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Zuviel Diagnostik: Gefahr von Überversorgung

Pressemitteilung 03.07.2019 - 13:57

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© istock.com/ alvarez

Viel hilft viel – das stimmt bei der Behandlung medizinischer Beschwerden nicht immer. Wenn Ärzte mehr machen als nötig, kann das genauso ein Problem sein, als wenn zu wenig unternommen wird.
„Wir müssen das Nötige tun, und alles unterlassen, was nicht nötig ist“, erklärt Prof. Dr. Martin Scherer, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Interview mit der Stiftung Gesundheitswissen.

Aufgrund der wachsenden Zahl zur Verfügung stehender medizinischer Tests und dem steigenden Druck, Krankheiten frühzeitig zu erkennen, wächst auch das Problem der Überdiagnose in der Allgemeinmedizin. Dabei kommt gerade Hausärzten eine Schlüsselrolle in der Vermeidung von Überversorgung zu. Hausärztinnen und Hausärzte haben eine Vermittlerrolle zwischen Patienten und weiteren Spezialisten. Sie haben den ganzen Patienten im Blick und können daher die Bedarfe im Einzelfall am besten einschätzen. Ursachen für Über-, Unter- oder Fehlversorgung sieht Prof. Scherer unter anderem in Fehlanreizen des Systems und der mangelnden Zeit.

Warum Unter- und Überversorgung problematisch sind, welche Rolle Gesundheitskompetenz und hochwertige Gesundheitsinformationen spielen und wie die neue Leitlinie zum Schutz vor Über- und Unterversorgung, die Ende Juni veröffentlicht wurde, Ärzten und Patienten helfen kann, erläutert Prof. Dr. Martin Scherer, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und Vorsitzender des Expertenbeirats der Stiftung Gesundheitswissen im Interview.