Berlin, 11.02.2019 - Überfüllte Notaufnahmen, lange Wartezeiten – wer schon einmal ungeplant ins Krankenhaus musste, kennt das. Allerdings ist nicht jeder, der die 112 wählt oder direkt in die Notaufnahme kommt, auch ein Notfall. Die Zahl derer, die gar keine dringende Behandlung brauchen, ist in den letzten Jahren gestiegen. Das liegt auch daran, dass viele gar nicht wissen, an wen sie sich bei medizinischen Beschwerden wenden können. 

Welche Nummer wählt man bei medizinischen Beschwerden? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In welchen Fällen es sich um einen medizinischen Notfall handelt und welche Anlaufstellen sonst zur Verfügung stehen, erfahren Sie in diesem Film.

Wann ins Krankenhaus, wann zum Arzt? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Für einen Laien ist es in manchen Situationen nicht leicht zu unterscheiden, ob es sich um einen wirklichen Notfall handelt oder nicht. Grundsätzlich geht man von einem Notfall aus, wenn Lebensgefahr besteht oder bleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden können. Dazu gehören beispielsweise schwere Unfälle, der Verdacht auf einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, starker Blutverlust und ähnliche Situationen. Dann ist klar: Sofort die 112 wählen oder eine Rettungsstelle aufsuchen.

Ansonsten wendet man sich nach Möglichkeit erst einmal an seine Hausärztin oder den Hausarzt. Wenn man sich unsicher ist, in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen, wo keine Praxis geöffnet hat und der Arztbesuch nicht aufgeschoben werden kann, hilft der Ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen (auch Notdienst oder Notfalldienst genannt). Er ist unter der kostenfreien Nummer 116117 erreichbar. Anrufer werden automatisch an die für den Wohnort zuständige Zentrale weitergeleitet. Das medizinische Fachpersonal des Bereitschaftsdienstes schätzt ein, ob jemand dringend Hilfe braucht, ein Hausbesuch nötig ist oder der Patient eine sogenannte Bereitschaftspraxis aufsuchen sollte. Kann der Arztbesuch nicht bis zum nächsten Werktag warten, behandeln Haus- und Fachärzte auch außerhalb der regulären Sprechzeiten in bundesweit über 600 Bereitschaftsdienstpraxen. Der ärztliche Bereitschaftsdienst versorgt sowohl Kassen- als auch Privatpatienten.

Wie arbeitet der Rettungsdienst? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Ein Notruf über die Nummer 112 wird von geschulten Mitarbeitern, sogenannten Disponenten, entgegengenommen. Sie stellen gezielte Fragen und führen den Anrufer durch das Gespräch. Meist wird zuerst nach dem Notfallort (Wo?) gefragt. Wird das Gespräch unterbrochen, kann so dennoch Hilfe geschickt werden. Dann werden Angaben zum Geschehen (was?), zu den Betroffenen und zum Anrufer (wer? Wie viele?) entgegengenommen und weitere Details geklärt. Der Disponent entscheidet mit Hilfe der Angaben, ob ein Rettungswagen kommen muss und ob außerdem ein Notarzt benötigt wird.

Wenn der Rettungsdienst beim Patienten eintrifft, übernimmt ein Sanitäter oder ein Arzt die Erstversorgung. Anschließend wird der Kranke falls nötig so schnell wie möglich in die Notaufnahme eines Krankenhauses transportiert.

Wie arbeiten Notaufnahmen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In einer Notaufnahme prüfen Fachkräfte in der Regel zunächst anhand sogenannter Vitalzeichen wie Atmung, Puls, Blutdruck, Körpertemperatur sowie anhand von Symptomen und Angaben des Patienten, welche Fälle dringend sind und sofort behandelt werden müssen. Manche Krankenhäuser teilen die Patienten dafür in verschiedene Farbgruppen ein: rot für akut lebensbedrohte Patienten, gelb für schwer verletzte und grün für leicht verletzte. Andere arbeiten mit einem fünfstufigen System mit den Farben rot, orange, gelb, grün und blau, wobei rot eine sofortige Behandlung bedeutet und blau eine nicht dringende Behandlung. Es ist deshalb wichtig, direkt bei der Anmeldung klare Angaben über die gesundheitlichen Beschwerden zu machen.

Ein Arzt begutachtet den Patienten und entscheidet über die weitere Behandlung. Je nach Diagnose wird der Patient an die zuständige Fachabteilung weitergeleitet oder kann mit einer ärztlichen Empfehlung nach Hause entlassen werden.

Bemühungen die Notversorgung weiter zu verbessern Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Seit Jahren gehen immer mehr Patienten mit banalen Alltagsbeschwerden in die überlasteten Rettungsstellen, die den Krankenhäusern angegliedert und für medizinische Notfälle vorgesehen sind. Das kostet Krankenhäusern viel Geld, die Nicht-Notfälle verstopfen die Leitungen des Notfalldienstes 112 und behindern oder verzögern die zeitnahe Behandlung der dringenden Notfälle.

Eine Neuregelung der Notfallversorgung soll hier Abhilfe schaffen. Geplant ist, die ambulante und die stationäre Notfallversorgung zentral „unter einem Dach“ zu organisieren. Über gemeinsame Notfallleitstellen sollen Patienten an die richtige Stelle dirigiert werden, also entweder an ein Krankenhaus oder an den hausärztlichen Bereitschaftsdienst verwiesen werden. Außerdem soll die stationäre Notfallversorgung neu strukturiert werden. Krankenhäuser werden künftig nach Notfallstufen gestaffelt und müssen bestimmte Mindestanforderungen erfüllen.  Dazu hatte der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) Ende 2018 neue Regelungen beschlossen.

Schon jetzt werden alternative Versorgungsmodelle wie beispielsweise Portalpraxen erprobt. Eine Portalpraxis ist eine hausärztliche Bereitschaftspraxis, die in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses oder im Krankenhaus selbst angesiedelt ist. Echte Notfälle landen in der Notaufnahme des Krankenhauses; Patienten, die kein Notfall sind, werden vom Hausarzt in der Portalpraxis behandelt.

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