Berlin, 21.02.2020 – Rauchen kann nicht nur Lungenkrebs und Gefäßleiden verursachen, es gehört auch zu den vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Im Vergleich zu manch anderem europäischen Land wird in Deutschland deutlich mehr geraucht. Noch setzt Deutschland nicht alle Instrumente für eine wirksame Tabakkontrolle in vollem Umfang um. Ein Überblick zum Stand der Tabakkontrolle in der Bundesrepublik.

In Deutschland rauchen etwa 28% der Bevölkerung. Zum Vergleich: Unter den Schweden sind es nur 18%. Es ist schwer, die genaue Ursache für die Unterschiede auszumachen. Ein Grund aber könnte die strengere Tabakkontrolle in Schweden sein. 

Unter Tabakkontrolle sind vor allem politische Maßnahmen zu verstehen, die Nichtraucher schützen und den Tabakkonsum verringern sollen. Ein zentrales Anliegen der Tabakkontrolle ist, Jugendliche davon abzuhalten, mit dem Rauchen anzufangen. Das ist besonders wichtig, weil die Tabakindustrie unter anderem durch gezielte Werbung versucht, Jugendliche als Neukonsumenten zu gewinnen. Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt in Deutschland bei knapp 15 Jahren. Bei den 12- bis 17-jährigen ist seit 2001 ein starker Rückgang des Rauchens zu erkennen.

Welche Maßnahmen zur Tabakkontrolle gibt es? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Erhöhung der Preise z.B. durch höhere Steuern Rauchverbote an öffentlichen Plätzen und am Arbeitsplatz Bessere Verbraucherinformationen Verbot von Tabakwerbung Warnungen auf den Zigarettenpackungen Förderung von Rauchentwöhnung

Wie steht es um die Tabakkontrolle in Deutschland? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Deutschland liegt hinsichtlich der Maßnahmen zur Tabakkontrolle im europäischen Vergleich auf dem letzten Platz. In den letzten Jahren hat sich hierzulande wenig verändert. Viele Maßnahmen werden in Deutschland zwar diskutiert, aber noch nicht umgesetzt. Ein prägnantes Beispiel dafür ist die Tabakwerbung. Deutschland ist das einzige europäische Land, in dem Außenwerbung für Tabakprodukte noch erlaubt ist. Aktuell wird über eine Erweiterung des Tabakwerbeverbots diskutiert, unter anderem darüber, ob es auch für E-Zigaretten gelten solle. Etwa 69% der Bürgerinnen und Bürger befürworten ein vollständiges Tabakwerbeverbot. Übrigens: In Hawaii geht die Diskussion viel weiter. Hier wird bereits über ein Verkaufsverbot von Zigaretten diskutiert.

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Ergebnisse der Studie "Tobacco Control Scale" 2020

Die Tabakkontrolle in Deutschland begrenzt sich im Wesentlichen auf folgende Punkte:

  • Preiserhöhung: Von 2011 bis 2015 hat sich der Zigarettenpreis um 12% erhöht. Zum Vergleich: In Großbritannien gab es im gleichen Zeitraum eine Erhöhung von 44%
  • Rauchverbot in gastronomischen Betrieben: In Deutschland wird in jeder dritten Bar geraucht. Lediglich Bayern, Nordrhein-Westfalen und das Saarland haben einen umfassenden Nichtraucherschutz. In allen anderen Bundesländern darf in gastronomischen Betrieben laut Ausnahmeregelungen geraucht werden.
  • Werbeverbot: Trotz Werbeverboten und Beschränkungen in einigen Bereichen ist Tabakwerbung in Deutschland allgegenwärtig. Das Tabakerzeugnisgesetz von 2016 verbietet das Bewerben von Tabak in Print, Radio, Fernsehen und Internet. Darüber hinaus sind grenzübergreifendes Sponsoring von Hörfunk- und Fernsehsendungen sowie irreführende Werbung verboten.
  • Bebilderung auf Zigarettenschachteln: Seit 2016 sind in Deutschland die so genannten Schock- oder Ekelbilder auf Zigarettenschachteln und Tabakverpackungen verpflichtend.

Auch das Verbot von Rauchen im Auto bei Anwesenheit von Kindern und Schwangeren wird bereits seit mehreren Jahren diskutiert, um Kinder und Ungeborene vor Passivrauch zu schützen. In vielen anderen europäischen Ländern wie Finnland, Frankreich, Großbritannien und Italien ist dies bereits gesetzlich geregelt. Etwa 72% der deutschen Bevölkerung sind für ein Rauchverbot im Auto zum Schutz von Kindern.

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Ergebnisse der deutschen Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA) 2018

Wie ist das Rauchverbot in Deutschland geregelt? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In Deutschland regelt das Bundesnichtraucherschutzgesetz (BNichtrSchG) das Rauchverbot in Einrichtungen des Bundes und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem geben jeweils die Länder Gesetze zum Nichtraucherschutz heraus. Hier wird unter anderem das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und in Gaststätten untersagt. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass in einigen Bundesländern Sonderregelungen gelten. So gibt es beispielsweise Ausnahmeregelungen für „getränkegeprägte Einraumgaststätten“. Eine Gaststätte kann demnach als „Rauchergaststätte“ gekennzeichnet werden, wenn die Fläche des Gastraumes weniger als 75 Quadratmeter beträgt, Personen unter 18 Jahren der Zutritt verwehrt ist und keine vor Ort zubereiteten Speisen angeboten werden.
Durch zum Teil großzügige Parteispenden und Sponsoring versucht die Tabakindustrie Einfluss auf die Politik zu nehmen. Dies könnte mit ein Grund sein, weshalb in Deutschland in puncto Tabakkontrolle bislang wenig passiert. Die deutsche Bevölkerung steht Rauchverboten jedenfalls größtenteils positiv gegenüber.

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