Erkrankungen schränken nicht nur unsere Lebensqualität ein: Sie können weitere Krankheiten nach sich ziehen und unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein. Umso wichtiger ist es, Risiken zu minimieren, Krankheiten vorzubeugen bzw. ihre Folgen einzudämmen. Dafür gibt es Prävention. Was man darunter versteht, lesen Sie auf dieser Seite.
Ob Rückenschmerzen oder Lungenkrebs: Beschwerden und Krankheiten lassen sich mit gewisser Wahrscheinlichkeit vermeiden oder hinauszögern – z. B. indem man auf eine gesunde Lebensweise achtet. Auch nach Eintreten einer Krankheit lässt sich oftmals etwas tun. Maßnahmen, die dazu dienen, die Gesundheit zu erhalten oder Krankheiten aufzuhalten, werden unter dem Begriff „Prävention“ zusammengefasst. Prävention beginnt im Kindesalter und zieht sich durch das ganze Leben.
Was ist Prävention?
Wie wertvoll die Gesundheit ist, merkt man immer dann, wenn sie beeinträchtigt ist. Damit es nicht soweit kommt, werden uns heutzutage viele Möglichkeiten der Prävention angeboten. Man sagt dazu auch Vorbeugung und unterscheidet vier verschiedene Arten. Schauen wir mal.
Primär-Prävention soll dafür sorgen, die Gesundheit zu erhalten und Krankheiten zu verhindern, etwa durch Informationen zu gesunder Ernährung oder Schutzimpfungen.
Sekundär-Prävention hat zum Ziel, Krankheiten, die noch keine Beschwerden verursachen, früh genug zu erkennen und zu behandeln, beispielsweise durch Routinekontrollen beim Zahnarzt oder durch Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern.
Die Tertiär-Prävention soll bei bereits festgestellten Krankheiten Verschlimmerungen oder Komplikationen vermeiden, dazu gehören unter anderem die korrekte Einstellung des Blutzuckers bei Diabetes oder die Gewichtsabnahme nach einem Herzinfarkt. Die Gesundheit soll weitest möglich wiederhergestellt werden.
Ob rein vorbeugend oder krank, jeder von uns begibt sich im Laufe seines Lebens in ärztliche Behandlung. Neueste Technik und hochwirksame Arzneien werden es schon richten, denken wir. Doch viel hilft nicht immer viel! Und weniger ist oft mehr. Quartär-Prävention soll hier vor zu viel und unnötiger Behandlung schützen, denn mitunter werden bei Beschwerden Medikamente verschrieben oder Maßnahmen durchgeführt, die nicht erforderlich sind oder sogar schaden können.
Ärzte sind deshalb aufgefordert, Nutzen und Schaden von Maßnahmen mit den Betroffenen zu besprechen. Diesen Dialog können Patienten aktiv mitgestalten. Eine gemeinsame Klärung folgender Fragen kann dabei hilfreich sein: Welche Maßnahmen gibt es? Was sind die Vor- und Nachteile dieser Maßnahmen? Wie wahrscheinlich sind die jeweiligen Vor- oder Nachteile? Was kann ich selbst tun? Und was passiert, wenn ich nichts tue? Mit einer gemeinsamen Entscheidung lässt sich für jede Situation das beste Vorgehen finden.
Mehr zum Thema Prävention, gemeinsame Entscheidungsfindung sowie verlässliche Gesundheitsinformationen finden Sie auf der Internetseite der Stiftung Gesundheitswissen.
Wissen ist gesund.
Experten und Expertinnen teilen die Prävention in drei Arten: die Primär-, Sekundär- und Tertiär-Prävention. Einige fügen noch die Quartär-Prävention hinzu.
Krankheiten verhindern, bevor sie entstehen und Gesundheit erhalten: Dafür steht die Primär-Prävention. Vorsorgemaßnahmen reichen von ausreichend Bewegung über gesunde Ernährung sowie Stressbewältigung bis hin zum Verzicht auf Suchtmittel wie Nikotin. Der Leitgedanke: Je gesünder Menschen ihren Lebensstil gestalten, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit später Krankheiten zu haben.
Ein Beispiel: Wenn man schwere Belastungen der Knie sowie Übergewicht vermeidet und sich regelmäßig und maßvoll körperlich bewegt, kann man Kniearthrose vorbeugen – zumindest zu einem bestimmten Grad. Auch medizinische Vorsorge-Maßnahmen – wie bspw. Schutzimpfungen – gehören zur Primär-Prävention.
Die Sekundär-Prävention umfasst Früherkennungs-Untersuchungen. Dazu zählen zum Beispiel Screening-Programme für Brust- oder Darmkrebs-Früherkennung und die Gesundheitsuntersuchungen für Kinder (U1 – U9). Auch der sogenannte Gesundheits-Check-up für Erwachsene ab 35 Jahren gehört dazu. Dieser soll insbesondere zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Nieren-Erkrankungen dienen. Das Ziel ist, Vorstufen und frühe Stadien einer Krankheit zu erkennen, bevor sie Beschwerden verursacht. Dadurch lässt sich eine frühzeitige Behandlung einleiten, die eine Erkrankung im Idealfall heilen oder negative Folgen abwenden kann.
Ist eine Krankheit ausgebrochen oder leidet man an einer chronischen Erkrankung, ist die Tertiär-Prävention gefragt. Sie soll eine Verschlimmerung, schwerwiegende Komplikationen, Folgeschäden und Rückfälle verhindern bzw. abmildern. Gleichzeitig geht es darum, Körperfunktionen so gut wie möglich zu erhalten. Bei Kniearthrose bedeutet das zum Beispiel: Auch wenn es einen Knorpelschaden gibt, können Betroffene das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen, indem sie Übergewicht verringern und die betroffenen Gelenke schonend bewegen.
Weniger bekannt ist bislang: Menschen können auch „zu viel“ untersucht und therapiert werden. Genau da setzt die Quartär-Prävention an. Manchmal ist es besser, nicht sofort eine Untersuchung durchzuführen oder eine Behandlung zu beginnen, sondern zunächst abzuwarten, ob Beschwerden vielleicht von selbst abklingen.
Ein Beispiel dafür sind meist unnötige Röntgen-Untersuchung als erste Maßnahme bei Rückenschmerzen. Dadurch können Auffälligkeiten festgestellt werden, die mit den Schmerzen gar nichts zu tun haben und dem Patienten möglicherweise nie Beschwerden verursacht hätten. Die mögliche Folge: eine unnötige Behandlung (Übertherapie), durch die möglicherweise Nebenwirkungen auftreten können.
Grundsätzlich gilt: Die verschiedenen Präventions-Arten lassen sich nicht immer strikt voneinander trennen. Die Information über ausreichend Bewegung hat beispielsweise im Rahmen der Primär-Prävention zum Ziel, die Gesundheit zu erhalten. Im Zuge der Tertiär-Prävention wiederum soll Bewegung dazu beitragen, die Folgen einer bestimmten Krankheit einzudämmen. Egal um welche Maßnahme es aber geht: Prävention muss immer auf zuverlässigen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Nur so lässt sich einschätzen, ob tatsächlich Erfolge möglich sind oder ob eine Präventions-Maßnahme sogar schaden kann.
Damit Prävention gelingt, setzt sie an zwei unterschiedlichen Ebenen an: am Verhalten der einzelnen Menschen und an ihren Lebensumständen.
Maßnahmen, die das Verhalten von Menschen ändern sollen, bezeichnet man als Verhaltens-Prävention. Dazu gehören beispielsweise eine gesunde Ernährung in der Familie, ausreichend Bewegung und Entspannung.
Maßnahmen, die die Lebensumstände von Menschen gesünder gestalten sollen, bezeichnet man als Verhältnis-Prävention. Sie können überall stattfinden, wo Menschen viel Zeit verbringen, z. B. im Wohn- oder Arbeitsumfeld. Das können gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen sein (zum Beispiel ergonomische Arbeitsplätze oder flexible Arbeitszeiten) genauso wie ein Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen oder das gesunde Mittagessen in Kindertagesstätten.
Um den Leitgedanken der Prävention und Gesundheitsförderung stärker zu verankern, hat die Bundesregierung 2015 das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention beschlossen, kurz: das Präventions-Gesetz. Das Risiko für das Auftreten von nicht ansteckenden „Volkskrankheiten“ wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und starkem Übergewicht (Adipositas) soll weiter verringert werden. Auch der Impfschutz soll verbessert werden.
Das Gesetz schreibt auch die Weiterentwicklung von Früherkennungs-Untersuchungen vor. Kernpunkt des Gesetzes ist die Prävention und Gesundheitsförderung in den Lebenswelten: also dort, wo Menschen ihre Zeit verbringen – z.B. in Kindertagesstätten, Schulen, Unternehmen oder Pflegeheimen. Durch eine gesundheitsfördernde und präventive Gestaltung der Lebenswelten lassen sich jene Menschen besser erreichen, die Angebote bislang kaum nutzen.
Prävention und Gesundheitsförderung dienen einem Zweck: Sie sollen Gesundheit erhalten und wo nötig verbessern. Dennoch gibt es einen wesentlichen Unterschied: Bei der Prävention orientieren sich Wissenschaftler und Gesundheitsexperten an Krankheiten und entwickeln entsprechende Strategien wie Impf-Kampagnen oder Tabak-Entwöhnungsprogramme.
Bei der Gesundheitsförderung steht hingegen die Gesundheit des Menschen und deren Stärkung im Mittelpunkt – ohne dabei den Blick auf eine bestimmte Krankheit zu richten. Die zentrale Frage der Gesundheitsförderung ist: Was hält Menschen gesund? Eine wesentliche Rolle spielen dabei auch wirtschaftliche, soziale und politische Faktoren. Bereits 1986 schrieb die Weltgesundheitsorganisation (WHO): Nicht nur das Gesundheitswesen steht in der Verantwortung, sondern alle politischen und gesellschaftlichen Ebenen. Wie wachsen Menschen auf? Wie leben sie? Wie altern sie? Antworten auf Fragen wie diese sind Teil der Gesundheitsförderung. Dazu gehört auch, Kompetenzen und Fähigkeiten der Menschen und Gruppen zu stärken, damit sie sich selbstbestimmt für ihre Gesundheit einsetzen können.
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
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Erstellt am: 31.10.2022