Herz und Psyche sind eng miteinander verbunden. Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit können zu psychischen Problemen führen. Andersherum können psychische Probleme sich ungünstig auf die Herzgesundheit auswirken. Warum das so ist und wo Sie bei psychischen Problemen Hilfe finden.
Herzkrankheiten wie KHK können die Betroffenen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belasten. Es ist möglich, dass Betroffene die psychische Belastung sogar als schwerwiegender empfinden als die KHK selbst. Typische KHK-Beschwerden wie starker Brustschmerz und Luftnot können mit einem Gefühl von Todesangst einhergehen. Man bekommt das Gefühl, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren, und das kann beängstigend sein.
Eine Herzkrankheit kann das Leben in vielen Bereichen verändern. Vielleicht sind Sie durch eine Operation länger außer Gefecht gesetzt oder können gar nicht mehr in Ihren alten Beruf zurückkehren, weil Sie nicht mehr so belastbar sind wie früher. Familie und Freunde machen sich möglicherweise Sorgen oder Sie erhalten nicht die Unterstützung, die Sie eigentlich bräuchten. Manche Menschen verspüren die Nebenwirkungen ihrer Medikamente. Vielleicht fällt es Ihnen auch schwer, neue Ernährungsempfehlungen zu befolgen, oder Sie haben Angst, sich beim Sport zu überfordern.
Die meisten Menschen mit KHK finden nach einer Weile einen guten Umgang mit ihrer neuen Situation. Manchen Patienten und Patientinnen gelingt die Anpassung jedoch nicht. Dann kann sich eine psychische Krankheit entwickeln.
Diese Anzeichen weisen auf eine psychische Krankheit hin:
Ähnlich wie Rauchen oder Alkohol können auch psychische und soziale Probleme das Risiko für Herzkrankheiten erhöhen oder bestehende Herzkrankheiten verschlechtern. Zu den psychischen und sozialen Risikofaktoren gehören folgende Umstände:
Andersherum können eine gesunde Psyche und ein unterstützendes Umfeld vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ungünstigen Verläufen schützen.
Psychische und soziale Probleme beeinflussen die Herzgesundheit auf zwei Wegen. Einerseits haben sie einen direkten Effekt auf das Herz-Kreislauf-System. Andererseits beeinflussen sie unser Gesundheitsverhalten und schaden dadurch dem Herzen indirekt.
Bei psychischen Problemen schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus. Diese Hormone sorgen dafür, dass das Herz schneller und stärker schlägt, die Gefäße ziehen sich zusammen und der Blutdruck steigt. Anhaltender Stress kann dazu führen, dass diese Prozesse außer Kontrolle geraten. Der Körper befindet sich dann in einem dauerhaften Stresszustand. Das schädigt Herz und Gefäße.
Bei richtiger Behandlung lässt sich auch mit koronarer Herzkrankheit ein erfülltes Leben führen. Psychische Probleme können es jedoch schwerer machen, diese Behandlung auch konsequent umzusetzen – auch wenn man an ihren Nutzen glaubt. Wer etwa große Angst vor den Nebenwirkungen der Medikamente hat, wird sie womöglich nicht regelmäßig einnehmen. Wer befürchtet, sich beim Sport zu überanstrengen, wird sich eher schonen.
Psychische Probleme lassen uns häufig auch in ungesunde Verhaltensweisen zurückfallen. So greifen manche Menschen bei Stress zu Zigaretten, Alkohol oder Fast Food, um sich kurzzeitige Entspannung zu verschaffen. Dem Herzen tun solche Verhaltensmuster aber nicht gut.
Was hilft bei der Stressbewältigung?
Damit die Herzkrankheit gut behandelt werden kann, müssen auch die psychischen Probleme Beachtung finden. Je nach Art und Ausmaß der Probleme können hier verschiedene Anlaufstellen genutzt werden. So ermöglichen beispielsweise Gespräche mit Familienmitgliedern, engen Freunden oder Kolleginnen Entlastung und wichtige Unterstützung. Wenn das nicht ausreicht, gerade keine Vertrauensperson verfügbar ist oder die psychischen Probleme bestehen bleiben, gibt es weitere Möglichkeiten.
Hier finden Sie Hilfe bei psychischen Problemen.
Scheuen Sie sich nicht davor, mit Ihrem Hausarzt, Ihrer Hausärztin auch über psychische Probleme zu sprechen. Er oder sie kann Art und Ausmaß der Probleme besser einordnen und eventuell eine Erstdiagnose stellen sowie erste Maßnahmen empfehlen. Wenn nötig, erhalten Sie hier auch eine Überweisung zur Psychotherapie.
In der Psychotherapie besprechen Sie Ihre Probleme mit einem Psychotherapeuten oder einer -therapeutin. Die Gespräche finden unter vier Augen oder in einer Gruppe mit anderen Betroffenen statt.
Wie Sie einen Therapieplatz finden.
Psychologische Gespräche können auch Teil der kardiologischen Rehabilitation sein. Je nachdem welches Problem Sie mehr belastet – die Psyche oder die Herzkrankheit –, ist es möglich, die Reha darauf auszurichten.
In Selbsthilfegruppen treffen Sie auf andere Menschen mit Herzkrankheiten, die mit ähnlichen Problemen hadern oder gehadert haben wie Sie. Vielen Menschen macht der Austausch mit Gleichbetroffenen Mut und Hoffnung. Hier lernen Sie, dass sich die Erkrankung und die damit einhergehenden Belastungen bewältigen lassen. So gewinnen Sie Zuversicht, um Ihre Ängste zu überwinden und ein selbstbestimmtes Leben mit der Krankheit zu führen.
Selbsthilfeangebote für Menschen mit chronischer KHK:
Informationen über Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe finden Sie über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen.
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V. (BAG SELBSTHILFE). Wie funktioniert Selbsthilfe?; ohne Jahr. Verfügbar unter: https://www.bag-selbsthilfe.de/basiswissen-selbsthilfe/was-ist-selbsthilfe/wie-funktioniert-selbsthilfe [21.03.2025].
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Chronische Koronare Herzkrankheit: KHK. Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Version 4.0; 2023. doi: 10.6101/AZQ/000499.
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK - Langfassung; Version 7.0 - AWMF- Register-Nr. nvl-004; 2024.
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) e. V., Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG), Swiss Working Group for Cardiovascular Prevention, Rehabilitation and Sports Cardiology (SCPRS). S3-Leitlinie zur kardiologischen Rehabilitation (LL-KardReha) im deutschsprachigen Raum Europas Deutschland, Österreich, Schweiz (D-A-CH): Langversion - Teil 1, AWMF-Registernummer: 133-001; 2019.
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Schubmann R, Köllner V, Bongarth C, Salzwedel A, Witt T, Langheim E. Psychokardiologische Rehabilitation: Unbedingt interdisziplinär. Deutsches Ärzteblatt Online 2021. doi: 10.3238/PersKardio.2021.04.16.08.
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Erstellt am: 28.04.2025