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Koronare Herzkrankheit

Angina Pectoris: Was tun bei Brustschmerz?

Wenn die Brust plötzlich schmerzt und sich eng anfühlt, kann es sich um Angina Pectoris handeln. Menschen mit koronarer Herzkrankheit müssen mit solchen Anfällen von Brustschmerz rechnen. Was Sie bei Angina Pectoris tun können und ab wann Sie ärztliche Hilfe benötigen.

Was ist Angina Pectoris?

Angina Pectoris ist eine Bezeichnung für eine bestimmte Art von Schmerzen in der Brust. Sie sind das Hauptsymptom der koronaren Herzkrankheit in der KHK-Diagnostik. Angina Pectoris tritt normalerweise anfallsartig auf – ein typischer Anfall dauert etwa zwei bis fünf Minuten. Danach klingen die Schmerzen wieder ab. Bei stabiler Angina Pectoris werden die Brustschmerzen nur durch Stress oder Anstrengung ausgelöst. Treten die Anfälle auch in Ruhe auf, spricht man von einer instabilen Angina Pectoris.

Was sind Symptome von Angina Pectoris?

Schmerzen in der Brust können unterschiedliche Ursachen haben. Bei Angina Pectoris spürt man im Bereich des Herzens ein Engegefühl. Betroffene beschreiben es als ein Gefühl der Schwere und des Drucks, als ob sie „zusammengepresst werden“. Die Schmerzen kommen plötzlich – normalerweise, wenn man sich körperlich anstrengt oder gestresst ist. Bei Ruhe gehen die Symptome der stabilen Angina Pectoris langsam zurück und verschwinden wieder.
Die Schmerzen der Angina Pectoris können in die linke Schulter und in beide Arme ausstrahlen. Sie können auch am Hals, Rücken, im Kiefer und an den Zähnen sowie im Bereich zwischen Bauchnabel und Rippenbogen spürbar sein.

Was sind die Ursachen von Angina Pectoris?

Die häufigste Ursache von Angina Pectoris ist die koronare Herzkrankheit. Durch eine Verengung der Herzkranzgefäße wird das Herz nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt. Das spürt man vor allem dann, wenn das Herz vermehrt Sauerstoff braucht – z. B. beim Sport, beim Treppensteigen oder bei großer Aufregung. Der Sauerstoffmangel des Herzgewebes löst Schmerzen aus.

Wie schlimm ist Angina Pectoris?

Angina Pectoris tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf. Je höher der Schweregrad, desto stärker die Schmerzen und die damit verbundenen Einschränkungen. Der Schweregrad wird in vier Stufen eingeteilt.

Schweregrade von Angina Pectoris

Stufe 1: Beim leichtesten Schweregrad spürt man Angina Pectoris bei normalen Alltagsbelastungen gar nicht. Sie tritt erst bei plötzlicher, längerer oder stärkerer Anstrengung auf, z. B. wenn Sie zum Bus rennen müssen oder mehrere Stunden harte körperliche Arbeit verrichten.

Stufe 2 tritt schon bei schnellem Gehen oder beim Gehen über mehr als 100 Meter, Treppensteigen nach mehr als einer Etage oder beim Bergaufgehen auf. Auch ruhiges Gehen kann in Verbindung mit Kälte, emotionalem Stress sowie nach dem Aufstehen oder nach einer Mahlzeit bereits zu Angina Pectoris führen.

In Stufe 3 kommt es schon bei leichten, alltäglichen Belastungen wie kürzeren Gehstrecken, beim normalen Treppensteigen nach einer Etage oder beim Ankleiden zu Angina Pectoris.

In Stufe 4 können schon bei geringster Anstrengung Angina-Pectoris-Beschwerden auftreten. Es kann auch vorkommen, dass die Beschwerden anhalten, wenn man wieder zur Ruhe kommt. Es kann auch vorkommen, dass die Beschwerden bereits in Ruhe auftreten.

Angina-Pectoris-Anfall: Was tun?

Wenn in der Vergangenheit Angina-Pectoris-Beschwerden aufgetreten sind, muss man damit rechnen, dass die Beschwerden erneut auftreten können. Bei einem Angina-Pectoris-Anfall sollten Sie Ihre aktuelle Beschäftigung unterbrechen und sich ausruhen. Normalerweise klingen die Brustschmerzen nach wenigen Minuten wieder ab.

Außerdem gibt es Medikamente zur Behandlung von Angina Pectoris, die Ihr Arzt Ihnen verordnen kann. Es handelt sich dabei um schnell wirksame Nitrate, die als Spray oder Kapseln angeboten werden. Die Wirkung tritt innerhalb von ein bis drei Minuten ein.
So wenden Sie das Medikament an:

  • Setzen Sie sich.
  • Nitrospray: Sprühen Sie das Spray unter Ihre Zunge. Je nach Stärke der Beschwerden sprühen Sie ein- bis dreimal. Warten Sie zwischen den Sprühstößen jeweils 30 Sekunden. Atmen Sie das Spray nicht ein.
  • Nitrokapseln: Nehmen Sie eine Kapsel in den Mund und zerbeißen Sie sie. Versuchen Sie den Inhalt möglichst lange im Mund zu behalten. Danach können Sie die Hülle der Kapsel ausspucken oder herunterschlucken.
  • Warten Sie, bis die Beschwerden abklingen.
  • Sie haben fünf bis zehn Minuten nach der Einnahme immer noch Schmerzen? Wählen Sie sofort den Notruf unter 112.

Mögliche Nebenwirkungen der Nitrate sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Hautrötungen im Gesicht. Es kann zu einem Blutdruckabfall mit einem beschleunigten Herzschlag kommen, insbesondere beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich. Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, lassen Sie sich über die Wechselwirkungen der Nitrate aufklären. Es gibt auch die Möglichkeit, die eigene Dauermedikation in der Apotheke auf mögliche Wechselwirkungen hin überprüfen zu lassen.

Wie kann ich Anfällen von Angina Pectoris vorbeugen?

Für Menschen mit koronarer Herzkrankheit ist das Auftreten von Angina Pectoris nicht völlig zu vermeiden. Je weiter die Erkrankung voranschreitet, desto häufiger und schlimmer können die Anfälle werden. Treten Anfälle häufiger oder stärker auf, als Sie es gewohnt sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin darüber. Außerdem können Sie vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Halten Sie sich an Ihre Behandlung.

Setzen Sie die mit dem Arzt vereinbarte Behandlung konsequent um. Dazu gehört, die verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen. Die Medikamente sind dazu gedacht, Beschwerden wie Angina Pectoris zu vermeiden. Aber nur wenn Sie sich an die Vorgaben zur Einnahme halten, können die Mittel ihre Wirkung richtig entfalten.

Zur Behandlung gehören aber nicht nur Medikamente, sondern auch sportliche Betätigung. Wenn Sie aktiv sind, können Sie die Belastbarkeit Ihres Körpers erhalten oder sogar verbessern.

Vermeiden Sie Überbelastung.

Wenn man an KHK erkrankt ist, wird die Angina Pectoris durch zu große körperliche oder emotionale Belastung ausgelöst. Versuchen Sie gemeinsam mit dem Arzt herauszufinden, welche Belastungen Sie sich sicher zumuten können. Versuchen Sie, psychische Belastungen zu vermeiden. Es kann auch helfen, einen gelasseneren Umgang mit Stress zu erlernen.

Gut zu wissen: Ihre Belastungsgrenze kann bei Kälte niedriger sein als bei warmen Temperaturen. Daher kann zum Beispiel Schneeschippen zu Beschwerden führen, auch wenn das Graben im Garten im Sommer keine Probleme verursacht.

Wann sollte ich mit Angina Pectoris zum Arzt?

Haben Sie in letzter Zeit häufiger Angina-Pectoris-Anfälle als früher? Haben Sie zuletzt stärkere Beschwerden durch Angina Pectoris als früher? Treten die Beschwerden bei Anstrengungen auf, die Sie zuvor noch problemlos gemeistert haben? Dann sollten Sie mit Ihrem Hausarzt, Ihrer Hausärztin sprechen. Nehmen Sie außerdem Ihre viertel- bis halbjährlichen Kontrolluntersuchungen wahr.

Angina Pectoris bei Herzinfarkt

Haben Sie ungewöhnlich starke Beschwerden, rufen Sie den Notruf unter 112. Das gilt auch, wenn die Brustschmerzen durch Ruhe und das Nitrospray nicht innerhalb von fünf bis zehn Minuten besser werden. Rufen Sie sofort einen Krankenwagen. Sie könnten gerade einen Herzinfarkt erleiden.

Weitere Symptome, die auf einen Herzinfarkt hindeuten.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK - Langfassung; Version 7.0 - AWMF- Register-Nr. nvl-004; 2024.

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Chronische Koronare Herzkrankheit: KHK. Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Version 4.0; 2023. doi: 10.6101/AZQ/000499.

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Rößler A. Häufige Arzneistoffe: Steckbrief Glyceroltrinitrat. Pharmazeutische Zeitung online; letzte Aktualisierung: 28.04.2023. Verfügbar unter: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/steckbrief-glyceroltrinitrat-139732/ [04.03.2025].

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Lisa-Marie Ströhlein
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Michael Mibs
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Michael Mibs ist studierter Gesundheitswissenschaftler und Soziologe. Für die Stiftung erarbeitet er Inhalte für multimediale Informationsangebote auf Basis der Methoden der evidenzbasierten Medizin und konzipiert Analysen mit Bezug zur klinischen Versorgung.

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Erstellt am: 28.04.2025