Warum Sie vom Shared Decision-Making profitieren

Wie beugen Sie einer Krankheit vor? Wie werden Sie wieder gesund? Und welche Vor- oder Nachteile hat eine bestimmte Therapie? Fragen wie diese besprechen Sie am besten offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Im Idealfall treffen Sie eine gemeinsame Entscheidung – denn sie ist ein wirksames Mittel. 

Berlin, 07.02.2018 - Es ist ein Erfolgsfaktor für den Erhalt der Gesundheit: ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis. Präventionsmöglichkeiten oder Behandlungswege offen zu besprechen und gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt zu entscheiden, ist ein wichtiger Schlüssel. Denn ein Dialog auf Augenhöhe schärft die Erwartungen und steigert die Bereitschaft der Betroffenen – auch, um beispielsweise die Unwägbarkeiten einer Behandlung anzunehmen. 

Gute Entscheidungen brauchen aktive Patienten Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Shared Decision-Making sieht für den Einzelnen eine aktivere Rolle in Entscheidungsprozessen vor. Dabei geht es nicht darum, genauso kompetent zu sein wie die Ärztin oder der Arzt. Vielmehr geht es um eine inhaltliche Augenhöhe, das heißt: Der Patient kennt alle Informationen, die für seine persönliche Entscheidungsfindung wichtig sind – seine Werte, Lebensumstände und Wünsche. Der Arzt ist und bleibt Experte für alle medizinischen Belange. Wichtig dabei ist, dass die entscheidungsrelevanten Informationen auch wirklich ausgetauscht werden. Dazu braucht es noch mehr Patienten, die sich aktiv einbringen und ihre Gedanken, Sorgen, Fragen und Erwartungen offen mitteilen. Denn nur sie wissen, was ihnen wichtig ist.

Shared Decision-Making aus Arzt-Sicht Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Der Arzt ist verpflichtet laienverständlich zu kommunizieren Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Damit eine gemeinsame Entscheidungsfindung funktioniert, müssen sich Experte und Patient in den Dialog einbringen. Das bedeutet für den Arzt: Er erklärt Diagnosen und Krankheitsbilder verständlich und erläutert Vor- und Nachteile einer Untersuchung oder Behandlung. Das ist eine gesetzlich festgeschriebene Pflicht des Arztes, verankert im Patientenrechtegesetz im Bürgerlichen Gesetzbuch. 

Wissenschaftlich belegt: Gemeinsame Entscheidungen wirken Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Dass Shared Decision-Making positive Effekte hat, ist nachgewiesen. Eine Auswertung von 105 Studien zeigte, dass der SDM-Ansatz sein Ziel erreicht. Demnach steigert Shared Decision-Making die Überzeugung der Patienten in ihre eigenen Entscheidungen. Außerdem führt es zu einem Wissensgewinn und zu mehr Teilhabe. Dass eine gute Kommunikation zwischen Patient und Arzt grundsätzlich förderlich ist, unterstreicht zudem eine Metaanalyse auf Basis von 106 Studien. Demnach halten sich Betroffene bei einer vertrauensvollen Kommunikation doppelt so häufig an die Empfehlungen ihres Arztes oder ihrer Ärztin und zeigen eine höhere Therapietreue. Auch treten seltener Komplikationen im Krankheitsverlauf auf, etwa bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus.

Eine Rolle. Vier Charaktere. Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Jeder Mensch ist anders. Das hat auch Auswirkungen darauf, wie man seinem Arzt oder seiner Ärztin gegenüber auftritt. Die Boston Consulting Group hat im Mai 2001 in einer Untersuchung vier Patiententypen identifiziert. Die Rollen können dabei wechseln – je nach Lebenssituation und Schwere der Krankheit. Das hat auch Auswirkungen auf die gemeinsame Entscheidungsfindung.

Der „akzeptierende“ Patient Der „aufgeklärte“ Patient Der „involvierte“ Patient Der „steuernde“ Patient

Mehrheit zieht gemeinsame Entscheidungen vor Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Wollen Patienten überhaupt gemeinsam mit Ihrem Arzt entscheiden? Studien deuten darauf hin. Die Bertelsmann Stiftung hat zwischen den Jahren 2001 und 2012 jährliche Befragungen durchgeführt. Im Durchschnitt aller Untersuchungen zeigt sich: Mehr als jeder Zweite (55 Prozent) wünscht sich eine gemeinsame Entscheidungsfindung. Lediglich 23 Prozent bevorzugen das paternalistische Modell, wonach der Arzt allein entscheidet. Lediglich jeder Fünfte (18 Prozent) favorisiert das autonome Konzept – und entscheidet lieber allein. 

Quellen Fotonachweis