Behandlung

Was sind die Therapieziele bei Vorhofflimmern? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Nur bei einigen wenigen Patientinnen und Patienten kann die Ursache für das Vorhofflimmern behandelt und beseitigt werden. Bei den meisten tritt das Vorhofflimmern als Begleiterscheinung einer anderen Herzerkrankung auf, die nicht mehr komplett heilbar ist. Bei diesen Patienten und Patientinnen verfolgt die Therapie zwei Ziele: 

  • die Beschwerden des Vorhofflimmerns zu beseitigen oder zu verringern
  • und einen Schlaganfall zu verhindern. 

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Wie kann Vorhofflimmern behandelt werden? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Ursachen behandeln
Bei einigen wenigen Patientinnen und Patienten kann man das Vorhofflimmern dadurch beseitigen, dass man die auslösende Ursache behandelt oder abstellt. Das kann man zum Beispiel bei den folgenden Ursachen versuchen:

  • bei Schilddrüsen-Erkrankungen,
  • bei manchen Herzklappenfehlern,
  • wenn das Vorhofflimmern als Nebenwirkung von Medikamenten auftritt (zum Beispiel bei Medikamenten zur Erweiterung der Atemwege, bei einigen Medikamenten gegen Krebs und gegen Krampfanfälle, bei einigen Herzmedikamenten und bei Medikamenten zur Steigerung der Potenz).

Beschwerden behandeln
Zumeist ist eine ursächliche Behandlung des Vorhofflimmerns nicht möglich. Um die Beschwerden des Vorhofflimmerns zu beseitigen, kommen dann grundsätzlich zwei Therapieansätze in Betracht: die Rhythmuskontrolle und die Frequenzkontrolle

  • Die Rhythmuskontrolle versucht, das Vorhofflimmern zu durchbrechen und einen gleichmäßigen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherzustellen.
  • Die Frequenzkontrolle beeinflusst ausschließlich die Geschwindigkeit (Frequenz) des Herzschlages. Der zu schnelle oder zu langsame Herzschlag soll auf eine normale Geschwindigkeit eingestellt werden. 

Studien haben gezeigt, dass die Erfolge beider Therapieansätze im Hinblick auf die Lebenserwartung und die Schlaganfallgefahr vergleichbar sind. Bei Patienten und Patientinnen, die stark unter den Symptomen des Vorhofflimmerns leiden, wird eher versucht, eine Rhythmuskontrolle zu erreichen. Eine Rhythmuskontrolle eignet sich vorwiegend für Patientinnen und Patienten, deren Vorhofflimmern noch nicht allzu lange besteht, phasenweise verläuft und die keine schweren Herzschäden haben.

Wie sich eine zu hohe Herzfrequenz oder Herzrhythmusstörungen im Vergleich zu einem gesunden Herzen zeigen können, sehen Sie in der Animation. Klicken Sie dazu bitte auf die folgende Grafik:

Grafik Herz und EKG-Kurve. Beim Klick öffnet sich eine Animation verschiedener Herzkurven

Herz-Rhythmuskontrolle

Was ist das Ziel der Rhythmuskontrolle? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Menschen mit Vorhofflimmern haben einen unregelmäßigen Herzschlag (absolute Arrhythmie). Häufig schlägt das Herz auch zu schnell (Tachyarrhythmie) und seltener auch zu langsam (Bradyarrhythmie). Ziel der Rhythmuskontrolle ist es, einen normalen Herzrhythmus wiederherzustellen. Gelingt dies, schlägt das Herz wieder regelmäßig und in einem normalen Takt. 

Wie kann ein gleichmäßiger Herzrhythmus erreicht werden? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

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Behandlungsmöglichkeiten zur Rhythmuskontrolle: Medikamente, Stromstoß oder OP © Stiftung Gesundheitswissen

Schlägt das Herz unregelmäßig, kann man es mit speziellen Medikamenten (Antiarrhythmika), einem Stromstoß oder einer minimal-invasiven Operation (Vorhofablation) behandeln, um einen gleichmäßigen Herzrhythmus wiederherzustellen. Bringt man den Herzschlag mithilfe von Medikamenten, den sog.  Antiarrhythmika, wieder in Takt, nennt man dies auch medikamentöse Kardioversion. Erfolgt die Behandlung elektrisch, spricht man auch von elektrischer Kardioversion. 

Durch eine Kardioversion versucht man, den natürlichen Schrittmacher des Herzens (Sinusknoten) anzuregen. Die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Therapie ist größer,

  • wenn das Vorhofflimmern noch nicht länger als ein Jahr besteht,
  • wenn die Pumpleistung des Herzens nicht wesentlich eingeschränkt ist und 
  • wenn das Herz keine wesentlichen Erkrankungen (wie Durchblutungsstörungen, Narben oder Muskelverdickung) aufweist.

Hat das Vorhofflimmern vor der Therapie bereits länger als 48 Stunden bestanden, muss man es zunächst mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandeln. Damit möchte man einem Schlaganfall vorbeugen.

Verläuft die Behandlung mit Medikamenten oder mit einem Stromstoß erfolgreich, kann das Herz wieder voll leistungsfähig sein. Verbunden mit diesen Therapien können aber auch Nachteile auftreten – so sind zum Beispiel die Aussichten auf einen anhaltenden Therapieerfolg begrenzt. Bei vielen Patienten und Patientinnen kehrt das Vorhofflimmern langfristig wieder und die Betroffenen müssen dann dauerhaft rhythmuskontrollierende Medikamente einnehmen. 

Alternativ kann in bestimmten Fällen ein gleichmäßiger Herzrhythmus durch eine Operation an der Vorhofmuskulatur des Herzens (Vorhofablation) wiederhergestellt werden. 

Mit welchen Zielen werden Medikamente eingesetzt? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Medikamente zur Kontrolle des Herzrhythmus, sog.  Antiarrhythmika, werden bei den betroffenen Patientinnen und Patienten mit zwei Zielsetzungen eingesetzt:

  • zur Wiederherstellung (Kardioversion) und  
  • zur Aufrechterhaltung eines normalen, gleichmäßigen Herzrhythmus, den man auch Sinusrhythmus nennt.

Einige Antiarrhythmika, z. B. die Betablocker, werden zusätzlich auch zur Kontrolle der Herzfrequenz verabreicht.

Welche Medikamente kommen infrage? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Welches Medikament (Antiarrhythmikum) zur Kontrolle des Herzrhythmus eingesetzt werden sollte, hängt vom Therapieziel und von anderen Erkrankungen und Medikamenten des Patienten oder der Patientin ab.

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird mit Ihnen gemeinsam die Vor- und Nachteile einer Therapie mit Antiarrhythmika und der verschiedenen möglichen Medikamente abwägen. Dabei erfahren Sie auch alles Notwendige zu den möglichen Nebenwirkungen. Eine Nebenwirkung von rhythmuskontrollierenden Medikamenten kann beispielsweise sein, dass sie ihrerseits Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) auslösen.

Wann kann eine elektrische Behandlung angezeigt sein? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Die Therapie mit einem schwachen Stromstoß (elektrische Kardioversion) kommt für Patienten und Patientinnen infrage, bei denen eine Therapie mit Medikamenten nicht gelungen ist. Außerdem führt man die Stromstoß-Therapie auch bei Patienten durch, bei denen das Herz zu versagen droht. Für die Therapie mit einem Stromstoß wird der Patient oder die Patientin in einen kurzen künstlichen Tiefschlaf versetzt (Kurznarkose).

Operation: Was ist eine Vorhofablation? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Man kann den gleichmäßigen Herzrhythmus auch über eine andere Methode wiederherstellen. Diese Methode heißt Vorhofablation. Eine Vorhofablation kommt üblicherweise nur infrage, wenn trotz medikamentöser Therapie Beschwerden bestehen, die den Alltag (stark) beeinträchtigen. 

Darstellung des Herzens mit Beschriftung der Lungenvenen und des Linken Vorhofs. Beim Klick auf das Bild vergrößert sich die Ansicht. im Dialogfenster öffnen
© Stiftung Gesundheitswissen

Wird die Vorhofablation in einer minimal-invasiven Operation über einen Katheter durchgeführt, spricht man auch von einer Katheterablation. Bei diesem Verfahren der Vorhofablation werden reizleitende Strukturen der Vorhofmuskulatur punktförmig verödet. Dies geschieht durch den gezielten Einsatz von Hitze (mittels Hochfrequenzstromablation oder auch Radiofrequenzablation) oder Kälte (Kryoablation). Die beiden Verfahren – Kälte oder Wärme – gelten als gleichwertig. Bei einer Vorhofablation verödet man reizleitende Strukturen am Übergang von den Lungenvenen zum linken Vorhof. Das verödete Gewebe stirbt ab. Diese abgestorbenen Gewebepunkte (Nekrosen) sollen die Weiterleitung der Flimmerwellen verhindern. 

Bei Patienten oder Patientinnen, bei denen aus anderen Gründen eine Herzoperation geplant ist, kann die Vorhofablation auch im Rahmen dieser Operation am offenen Herzen erfolgen.

Wie läuft die Katheterablation ab? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Eine Vorhofablation über einen Katheter, auch Katheterablation, wird von einem spezialisierten Arzt oder einer Ärztin in einer Klinik durchgeführt. Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv, es ist also keine große chirurgische Operation notwendig. Über einen kleinen Schnitt, meist in der Leistengegend, führt der Herzchirurg über die Leistenvene einen dünnen Schlauch (Katheter) in den linken Herz-Vorhof ein und vernarbt dort einen Teil des Gewebes mittels Hitze oder Kälte, so dass es anschließend keine elektrischen Reize mehr weiterleiten kann. Währenddessen ruht der Patient, die Patientin, eine Vollnarkose ist in der Regel nicht notwendig. Um zu verhindern, dass sich an der Katheterspitze ein Blutgerinnsel bildet, das mit dem Blutstrom ins Gehirn wandern und so einen Schlaganfall auslösen kann, wird während des Eingriffs ein blutgerinnungshemmendes Mittel (Heparin) verabreicht. 

Nach einer Katheterablation sind etwa zwölf Stunden Bettruhe erforderlich, oftmals kann die Patientin, der Patient, die Klinik bereits am Folgetag verlassen. Patienten und Patientinnen sollen sich anschließend etwa zehn Tage schonen, damit es am Ort der Kathetereinführung nicht zu Blutungen oder Entzündungen kommt. Eine Antikoagulationstherapie, also eine Therapie mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten, wird noch mindestens drei Monate fortgesetzt werden.

Faktencheck: Katheterablation oder Medikamente?

In Studien wurde der mögliche Nutzen und Schaden der Vorhofablation für verschiedene Formen des Vorhofflimmerns im Vergleich zur Behandlung mit Medikamenten, den sogenannten Antiarrhythmika, untersucht: 

Anfallsartiges Vorhofflimmern – Vorhofablation oder Medikamente als Ersttherapie

Die Ergebnisse aus den Studien deuten darauf hin, dass für die untersuchte Patientengruppe die Vorhofablation einen größeren Vorteil haben könnte als die medikamentöse Therapie mit Antiarrhythmika, aber auch mehr Komplikationen verursachen kann.

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Anfallsartiges Vorhofflimmern – Vorhofablation nach medikamentöser Ersttherapie 

Die Ergebnisse lassen zum aktuellen Zeitpunkt keine zuverlässigen Aussagen zum Nutzen und Schaden der Vorhofablation gegenüber der Therapie mit Antiarrhythmika zu. Es liegen nur wenige Studien für diese Patientengruppe vor, die darüber hinaus Schwächen in der Durchführung haben.

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Herz-Frequenzkontrolle

Was ist das Ziel einer Frequenzkontrolle? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Die Frequenzkontrolle kümmert sich nur um die Geschwindigkeit (Frequenz) des Herzschlages. Der zu schnelle oder zu langsame Herzschlag soll auf eine normale Geschwindigkeit eingestellt werden und man versucht nicht, den gleichmäßigen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherzustellen. Das Herz soll möglichst normal schnell schlagen – 60 bis 80 Schläge in der Minute bei Erwachsenen in körperlicher Ruhe.

Wie behandelt man einen zu schnellen Herzschlag? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Man kann einen zu schnellen, unregelmäßigen Herzschlag (Tachyarrhythmie) mit Medikamenten langsamer machen (zum Beispiel mit Betablockern).

Abbildung des AV-Knotens am Herzen. Beim Klick vergrößert sich die Ansicht. im Dialogfenster öffnen
AV-Knoten © Stiftung Gesundheitswissen

Wenn in seltenen Fällen ein zu schneller Herzschlag nicht durch Medikamente normalisiert werden kann, ist die Verödung am sogenannten Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) eine weitere Therapieoption. Diese Behandlung heißt auch AV-Knotenablation. Der AV-Knoten stellt die elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Kammern dar. Ziel der AV-Knotenablation ist es, die zu hohe Herzfrequenz zu senken. Dazu werden bestimmte Bereiche dieser elektrischen Leitungsbahnen verödet. Ähnlich wie bei der Vorhofablation wird die AV-Knotenablation zum Beispiel über einen dünnen Schlauch (Katheter) durchgeführt. 

Wie wird ein zu langsamer Herzschlag behandelt? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Bei Patienten mit Vorhofflimmern, bei denen der Herzschlag zu langsam ist (Bradykardie), kann ein Herzschrittmacher angezeigt sein. Herzschrittmacher geben elektrische Stromstöße an den Herzmuskel ab. Ein genauer Grenzwert, ab dem ein Herzschrittmacher eingesetzt wird, lässt sich nicht festlegen. Dies hängt von den Beschwerden des Patienten oder der Patientin ab. Es ist von Patient zu Patient unterschiedlich, ab wann eine zu langsame Herzschlag-Geschwindigkeit Beschwerden wie Schwindel und Ohnmachtsanfälle bereitet.

Quellen Hinweis: Die Gesundheitsinformationen können das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin nicht ersetzen.