Header
Koronare Herzkrankheit

Wie viel Sport und Bewegung dürfen Herzkranke wagen?

Weniger Brustschmerzen, mehr Belastbarkeit im Alltag – Sport und Bewegung können die Fitness und das Wohlbefinden bei koronarer Herzkrankheit (KHK) immens verbessern. KHK ist also kein Grund, auf sportliche Hobbys zu verzichten. Sicheres Training findet zum Beispiel in Herzsportgruppen statt. Sie können aber auch alleine aktiv werden. Wie Sie mit KHK sicher Sport treiben, lesen Sie auf dieser Seite.

Welche Vorteile hat Bewegung bei koronarer Herzkrankheit?

Ärztliche Leitlinien geben eine ausdrückliche Empfehlung für Sport und Bewegung bei KHK. Regelmäßiges Training verbessert ihre Belastbarkeit und stärkt das Herz-Kreislauf-System. Dadurch können sich KHK-Beschwerden im Alltag verbessern. Sprich: Sie haben weniger Angina-Pectoris-Anfälle als früher.

Menschen mit KHK, die sportlich aktiv sind, müssen seltener ins Krankenhaus, erleiden weniger Herzinfarkte und leben im Schnitt länger als Menschen, die sich kaum bewegen. Sport und Bewegung sind deshalb auch ein fester Bestandteil der Behandlung bei KHK.

Vorteile für Psyche und Wohlbefinden

Auch das Wohlbefinden kann sich durch Bewegung verbessern. Wenn Sie durch das Training wieder belastbarer werden, können Sie auch wieder mehr am Leben teilhaben, wo Sie es sich vorher vielleicht nicht getraut haben – sei es beim Spielen mit den Enkelkindern, auf Urlaubsreisen oder bei Aktivitäten im Sportverein.

Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen mit KHK, die regelmäßig aktiv sind, durch das Training fitter und leistungsfähiger geworden sind. Sie fühlen sich lebendiger, psychisch ausgeglichener und genießen die Gesellschaft anderer Menschen mehr.

Wie kann ich mich mit KHK bewegen?

Wie viel Belastung vertrage ich?

Bevor Sie sich jedoch voller Motivation ins Training stürzen, sollten Sie wissen, wie viel Belastung Sie sich zumuten dürfen. Denn Überbelastung schadet Ihrer Gesundheit und könnte Angina-Pectoris-Beschwerden auslösen. Wie belastbar Sie sind, hängt hauptsächlich von drei Umständen ab.

  • Vom Schweregrad der KHK
  • Bei welcher Belastung normalerweise Angina-Pectoris-Beschwerden oder Atemnot auftreten
  • Von Ihrer körperlichen Fitness

Sprechen Sie Ihren Arzt, Ihre Ärztin beim nächsten Termin auf das Thema Sport und Bewegung an. Er oder sie kann feststellen, wie belastbar Sie sind oder ob es Anzeichen gibt, die gegen Sport sprechen. Dafür müssen Sie sich unter Umständen noch einmal untersuchen lassen. Eine solche Untersuchung gibt Hinweise auf folgende Fragen:

  • Wie häufig und wie lange können Sie Sport machen?
  • Wie intensiv darf das Training sein?
  • Welche Sportarten sind geeignet?
  • Dürfen Sie Sport alleine oder nur unter professioneller Anleitung treiben?

Belastungsgrenzen können sich ändern. Wenn Sie regelmäßig trainieren, können Sie mit der Zeit belastbarer werden. Ein Fortschreiten der Krankheit kann dagegen dazu führen, dass die Belastungsgrenze abnimmt, man also weniger belastbar ist. Lassen Sie deshalb Ihre Grenzen von Zeit zu Zeit neu prüfen.

Welche Sportarten sind geeignet?

Grundsätzlich eignet sich jede Sportart, die Ihnen Spaß macht und innerhalb Ihrer persönlichen Belastungsgrenze liegt. Bei koronarer Herzkrankheit bieten sich Ausdauersportarten an wie etwa Joggen, Wandern, Radfahren, Schwimmen, Aerobic oder Tanzen. Auch Ballsportarten und Tischtennis verbessern die Ausdauer. Sogar Krafttraining ist mit KHK möglich. Hier gibt es Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht oder leichten Gewichten wie Hanteln oder Gymnastikbändern.

Es muss nicht jeden Tag Sport sein. Auch in den Alltag lässt sich mehr Bewegung einbauen, z. B. durch Spaziergänge, Treppensteigen oder Gartenarbeit. Erledigen Sie kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Wie kann ich mit KHK sicher Sport treiben?

Um Beschwerden oder gesundheitliche Probleme beim Sport zu vermeiden, sollten Sie Ihr Training an Ihre persönliche Belastbarkeit anpassen. Vor allem wenn Sie kürzlich einen Herzinfarkt oder eine Herz-OP hatten, sowie bei Vorerkrankungen oder Angina-Pectoris-Anfällen sollten Sie Ihr Training mit dem Arzt, der Ärztin abstimmen.

Sport mit KHK: Darauf sollten Sie achten:

  • Beginnen Sie lieber mit vielen kürzeren Trainingseinheiten als mit wenigen langen.
  • Stecken Sie Ihr Notfall-Medikament (z. B. das Nitrospray) ein, falls Sie eines haben.
  • Trainieren Sie nicht, wenn es draußen heiß ist, oder verlegen Sie das Training in einen klimatisierten Raum.
  • Tragen Sie bequeme, wettergerechte Sportkleidung, die Sie vor Kälte, Nässe oder Überhitzung schützt.
  • Wärmen Sie sich für fünf Minuten auf, bevor Sie ins eigentliche Training starten.
  • Wenn Sie schwitzen, verliert der Körper mehr Flüssigkeit. Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken.
  • Die Einheiten dürfen anstrengend sein, sollten jedoch keine Beschwerden auslösen. Leichtes Schwitzen und eine schnellere Atmung sind dann in Ordnung, wenn man sich dabei noch problemlos in ganzen Sätzen unterhalten kann.
  • Machen Sie Pausen, wenn es Ihnen zu anstrengend wird.
  • Beenden Sie das Training sofort, wenn Sie sich unwohl fühlen. Achten Sie auf Warnzeichen wie Schwindel, Benommenheit, Brustschmerzen, unregelmäßigen Herzschlag, Kurzatmigkeit oder Übelkeit.
  • Verzichten Sie auf den beliebten „Endspurt“, um sich nicht zu überlasten.
  • Machen Sie nach dem Training noch eine fünfminütige „Abkühl-Einheit“, z. B. leichte Dehnübungen.

Bei Minusgraden eher leichtes Training

Verzichten Sie bei Minusgraden auf starke körperliche Anstrengungen wie Schneeschippen. Regelmäßige Bewegung ist aber auch im Winter empfehlenswert. Statt zu hoher Belastung rät die Deutsche Herzstiftung allerdings zu weniger anstrengender Bewegung wie Spaziergängen oder Walkingrunden. Bei Minusgraden legen sich Herzkranke zum Schutz am besten einen Schal über Mund und Nase, so gelangt die Luft bereits vorgewärmt in die Atemwege. Sie können das Training auch in die Sporthalle oder das Schwimmbad verlegen.

Was sind Herzsportgruppen?

Herzsportgruppen sind spezielle Rehasportgruppen für Menschen mit Herzerkrankungen. Hier können auch Menschen mit KHK unter Anleitung eines ausgebildeten Trainers, einer Trainerin aktiv sein. Die Belastung richtet sich dabei nach dem Fitnesszustand der Teilnehmenden und der Schwere der koronaren Herzkrankheit. Für alle Fälle ist stets ein Arzt, eine Ärztin oder eine Rettungskraft anwesend.

Herzsportgruppen müssen von den gesetzlichen Krankenkassen und der deutschen Rentenversicherung anerkannt sein, damit die Kosten von den Versicherungen übernommen werden. Die Trainer und Trainerinnen sind deshalb verpflichtet, wissenschaftliche Standards einzuhalten und ein hochwertiges Training anzubieten.

Wie läuft das Training in einer Herzsportgruppe ab?

Herzsportgruppen bestehen aus höchstens 20 festen Teilnehmenden, die ein- bis höchstens dreimal wöchentlich gemeinsam trainieren. Ein Training dauert mindestens eine Stunde. Die angeleiteten Übungen sollen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Balance verbessern. Typisch sind Gymnastik, Ausdauer- und Kraftübungen und Bewegungsspiele. Auch Kleingeräte wie Bälle, Gummibänder oder Hanteln können zum Einsatz kommen. Außerdem sollen die Teilnehmenden lernen, wie sie selbstständig trainieren können. Dazu gehört auch, die eigenen Belastungsgrenzen besser einzuschätzen.

Dabei steht nicht so sehr die sportliche Leistung, sondern vor allem die Freude an der Bewegung im Vordergrund. Einige Gruppen veranstalten auch neben dem Training gemeinsame Weihnachtsfeiern oder Grillpartys. Und für den einen oder die andere ergeben sich auch neue persönliche Kontakte oder gar Freundschaften.

Wie kann ich an einer Herzsportgruppe teilnehmen?

Ihr Arzt, Ihre Ärztin kann Ihnen die Teilnahme an einer Herzsportgruppe verschreiben. Die Kosten werden entweder von den gesetzlichen Krankenkassen oder von der Deutschen Rentenversicherung übernommen.

Wer privat versichert ist, schließt einen Vertrag mit dem Anbieter der Herzsportgruppe ab und zahlt die Kosten selbst. Fragen Sie bei Ihrer Krankenversicherung, ob und zu welchem Anteil sie Kosten übernimmt.

Wie finde ich eine Herzsportgruppe?

Herzsportgruppen finden Sie bei Rehasportvereinen, Physiotherapiepraxen ober ambulanten Rehazentren. Ebenso bieten manche örtlichen Sportvereine neben Fußball oder Leichtathletik auch Rehasport und Herzsportgruppen an. Dort können Sie telefonisch anfragen. Auch manche Bürger- und Gemeindeämter halten Informationen zu Herzsportgruppen parat.

Vielleicht kennt auch Ihr Arzt, Ihre Ärztin eine Einrichtung, die Herzsportgruppen anbietet.

Auch über das Internet lassen sich Herzsportgruppen finden. So bietet zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen eine Seite an, auf der Sie Herzsportgruppen in Ihrer Nähe suchen können.

Eine ähnliche Karte finden Sie auch beim Deutschen Behindertensportverband und Nationalen Paralympischem Komitee. Über den Filter können Sie angeben, dass Sie Herzsportgruppen suchen.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet ein PDF mit Kontaktadressen an.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Banzer W. Körperliche Aktivität und Gesundheit. Berlin, Heidelberg: Springer; 2017.

Behinderten Sportverein Verden von 1955 e.V. Herzsport; ohne Jahr. Verfügbar unter: https://www.bsv-verden.de/Herzsport.html [19.08.2024].

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR). Rehabilitationssport und Funktionstraining: Rahmenvereinbarung. Frankfurt am Main; Januar 2022 [16.08.2024].

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK - Langfassung; Version 7.0 - AWMF- Register-Nr. nvl-004; 2024.

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Koronare Herzkrankheit: Warum Ernährung und Bewegung wichtig sind; 2024. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/Nationale_Versorgungs-Leitlinie/nvl-004pi7_S3_Chronische-KHK_2024-09.pdf [27.11.2024].

Deutsche Herzstiftung. Herzprobleme bei Kälte: So schützen Sie sich im Winter; ohne Jahr. Verfüg-bar unter: https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/klima-und-umwelt/herzprobleme-bei-kaelte [03.02.2025].

Deutsche Herzstiftung. KHK: Sport hilft vorbeugen; ohne Jahr. Verfügbar unter: https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/sport-und-bewegungsmangel/khk-und-sport [28.01.2025].

Deutsche Rentenversicherung. Verordnung von Rehabilitationssport oder Funktionstraining; ohne Jahr; letzte Aktualisierung: 21.09.2009. Verfügbar unter: https://www.gvjl.de/files/GVJL/PDF/Service/Reha-Sport%20über%20RV/G0850.pdf [09.10.2024].

Dibben G, Faulkner J, Oldridge N et al. Exercise-based cardiac rehabilitation for coronary heart dis-ease. Cochrane Database Syst Rev 2021; 11(11):CD001800. doi: 10.1002/14651858.CD001800.pub4.

MedlinePlus. Being active when you have heart disease; letzte Aktualisierung: 08.05.2024. Verfügbar unter: https://medlineplus.gov/ency/patientinstructions/000094.htm [28.01.2025].

Möckel M. Ischämische Herzkrankheit. In: Suttorp N, Möckel M, Siegmund B, Dietel M, Hrsg. Harri-sons Innere Medizin. 20. Aufl., deutsche Ausgabe. Berlin, Stuttgart: Thieme; 2020. S. 2296–313.

TGS Offenbach Bieber 1900. Herzsport; ohne Jahr. Verfügbar unter: https://www.tgs-bieber.de/gesundheitssport-herzsport.html.

TSV Kottern - St. Mang 1874 e.V. Herzsport Kempten, Kardiosport, Herzgruppe, TSV, Rehasport; ohne Jahr. Verfügbar unter: http://www.tsv-kottern.de/abteilungen/herzsport/ [13.12.2024].

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Jannis Krupp
Porträtfoto von Jannis Lippisch

Jannis Krupp

Multimedia-Producer
Jannis Krupp studierte Multimedia Produktion. Für die Gesundheitsinformationen der Stiftung konzipiert er multimediale Formate und steuert deren Umsetzung.
,
Lisa-Marie Ströhlein
Lisa-Marie Ströhlein

Lisa-Marie Ströhlein

Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.
,
Michael Mibs
Michael Mibs

Michael Mibs

Referent Evidenzbasierte Medizin
Michael Mibs ist studierter Gesundheitswissenschaftler und Soziologe. Für die Stiftung erarbeitet er Inhalte für multimediale Informationsangebote auf Basis der Methoden der evidenzbasierten Medizin und konzipiert Analysen mit Bezug zur klinischen Versorgung.

Die Stiftung Gesundheitswissen hat das Ziel, verlässliches Gesundheitswissen in der Bevölkerung zu stärken. Die an der Erstellung unserer Angebote beteiligten Personen haben keine Interessenkonflikte, die eine unabhängige und neutrale Informationsvermittlung beeinflussen.

Weitere Hinweise zum Umgang mit Interessenkonflikten finden Sie hier.

Alle unsere Angebote beruhen auf den derzeit besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie stellen keine endgültige Bewertung dar und sind keine Empfehlungen.

Weitere wichtige Hinweise zu unseren Angeboten finden Sie hier.

Erstellt am: 28.04.2025