Sucht ist eine Erkrankung. Man kann süchtig nach einem bestimmten Stoff sein – zum Beispiel bei Alkohol- oder Drogensucht. Es können aber auch Verhaltensweisen gemeint sein, zum Beispiel Glücksspiel oder eine Online-Sucht.
Süchtig machende Stoffe und Verhaltensweisen lösen Glücksgefühle im Gehirn aus. Mit der Zeit möchte man dieses gute Gefühl immer wieder erleben. Das Verlangen danach wird stärker, bis man es kaum noch kontrollieren kann. Erkrankte fühlen sich getrieben, den Stoff zu konsumieren oder das Verhalten auszuüben, obwohl sie wissen, dass es ihnen schadet.
Ärztinnen und Ärzte verwenden eher den Begriff „Abhängigkeit“ für Suchterkrankungen. Eine Vorstufe von Sucht ist der schädliche Gebrauch – in diesem Stadium zeigen Erkrankte bereits einen problematischen Umgang mit einer Droge oder einem Verhalten.
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Süchte sind an einen bestimmten Stoff oder ein bestimmtes Verhalten gebunden. Bei Abhängigkeit von Drogen, Alkohol, Tabak oder Medikamenten spricht man von einer stoffgebundenen oder substanzgebundenen Sucht. Zu den Verhaltenssüchten zählen beispielsweise Glücksspielsucht oder Internetsucht.
Eine stoffgebundene Sucht liegt vor, wenn jemand wiederholt ein Suchtmittel wie Alkohol, Medikamente oder illegale Drogen konsumiert. Betroffene verspüren ein starkes Verlangen nach der Substanz, welches sie dazu bringt weiterzumachen, obwohl ihre Gesundheit, ihr Alltag oder ihre Beziehungen darunter leiden.
Menschen mit einer Verhaltenssucht führen bestimmte Handlungen über längere Zeit immer wieder aus, obwohl sie wissen, dass es ihnen schadet. Sie verlieren die Kontrolle über das Suchtverhalten. Außerdem verursacht es erhebliche Probleme im Alltag, zum Beispiel in der Arbeit, in der Schule oder in Beziehungen.
Allerdings ist nicht jedes intensive Verhalten automatisch eine Sucht. So sprechen Ärzte und Ärztinnen nicht von einer Abhängigkeit, wenn
Zu den Verhaltenssüchten gehören die Glücksspielstörung und die Computerspielstörung übermäßiges Einkaufen oder intensive Social-Media-Nutzung, aber auch Störungen der Impulskontrolle wie z. B. pathologisches Kaufen oder Stehlen.
In Deutschland ist der Konsum von legalen und illegalen Drogen weit verbreitet. Zudem steigt seit 2017 die Zahl der Todesfälle durch illegale Drogen wie Heroin, Kokain oder synthetische Drogen stetig an.
Verhaltenssüchte treten je nach Altersgruppe unterschiedlich häufig auf. So werden bei Glücksspielstörungen meist Erwachsene und bei der Computerspielstörung eher Jüngere betrachtet:
Eine Sucht bleibt häufig lange unentdeckt. Das liegt daran, dass sie sich oft schleichend entwickelt oder Betroffene sie aus Scham geheim halten.
Die Übergänge vom unproblematischen Konsum zum schädlichen Gebrauch und zur Abhängigkeit sind fließend. In den üblichen Diagnosesystemen gibt es keine festen Grenzwerte für Suchtsymptome, zum Beispiel eine genaue Menge an Alkohol pro Tag, ab der man eindeutig von einer Sucht spricht. Auch körperliche Messwerte spielen in diesen Diagnosesystemen keine Rolle.
Trotzdem gibt es bestimmte Kriterien, mit denen Ärztinnen und Ärzte eine Suchterkrankung feststellen können. In Deutschland orientiert man sich an der weltweiten Klassifikation von Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (ICD).
Für eine stoffgebundene Sucht müssen bestimmte Anzeichen vorliegen:
Entweder: Der Stoff wird über mindestens drei Monate fast täglich konsumiert.
Oder: Mindestens zwei der folgenden Punkte sind über mindestens 12 Monate erfüllt:
Damit eine Verhaltenssucht festgestellt werden kann, müssen bestimmte Anzeichen vorliegen:
Außerdem gilt: Das Verhalten muss für die betroffene Person deutlich belastend sein. Es muss zudem in der Regel mindestens 12 Monate lang bestehen.
Eine Sucht entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich meist schrittweise. Dabei wirken mehrere Einflüsse zusammen:
Bestimmte Stoffe oder Verhaltensweisen aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn. Es werden Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet – man fühlt sich kurzfristig gut, erleichtert oder entspannt. Das Gehirn „merkt“ sich dieses Glücksgefühl. Es motiviert dazu, den Stoff erneut zu konsumieren oder das Verhalten zu wiederholen.
Wird ein Stoff über längere Zeit konsumiert, kann sich eine sogenannte Toleranz entwickeln. Das bedeutet: Der Körper gewöhnt sich an den Stoff und dieser wirkt nicht mehr so stark wie zu Beginn. Um das gewünschte Wohlgefühl zu erreichen, werden größere Mengen benötigt.
Auch bei Verhaltenssüchten gehen Forschende davon aus, dass es ähnliche Gewöhnungseffekte geben kann – zum Beispiel, dass immer mehr Zeit oder intensivere Reize nötig sind, um das gleiche Gefühl zu erreichen. Welche genaue Rolle diese Toleranzentwicklung bei Verhaltenssüchten spielt, wird jedoch weiterhin wissenschaftlich untersucht.
Gleichzeitig verändern sich die Vorgänge im Gehirn, insbesondere im Belohnungssystem. Dadurch verschiebt sich der Antrieb für das Suchtverhalten: Anfangs steht die angenehme Wirkung im Vordergrund („positive Verstärkung“). In späteren Phasen geht es immer weniger darum, sich gut zu fühlen, sondern vielmehr darum, unangenehme Gefühle wie Stress oder innere Unruhe zu vermeiden („negative Verstärkung“).
Mit der Zeit wird es schwieriger, das Verhalten zu steuern. Betroffene verspüren ein starkes Verlangen und sie machen weiter, auch wenn bereits schädliche Folgen aufgetreten sind.
Nicht jeder Mensch, der regelmäßig Alkohol trinkt, Drogen konsumiert oder ein bestimmtes Verhalten häufig ausübt, wird abhängig. Das Risiko, eine Sucht zu entwickeln, ist von Person zu Person unterschiedlich. Es hängt zum Beispiel von der erblichen Veranlagung, den Lebensumständen und den bisherigen Lebenserfahrungen ab. Sucht ist also meist das Ergebnis eines Zusammenspiels verschiedener Einflüsse. Manche erhöhen das Risiko, andere können davor schützen.
Ob jemand eine Sucht entwickelt, wird von der Person selbst, ihrem persönlichen Umfeld und dem Suchtpotenzial der Droge oder des Verhaltens beeinflusst.
Jeder Mensch lebt unter anderen Voraussetzungen. Bestimmte Umstände können jedoch dazu führen, dass jemand eher eine Sucht entwickelt. Die wichtigsten Einflüsse sind:
Die genetische Veranlagung
Die Neigung zu einer Sucht kann vererbt werden. In manchen Familien tritt Abhängigkeit daher gehäuft auf. Kinder von suchtkranken Eltern haben ein höheres Risiko, später selbst abhängig zu werden.
Psychische Erkrankungen oder Belastungen
Die psychische Gesundheit spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Sucht. Menschen mit einer psychischen Erkrankung wie Depression haben ein erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen. Auch starke psychische Belastungen können das Suchtrisiko erhöhen. Wenn Menschen mit stressigen Situationen, unangenehmen Gefühlen oder innerer Anspannung nicht zurechtkommen, versuchen sie manchmal, sich kurzfristig zu entlasten. Das kann durch Alkohol, Drogen oder bestimmte Verhaltensweisen passieren. Wird diese Strategie immer wieder genutzt, kann sich eine Sucht entwickeln.
Körperliche Erkrankungen und Medikamente
Auch körperliche Erkrankungen können den Weg in eine Abhängigkeit ebnen, zum Beispiel durch die Einnahme von Medikamenten bei chronischen Schmerzen oder von Schlaf- und Beruhigungsmitteln.
Einstellung und Erfahrung
Manche Menschen schätzen bestimmte Verhaltensweisen oder Drogenkonsum als harmlos ein – zum Beispiel, weil sie legal sind. Eine solche Einschätzung kann jedoch die Entwicklung einer Sucht begünstigen. Auch frühere Erfahrungen mit Suchtmitteln und Verhaltensweisen können das zukünftige Verhalten beeinflussen. So kann etwa das angenehme Gefühl nach dem Konsum einer Droge dazu führen, dass die Droge erneut eingenommen wird.
Auch das soziale Umfeld kann die Entstehung einer Sucht begünstigen. Beispiele dafür sind:
Erhältlichkeit und Preis: Wenn Alkohol oder Tabak an vielen Verkaufsstellen erhältlich sind und rund um die Uhr angeboten werden, steigt im Durchschnitt auch der Konsum und damit das Risiko für eine Sucht. Ähnliches gilt für Online-Glücksspiele oder soziale Medien, die jederzeit zugänglich sind. Auch der Preis spielt eine Rolle: Günstigere Angebote werden häufiger genutzt, was das Risiko für übermäßigen Konsum erhöhen kann.
Wirkungsweise: Auch die Art und Geschwindigkeit der Wirkung beeinflussen das Suchtpotenzial eines Stoffs oder eines Verhaltens. Besonders riskant sind Stoffe, die schnell ins Gehirn gelangen und dort rasch eine intensive Wirkung auslösen. Zum Beispiel erreichen Nikotin aus Zigaretten und gespritztes Heroin sehr schnell das Gehirn. Dadurch entsteht ein starker, kurzfristiger „Kick“. Solche Stoffe haben deshalb ein höheres Suchtpotenzial.
Gesellschaftliche Akzeptanz: Wenn eine Droge oder ein Verhalten gesellschaftlich akzeptiert sind, sinkt die Hemmschwelle für den Konsum oder die Ausübung. So wird zum Beispiel für Alkohol oder Zigaretten öffentlich geworben.
Der sicherste Weg, um einer Sucht vorzubeugen, ist der vollständige Verzicht auf den Stoff oder das Verhalten. In vielen Fällen ist dies jedoch nicht realistisch. Es gibt jedoch Strategien, mit denen man das Suchtrisiko vermindern kann:
Neben der Hausärztin, dem Hausarzt sind Suchtberatungsstellen wichtige Anlaufstellen für Menschen mit Suchterkrankungen.
Wenn Angehörige und Freunde auffälliges Verhalten beobachten und eine Sucht vermuten, können sie die betroffene Person darauf ansprechen. Dabei ist es wichtig, einfühlsam vorzugehen und keine Vorwürfe zu machen. Auch Angehörige und Freunde von suchtkranken Menschen können Hilfsangebote und Beratung in Anspruch nehmen, die sie im Umgang mit der erkrankten Person unterstützen.
Angebote für suchtkranke Menschen und Angehörige
Persönliche Beratung:
Telefonische Beratung:
Onlineberatung:
Selbsthilfegruppen
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Aktualisiert am: 03.06.2026