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Unser Körper

Wie funktioniert die Harnblase?

Sie sammelt den Urin und meldet sich, wenn wir mal "müssen". Die Blase ist eines der dehnbarsten Organe in unserem Körper. Aber wie funktioniert sie? Warum müssen manche Menschen häufiger als andere zur Toilette? Und kann die Blase auch platzen, wenn man den Toilettengang zu lange aufschiebt?

Video: Wie funktioniert die Harnblase?

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Als Harnblase wird das Organ bezeichnet, das den Urin sammelt und dann auf Wunsch abgibt.

Die Harnblase befindet sich im vorderen Bereich des Beckens. Sie ist innen hohl. 

Ihre Wand besteht aus mehreren Muskelschichten. Die Größe der elastischen Harnblase ändert sich, je nachdem, wie viel Urin sie enthält.

Der Urin fließt von den Nieren über die Harnleiter in die Harnblase. Die Harnleiter gleichen einem dünnen Schlauch und sind etwa 30 Zentimeter lang. Damit der Urin nicht unkontrolliert den Körper verlässt, speichert ihn die Harnblase wie ein großes Sammelbecken bis eine gewisse Füllung erreicht ist. Ab etwa 200 Millilitern kann man Druck spüren. Insgesamt kann die Blase ungefähr 600 Milliliter aufnehmen.  
Da der äußere Schließmuskel der Blase von uns gesteuert werden kann, können wir kontrollieren, wann sich unsere Blase entleert. Dazu zieht sich der Blasenmuskel zusammen und die Schließmuskeln am Blasenboden entspannen sich, so dass der Urin über die Harnröhre abfließen kann.

Die Harnröhre ist bei beiden Geschlechtern unterschiedlich lang. Bei Frauen misst sie drei bis vier Zentimeter, bei Männern etwa 20 Zentimeter, da sie durch den Penis verläuft. 

Wissen ist gesund

Welches Fassungsvermögen hat die Blase?

Die Harnblase kann, je nach Größe, 500 bis 700 Milliliter Urin aufnehmen. Meist hat die Blase bei Männern ein größeres Fassungsvermögen als bei Frauen. Wenn sie Urin aufnimmt, dehnt sie sich aus und wird prall und rund. Ab einem Füllstand von etwa 150 bis 250 Millilitern merken wir, dass wir auf die Toilette müssen. Schließmuskeln am Ausgang der Blase verhindern, dass der Urin abläuft. Je voller die Blase wird, desto stärker wird auch der Harndrang. Wenn man auf die Toilette geht, zieht sich die Blase zusammen, damit der Urin abfließen kann.

Woher weiß die Blase, wann sie Urin halten und abgeben soll?

Wenn wir zur Toilette müssen, können wir bewusst Urin abgeben. Drumherum laufen aber noch viele andere Prozesse im Körper ab, von denen wir gar nichts mitbekommen. Sie übermitteln der Blase z. B., dass gerade kein guter Zeitpunkt ist, sich zu entleeren.

In den Wänden der Blase liegen spezielle Nervenzellen. Sie prüfen fortlaufend, wie voll die Blase ist. Diese Informationen werden über Nervenbahnen an das Rückenmark und Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet. Je nach Ergebnis senden die Verarbeitungszentren eine Rückmeldung. Dadurch wird in der Blase einer von drei Reflexen aktiviert:

Urin halten

Wenn sich die Blase nach einem Toilettengang wieder füllt, ziehen sich die Schließmuskeln der Blase zunächst zusammen. Dadurch bleibt der Urin in der Blase.

Urin ausscheiden

Wenn die Blase sich weiter füllt, wird ein spezielles Zentrum im Gehirn aktiviert, das die Schließmuskeln der Blase erschlaffen lässt. Gleichzeitig sendet das Gehirn Signale, dass die Blase voll ist: Wir müssen auf die Toilette. Damit die Blase sich nicht sofort entleert, sorgen übergeordnete Bereiche im Gehirn dafür, dass der Urin zunächst noch gehalten wird.

Harnröhren-Harnblasenreflex

Zum Entleeren der Blase entspannen sich die Schließmuskeln und die Harnröhre dehnt sich aus, sodass der Urin durch die Harnröhre abfließen kann. Zusätzlich ziehen sich die Muskeln in der Blasenwand zusammen und pressen den Urin heraus.

Warum müssen manchen Menschen häufiger als andere?

Wie häufig wir zur Toilette müssen, hängt von vielen Umständen ab. Dazu gehören:

  • Größe der Blase,
  • Stärke der Schließmuskeln,
  • Menge an Flüssigkeit, die man getrunken hat.

Dementsprechend müssen Kinder und ältere Menschen in der Regel häufiger zur Toilette als jüngere Erwachsene und Frauen häufiger als Männer.

Wie oft "auf Toilette gehen" ist normal?

Wenn man ausreichend und nicht mehr als zwei Liter am Tag trinkt, sind etwa zwischen vier und sieben Blasenentleerungen über den Tag und bis zu eine in der Nacht normal. Insgesamt scheidet ein Erwachsener täglich etwa 1,0 bis 1,5 Liter Urin aus.

Was sind Schließmuskeln?

Schließmuskeln verhindern, dass der Urin aus der Blase selbstständig austritt. Einer davon befindet sich an der Stelle, wo die Blase in die Harnröhre übergeht – also am „Abfluss“ der Blase. Dieser Schließmuskel erschlafft, wenn das Gehirn uns eine volle Blase meldet. Doch auch dann verlieren wir noch keinen Urin. Denn ein zweiter Schließmuskel am Ende der Harnröhre verhindert, dass der Urin abläuft. Diesen zweiten Schließmuskel können wir bewusst kontrollieren. Die Fähigkeit dazu entwickeln wir im Laufe des Lebens: Kinder beginnen ab einem Alter von etwa zwei Jahren, ihren Urin zurück zu halten, wenn sie müssen.

Kann die Blase platzen?

Was tun, wenn man dringend muss, aber keine Toilette in der Nähe ist? Kann die Blase auch platzen, wenn man den Urin zu lange hält? Theoretisch kann eine Blase reißen. Das passiert aber eher durch Gewalteinwirkung, z. B. bei einem Autounfall. Eine zu volle Blase würde sich eher von selbst entleeren, ohne dass wir etwas dagegen tun können. Bevor es so weit kommt, macht die Blase sich aber bemerkbar: Der Harndrang wird schmerzhaft.

Wenn ungewollt Urin austritt

Eine gesunde Blase sorgt dafür, dass wir keinen Urin verlieren, wenn wir das nicht möchten. Es gibt aber verschiedene Erkrankungen, die die Funktion der Blase stören können. Wenn ein Mensch nicht kontrollieren kann, wann sich die Blase entleert, spricht man von Harn-Inkontinenz

Erfahren Sie hier mehr über Ursachen, Formen und Behandlungsmöglichkeiten von Harn-Inkontinenz.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

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Aktualisiert am: 14.10.2022