Menschen mit koronarer Herzkrankheit können sich im Alltag eingeschränkt fühlen – sei es, dass sie immer wieder Schmerzen haben oder dass sie weniger belastbar sind als früher. Manche haben auch Probleme, ihren Behandlungsplan einzuhalten. Gegen viele dieser Einschränkungen können Sie etwas unternehmen. Auf dieser Seite lesen Sie, was gegen häufige Probleme hilft.
Viele Menschen mit koronarer Herzkrankheit erleben im Alltag immer wieder Anfälle von Angina Pectoris. Dazu gehören hauptsächlich Brustschmerzen und Atemnot. Die Anfälle treten normalerweise bei körperlicher Anstrengung oder Stress auf. Meist klingen sie wieder ab, wenn man sich ausruht.
Das sollten Sie bei Angina Pectoris tun.
Wer schon Angina-Pectoris-Anfälle hatte, neigt womöglich dazu, sich weniger zu belasten. Anstrengende oder aufregende Aktivitäten werden dann vermieden, auch wenn man sie eigentlich gerne gemacht hat. Eine übermäßige Schonhaltung schützt aber nicht vor weiteren Anfällen. Im Gegenteil: Wer regelmäßig aktiv ist, wirkt weiteren Anfällen besser entgegen.
Die koronare Herzkrankheit ist eine chronische Erkrankung. Das bedeutet, dass sie nicht heilbar ist und immer wieder Beschwerden verursacht. Da koronare Herzkrankheit eine fortschreitende Krankheit ist, werden die Beschwerden in vielen Fällen mit der Zeit auch schlimmer. Entsprechend fühlen sich Menschen im Alltag dadurch häufig eingeschränkt: Vielleicht können sie nicht mehr so aktiv sein wie früher, ohne dass sie Brustschmerzen bekommen. Andere empfinden auch die Behandlung und die tägliche Einnahme von Medikamenten als unangenehm.
Ein wichtiges Ziel der Behandlung bei koronarer Herzkrankheit ist, die Beschwerden im Alltag zu lindern. Dabei spielen Sie eine Schlüsselrolle. Je engagierter Sie an Ihrer Behandlung mitwirken, desto eher lassen sich die Beschwerden und Folgeerkrankungen vermeiden. Grundsätzlich können Menschen mit KHK ein erfülltes Leben führen und es nach ihren eigenen Wünschen gestalten. Sie haben es in der Hand.
Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten, Angina-Pectoris-Anfälle zu vermeiden:
Sie können natürlich mehrere Ansätze gleichzeitig ausprobieren.
Wenn Anstrengung bei Ihnen Angina Pectoris auslöst, ist es wichtig, Ihre Belastungsgrenzen zu kennen: Sie müssen also wissen, was Sie sich zumuten können und was nicht. Ihr Arzt wird Ihnen dabei helfen, Ihre Belastungsgrenze festzustellen. Versuchen Sie Ihre Aktivitäten so zu gestalten, dass Sie Überbelastung vermeiden.
Berücksichtigen Sie dabei, dass Ihre Belastbarkeit im Laufe des Tages schwanken kann. Morgens sollte man anstrengende Tätigkeiten vermeiden. Ihre Belastbarkeit sinkt auch, wenn Sie gerade etwas gegessen haben. Auch bei Kälte, zum Beispiel im Winter, ist der Körper nicht so belastbar wie bei höheren Temperaturen. Daher kann zum Beispiel Schneeschippen Beschwerden auslösen, obwohl Sie letzten Sommer noch ohne Probleme den Garten umgegraben haben.
Belastungsgrenzen lassen sich auch wieder nach oben verschieben – zum Beispiel durch Sport und Bewegung. Langfristiges körperliches Training kann außerdem dazu führen, dass der Herzmuskel wieder besser mit Sauerstoff versorgt wird. Daraus ergeben sich folgende mögliche Vorteile im Alltag:
Bewegung mit KHK: So trainieren Sie sicher.
Die KHK-Behandlung soll Krankheitsbeschwerden verbessern und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Neben einer Anpassung des Lebensstils werden zur Behandlung Medikamente eingesetzt. Damit diese wirken, sollten Sie die verordneten Medikamente genauso einnehmen, wie der Arzt, die Ärztin es erklärt hat.
Wenn Sie trotz der Tabletten Beschwerden haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin darüber sprechen. Dann ist die Behandlung womöglich noch nicht optimal für Sie. Vielleicht benötigen Sie eine höhere Dosis, ein anderes Medikament oder ein zusätzliches. Manchmal ist es auch sinnvoll, ein Medikament wieder abzusetzen.
Für Menschen mit koronarer Herzkrankheit wird eine ausgewogene, gesunde Ernährung empfohlen. Wenn Sie außerdem Adipositas haben (sehr starkes Übergewicht), dürfte sich eine Gewichtsabnahme günstig auf den Blutdruck, den Blutzucker und die Blutfette auswirken. Bei Normalgewicht oder leichtem Übergewicht sollten Sie lediglich darauf achten, nicht zuzunehmen. Außerdem sinkt Ihr Risiko für Folgeerkrankungen wie etwa einem Herzinfarkt, wenn Sie nicht rauchen und wenig bis gar keinen Alkohol trinken.
Kann ich noch verreisen oder Auto fahren? Was belastet mich psychisch? Welche Ängste habe ich, wenn ich an die Zukunft denke? Auch für solche Fragen ist Ihr Arzt der richtige Ansprechpartner. Zum einen liefern Sie ihm wichtige Informationen über Ihre Wünsche und Bedürfnisse, sodass er die Behandlung darauf abstimmen kann. Zum anderen erhalten Sie Unterstützung bei Ihrem persönlichen Problem.
Ihre KHK-Behandlung kann nur gut wirken, wenn Sie auch konsequent umgesetzt wird. Das bedeutet etwa, dass Sie die verordneten Tabletten auch regelmäßig einnehmen und die Empfehlungen zu Ernährung oder Bewegung, einem Rauchstopp oder Alkoholverzicht einhalten.
Wenn Tabletten anders eingenommen werden als verordnet oder womöglich gar nicht mehr, können wieder vermehrt Beschwerden auftreten. Die Medikamente müssen normalerweise dauerhaft, also ein Leben lang, eingenommen werden. Sie können zwar die Erkrankung nicht heilen, aber womöglich ihren Fortschritt aufhalten.
So gelingt die Medikamenteneinnahme besser.
Medikamente sind ein wichtiger Baustein in der KHK-Behandlung. Allerdings können sie auch Nebenwirkungen haben. Auf dem Beipackzettel finden Sie Informationen zu möglichen Nebenwirkungen.
So lesen Sie den Beipackzettel richtig.
Wenn man ein Medikament neu einnimmt, können anfänglich Nebenwirkungen auftreten. Die Nebenwirkungen können nach einer Weile von selbst wieder aufhören. Bei leichten Nebenwirkungen kann man zunächst abwarten, ob sie vorübergehen. Wenn Sie starke Nebenwirkungen haben oder diese länger anhalten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin. Wenn sehr starke Nebenwirkungen auftreten, kann man auch den Notarzt rufen. Das gilt zum Beispiel für allergische Reaktionen, die mit Übelkeit, Erbrechen und Luftnot einhergehen.
Sie vermuten, dass Ihre KHK-Medikamente zu Nebenwirkungen führen? Setzen Sie Ihr Medikament nicht selbstständig ab und verringern Sie die Dosis nicht. Beides kann wiederum unangenehme Folgen nach sich ziehen. Sprechen Sie mögliche Nebenwirkungen bei Ihrem nächsten Arzttermin an. Der Arzt, die Ärztin wird helfen herauszufinden, ob die Beschwerden von den Medikamenten kommen oder ob eine andere Ursache dafür vorliegt. Auch wenn Sie sich Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen machen oder ein Medikament lieber nicht nehmen wollen, sollten Sie das ansprechen.
Bei manchen Medikamenten ist es möglich, die Dosis zu senken und Nebenwirkungen dadurch zu verhindern. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Wirkstoff zu tauschen. Manchmal gibt es verschiedene Wirkstoffe, die zum selben Ziel führen.
Wenn Sie noch weitere Medikamente einnehmen, z. B. gegen Diabetes oder Bluthochdruck, kann es zu Wechselwirkungen kommen. Das bedeutet, dass die Medikamente sich nicht gut miteinander vertragen: Ihre Wirkungen heben sich gegenseitig auf oder verstärken sich. Ihre Ärztin, Ihr Arzt sollte daher wissen, welche Medikamente Sie einnehmen. Dazu zählen auch Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine oder Mineralien oder frei verkäufliche pflanzliche Arzneimittel.
Auch bestimmte Lebensmittel können die Wirkung Ihrer KHK-Medikamente beeinflussen. Achten Sie auf entsprechende Hinweise auf dem Beipackzettel.
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
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Erstellt am: 28.04.2025