Berlin, 18. Oktober 2019 – Knapp 8 Minuten - so lange dauert im Durchschnitt in Deutschland ein Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin. Patienten haben also meist nur wenig Zeit, um über die Dinge zu sprechen, die ihnen wichtig sind: über eine Untersuchung, ein Medikament, eine Diagnose, über ihre Ängste und Sorgen. Doch gut vorbereitet haben Sie mehr von dem Gespräch. Und nicht nur Sie. Auch Ihr Arzt oder Ihre Ärztin profitiert davon.

Manchmal wartet man lange auf einen Termin beim Arzt und unter Umständen kann es passieren, dass man dann noch stundenlang im Wartezimmer sitzt. Und wenn man endlich an der Reihe ist, vergeht die Zeit beim Arzt so schnell, dass wichtige Fragen vergessen werden oder man sich nicht getraut hat, Unsicherheiten anzusprechen. Manche gehen dann unzufrieden aus der Sprechstunde. Das lässt sich vermeiden. Mit ein bisschen Vorbereitung helfen Sie sich und Ihrem Arzt. Hier finden Sie einige Tipps, wie das Gespräch mit dem Arzt gelingen kann:

Wie können Sie sich vorbereiten? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

  • Schreiben Sie sich den konkreten Grund des Arzt-Termins auf – das hilft, die eigenen Gedanken zu sortieren. Was sollte Ihr Arzt über Sie wissen? Was möchten Sie auf jeden Fall in diesem Gespräch klären? 
  • Wenn Sie Beschwerden haben und deshalb den Termin vereinbart haben, sollten Sie möglichst genau schildern, welche Beschwerden wann auftreten und wie sie sich äußern. Wichtig ist auch, wie lange die Beschwerden schon andauern und ob sie im Lauf der Zeit stärker geworden sind.
  • Notieren Sie sich, ob Sie an Allergien leiden. Teilen Sie dem Arzt mit, falls Sie eine chronische Krankheit wie Diabetes haben oder bereits bei anderen Ärzten wegen der gleichen oder ähnlichen Beschwerden in Behandlung waren. Auch Krankheitshäufungen in der Familie können eine Rolle spielen.
  • Stellen Sie eine Liste aller Arzneimittel zusammen, die Sie aktuell einnehmen. Dazu gehören auch selbst gekaufte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.

Wichtig könnte für Sie auch eine Antwort auf diese Fragen sein:

  • Wird die vorgeschlagene Therapie von der Krankenkasse übernommen?
  • Ändert sich mein Alltag durch die Diagnose und die empfohlene Therapie?
  • Wie lange wird die Behandlung dauern?
  • Gibt es Heilung oder nur eine Linderung der Beschwerden?
  • Und ganz wichtig: Wie schnell muss ich mich für oder gegen die Behandlung entscheiden?

Trauen Sie sich, solche Fragen zu stellen, auch wenn das Wartezimmer voll ist. Was offen bleibt, kann später oft nur viel aufwändiger geklärt werden. Um Missverständnisse zu vermeiden, können Sie mit eigenen Worten zusammenfassen, was der Arzt Ihnen über eine Diagnose oder Therapieempfehlung gesagt hat, etwa so: „Habe ich das richtig verstanden, dass…?“ 

Wenn der Arzt Ihnen Medikamente verschreibt, ist es wichtig zu wissen, wie lange Sie diese einnehmen müssen und welche Nebenwirkungen auftreten können. Am besten lassen Sie direkt in der Praxis aufschreiben, wann und in welcher Dosierung sie diese einnehmen müssen. Nehmen Sie mehrere Medikamente ein, ist es sinnvoll, die verschiedenen Medikamente und ihre Einnahmezeitpunkte sowie mögliche Wechselwirkungen in einem Medikationsplan übersichtlich schriftlich festzuhalten. 

Persönlichkeit und Lebensumstände bei Therapieentscheidungen berücksichtigen

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie spielen auch immer Ihre Persönlichkeit, Ihre Lebensumstände und Ihre ganz persönlichen Wünsche eine Rolle. Sind Sie ein eher ungeduldiger Mensch? Dann sollten Sie sich vielleicht überlegen, ob Sie eine langwierige Therapie tatsächlich durchhalten werden, oder ob es nicht eine andere, kürzere Behandlungsmöglichkeit gibt. Oder haben Sie vielleicht Familienmitglieder zu versorgen und möchten deshalb Ihre Knieschmerzen lieber zunächst mit Physiotherapie als mit einer Operation behandeln lassen? Scheuen Sie sich nicht davor, Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin ihre ganz persönlichen Beweggründe, Ängste und Wünsche zu erläutern. Er oder sie wird dies sicherlich in der gemeinsamen Therapieplanung berücksichtigen.

Checkliste "Vorbereitung auf das Arztgespräch" zum Ausdrucken, Ausfüllen und Mitnehmen

Wann sollten Sie eine Vertrauensperson mitnehmen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Vier Ohren hören mehr als zwei. Wenn Sie wissen, dass eine wichtige Entscheidung ansteht, etwa für oder gegen eine Operation, dann können Sie eine Person Ihres Vertrauens bitten, Sie zum Arzt-Termin zu begleiten. Zu zweit fällt es leichter, nachzufragen oder sich Informationen zu merken. Die Begleitperson kann zum Beispiel Notizen machen. Natürlich können Sie auch bei „normalen“ Sprechstunden eine Unterstützung mitbringen. Das gilt auch, wenn Sie generell unsicher sind oder körperlich eingeschränkt. Sie können Ihre Begleitung bei der Anmeldung erwähnen oder dem Arzt im Sprechzimmer vorstellen.

Wie ehrlich sollten Sie sein? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Im Idealfall ist Ihr Arzt Ihr Partner für Ihre Gesundheit. Deshalb gibt es keine dummen Fragen. Und deshalb sollten Sie ehrlich sein und auch Dinge ansprechen, die Ihnen vielleicht unangenehm oder peinlich sind. Ärzte sind darin geübt, über solche Themen zu sprechen und zudem immer an die Schweigepflicht gebunden. Sagen Sie offen, wenn Sie Angst vor einer Therapie haben. Wenn Sie Bedenkzeit brauchen oder eine zweite Meinung einholen möchten. Oder wenn es Ihnen schwerfällt, sich an einen Behandlungsplan zu halten. Unterwürfig zu sein hilft nicht weiter, ein aggressives Verhalten jedoch auch nicht. Von einer guten Arzt-Patienten-Kommunikation profitieren am Ende beide Seiten.

Bei Problemen: Patienten haben Rechte Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Ärzte sind gesetzlich dazu verpflichtet, Patienten über alle Risiken und Alternativen aufzuklären. Dabei drücken sie sich nicht immer leicht verständlich aus. Falls ein Arzt Fachbegriffe verwendet, die Sie nicht verstehen, bitten Sie um eine Erklärung. Auf Wunsch dürfen Sie auch Kopien von Ihrer Patientenakte mitnehmen.

Kriterien für eine "gute" Arztpraxis mit ausführlichen Erläuterungen finden Sie in der gemeinsamen Checkliste von Bundesärztekammer, kassenärztlicher Bundesvereinigung und Ärztlichem Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ):

https://www.patienten-information.de/checklisten/arztcheckliste

Quellen Bildnachweis