Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine Form der Psychotherapie. In Gesprächen mit dem Therapeuten oder der Therapeutin sowie mithilfe von Übungen wird versucht, Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die die Insomnie fördern, zu verändern. In der Behandlung erlernt man Techniken und Verhaltensweisen, die den Schlaf verbessern.
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die empfohlene Ersttherapie bei Insomnie. Eine klassische Verhaltenstherapie findet persönlich mit einer Therapeutin, einem Therapeuten statt.
Insomnie ist eine krankhafte Schlafstörung. Betroffene haben mehrmals pro Woche Ein- oder Durchschlafprobleme, und das über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg. Dadurch werden das Alltagsleben und insbesondere die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
In Deutschland ist es derzeit nicht leicht, einen Platz bei einem Psychotherapeuten, einer Psychotherapeutin zu bekommen, denn viele Praxen haben lange Wartelisten. Manche Menschen suchen deshalb nach Alternativen.
Eine davon sind Onlinetherapien. Dabei handelt es sich um Selbsthilfeprogramme mit oder ohne Begleitung durch psychologisches Fachpersonal.
Manche Onlinetherapien für Insomnie können Ärztinnen und Ärzte auf Rezept verordnen. Diese Onlinetherapien sind vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüft und als sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen zugelassen.
Wir haben anhand der Studienlage ermittelt, ob eines der beiden Verfahren – klassische Verhaltenstherapie oder Onlinetherapie – besser als das andere bei Insomnie hilft.
Sowohl die persönliche Verhaltenstherapie als auch die Selbsthilfeprogramme konnten die Schlafprobleme lindern: Bei Abschluss der Studie war der Schweregrad der Insomnie bei beiden Testgruppen etwa gleich, auch wenn die Verhaltenstherapie mit persönlichem Therapeutenkontakt eine stärkere Verbesserung zeigte.
Einschränkung der Ergebnisse
In den Studien wurden unterschiedliche Therapieformen untersucht. So wurde die persönliche Verhaltenstherapie als Gruppentherapie oder als Einzeltherapie angeboten, teilweise auch als Videosprechstunden. Unter den Onlinetherapien gab es Angebote mit und ohne begleitende Rückmeldungen von Fachpersonal. Die methodische Qualität der Studien war moderat bis schwach.
In einer systematischen Recherche haben wir fünf randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) gefunden, die die persönliche Verhaltenstherapie direkt mit der Onlinetherapie verglichen haben.
In allen Studien wurden Erwachsene mit Insomnie zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Teilnehmenden erhielten entweder
Die Behandlungen dauerten zwischen sechs und zwölf Wochen.
Vor und nach der Behandlung füllten die Teilnehmenden einen Fragebogen zum Schweregrad der Insomnie aus (Insomnia Severity Index, ISI).
Außerdem dokumentierten die Teilnehmenden ihren Schlaf in Schlaftagebüchern.
Beide Therapieformen verbesserten die Schlafprobleme. Die persönliche Verhaltenstherapie zeigte einen etwas größeren Nutzen als die Onlinetherapie.
Die Verbesserungen blieben auch noch sechs Monate nach Ende der Behandlung bestehen.
In drei der fünf Studien wurden unerwünschte Ereignisse oder Nebenwirkungen der jeweiligen Behandlungen erhoben. Eine dieser Studien berichtete davon, dass keine Nebenwirkungen aufgetreten sind, zwei Studien dokumentierten meist leichte bis moderate Nebenwirkungen durch die Behandlungen. Dazu gehörten verstärkte Gedanken und Sorgen über den eigenen Schlaf oder größere Müdigkeit.
Die Studienergebnisse sind aus mehreren Gründen nur bedingt aussagekräftig. Die Verhaltenstherapie wurde in den einzelnen Studien unterschiedlich umgesetzt, z. B. als Einzel- oder Gruppentherapie. Von den Onlinetherapien wurden manche von Fachpersonal begleitet, andere nicht. Dadurch sind die Studiengruppen weniger gut vergleichbar.
Darüber hinaus waren die Gruppen der Teilnehmenden häufig nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung. Die Teilnehmenden waren meist gut gebildet, weiblich und hatten teilweise psychische Begleiterkrankungen. In einer Studie wurde militärisches Personal untersucht. Die Studienergebnisse lassen sich deshalb kaum auf andere Personengruppen übertragen.
Das Vorgehen in den Studien bewerten wir als moderat bis schwach. Hauptkritikpunkt ist die Auswertung der Fragebögen zum Schlaf. Den Forscherinnen und Forschern war bei der Auswertung bekannt, welche Teilnehmenden eine persönliche Verhaltenstherapie und welche eine Onlinetherapie durchlaufen hatten. Dadurch könnten die Ergebnisse verzerrt sein, weil die Forscher und Forscherinnen möglicherweise unbewusst die persönliche Verhaltenstherapie besser bewertet haben als die Onlinetherapie. Hätten sie nicht darüber Bescheid gewusst, wäre das Ergebnis womöglich anders ausgefallen.
Die Ergebnisse stammen aus einer systematischen Literaturanalyse. In der Literaturrecherche wurden für den Vergleich zwischen persönlicher Verhaltenstherapie und Onlinetherapie fünf randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) gefunden. Insgesamt 349 erwachsene Personen nahmen an den Untersuchungen teil. Das Durchschnittsalter betrug in den Studien zwischen 31 und 55 Jahre, für eine Studie lagen zu dieser Frage keine Daten vor. Der Frauenanteil bewegte sich zwischen 12 und 88 Prozent. Die Studien entstanden in Schweden, Kanada, Norwegen, den Niederlanden und den USA. Die Ergebnisse der fünf einzelnen Studien wurden von unseren wissenschaftlichen Beraterinnen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) mithilfe eines statistischen Verfahrens (Metaanalyse) zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst.
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
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Aktualisiert am: 21.01.2026