Telefon Kontakt zu einer Therapeutin, einem Therapeuten und wurden zur Onlinepsychotherapie angeleitet.

Unabhängig von den beschriebenen Selbsthilfe-Onlineprogrammen bieten einige Therapeuten und Therapeutinnen ihren Patientinnen und Patienten aber auch die Möglichkeit an, im Rahmen einer persönlichen psychotherapeutischen Behandlung Onlinesprechstunden durchzuführen, anstatt in die Praxis zu kommen. Der Therapeut, die Therapeutin ist dabei direkt („Face-to-Face“) zugeschaltet. Die Wirksamkeit dieser Angebote wurde hier nicht untersucht.

Welche Rolle spielen Apps? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Neben Online-Psychotherapieprogrammen werden eine Reihe von Apps angeboten, die Hilfe bei einer Angsterkrankung versprechen. Apps sind Anwendungen zum Herunterladen auf das Smartphone oder das Tablet. Sie können beispielsweise Inhalte wie beruhigende Musik, Informationen zu Panik und Angst, Entspannungsanleitungen oder Übungen zur Konfrontation mit Angstsituationen enthalten. Die wissenschaftliche Erforschung des Nutzens und Schadens von Apps bei Angststörungen hat jedoch gerade erst begonnen. Verlässliche Aussagen dazu lassen sich daher noch nicht treffen. 

Behandlung mit Medikamenten

Welche Medikamente kommen in Betracht? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Angststörungen, wie die Agoraphobie und die Panikstörung, können auch mit Medikamenten behandelt werden. Grundsätzlich kommen bei einer Agoraphobie und/oder Panikstörung zwei Gruppen von Medikamenten in Betracht: Antidepressiva und in seltenen Ausnahmefällen Benzodiazepine.

Antidepressiva zur längerfristigen Behandlung Benzodiazepine nur in Ausnahmefällen

Welche Antidepressiva können eingesetzt werden? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Zur Behandlung von Angststörungen wie der Panikstörung oder Agoraphobie können unterschiedliche Antidepressiva eingesetzt werden: 

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
  • Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)
  • Trizyklische Antidepressiva (TZA)
Kurz erklärt: Wie wirken die verschiedenen Antidepressiva?

Was sind Antidepressiva? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

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Was ist bei der Einnahme von Antidepressiva zu beachten? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Bei der Einnahme von Antidepressiva sind verschiedene Aspekte zu beachten. Diese können Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin besprechen:

Nebenwirkungen Wechselwirkungen Absetzphänomene Rückfallphänome Umstände, die gegen die Einnahme sprechen
Quellen Hinweis: Diese Gesundheitsinformationen können das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin nicht ersetzen. Interessenkonflikte