Berlin, 18.09.2019 - Sie hat ein Fassungsvermögen von ungefähr einem halben bis zu einem dreiviertel Liter. Als Teil eines komplexen Systems hilft sie dabei, dass wir nicht ständig auf die Toilette müssen – die Harnblase. Sie ist ein faszinierendes Organ mit hoher Flexibilität. Wie sie genau funktioniert und welche Prozesse dabei eine Rolle spielen, erfahren Sie hier.

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Flexibles Organ – von ganz klein bis ganz groß 

Kaum ein Organ ist so dehnbar und in seiner Größe so flexibel wie die Harnblase. Das liegt an ihrer besonderen Funktion, denn die Harnblase ist ein Speicherorgan. Sie sammelt Urin, der in den Nieren gebildet wird. Die Harnblase sorgt somit dafür, dass wir nicht ständig Wasserlassen müssen. 

Wenn die Harnblase Urin aufnimmt, dehnen sich ihre Wände. Sie nimmt an Größe zu, die Blasenwand wird dabei dünner und die Wandspannung erhöht sich. 

Ab einem bestimmten Füllstand der Harnblase wird uns bewusst, dass wir auf die Toilette müssen. Wir können die Urinausscheidung dann selbst auslösen. Alle anderen Prozesse, die eine Rolle spielen, bis wir Harndrang verspüren, laufen automatisch ab. Doch was passiert dabei genau?

Blase an Gehirn – Gehirn an Blase: Wichtiges Zusammenspiel 

Spezielle Nervenzellen in der Harnblasenwand nehmen fortlaufend Informationen über den Füllstand der Harnblase auf. Diese Informationen werden über Nervenbahnen an das Rückenmark und Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet. In Gehirn und Rückenmark ansässige Verarbeitungszentren senden wiederum Impulse an die Harnblasenmuskulatur. Je nach Füllstand der Harnblase werden verschiedene Reflexe aktiviert: 

Urinhaltereflex Ausscheidungsreflex (Miktionsreflex) Harnröhren-Harnblasenreflex

Zwei Schließmuskeln verhindern den unkontrollierten Urinverlust  

Die Urinausscheidung erfolgt über die Harnröhre. An der Übergangsstelle von der Harnblase zur Harnröhre verdicken sich die Muskelfasern der Harnblase zum Harnblasenschließmuskel. Er erschlafft automatisch, wenn das Gehirn eine „volle Blase“ meldet. Die Harnröhre wird durch einen zweiten, den sogenannten äußeren Schließmuskel verschlossen. Er wird auch Harnröhrenschließmuskel genannt und lässt sich von uns bewusst kontrollieren. Allerdings geht das nicht von Anfang an. Ungefähr im Alter von zwei Jahren können Kinder diese Fähigkeit erlernen. Sie ermöglicht es uns, den Urin bei Harndrang noch eine Weile zurückzuhalten. Doch das ist auch nicht unendlich lange möglich. Ist die maximale Blasenkapazität erreicht, wird der Harndrang schmerzhaft. Auch die besttrainierte Harnblase hält den Urin dann nicht mehr. 

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