Header
Unser Körper

Was tun bei Muskelkater?

Beim Training selbst ging noch alles. Doch am Tag danach sind die Schmerzen da. Muskelkater! Was passiert dabei im Körper und wie wird man die Schmerzen wieder los?

Selbst Leistungssportlerinnen und -sportler bekommen sie manchmal noch zu spüren, wenn sie eine neue Bewegung erlernen: diese fiesen Schmerzen, die für ein paar Tage nach dem Training zum verlässlichen Begleiter werden.

Was ist Muskelkater?

Ein Muskelkater ist vielleicht lästig und tut weh, aber er hinterlässt keine bleibenden Schäden. Nach einer intensiven oder ungewohnten Belastung ist er ein Zeichen dafür, dass die Muskeln überfordert waren. Die Schmerzen beginnen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen und verschwinden in der Regel spätestens nach sieben Tagen von selbst wieder.

Man hat lange Zeit angenommen, dass Muskelkater von einer Überproduktion von Milchsäure im Körper herrühre. Dass die Muskeln „übersäuern“, wurde aber inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Mehrere Studien haben ergeben, dass kleinste Verletzungen in den Muskeln die Ursache für den Muskelkater sind.

Wie entsteht Muskelkater?

Unsere Muskeln bestehen aus Muskelfasern, die sich aus einzelnen Funktionseinheiten zusammensetzen. Man nennt diese Funktionseinheiten des Muskels Sarkomere. Die Sarkomere werden durch Zwischenscheiben, die sogenannten Z-Scheiben, verbunden. Vor allem an diesen Z-Scheiben kann es bei Überlastung zu kleinsten Verletzungen kommen. 

Wenn man beispielsweise den Arm streckt, werden die Muskelfasern im Bizepsmuskel gedehnt. Beugt man den Arm wieder, ziehen sich die Muskelfasern zusammen. Bei zu intensivem Training geschieht es leicht, dass der Muskel im Bereich der Z-Scheiben zu stark belastet wird. Dann können im Muskel Verletzungen entstehen, zum Beispiel kleinste Risse. Die Folge: Die Muskeln schwellen an, werden steif, hart und druckempfindlich. Wir haben Muskelkater.

Wie kann ich Muskelkater vorbeugen?

Ungewohnte Herausforderungen für unsere Muskeln müssen nicht immer zu Schmerzen führen. Mit ein paar Tricks lassen sie sich vermeiden oder zumindest abmildern.

Ein gutes Aufwärmtraining kann Muskelkater vorbeugen. Die Muskeln sind dann weniger steif und damit auch weniger anfällig für Muskelverletzungen. 

Schmerzende Muskeln lassen sich vermeiden, wenn man sie bei einer sportlichen Aktivität keinen zu hohen Belastungen aussetzt. Das Training sollte langsam gesteigert werden, damit sich die Muskeln an die neuen Herausforderungen gewöhnen. 

Es gibt Sportlerinnen und Sportler, die auf ein Bad in unter 15 Grad kaltem Wasser nach dem Training schwören, um den drohenden Muskelkater abzumildern. 2012 sind britische Forscher und Forscherinnen der Frage nachgegangen, ob das kalte Wasser tatsächlich einen vorbeugenden Effekt haben kann. Dazu haben sie sich mehrere Studien angesehen. In insgesamt 17 Studien mit zusammen 366 Teilnehmenden wurde die Kaltwassermethode mit anderen verglichen. Ein eindeutiges Ergebnis ergab sich daraus aber nicht. Es zeigten sich zwar Hinweise darauf, dass kaltes Wasser den Muskelkater abschwächen kann. Die einzelnen Studien aber waren zu unterschiedlich, um eine sichere Aussage treffen zu können.

Ein Muskelkater, der kurze Zeit zurückliegt, hat eine vorbeugende Wirkung für einige Wochen. Es werden dafür mehrere Ursachen vermutet. Man nimmt an, dass sich die Muskeln zum einen an die höhere Belastung gewöhnt haben. Weitere mögliche Ursachen sind, dass die Muskeln die Bewegungsabfolge besser koordinieren können oder dass besonders empfindliches Muskelgewebe zerstört wurde. Der erneute Muskelkater bleibt aber nur aus, wenn exakt die gleiche Muskelgruppe wieder belastet wird. 

Die Wirksamkeit von Massagen oder der Einnahme von Vitamin C oder E ließ sich in Untersuchungen nicht nachweisen. Das Gleiche gilt für Dehnübungen vor dem Sport. 

Wie werde ich den Muskelkater wieder los?

  • Selbst nach den besten Aufwärmübungen kann man Muskelkater bekommen. Sind die Schmerzen einmal da, sollte man sich schonen und hohe Belastungen vorerst vermeiden. 
  • Die Schmerzen kann man vorübergehend durch Dehnübungen abschwächen. Außerdem wird empfohlen, weiter in Bewegung zu bleiben – allerdings nur mit einer leichten Intensität.
  • Auch Wärmebehandlungen werden bei Muskelkater häufig empfohlen. Ein entspannendes Bad oder Wärmekompressen sollen die Durchblutung der Muskeln fördern.

Medikamente mit eindeutiger Wirksamkeit gegen Muskelkater ohne entsprechende Nebenwirkungen gibt es bisher nicht. Grundsätzlich heilt ein Muskelkater schnell ab. Deshalb braucht man normalerweise keine Behandlung, die über eine Umstellung des Trainings oder eine Wärmebehandlung hinausgeht.

Gesünder leben mit Bewegung

Erfahren Sie mehr darüber, wie sich körperliche Aktivität auf Körper und Psyche auswirkt, welche Folgen Bewegungsmangel hat und ob mehr Bewegung Krankheiten verhindern kann.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Böning D. Muskelkater. Dtsch Arztebl 2002;99(6):A372-377 [online]. https://www.aerzteblatt.de/archiv/30395/Muskelkater [06.11.2020].

Bleakley C, McDonough S, Gardner E, Baxter GD, Hopkins JT, Davison GW. Cold‐water immersion (cryotherapy) for preventing and treating muscle soreness after exercise. Cochrane Database Syst Rev 2012(2):CD008262 [online]. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD008262.pub2/full [06.11.2020]

Johansson PH, Lindström L, Sundelin G, Lindström B. The effects of preexercise stretching on muscular soreness, tenderness and force loss following heavy eccentric exercise. Scand J Med Sci Sports 1999;9:219–225. 

McHugh MP. Can exercise-induced muscle damage be avoided? The Western Journal of Medicine 2000;172(4):265–6.

Psychrembel. Muskelkater [online]. 2017. https://www-1pschyrembel-1de-Muskelkater/K0EM3/doc/ [06.11.2020].

Pape H, Kurtz A, Silbernagl S, editors. Physiologie. 9., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019. 

Saxton JM, Donelly AE. Light concentric exercise during recovery from exercise-induced muscle damage. Int J Sports Med 1995;16:347–351.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Erstellt vom Team Stiftung Gesundheitswissen.

Die Stiftung Gesundheitswissen hat das Ziel, verlässliches Gesundheitswissen in der Bevölkerung zu stärken. Die an der Erstellung unserer Angebote beteiligten Personen haben keine Interessenkonflikte, die eine unabhängige und neutrale Informationsvermittlung beeinflussen.

Weitere Hinweise zum Umgang mit Interessenkonflikten finden Sie hier.

Alle unsere Angebote beruhen auf den derzeit besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie stellen keine endgültige Bewertung dar und sind keine Empfehlungen.

Weitere wichtige Hinweise zu unseren Angeboten finden Sie hier.

Erstellt am: 15.12.2021