Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), eine Form der Psychotherapie, ist eine von mehreren Möglichkeiten, Insomnie zu behandeln. Durch Gespräche und Übungen wird versucht, Denkmuster, Gefühlsbewertungen und Verhaltensweisen, die die Insomnie bedingen, zu verändern.
In ärztlichen Leitlinien wird die kognitive Verhaltenstherapie als erste Behandlungsoption bei Insomnie empfohlen.
Sie besteht aus verschiedenen Therapiebausteinen. Beispielsweise werden Schlaftipps (Maßnahmen zur Schlafhygiene vermittelt und es werden Techniken und Verhaltensweisen, die den Schlaf verbessern können, erlernt und angewendet.
Was Studien zur Wirksamkeit dieser Therapieform bei Ein- und Durchschlafproblemen sagen, erfahren Sie in diesem Studiencheck.
Die Einschlafzeit, die Wachzeit nach dem Einschlafen und die Schlafeffizienz verbesserten sich bei den Betroffenen, die eine kognitive Verhaltenstherapie erhielten. Die Gesamtschlafzeit verbesserte sich allerdings nicht. Die einzelnen Studien nannten keine Schäden oder Nebenwirkungen durch die kognitive Verhaltenstherapie.
Einschränkung der Ergebnisse: Die methodische Qualität der Übersichtsarbeit ist gut. Verbesserungen der Tagesbefindlichkeit, Lebensqualität oder das völlige Abklingen der Symptome wurden nicht untersucht.
In einer systematischen Übersichtsarbeit aus 20 randomisierten kontrollierten Studien (RCT) wurden der Nutzen und Schaden einer kognitiven Verhaltenstherapie bei Menschen mit Insomnie untersucht. Die hier vorgestellte systematische Übersichtsarbeit fasst die Ergebnisse der einzelnen Studien mit Hilfe statistischer Analysen zu einem Gesamtergebnis zusammen.
In den Studien wurden Erwachsene mit einer Insomnie zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Teilnehmenden erhielten entweder
Die Behandlung erfolgte sowohl in Einzel- als auch Gruppentherapie. In allen Studien waren mindestens drei Bausteine einer insomniespezifischen kognitiven Verhaltenstherapie enthalten.
In den jeweiligen Studien gab es unterschiedliche Kontrollgruppen. In einigen Fällen wurden die Teilnehmenden der Kontrollgruppe auf Wartelisten gesetzt, d. h., sie absolvierten während der Studie keine kognitive Verhaltenstherapie, wussten aber, dass sie nach Ablauf der Studie eine bekommen würden. In anderen Studien erhielten die Kontrollgruppen Anleitungen zur Schlafhygiene, Placebotabletten, Placeboverhaltenstherapie oder hausärztliche Versorgung.
Im Anschluss an die Behandlung wurde untersucht, ob und wie sich der Schlaf der Teilnehmenden in den Behandlungs- und Kontrollgruppen verändert hat.
Wie wurden Verbesserungen festgestellt?
Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer dokumentierten ihren Schlaf in Schlaftagebüchern . Dabei hielten sie fest, wie viele Minuten sie zum Einschlafen benötigten, wie lange sie wach blieben, als sie nachts aufwachten, und wie lang die Schlafzeit wie auch die im Bett verbrachte Zeit insgesamt waren.
Die Schlafeffizienz der Teilnehmenden wurde aus der Schlafzeit und der Gesamtzeit im Bett errechnet. Bei einem Teil der Studien wurden dazu auch nächtliche Untersuchung im Schlaflabor durchgeführt.
Nutzen von kognitiven Verhaltenstherapien bei Insomnie
Nach den Behandlungen wurden die Daten aus den Schlaftagebüchern beider Gruppen verglichen. Die einzelnen Ergebnisse der systematischen Übersichtsarbeit beruhen auf 14 bis 17 Studien, da nicht jede Studie alle Aspekte untersuchte.
Die Einschlafzeit war am Ende der kognitiven Verhaltenstherapie im Durchschnitt 19 Minuten kürzer als bei den Teilnehmenden, die keine erhielten.
Die Wachzeit während des Schlafes war bei den Personen mit kognitiver Verhaltenstherapie im Durchschnitt 26 Minuten kürzer als bei Personen, die keinen Zugang dazu bekamen.
Die Gesamtschlafzeit unterschied sich nicht zwischen den beiden Gruppen.
Die Schlafeffizienz war in der Gruppe, die eine kognitive Verhaltenstherapie absolvierte, höher als bei den Teilnehmenden, die keine erhielten.
Darüber hinaus stellte die systematische Übersichtsarbeit im Vergleich zwischen Gruppen- und Einzeltherapien keine Unterschiede fest.
Schaden von kognitiven Verhaltenstherapien bei Insomnie
Fünf der 20 randomisierten kontrollierten Studien berichteten, dass es nicht zu einer unerwünschten Nebenwirkung oder einem Schaden durch die Behandlung mit insomniespezifischer kognitiver Verhaltenstherapie kam. Die anderen 15 Studien machten zu möglichen Schäden und unerwünschten Nebenwirkungen durch die Behandlung keine Angaben.
Langfristiger Nutzen der kognitiven Verhaltenstherapie bei Insomnie
Die Übersichtsarbeit untersuchte ebenfalls den mittelfristigen Nutzen einer kognitiven Verhaltenstherapie eine Woche bis sechs Monate nach Behandlung sowie den langfristigen Nutzen zwölf Monate nach Beendigung der Behandlung. Lediglich drei bis fünf Studien beschäftigten sich mit mittel- und langfristigen Effekten einer insomniespezifischen kognitiven Verhaltenstherapie. Diese konnten lediglich Hinweise auf einen langfristigen Nutzen hinsichtlich Einschlafzeit, Dauer der Wachphasen und der Schlafeffizienz feststellen, aber keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür erbringen.
Die Autoren vermerken die geringe Anzahl von nur drei bis fünf Studien, die die mittel- bis langfristige Wirkung untersucht haben, und geben zu bedenken, dass dies zu wenige sein könnten, um einen Effekt wissenschaftlich nachzuweisen. So ist zwar plausibel, dass die in der kognitiven Verhaltenstherapie erlernten Fähigkeiten länger wirken und den Schlaf positiv beeinflussen. Solange jedoch keine weitere Forschung vorliegt, ist die mittel- bis langfristige Wirkung nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.
Die methodische Qualität der systematischen Übersichtsarbeit ist als gut einzustufen und das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Ergebnisse nur geringfügig eingeschränkt.
Patientenrelevante Aspekte wie Tagesbefindlichkeit, Arbeits- und Leistungsfähigkeit oder Lebensqualität wurden in den eingeschlossenen Arbeiten nicht untersucht. Es wurde ebenfalls nicht untersucht, wie viele Betroffene nach der Behandlung keine Insomnie mehr hatten.
15 Studien berichteten nicht von Schäden und Nebenwirkungen durch die Behandlungen, sodass wir nicht sicher sein können, dass keine auftraten.
Es konnte keine Verbesserung der Gesamtschlafzeit festgestellt werden. Dies kann jedoch daran liegen, dass bei der insomniespezifischen kognitiven Verhaltenstherapie die Methode der Schlafrestriktion zur Anwendung kommt, wobei die Schlafzeit zunächst stark reduziert wird.
Die Ergebnisse zur Wirksamkeit stammen aus einer systematischen Übersichtsarbeit, die die Daten von 20 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 1.162 Erwachsenen berücksichtigte. Alle Teilnehmenden hatten Insomnie. Das Durchschnittsalter betrug 56 Jahre, der Frauenanteil 64 Prozent. Zur Dauer der Behandlung machte die Übersichtsarbeit keine Angaben. Die einzelnen Studien wurden in Europa, Nordamerika und China erhoben.
Die Übersichtsarbeit wurde nicht von Dritten finanziert. Die Finanzierung der einzelnen Studien leisteten die öffentliche Hand oder gemeinnützige Organisationen.
In sechs Studien standen die Teilnehmenden der Kontrollgruppe auf einer Warteliste. In weiteren sechs erhielt die Kontrollgruppe eine Anleitung zur Schlafhygiene, in weiteren vier Placebotabletten, in drei eine Placeboverhaltenstherapie und in einer Studie hausärztliche Versorgung.
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Riemann D, Baum E, Cohrs S, Crönlein T, Hajak G, Hertenstein E et al. S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen. Somnologie 2017;21(1):2–44.
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Erstellt am: 15.12.2020