Berlin, 26.08.2020 – Macht Spinat wirklich stark? Erhöhen zu viele Eier tatsächlich den Cholesterinspiegel? Macht Schokolade nun glücklich oder nicht? Wer nach Informationen zu Ernährung sucht, stößt auf eine Vielzahl an Mythen. Welche davon stimmen und welche nicht, zeigt in manchen Fällen ein Blick auf die Studienlage. Was ist wissenschaftlich dran an den Gesundheitsmythen zum Thema Ernährung? Wir fassen zusammen, was Studien zu den gängigen Mythen sagen.

Niemand anderes als Popeye der Seemann steht für diesen Mythos: Wer Spinat isst, steigert seine Muskelkraft. Seit Generationen wird diese Weisheit am Esstisch weitergegeben, damit die Kleinen ihren Teller aufessen. Aber stimmt das wirklich?

Macht Spinat stark? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Das sagen Studien: In einer Studie mit 60 Teilnehmern haben Ernährungswissenschaftler der Freien Universität Berlin das im Spinat enthaltene pflanzliche Steroid „Ecdysteron“ an junge Männer verabreicht und daraufhin die körperliche Leistungsfähigkeit über einen langen Zeitraum gemessen. Das Ergebnis: Bei den Teilnehmern, die das „Ecdysteron“ verabreicht bekommen haben, hat die Muskelmasse spürbar zugenommen. Mittlerweile wird sogar diskutiert, das Steroid als Dopingmittel im Sport zu verbieten.

Wer seine Muskelkraft mithilfe von Spinat steigern möchte, müsste allerdings zwei bis acht Kilogramm täglich essen, um einen spürbaren Effekt zu erzielen. Die geringste Dosis, die eine Probandengruppe während der Studie zu sich nahm und einen Effekt zeigte, entsprach umgerechnet bis zu vier Kilogramm Spinat pro Tag. Bei so einer Dosis vergeht wohl auch dem größten Spinat-Liebhaber der Appetit. 

Steigern Karotten die Sehkraft? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Karotten stärken die Sehkraft? Beim Klick auf das Bild vergrößert sich die Ansicht. im Dialogfenster öffnen

Wenn wir viele Karotten essen, verbessern wir unsere Sehkraft. Diese Behauptung hat keinen ernährungswissenschaftlichen Hintergrund, sondern stammt aus dem Zweiten Weltkrieg. Aber was sagen die Studien dazu?

Als die Piloten der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg erstmals feindliche Flugzeuge mit einem Radar entdeckten, war man bemüht, diese neue Technologie für sich zu behalten. Um die neuen Erfolge der britischen Flieger zu erklären, behauptete die Militärführung, die Piloten hätten besonders viele Karotten gegessen, wodurch sie nachts besonders gut sehen konnten. Seitdem hält sich der Glaube an der sehkräftigenden Karotte.

Diesem Mythos sind Wissenschaftler der University of California nachgegangen und haben herausgefunden, dass das in Karotten enthaltene Vitamin A zwar gesund ist für das menschliche Auge, die Sehkraft aber nicht verbessert. Unsere Ernährung ist bereits reich an Vitamin A. Ein Überschuss wird von unserem Körper sogar reguliert, um zu verhindern, dass sich schädliche Konzentrationen der Substanz anreichern.

Einen Einfluss auf die Sehkraft durch Vitamin A gibt es dann, wenn ein Mangel etwa durch schlechte Ernährung oder Alkoholismus vorliegt. Dann kann sich die Sehkraft zwar verschlechtern, allerdings durch die Zugabe von Vitamin A verbessern. In einigen Ländern der Dritten Welt lässt sich diese Entwicklung in Teilen der Bevölkerung beobachten.

Erhöhen zu viele Eier den Cholesterinspiegel? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Ob Rührei, Spiegelei, Omelett oder Osterei - Eier schmecken in allen Varianten. Aber der Mythos sagt, ein zu großer Ei-Konsum erhöhe auch den Cholesterinspiegel, was ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen kann. Was sagen die Studien zum Ei-Mythos?

Das in den Eiern enthaltene Cholesterin kann unseren Cholesterinspiegel tatsächlich erhöhen. Die zusammengefassten Ergebnisse bisher durchgeführter Studien zeigen aber nicht, dass Eier per se ungesund sind. Sie deuten eher darauf hin, dass der Verzehr von bis zu fünf Eiern pro Woche bei gesunden Menschen die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht begünstigt. In Maßen ist der Verzehr also unbedenklich.

Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen hingegen wird von Ärztinnen und Ärzten sowie von medizinischen Organisationen empfohlen, ihren Eier-Konsum einzuschränken.

Hilft Hühnersuppe bei Erkältungen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Hühnersuppe bei Erkältungen? Beim Klick auf das Bild öffnet sich eine vergrößerte Ansicht. im Dialogfenster öffnen

Großmutters Patentrezept gegen Erkältung schlechthin: Hühnersuppe. Den darin enthaltenen Bestandteilen wird seit Generationen eine heilsame Wirkung nachgesagt.

Inwieweit Hühnersuppe einen Effekt hat, wurde bisher nur im Labor, aber nicht am Menschen getestet. Die Ergebnisse dieser Laboruntersuchungen liefern zwar Anhaltspunkte für eine antientzündliche Wirkung, Belege für die Wirksamkeit der Suppe beim Menschen gibt es jedoch nicht, da Studien über eine solche Wirksamkeit am Menschen bisher fehlen. Daher kann man nicht beurteilen, ob Hühnersuppe bei einer Erkältung hilfreich ist. 

Ernährungswissenschaftler geben zu bedenken, dass man kaum herausbekommen kann, welche Wirkung eine Hühnersuppe auf unsere Immunabwehr haben kann, weil sie aus einer äußerst heterogenen Mischung aus verschiedenen Gemüsesorten, Fett und Hühnerfleisch besteht. Diese Nahrungsmittel sind einfach zu vielfältig, als dass sich alle ihre möglichen Effekte in einer Studie einfangen ließen.

Was die Suppe in jedem Fall ist: Sie ist heiß! Wärme sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße weiten und das Gewebe besser durchblutet wird. Deshalb wird Hühnersuppe bei einem grippalen Infekt oftmals als wohltuend empfunden. Darüber hinaus können warme Flüssigkeiten bewirken, dass Sekrete gelockert werden und somit besser abfließen können. Außerdem liefert die Suppe – je nach Zubereitungsart – wichtige Nährstoffe für den angeschlagenen Körper und dringend nötige Energie, damit Verschnupfte rasch wieder auf die Beine kommen.

Macht Schokolade glücklich? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Manchmal reicht ein Stückchen Schokolade, um glücklich zu sein - sagt man. Aber was ist dran am Mythos vom süßen Glücklichmacher? Was sagen die Studien dazu?

Schokolade kann kurzfristig für gute Laune sorgen. Das zeigt eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit, in der britische Psychologen und australische Forscher Studien über die Wirkung von Schokolade auf die Psyche zusammengefasst haben. Der Großteil der Studien darin zeigte eine stimmungsverbessernde Wirkung. Das liegt aber kaum an den stimmungsaufhellenden Stoffen in der Kakaobohne. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Schokolade vor allem durch den enthaltenen Zucker und unsere Erwartungshaltungen zum Glücklichmacher wird.

Allerdings gilt zu beachten: Da es insgesamt nur wenige Studien mit nur geringen Teilnehmerzahlen gibt, die zudem auch methodische Mängel aufweisen, ist die Aussage über die stimmungsaufhellende Wirkung von Schokolade leider nur schlecht abgesichert. Zudem ist ungeklärt, ob Schokolade glücklicher macht als andere Süßigkeiten. Dafür müssten weitere Studien durchgeführt werden, für die sich sicher ausreichend Teilnehmer finden lassen.

Low fat oder low carb? Was hilft beim Abnehmen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Fett weg, lautete bis dato die Devise für diejenigen, die abnehmen möchten. Doch geht das auch mit Verzicht auf Kohlenhydrate? Dieser Debatte könnte eine randomisierte Studie ein Ende setzen. Was sagt sie aus?

Verzicht auf Kohlenhydrate hilft beim Abnehmen? Nein, denn auch wer auf eine fetthaltige Ernährung verzichtet, wird schlanker. Laut einer randomisierten Studie sind die Erfolgsaussichten beider Diäten identisch. In der Studie wurden übergewichtige bzw. adipöse Teilnehmerinnen und Teilnehmer in eine Low-Fat- und in eine Low-Carb-Gruppe eingeteilt. Das Ergebnis: Das Ausmaß der Gewichtsreduktion war in beiden Diät-Gruppen gleich hoch.

Hilft Honig bei akutem Husten? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Honig gilt als altbewährtes Mittel gegen Husten. Seit Generationen wird ihm eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Was sagen die Studien dazu?

Zunächst einmal wird die Zugabe von Honig bei vielen Menschen mit Erkältung als wohltuend empfunden, weil er sich über die strapazierten Schleimhäute im Hals legt. Die wissenschaftlichen Ergebnisse einer systematischen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 weisen zudem darauf hin, dass Honig bei akutem Husten hilfreich sein kann: Die Wissenschaftler hatten 14 Studien analysiert, die die Wirkung von Honig, Placebos und Standardmedikamenten (u. a. Hustenlöser und -stiller) bei Husten und Erkältungen untersucht hatten. Sie kamen zu dem Schluss, dass Honig besser wirkte als die Standardbehandlung – vor allem was die Stärke und Frequenz des Hustens betrifft. Dies bestätigt die Ergebnisse einer früheren Übersichtsarbeit, die dem Honig eine lindernde Wirkung bei Kindern mit akutem Husten bescheinigte.

Ernste Nebenwirkungen, die auf Honig zurückzuführen waren, konnten nicht festgestellt werden. Aber: Die Qualität der Wirksamkeitsnachweise war insgesamt niedrig bis moderat. Wie viel Honig eingenommen werden muss, um eine Wirkung zu erzielen und welche Sorte zu bevorzugen ist, lässt sich aus den Übersichtsarbeiten ebenfalls nicht zuverlässig und allgemeingültig ableiten.

Achtung: Kinder unter einem Jahr dürfen keinen Honig zu sich nehmen. Denn Honig kann Bakterien enthalten, die schlimmstenfalls mit Lähmungen verbundene Vergiftungserscheinungen auslösen können. Außerdem sollte auf gute Zahnhygiene geachtet werden: Denn gut für die Zähne ist der in Honig reichlich enthaltende Zucker natürlich nicht.

Helfen Katermittel nach dem Rausch? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Katermittel nach dem Rausch? Beim Klick auf das Bild öffnet sich eine vergrößerte Ansicht. im Dialogfenster öffnen

Der Kopf schmerzt, der Magen ist flau und der Kreislauf fährt Achterbahn. Nach dem Rausch kommt oftmals der Kater und von Zitronensaft trinken bis Matjes essen gibt es viele Mittel dagegen. Aber welche helfen wirklich? Was sagen die Studien?

Zu viel Alkohol überlastet die Leber und entzieht dem Körper Wasser und Mineralstoffe. Die Auswirkungen davon nennt man im Volksmund „Kater“. Welche Mittel präventiv oder im Nachhinein helfen können, sollte in einer systematischen Übersichtsarbeit herausgefunden werden. Dafür wurden Forschungsarbeiten aus den Jahren 2009 bis 2016 zum Thema bewertet. Das Ergebnis: Es gibt bislang keinen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit eines Mittels gegen alle Symptome eines Katers.

Aber Achtung: Nur weil es an einer wissenschaftlichen Beweislage zum Thema Katermittel mangelt, heißt das noch lange nicht, dass Gewürzgurken oder Espresso mit Zitrone nicht helfen können. Ziel muss es sein, den Körper beim Abbau des Alkohols zu unterstützen und den Flüssigkeits- und Mineralhaushalt wieder zu normalisieren. Von daher spricht nichts gegen Katermittel, die dem Körper guttun und nicht schaden.

Quellen Bildnachweis