Studiencheck

Wer von Rückenschmerzen betroffen ist, möchte vielleicht zusätzlich zur Standardtherapie (aktiv bleiben, ggf. Schmerzmedikamente nehmen) etwas tun, um die Schmerzen und Beeinträchtigungen zu verbessern. Als eine solche zusätzliche Behandlung kann laut medizinischer Leitlinie u. a. Akupunktur ausprobiert werden. 

Die Akupunktur ist ein Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin bei dem unterschiedlich lange Nadeln an besondere Körperpunkte gesetzt werden. An diesen Punkten lösen sie Reize aus, die die Schmerzen lindern sollen. Welche Mechanismen im Körper die Wirkung genau auslösen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. 

Ist durch Akupunktur eine weitere Verbesserung der Beeinträchtigungen bei Kreuzschmerzen möglich?

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In einer randomisiert-kontrollierten Studie (RCT) wurde Akupunktur als Ergänzung der Standardtherapie bei Menschen mit akuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen untersucht.

Die Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen erhielten entweder

  • Akupunktur an chinesischen Akupunkturpunkten, fünf Mal 20 Minuten innerhalb von 2 Wochen als Ergänzung zur Standardtherapie oder
  • Standardtherapie aus Beibehalten der gewohnten Aktivität und ggf. Schmerzmedikamenten 

In zwei weiteren Gruppen erhielten die Teilnehmer zur Standardtherapie verschiedene Ausführungen einer Scheinakupunktur. Dabei wurden die Nadeln an Punkte gesetzt, die nicht der traditionellen chinesischen Medizin entsprechen oder es gab eine Berührung des Rückens mit einer stumpfen Nadel an diesen Punkten.  

Die Ergebnisse im Einzelnen

Nutzen der Behandlungsmethode Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Haben die Studienteilnehmer mit Akupunktur eine deutliche Verbesserung bemerkt?

Innerhalb von drei Wochen besserten sich bei bei 74 von 100 Personen mit akuten Kreuzschmerzen, die ergänzend Akupunktur erhalten hatten, die Beschwerden. Von den Personen, die die Standardbehandlung erhalten hatten, besserten sich die Beschwerden bei 44 von 100 Personen mit Kreuzschmerzen.

Zum gleichen Zeitpunkt gaben mit Akupunktur 47 von 100 Personen an, dass sie noch Schmerzen im unteren Rücken hatten. Mit der alleinigen Standardtherapie waren es 72 von 100.

Wie viele Personen hatten nach drei Monaten immer noch Kreuzschmerzen?

10-17 von 100 Personen, mit oder ohne ergänzende Akupunktur zur Standardbehandlung, gaben an nach drei Monaten noch Schmerzen im unteren Rücken zu haben.

Bei wie vielen Personen waren die Beschwerden nach drei Monaten deutlich verbessert?

In beiden Gruppen hatten sich bei etwa 95-98 von 100 Personen nach drei Monaten die Beschwerden deutlich gebessert.
 
Bei wie vielen Personen traten die (initialen) Kreuzschmerzen innerhalb von drei Monaten wieder auf?

Unabhängig von der Behandlung traten bei etwa 6-10 von 100 Personen die Beschwerden wieder auf.

Kam es nach bzw. innerhalb von 12 Monaten zu neuen Schmerzepisoden im unteren Rücken?

In beiden Gruppen sind bei etwa der Hälfte der Teilnehmenden neue Kreuzschmerzen aufgetreten. 

Welche Auswirkung hat die Akupunktur auf die Einnahme von Schmerzmedikamenten nach drei Wochen?

Im Vergleich zum Studienstart verbrauchte die Gruppe mit alleiniger Standardtherapie mehr Schmerzmittel. 12 von 100 Personen benötigten mehr Medikamente als zu Studienbeginn im Vergleich zu 2 von 100 Personen mit Akupunktur. 

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Welche unerwünschten Wirkungen traten in den Behandlungsgruppen auf und wie häufig sind sie?

Schwere Nebenwirkungen traten in keiner der Studiengruppen auf. Insgesamt traten bei etwa 4 von 100 Teilnehmern Beschwerden wie Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch auf. Diese wurden auf die Schmerzmedikamente zurückgeführt.
Als eine unerwünschte Folge der Akupunkturbehandlung berichteten etwa 4% der Teilnehmenden, die tatsächlich eine Akupunktur erhalten hatten, dass sich die Schmerzen im Anschluss an die Behandlung verstärkt hatten. 

Wie wurde in der Studie der Nutzen durch die Behandlung (Verbesserung der Beschwerden) gemessen? Einschränkung der Ergebnisse Woher stammen die Informationen? Quellen Interessenkonflikte

Wissenschaftliche Beratung: Dr. med. Dagmar Lühmann, Prof. Dr. med. Martin Scherer
Erstellt im Juli 2020. Nächste geplante Aktualisierung: Juli 2023.