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Insomnie

Verhaltens- oder Onlinetherapie: Was hilft besser bei Insomnie?

Studiencheck

Was sind Online-Selbsthilfeprogramme?

Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine Form der Psychotherapie. In Gesprächen mit dem Therapeuten oder der Therapeutin sowie mithilfe von Übungen wird versucht, Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die die Insomnie fördern, zu verändern. In der Behandlung erlernt man Techniken und Verhaltensweisen, die den Schlaf verbessern.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die empfohlene Ersttherapie bei Insomnie. Eine klassische Verhaltenstherapie findet persönlich mit einer Therapeutin, einem Therapeuten statt.

Was ist Insomnie?

Insomnie ist eine krankhafte Schlafstörung. Betroffene haben mehrmals pro Woche Ein- oder Durchschlafprobleme, und das über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg. Dadurch werden das Alltagsleben und insbesondere die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

In Deutschland ist es derzeit nicht leicht, einen Platz bei einem Psychotherapeuten, einer Psychotherapeutin zu bekommen, denn viele Praxen haben lange Wartelisten. Manche Menschen suchen deshalb nach Alternativen.

Eine davon sind Onlinetherapien. Dabei handelt es sich um Selbsthilfeprogramme mit oder ohne Begleitung durch psychologisches Fachpersonal.
Manche Onlinetherapien für Insomnie können Ärztinnen und Ärzte auf Rezept verordnen. Diese Onlinetherapien sind vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüft und als sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen zugelassen. 

Wir haben anhand der Studienlage ermittelt, ob eines der beiden Verfahren – klassische Verhaltenstherapie oder Onlinetherapie – besser als das andere bei Insomnie hilft.

Die Ergebnisse auf einen Blick

Sowohl die persönliche Verhaltenstherapie als auch die Selbsthilfeprogramme konnten die Schlafprobleme lindern: Bei Abschluss der Studie war der Schweregrad der Insomnie bei beiden Testgruppen etwa gleich, auch wenn die Verhaltenstherapie mit persönlichem Therapeutenkontakt eine stärkere Verbesserung zeigte.

Einschränkung der Ergebnisse

In den Studien wurden unterschiedliche Therapieformen untersucht. So wurde die persönliche Verhaltenstherapie als Gruppentherapie oder als Einzeltherapie angeboten, teilweise auch als Videosprechstunden. Unter den Onlinetherapien gab es Angebote mit und ohne begleitende Rückmeldungen von Fachpersonal. Die methodische Qualität der Studien war moderat bis schwach.

Was wurde untersucht?

In einer systematischen Recherche haben wir fünf randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) gefunden, die die persönliche Verhaltenstherapie direkt mit der Onlinetherapie verglichen haben.

In allen Studien wurden Erwachsene mit Insomnie zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Teilnehmenden erhielten entweder

  • eine persönliche Verhaltenstherapie gegen ihre Insomnie
  • oder Zugang zu einer Onlinetherapie gegen Insomnie.

Die Behandlungen dauerten zwischen sechs und zwölf Wochen.

Vor und nach der Behandlung füllten die Teilnehmenden einen Fragebogen zum Schweregrad der Insomnie aus (Insomnia Severity Index, ISI).
Außerdem dokumentierten die Teilnehmenden ihren Schlaf in Schlaftagebüchern.

Studienergebnisse

Nutzen der Behandlungsmethode

Beide Therapieformen verbesserten die Schlafprobleme. Die persönliche Verhaltenstherapie zeigte einen etwas größeren Nutzen als die Onlinetherapie.

Die Verbesserungen blieben auch noch sechs Monate nach Ende der Behandlung bestehen.

Schaden der Behandlungsmethode

In drei der fünf Studien wurden unerwünschte Ereignisse oder Nebenwirkungen der jeweiligen Behandlungen erhoben. Eine dieser Studien berichtete davon, dass keine Nebenwirkungen aufgetreten sind, zwei Studien dokumentierten meist leichte bis moderate Nebenwirkungen durch die Behandlungen. Dazu gehörten verstärkte Gedanken und Sorgen über den eigenen Schlaf oder größere Müdigkeit.

Einordnung der Ergebnisse

Die Studienergebnisse sind aus mehreren Gründen nur bedingt aussagekräftig. Die Verhaltenstherapie wurde in den einzelnen Studien unterschiedlich umgesetzt, z. B. als Einzel- oder Gruppentherapie. Von den Onlinetherapien wurden manche von Fachpersonal begleitet, andere nicht. Dadurch sind die Studiengruppen weniger gut vergleichbar.

Darüber hinaus waren die Gruppen der Teilnehmenden häufig nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung. Die Teilnehmenden waren meist gut gebildet, weiblich und hatten teilweise psychische Begleiterkrankungen. In einer Studie wurde militärisches Personal untersucht. Die Studienergebnisse lassen sich deshalb kaum auf andere Personengruppen übertragen.

Das Vorgehen in den Studien bewerten wir als moderat bis schwach. Hauptkritikpunkt ist die Auswertung der Fragebögen zum Schlaf. Den Forscherinnen und Forschern war bei der Auswertung bekannt, welche Teilnehmenden eine persönliche Verhaltenstherapie und welche eine Onlinetherapie durchlaufen hatten. Dadurch könnten die Ergebnisse verzerrt sein, weil die Forscher und Forscherinnen möglicherweise unbewusst die persönliche Verhaltenstherapie besser bewertet haben als die Onlinetherapie. Hätten sie nicht darüber Bescheid gewusst, wäre das Ergebnis womöglich anders ausgefallen.

Die Ergebnisse stammen aus einer systematischen Literaturanalyse. In der Literaturrecherche wurden für den Vergleich zwischen persönlicher Verhaltenstherapie und Onlinetherapie fünf randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) gefunden. Insgesamt 349 erwachsene Personen nahmen an den Untersuchungen teil. Das Durchschnittsalter betrug in den Studien zwischen 31 und 55 Jahre, für eine Studie lagen zu dieser Frage keine Daten vor. Der Frauenanteil bewegte sich zwischen 12 und 88 Prozent. Die Studien entstanden in Schweden, Kanada, Norwegen, den Niederlanden und den USA. Die Ergebnisse der fünf einzelnen Studien wurden von unseren wissenschaftlichen Beraterinnen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) mithilfe eines statistischen Verfahrens (Metaanalyse) zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Blom K, Tarkian Tillgren H, Wiklund T et al. Internet-vs. group-delivered cognitive behavior therapy for insomnia: A randomized controlled non-inferiority trial. Behav Res Ther 2015; 70:47–55. doi: 10.1016/j.brat.2015.05.002.

Holmqvist M, Vincent N, Walsh K. Web- vs. telehealth-based delivery of cognitive behavioral therapy for insomnia: a randomized controlled trial. Sleep Med 2014; 15(2):187–95. doi: 10.1016/j.sleep.2013.10.013.

Kallestad H, Scott J, Vedaa Ø et al. Mode of delivery of Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia: a randomized controlled non-inferiority trial of digital and face-to-face therapy. Sleep 2021; 44(12). doi: 10.1093/sleep/zsab185.

Lancee J, van Straten A, Morina N, Kaldo V, Kamphuis JH. Guided Online or Face-to-Face Cognitive Behavioral Treatment for Insomnia: A Randomized Wait-List Controlled Trial. Sleep 2016; 39(1):183–91. doi: 10.5665/sleep.5344.

Riemann D, Espie CA, Altena E et al. The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. J Sleep Res 2023; 32(6):e14035. doi: 10.1111/jsr.14035.

Spiegelhalder K, Baum E, Becker M et al. Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ - Update 2025 - Version 2.0 - AWMF-Registernummer 063-003; 2025.

Taylor DJ, Peterson AL, Pruiksma KE, Young-McCaughan S, Nicholson K, Mintz J. Internet and In-Person Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia in Military Personnel: A Randomized Clinical Trial. Sleep 2017; 40(6). doi: 10.1093/sleep/zsx075.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Michael Mibs
Michael Mibs

Michael Mibs

Referent Evidenzbasierte Medizin
Michael Mibs ist studierter Gesundheitswissenschaftler und Soziologe. Für die Stiftung erarbeitet er Inhalte für multimediale Informationsangebote auf Basis der Methoden der evidenzbasierten Medizin und konzipiert Analysen mit Bezug zur klinischen Versorgung.
Wissenschaftliche Beratung:
Anja Rakebrandt
Profilbild Anja Rakebrandt

Anja Rakebrandt

Anja Rakebrandt hat Medizinische Dokumentation studiert. Seit 2012 ist sie in unterschiedlichen Bereichen der Versorgungsforschung am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Derzeit liegt ihr Schwerpunkt auf systematischen Literaturrecherchen und Evidenzsynthesen.
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M. Sc. Anne Stark
Profilbild M. Sc. Anne Stark

M. Sc. Anne Stark

Anne Stark schloss 2006 eine Ausbildung zur Physiotherapeutin ab und studierte anschließend Physiotherapie / Ergotherapie an der Fachhochschule Osnabrück. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Physiotherapeutin in der neurologischen Frührehabilitation in der Schön Klinik Hamburg Eilbek absolvierte sie den Masterstudiengang Health Sciences an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seit 2013 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen und Evidenzsynthesen.
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MMSc Christopher Jäger
Profilbild MMsc Christopher Jäger

MMSc Christopher Jäger

Christopher Jäger absolvierte ein Studium der Humanbiologie und einen Masterstudiengang in Globaler Gesundheit in Kopenhagen und Maastricht. Nach den Abschlüssen arbeitete er als Projektmitarbeitender bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Projekten zu Klimaschutz und Gesundheitsversorgung. Im Rahmen dieser Tätigkeit konnte er Erfahrungen und Eindrücke nationaler und lokaler Gesundheitsversorgung in Afrika, Südamerika und dem mittleren Osten sammeln. 2021 zog es ihn zum Medizinstudium nach Hamburg, wo er zunächst als wissenschaftlicher Assistent in der Arbeitsgruppe „Gesundheitskommunikation“ am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitarbeitete und ab 2023 als wissenschaftlicher Mitarbeitender in der Arbeitsgruppe „Evidenzbasierte Medizin“ am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig ist.
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Edris Nury
Profilbild Edris Nury

Edris Nury

Edris Nury absolvierte ein Bachelorstudium in Medizin am Universitätsklinikum Utrecht in den Niederlanden und erwarb anschließend einen Masterabschluss in Health Sciences mit dem Schwerpunkt International Public Health an der Freien Universität Amsterdam. Nach seinem Studium war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Athena Institute der Freien Universität Amsterdam tätig. Dort wirkte er in verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich der qualitativen Forschung und der Patientenbeteiligung mit. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Nach seiner Zeit in der Klinik für Palliativmedizin konzentrierte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung) am Universitätsklinikum Freiburg auf quantitative Forschungsmethoden, auf die Erstellung und methodische Forschung zu Evidenzsynthesen sowie auf die kritische Bewertung von Evidenz (u.a. nach GRADE-Methodologie). Seit November 2021 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Evidenzbasierte Medizin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen, in der Erstellung von Evidenzsynthesen und in der kritischen Bewertung von Evidenz.
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Dr. Kerstin Bitter

Dr. Kerstin Bitter

Kerstin Bitter studierte Pharmazie an der Universität zu Kiel. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Klinische Pharmazie der Universität Bonn absolvierte sie im Anschluss die Weiterbildung zur Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und promovierte 2018 zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Apothekerin ist sie seit 2024 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
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M.Sc. Public Health Stefanie Butz
Profilbild M.Sc. Public Health Stefanie Butz

M.Sc. Public Health Stefanie Butz

Frau Butz schloss 2002 ihre Ausbildung zur examinierten Krankenschwester ab und arbeitete anschließend für zweieinhalb Jahre an der Orthopädischen Universitätsklinik in Frankfurt/Main. Nach Erwerb der Hochschulreife studierte sie von 2005 bis 2008 Gesundheitswissenschaften an der Fachhochschule Neubrandenburg. Anschließend erwarb sie ihren Master of Public Health an der Umeå University, Schweden. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als wiss. Mitarbeiterin am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein (Standort Lübeck), arbeitet sie seit 2013 am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie ist Teil der Arbeitsgruppe evidenzbasierte Medizin und arbeitet schwerpunktmäßig an der Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten, Evidenzsynthesen, HTA-Berichten und Patienteninformationen.

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Aktualisiert am: 21.01.2026