Patientenrechte Teil 3

Berlin, 23.03.2018 - In einer dreiteiligen Serie stellt die Stiftung Gesundheitswissen eine erste Auswahl wichtiger Patientenrechte vor. Im dritten und letzten Teil erfahren Sie mehr zu den Themen Behandlungsfehler, Patientenakte und Patientenquittung. Die Serie entstand in Zusammenarbeit mit Medizinrechtsexperte Dr. Rainer Hess.

Verdacht auf Behandlungsfehler Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Menschen sind fehlbar. Das ist auch im medizinischen Bereich nicht anders. So kann eine Diagnose im Einzelfall fehlerhaft sein, genauso wie eine Behandlung. Ob ein Behandlungsfehler vorliegt oder nicht, ist oft sehr schwierig zu beurteilen. Denn medizinische Sachverhalte und Behandlungen sind sehr komplex und häufig schwer zu verstehen. Sollten Sie einen Behandlungsfehler vermuten, gibt es verschiedene Möglichkeiten vorzugehen.

  • Sind für den Arzt Umstände erkennbar, die die Annahme eines Behandlungsfehlers begründen, hat er den Patienten über diese auf Nachfrage oder zur Abwendung gesundheitlicher Gefahren zu informieren. Vermuten Sie einen Behandlungsfehler, sprechen Sie offen mit der verantwortlichen Ärztin oder dem verantwortlichen Arzt darüber. Unbegründete Zweifel können sich so ausräumen lassen. 
  • Ihre Krankenkasse ist ein wichtiger Ansprechpartner bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler. Sie ist verpflichtet, ihre Mitglieder bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen zu unterstützen. So können Sie beispielsweise kostenlos ein Sachverständigengutachten des Medizinischen Dienstes einholen. Dieser prüft, ob tatsächlich ein Fehler vorliegt. 
  • Hilfe bekommen Sie auch von der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) sowie von Verbraucherzentralen und Selbsthilfeorganisationen. 
  • Die Ärzteschaft selbst hat Einrichtungen gegründet, die Patentinnen und Patienten bei der Klärung eines Behandlungsfehlerverdachts unterstützen. Diese Gutachterkommissionen oder Schlichtungsstellen sind meistens bei der jeweils zuständigen Landesärztekammer oder der Landeszahnärztekammer eingerichtet. 

Sollte sich der Verdacht auf einen Behandlungsfehler erhärten, steht Ihnen der Rechtsweg offen – mit entsprechenden Forderungen auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld. Es gibt speziell ausgebildete Fachanwälte für Medizinrecht oder Juristen mit entsprechendem Themenschwerpunkt, an die Sie sich wenden können. Ist das Verfahren erfolgreich, muss der verurteilte Arzt die Kosten des Verfahrens und auch die Anwaltskosten übernehmen. 

Einsicht in die Patientenakte Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Ärztewissen ist kein Geheimwissen: Alle Informationen, die für Behandlung und Weiterbehandlung relevant sind, müssen in einer Patientenakte festgehalten werden –  zeitnah und vollständig. Ärzte sind verpflichtet, alle medizinischen Aspekte, wie die Krankengeschichte, Diagnosen, Untersuchungen und deren Ergebnisse, medikamentöse Therapien und ihre Wirkungen zu erfassen. Auch Eingriffe, Aufklärungen, Einwilligungen sowie Arztbriefe sind aufzuführen.

Patientinnen und Patienten können ihre Akte jederzeit einsehen. Es gibt jedoch Ausnahmen: Etwa, wenn ein Verdacht auf Suizid besteht. Grundsätzlich muss eine solche Entscheidung aber begründet werden. 

Auf Wunsch muss das Fachpersonal die Unterlagen kopieren oder auf einem Datenträger zur Verfügung stellen. Das kann kostenpflichtig sein. Die Akte muss nach Abschluss der Behandlung zehn Jahre lang aufbewahrt werden. Verstirbt der Patient, haben Angehörige beziehungsweise Erben Einsichtsrecht in die Akte. Ausnahme: Der Verstorbene hat dem ausdrücklich oder mutmaßlich widersprochen.

Die Dokumentation ist sowohl in Papierform als auch in elektronischer Form zulässig. Elektronische Patientenakten müssen mit entsprechender Software vor Manipulation geschützt werden.

Die Patientenquittung Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Anders als Mitglieder einer privaten Krankenversicherung, die die Abrechnungen vom Arzt oder Krankenhaus direkt erhalten, erfahren Mitglieder einer gesetzlichen Krankenkasse nicht automatisch, welche Leistungen der Arzt abrechnet und welche Kosten damit verbunden sind. 

Was viele nicht wissen: Nach § 305 Abs. 2 SGB V können Sie vom Arzt, Zahnarzt oder ihrem Krankenhaus eine Patientenquittung mit Kosten- und Leistungsinformationen in verständlicher Form erhalten. Diese können Sie sich vom behandelnden Arzt entweder direkt im Anschluss an die Behandlung oder nach Ablauf des Abrechnungsquartals ausstellen lassen. Achtung: Dafür fällt eine Aufwandspauschale von 1,- Euro an. Möchten Sie die Patientenquittung per Post zugeschickt bekommen, müssen Sie auch die Versandkosten übernehmen.

Auch die gesetzlichen Krankenkassen erstellen auf Antrag Informationen über die von Ihnen in den letzten 18 Monaten in Anspruch genommenen Leistungen und deren Kosten - nach § 305 Abs. 1 SGB V.

10 wichtige Patientenrechte Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Teil 1 unserer Reihe zu Patientenrechten informiert über die freie Arztwahl, den Facharzttermin und die Patientenverfügung.

Im zweiten Teil unserer Serie stellen wir Ihnen diese Themen vor: Ärztliche Aufklärung, Ablehnung einer Behandlung, Widerspruch gegen Kostenentscheidungen der Krankenkasse und Zweitmeinung.

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