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Krankheitserreger

Was sind Antibiotika?

Antibiotika spielen bei der Therapie von Erkrankungen eine wichtige Rolle. Sie können zur Behandlung bei bakteriellen Infektionen eingesetzt werden. Wie genau Antibiotika wirken und was man bei der Einnahme beachten sollte, erfahren Sie hier.

Was sind Antibiotika?

Antibiotika sind verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von Krankheiten, die durch Bakterien verursacht wurden. Antibiotika hemmen die Vermehrung der Bakterien oder töten diese ab.
Antibiotika werden in der Natur unter anderem von Pilzen gebildet. Erste Beobachtungen dazu gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1928 entdeckte Alexander Fleming, dass ein Schimmelpilz einen Bakterien abtötenden Stoff herstellt, und nannte diesen Stoff Penicillin. 16 Jahre später stand das Penicillin als Medikament zur Verfügung.

Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Stoffen, die Bakterien abtöten. Sie werden nicht nur natürlich gebildet, sondern auch im Labor hergestellt. Alle diese Medikamente werden Antibiotika genannt.

Übrigens...

Desinfektionsmittel, die zum Beispiel zur Händedesinfektion oder im Haushalt zur Reinigung eingesetzt werden, zählen nicht zu den Antibiotika.

Video: Was sind Antibiotika?

Bakterien und Antibiotika. Das Bild verlinkt auf den Film.

Was sind Antibiotika?    

Antibiotika sind verschreibungspflichtige Medikamente, die gegen Bakterien wirken. Bakterien sind kleinste Lebewesen, die sich schnell vermehren können. Sie können zum Beispiel Lungenentzündungen oder Blasenentzündungen auslösen. Antibiotika sollen die Vermehrung der Bakterien verhindern oder sie abtöten und damit dem Körper helfen, die Entzündung zu beenden. Dafür greifen Antibiotika die Zellwand oder das Zellinnere der Bakterien an.    

Viele Antibiotika wirken aber nicht nur gegen die krank machenden Bakterien, sondern zum Beispiel auch gegen die nützlichen Bakterien im Darm oder in der Scheide. Deswegen können Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen oder Durchfall, sowie Pilzinfektionen auftreten. Auch allergische Reaktionen der Haut sind möglich.  

Und: Hin und wieder ändert sich das Erbgut einiger Bakterien, sodass diese unempfindlich gegen ein Antibiotikum oder mehrere Antibiotika werden können. Antibiotika sollten in den vorgeschriebenen Dosierungen und Zeitabständen eingenommen werden. So kann eine ausreichend hohe Konzentration des Antibiotikums im Körper erreicht und damit die Bakterien erfolgreich bekämpft werden. Weiterhin sollte Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden, wenn der Wunsch besteht, die Einnahme des Antibiotikums vorzeitig zu beenden.  

Wichtig zu wissen: Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Bei anderen Krankheitserregern wie Viren zeigen sie keine Wirkung. So helfen Antibiotika zum Beispiel nicht bei Erkältungskrankheiten oder Grippe, weil diese in der Regel durch Viren ausgelöst werden.   Sie wollen wissen, was Antibiotikaresistenzen sind? Das sehen Sie in einem weiteren Film auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen. Wissen ist gesund.

Viren und Bakterien - wo ist der Unterschied?

Sowohl Bakterien als auch Viren können uns krank machen. Das ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten dieser unterschiedlichen Krankheitserreger. Sonst sind die beiden Erreger-Gruppen in vielen Bereichen sehr verschieden.

Die Krankheitserreger im Vergleich

Wie wirken Antibiotika?

Bakterien sind kleine Lebewesen, die fast überall in der Umwelt vorkommen. Wie alle anderen Lebewesen nehmen sie Nahrung auf und vermehren sich. Auch in Bakterien laufen ständig verschiedene Vorgänge ab, bei denen Stoffe auf-, ab- oder umgebaut werden. Dieser Stoffwechsel hält das Bakterium am Leben. Bakterien vermehren sich durch Zellteilung. Dabei wird das Erbgut des Bakteriums kopiert, sodass aus einem Lebewesen zwei werden können. Wenn der Stoffwechsel oder die Zellteilung gestört werden, kann das Bakterium nicht weiterleben oder sich nicht mehr vermehren. Genau hier setzen Antibiotika an. Sie können in verschiedene dieser Vorgänge angreifen:

  • Aufbau der Zellwand: die meisten Bakterien haben eine Zellwand, die sie stabilisiert. Wenn die Zellwand nicht richtig aufgebaut wird, dann kann das Bakterium geschädigt werden oder platzen. Manche Antibiotika können den Aufbau dieser Zellwand stören.
  • Stoffwechsel: Das Bakterium benötigt Eiweiße und Folsäure als Grundbausteine für sein Erbgut. Manche Antibiotika verhindern, dass das Bakterium diese Stoffe herstellen und verarbeiten kann. Dadurch kann das Bakterium sein Erbgut nicht mehr richtig herstellen und sich nicht vermehren.
  • Erbgut: Manche Antibiotika greifen direkt das Erbgut von Bakterien an. Mit fehlerhaftem Erbgut kann sich das Bakterium nicht mehr vermehren.

Menschliche Zellen sind an einigen Stellen anders aufgebaut als Bakterienzellen. Antibiotika greifen vorwiegend die Stellen an, die bei Bakterien anders sind. Daher werden bei der Einnahme von Antibiotika normalerweise überwiegend die Bakterienzellen geschädigt und nicht die menschlichen Zellen.

Wann bekommt man Antibiotika?

Antibiotika dienen der Behandlung von Krankheiten, die durch Bakterien ausgelöst werden. Gegen andere Krankheitserreger wie Viren oder Pilze helfen sie nicht. Antibiotika werden zum Beispiel bei einer bakteriellen Mandelentzündung oder einer bakteriell bedingten Lungenentzündung eingenommen. Bevor man Antibiotika einnimmt, sollte deshalb sicher sein, dass die Erkrankung durch Bakterien und nicht durch Viren oder andere Erreger ausgelöst wurde. Fieber oder hohe Entzündungs-Werte allein lassen nicht auf eine bakterielle Infektion schließen. Daher kann es ein, das ihr Arzt, ihre Ärztin ihnen zunächst andere Behandlungsoptionen vorschlägt.

Symptome oder Befunde wie Fieber oder erhöhte Entzündungs-Werte können viele Ursachen haben und müssen nicht durch Bakterien verursacht sein. Sie sind damit kein ausreichender Grund, um Antibiotika einzunehmen. Auch bei milden Infektions-Beschwerden sollte man zunächst abwarten, wie sich die Krankheit entwickelt. So können unnötige Behandlungen mit Antibiotika vermieden werden.

Wie werden Antibiotika eingenommen?

Antibiotika gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen. Sie werden in der Regel als Tabletten oder als Saft eingenommen. Für Hautkrankheiten gibt es auch Antibiotika-Salben. Bei schweren Infektionen, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern, können Antibiotika in ein Blutgefäß gespritzt oder über einen Tropf gegeben werden.

Wichtig zu wissen

Es empfiehlt sich sehr, das Antibiotikum so einzunehmen wie von dem behandelnden Arzt oder der Ärztin verordnet, damit der Körper während der Behandlung immer ausreichend mit dem Wirkstoff versorgt wird. Bei zu geringen Wirkstoffmengen werden möglicherweise nicht alle Bakterien abgetötet oder in ihrem Wachstum nicht ausreichend gehemmt.

Antibiotika sollten möglichst immer nach den Angaben in der Packungsbeilage eingenommen werden. Man sollte sich also an die beschriebenen Zeitabstände halten und beachten, ob das Antibiotikum vor, mit oder nach dem Essen eingenommen wird. Antibiotika sollten immer mit Wasser eingenommen werden. Andere Getränke wie Milch, Tee oder Kaffee sind schlechter geeignet. Die Inhaltsstoffe dieser Getränke können sich mit dem Wirkstoff des Antibiotikums verbinden und dadurch verhindern, dass der Körper ihn aufnimmt.

Was man noch bedenken muss: Nebenwirkungen und Allergien

Für Antibiotika gilt, was auch auf alle anderen Medikamente zutrifft: Die Wahl des speziellen Antibiotikums ist abhängig von Ihrem Gesundheitszustand und anderen Grunderkrankungen. Wenn Sie regelmäßig Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, könnte es zu Wechselwirkungen kommen. Auch sind bestimmte Antibiotika nicht für alle Menschen geeignet, z. B. für Kinder, Schwangere oder Personen mit Nierenerkrankungen.

Es können allergische Reaktionen auf ein Antibiotikum wie z. B. eine Penicillin-Allergie oder Nebenwirkungen auftreten. Je nach Wirkstoff sind unterschiedliche Nebenwirkungen möglich.

Viele Bereiche des Körpers gesunder Menschen sind mit Bakterien besiedelt: Im Rachen, in der Nase, auf der Haut, in der Scheide und im Darm tummeln sich Millionen von Bakterien, die für ein gesundes Leben notwendig sind. Wenn man ein Antibiotikum einnimmt, dann können neben den krankmachenden Bakterien auch diese nützlichen Bakterien geschädigt werden. 

Die nützlichen Bakterien im Darm bilden die sogenannte Darmflora. Wenn diese Bakterien beeinträchtigt werden, sind nicht selten Bauchschmerzen und Durchfall die Folge. Dies ist bei 11 bis 40 Prozent aller Patientinnen und Patienten, die ein Antibiotikum einnehmen, der Fall. Nach Beendigung der Antibiotika-Behandlung erholt sich die Darmflora in der Regel wieder.

Werden die nützlichen Bakterien in der Scheide geschädigt, können sich dort Pilze leichter ausbreiten. So führt eine Antibiotikabehandlung in manchen Fällen zu einer Scheidenpilz-Infektion.

Fragen zu diesen und weiteren Punkten rund um die Einnahme von Antibiotika können Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen. Welche Fragen wichtig sind beim Arztbesuch und wie das Gespräch mit Ihrem Arzt gelingt - Tipps für das Arztgespräch.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

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Fauler J. Wirkmechanismen von Antibiotika und bakterielle Resistenz. J Präv Gesundheitsf 2014; 9(3):159–65.

Brodt H-R, Stille W, Smollich M. Antibiotika-Therapie: Klinik und Praxis der antiinfektiösen Behandlung. 12., komplett überarb. und erw. Aufl. Stuttgart: Schattauer; 2013. 

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Michael Mibs
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Michael Mibs

Referent Evidenzbasierte Medizin
Michael Mibs ist studierter Gesundheitswissenschaftler und Soziologe. Für die Stiftung erarbeitet er Inhalte für multimediale Informationsangebote auf Basis der Methoden der evidenzbasierten Medizin und konzipiert Analysen mit Bezug zur klinischen Versorgung.
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Nastasia Vogelsang studierte Angewandte Medienwirtschaft mit Schwerpunkt TV-Producing. Für die Gesundheitsinformationen der Stiftung konzipiert sie multimediale Formate und steuert deren Umsetzung.
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Lisa-Marie Ströhlein

Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.

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Erstellt am: 02.11.2022