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Nikotinpflaster und Co.: Helfen sie beim Rauchstopp?

Nikotinpflaster oder andere Ersatzprodukte sollen Entzugserscheinungen lindern und so vor allem den Anfang des Rauchstopps erleichtern. Wie gut helfen sie?

Nikotinpflaster: Funktion

Wie funktionieren Nikotinpflaster?

Gerade in den ersten Tagen des Rauchstopps können Entzugserscheinungen auftreten, weil der Körper nach den gewohnten Suchtstoffen aus der Zigarette verlangt. Nikotinpflaster und andere nikotinhaltige Produkte sollen die Entzugserscheinungen und das Verlangen nach Zigaretten lindern.

Bei Nikotinpflaster und anderen Ersatzprodukten gelangt das Nikotin langsamer in den Körper als beim Rauchen. Deshalb ist das Genusserlebnis nicht vergleichbar. Wer stark raucht (ca. eine Packung am Tag) spürt daher auch mit Ersatzprodukten unter Umständen noch das Verlangen nach Zigaretten.

Mit dem Rauchen aufhören: Hier finden Sie Unterstützung

Es gibt viele Möglichkeiten, Ihren Rauchstopp zu unterstützen: von Selbsthilfe über professionelle Beratung bis hin zu Medikamenten. Finden Sie Ihre persönliche Strategie, um mit dem Rauchen aufzuhören.

Nikotinpflaster und andere Ersatzprodukte

Es gibt verschiedene Nikotinersatzprodukte auf dem Markt, dazu zählen Kaugummis, Lutschtabletten, Inhalatoren, Nasenspray und Pflaster. Die Produkte sind jeweils in unterschiedlichen Dosierungen verfügbar – je nachdem, wie stark man geraucht hat. Ihr Arzt, Ihre Ärztin kann Sie bei der Auswahl eines geeigneten Produkts unterstützen.

Nikotinpflaster geben über ihre Klebeschicht Nikotin an die Haut ab. So erzeugen sie über den Tag einen gleichbleibenden Nikotinspiegel, der vor Entzugssymptomen schützen soll. Sie sind geeignet für Raucherinnen und Raucher mit einer mittelstarken bis starken Tabakabhängigkeit. Ein Pflaster hält etwa 16 bis 24 Stunden.

Bei Nikotinkaugummis kommt es darauf an, langsam und vorsichtig zu kauen. So wird das enthaltene Nikotin gleichmäßig freigesetzt. Sobald Sie die Wirkung des Nikotins spüren, können Sie den Kaugummi in der Backentasche lagern und später weiterkauen. Nikotinkaugummis eigenen sich bei geringer oder mittelstarker Abhängigkeit sowie für Gelegenheitsraucher.

Lutschtabletten setzten ihr Nikotin über einen Zeitraum von 20 bis 30 Minuten frei. Sie eignen sich bei mittelstarker bis starker Abhängigkeit und unregelmäßigem Rauchverhalten.

Nikotinhaltige Nasen- oder Mundsprays führen dem Körper mit einem Sprühstoß hohe Mengen an Nikotin zu. Sie eignen sich deshalb besonders für Menschen mit starker Abhängigkeit. Auf dem deutschen Markt sind Nikotin-Nasensprays nicht mehr nicht verfügbar.

Nikotinpflaster: Wirkung

Helfen Nikotinpflaster beim Rauchstopp?

Eine systematische Übersichtsarbeit aus 133 randomisiert-kontrollierten Studien ergab, dass Nikotinpflaster und andere Ersatzprodukte beim Rauchstopp helfen können. In den Studien erhielten Raucher und Raucherinnen entweder ein Ersatzprodukt mit Nikotin oder ein Placebo ohne Nikotin. Zum Ende der Studien (nach 6 bzw. 12 Monaten) waren 16 von 100 Personen, die ein Ersatzprodukt nutzten, noch rauchfrei. In der Placebogruppe waren es nur 11 von 100 Personen. Die Qualität der Übersichtsarbeit und der zugrundeliegenden Studien ist gut, sodass diese Ergebnisse mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zuverlässig sind.

Aus Studien geht auch hervor, dass es sinnvoll sein kann, verschiedene Nikotinersatzprodukte zu kombinieren – zum Beispiel Nikotinpflaster und Nikotinkaugummis. Auch scheint es hilfreich zu sein, die Anwendung schon vor dem Rauchstopp zu beginnen. Nebenwirkungen treten dadurch nicht häufiger auf. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu den Nebenwirkungen ist jedoch gering bis sehr gering, da diese in den Studien nur selten erfasst wurden.

Nikotinpflaster: Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen haben Nikotinpflaster und Co.?

Eine systematische Übersichtsarbeit aus 28 randomisiert-kontrollierten Studien untersuchte mögliche Nebenwirkungen von Nikotinpflastern und anderen Ersatzprodukten. In den Studien berichteten 3 von 100 Personen, die ein Ersatzprodukt nutzten, von Herzklopfen, Brustschmerzen oder ähnlichen Beschwerden. Bei Personen, die ein Placeboprodukt nutzten, war es 1 von 100.

Weitere Nebenwirkungen unterschieden sich je nachdem, welches Produkt verwendet wurde. So führen Nikotinpflaster bei bis zu 54 von 100 Nutzern und Nutzerinnen zu Hautreizungen. Kaugummi, Lutschtablette oder Sprays können dagegen die Mundschleimhaut reizen. In den Studien war dies bei 50 von 100 Personen der Fall.

Andere mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen im Mundraum, saures Aufstoßen oder Erbrechen.

Das Vertrauen in diese Ergebnisse ist mittelhoch. Das liegt vor allem an der durchwachsenen Qualität der zugrundeliegenden Studien.

Nikotinpflaster bekommen

Wo bekomme ich Nikotinpflaster?

Nikotinpflaster, -kaugummis und andere Ersatzprodukte erhalten Sie in der Apotheke. Es gibt sie in verschiedenen Dosierungen und Geschmacksrichtungen.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Hrsg. S3-Leitlinie „Screening, Diagnostik und Behandlung des schädlichen und abhängigen Tabakkonsums“. AWMF-Register Nr. 076-006.

Hartmann-Boyce J, Chepkin SC, Ye W, Bullen C, Lancaster T. Nicotine replacement therapy versus control for smoking cessation. The Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; 5:CD000146. DOI: 10.1002/14651858.CD000146.pub5.

Patel MS, Patel SB, Steinberg MB. Smoking cessation. Ann Intern Med 2021; 174(12):ITC177–ITC192. DOI: 10.7326/AITC202112210.

Sivaramakrishnan G, Alsobaiei M, Sridharan K. Oral side effects of locally delivered nicotine replacement therapy: A meta-analysis of randomized controlled trials. International Journal of Dental Hygiene 2023; 21(1):3–17. DOI: 10.1111/idh.12594.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Anne Engler
Anne Engler

Anne Engler

Referentin Evidenzbasierte Medizin
Anne Engler ist Gesundheitswissenschaftlerin. Für die Stiftung erarbeitet sie mit den Methoden der evidenzbasierten Medizin Inhalte für multimediale Informationsangebote.
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Jannis Krupp
Porträtfoto von Jannis Lippisch

Jannis Krupp

Multimedia-Producer
Jannis Krupp studierte Multimedia Produktion. Für die Gesundheitsinformationen der Stiftung konzipiert er multimediale Formate und steuert deren Umsetzung.
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Lisa-Marie Ströhlein
Lisa-Marie Ströhlein

Lisa-Marie Ströhlein

Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.
Wissenschaftliche Beratung:
Mag. (FH) Christine Loder

Mag. (FH) Christine Loder

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BSc, MSc Cornelia Krenn
Cornelia Krenn, BSc, MSc

BSc, MSc Cornelia Krenn

Frau Cornelia Krenn, BSc, MSc studierte Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Medizinischen Universität Graz. Vor ihrer Anstellung an der Medizinischen Universität Graz war sie mehrere Jahre als Pharmakovigilanz-Managerin in einem österreichischen Pharmaunternehmen tätig. Seit 2017 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich evidenzbasierte Medizin am Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung beschäftigt. Daneben absolviert Frau Krenn aktuell das Doktoratsstudium „Sustainable Health Research“ an der Medizinischen Universität Graz.
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Univ. Ass. Mag. rer. nat. Thomas Semlitsch
Portrait Univ.Ass. Mag.rer.nat. Thomas Semlitsch

Univ. Ass. Mag. rer. nat. Thomas Semlitsch

Mag. rer. nat. Thomas Semlitsch studierte Chemie mit dem Ausbildungsschwerpunkt Biochemie und Zellbiologie der Karl Franzens Universität Graz. Vor seiner Anstellung an der Medizinischen Universität Graz war er mehrere Jahre im Bereich Qualitätsmanagement und als Koordinator klinischer Studien an einer österreichischen Privatklinik tätig und absolvierte 2007 eine Post-Graduate Ausbildung zum Good Laboratory Practice (GLP) -Beauftragten für den Bereich analytisches Labor. Von 2008 bis 2014 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Research Unit „EBM Review Center“ der Medizinischen Universität Graz und von 2011 bis 2014 auch am Institut für Biomedizin und Gesundheitswissenschaften der Joanneum Research Forschungsgesellschaft tätig. Seit 2015 ist er als Univ. Assistent am Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung im Fachbereich Evidenzbasierte Medizin beschäftigt. Herr Semlitsch ist seit 2018 Fachbereichssprecher der Sektion Österreich und somit Mitglied des erweiternden Vorstands des Deutschen Netzwerks Evidenz basierte Medizin (DNEbM).

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Aktualisiert am: 15.04.2026