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Insomnie

Hilft eine Verhaltenstherapie bei Insomnie?

Studiencheck

Was ist eine kognitive Verhaltenstherapie?

Kognitive Verhaltenstherapie ist eine Form der Psychotherapie. Durch Gespräche mit dem Therapeuten oder der Therapeutin sowie Übungen wird versucht, Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die die Insomnie fördern, zu verändern. In der Behandlung erlernt man Techniken und Verhaltensweisen, die den Schlaf verbessern können.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die empfohlene Ersttherapie bei Insomnie. Eine klassische Verhaltenstherapie findet persönliche mit einer Therapeutin, einem Therapeuten statt.

Was ist Insomnie?

Insomnie ist eine krankhafte Schlafstörung. Betroffene haben mehrmals Mal pro Woche Ein- oder Durchschlafprobleme und das über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Dadurch werden das Alltagsleben und insbesondere die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

In Deutschland ist es derzeit nicht immer leicht, einen Platz bei einem Psychotherapeuten, einer Psychotherapeutin zu bekommen, denn viele Praxen haben lange Wartelisten. Lohnt sich das Warten? Wir haben Studien zur Verhaltenstherapie bei Insomnie angeschaut, um zu schauen, wie gut die Behandlung bei Schlafstörungen hilft.

Die Ergebnisse auf einen Blick

Laut Studienlage ist die kognitive Verhaltenstherapie bei einem Psychotherapeuten, einer Psychotherapeutin eine wirksame Behandlung bei Insomnie.

Einschränkung der Ergebnisse

Die Übersichtsarbeit, die wir angeschaut haben, zeigt verschiedene Mängel, die das Vertrauen in die Ergebnisse einschränken. Allerdings haben wir weitere Übersichtsarbeiten gefunden, die zu einem ähnlichem Ergebnis kommen. Das stärkt unser Vertrauen in die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie bei Insomnie.

Was wurde untersucht?

Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit der Verhaltenstherapie mit einem Therapeuten, einer Therapeutin bei Insomnie. Die Übersichtsarbeit wertete die Ergebnisse von 34 Untersuchungsgruppen aus randomisiert-kontrollierten Studien aus. In diesen wurden Testpersonen einer von zwei Gruppen zugeteilt:

  • Eine Gruppe erhielt kognitive Verhaltenstherapie mit einem Psychotherapeutin, einer Psychotherapeutin.
  • Die andere Gruppe bestand aus Menschen, die gerade bei einem Therapeuten, einer Therapeutin auf der Warteliste standen.

Zu Beginn und Ende der Studie wurden der Schweregrad der Insomnie jeweils mit einem speziellen Fragebogen erfasst: Der Insomnie-Schweregrad Index ordnet die Schlafstörungen auf einer Skala von 0 bis 28 ein, wobei 0 für „gar keine Insomnie“ steht und 28 für „schwerste Insomnie“.

Studienergebnisse

Nutzen der Verhaltenstherapie bei Insomnie

Die systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass die Verhaltenstherapie die Beschwerden einer Insomnie lindern kann. In den Studien verbesserten sich die Beschwerden der Teilnehmenden um 5 bis 6 Punkte auf dem Insomnie-Schweregrad-Index. Dieser Index bewertet den Schweregrad einer Insomnie auf einer Skala von 0 bis 28 Punkten.

Schaden der Verhaltenstherapie bei Insomnie

Die Übersichtsarbeit untersuchte keine Nebenwirkungen der Verhaltenstherapie. Grund dafür war, dass die Einzelstudien keine Nebenwirkungen erhoben haben oder eben nur sehr uneinheitlich und unsystematisch. Eine andere Untersuchung fand heraus, dass lediglich 32 von 99 Studien überhaupt Nebenwirkungen der Verhaltenstherapie bei Insomnie untersuchten. In diesen wurden so gut wie gar keine Nebenwirkungen festgestellt. Das bedeutet nicht, dass es in der Verhaltenstherapie keine Nebenwirkungen gibt. Um diese Frage besser beantworten zu können, bräuchte es Studien, die mögliche Nebenwirkungen besser erfassen.

Zu einer Verhaltenstherapie bei Insomnie gehören Methoden, die die Bettzeiten beschränken, und bestimmte Verhaltensänderungen. Diese können dazu führen, dass Sie vorübergehend müder, schläfrig, weniger aufmerksam und konzentriert sind. Entsprechend ist z. B. beim Autofahren Vorsicht geboten. Die Müdigkeit kann sich außerdem auf bestimmte Begleiterkrankungen wie Epilepsie, bipolare Störungen oder NREM-Parasomnie auswirken. 

Einordnung der Ergebnisse

Die methodische Qualität der systematischen Übersichtsarbeit ist als niedrig einzustufen, so dass das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Ergebnisse eingeschränkt ist. Andere Übersichtsarbeiten kommen allerdings zu einem ähnlichen Ergebnis. Dies stärkt das Vertrauen in die Ergebnisse wieder. Es ist davon auszugeben, dass auch zukünftige Studien die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie bestätigen werden.

In der Übersichtsarbeit wurden 34 Untersuchungsgruppen ausgewertet. 16 davon untersuchten kognitive Verhaltenstherapie als persönliche Einzeltherapie, 14 als Gruppentherapie und 4 auf telemedizinische Interventionen. Als Vergleich dienten 24 Untersuchungsgruppen, deren Teilnehmende auf einer Warteliste für die Psychotherapie standen. Die Gruppen hatten jeweils 28 bis 51 Teilnehmende. Die Teilnehmenden waren im Mittel zwischen 39,5 und 53,5 Jahren alt. 50 bis 70 Prozent waren Frauen.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Condon HE, Maurer LF, Kyle SD. Reporting of adverse events in cognitive behavioural therapy for insomnia: A systematic examination of randomised controlled trials. Sleep Med Rev 2021; 56:101412. doi: 10.1016/j.smrv.2020.101412.

Hasan F, Tu Y-K, Yang C-M et al. Comparative efficacy of digital cognitive behavioral therapy for insomnia: A systematic review and network meta-analysis. Sleep Med Rev 2022; 61:101567. doi: 10.1016/j.smrv.2021.101567.

Knutzen SM, Christensen DS, Cairns P, Damholdt MF, Amidi A, Zachariae R. Efficacy of eHealth Versus In-Person Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia: Systematic Review and Meta-Analysis of Equivalence. JMIR Ment Health 2024; 11:e58217. doi: 10.2196/58217.

Riemann D, Espie CA, Altena E et al. The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. J Sleep Res 2023; 32(6):e14035. doi: 10.1111/jsr.14035.

Simon L, Steinmetz L, Feige B, Benz F, Spiegelhalder K, Baumeister H. Comparative efficacy of onsite, digital, and other settings for cognitive behavioral therapy for insomnia: a systematic review and network meta-analysis. Sci Rep 2023; 13(1):1929. doi: 10.1038/s41598-023-28853-0.

Soh HL, Ho RC, Ho CS, Tam WW. Efficacy of digital cognitive behavioural therapy for insomnia: a meta-analysis of randomised controlled trials. Sleep Med 2020; 75:315–25. doi: 10.1016/j.sleep.2020.08.020.

Spiegelhalder K, Baum E, Becker M et al. Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ - Update 2025 (AWMF-Registernummer 063-003) Version 2.0; 2025 [23.06.2025].

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Michael Mibs
Michael Mibs

Michael Mibs

Referent Evidenzbasierte Medizin
Michael Mibs ist studierter Gesundheitswissenschaftler und Soziologe. Für die Stiftung erarbeitet er Inhalte für multimediale Informationsangebote auf Basis der Methoden der evidenzbasierten Medizin und konzipiert Analysen mit Bezug zur klinischen Versorgung.
Wissenschaftliche Beratung:
Anja Rakebrandt
Profilbild Anja Rakebrandt

Anja Rakebrandt

Anja Rakebrandt hat Medizinische Dokumentation studiert. Seit 2012 ist sie in unterschiedlichen Bereichen der Versorgungsforschung am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Derzeit liegt ihr Schwerpunkt auf systematischen Literaturrecherchen und Evidenzsynthesen.
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M. Sc. Anne Stark
Profilbild M. Sc. Anne Stark

M. Sc. Anne Stark

Anne Stark schloss 2006 eine Ausbildung zur Physiotherapeutin ab und studierte anschließend Physiotherapie / Ergotherapie an der Fachhochschule Osnabrück. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Physiotherapeutin in der neurologischen Frührehabilitation in der Schön Klinik Hamburg Eilbek absolvierte sie den Masterstudiengang Health Sciences an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seit 2013 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen und Evidenzsynthesen.
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MMSc Christopher Jäger
Profilbild MMsc Christopher Jäger

MMSc Christopher Jäger

Christopher Jäger absolvierte ein Studium der Humanbiologie und einen Masterstudiengang in Globaler Gesundheit in Kopenhagen und Maastricht. Nach den Abschlüssen arbeitete er als Projektmitarbeitender bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Projekten zu Klimaschutz und Gesundheitsversorgung. Im Rahmen dieser Tätigkeit konnte er Erfahrungen und Eindrücke nationaler und lokaler Gesundheitsversorgung in Afrika, Südamerika und dem mittleren Osten sammeln. 2021 zog es ihn zum Medizinstudium nach Hamburg, wo er zunächst als wissenschaftlicher Assistent in der Arbeitsgruppe „Gesundheitskommunikation“ am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitarbeitete und ab 2023 als wissenschaftlicher Mitarbeitender in der Arbeitsgruppe „Evidenzbasierte Medizin“ am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig ist.
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Edris Nury
Profilbild Edris Nury

Edris Nury

Edris Nury absolvierte ein Bachelorstudium in Medizin am Universitätsklinikum Utrecht in den Niederlanden und erwarb anschließend einen Masterabschluss in Health Sciences mit dem Schwerpunkt International Public Health an der Freien Universität Amsterdam. Nach seinem Studium war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Athena Institute der Freien Universität Amsterdam tätig. Dort wirkte er in verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich der qualitativen Forschung und der Patientenbeteiligung mit. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Nach seiner Zeit in der Klinik für Palliativmedizin konzentrierte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung) am Universitätsklinikum Freiburg auf quantitative Forschungsmethoden, auf die Erstellung und methodische Forschung zu Evidenzsynthesen sowie auf die kritische Bewertung von Evidenz (u.a. nach GRADE-Methodologie). Seit November 2021 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Evidenzbasierte Medizin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen, in der Erstellung von Evidenzsynthesen und in der kritischen Bewertung von Evidenz.
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Dr. Kerstin Bitter

Dr. Kerstin Bitter

Kerstin Bitter studierte Pharmazie an der Universität zu Kiel. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Klinische Pharmazie der Universität Bonn absolvierte sie im Anschluss die Weiterbildung zur Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und promovierte 2018 zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Apothekerin ist sie seit 2024 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
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M.Sc. Public Health Stefanie Butz
Profilbild M.Sc. Public Health Stefanie Butz

M.Sc. Public Health Stefanie Butz

Frau Butz schloss 2002 ihre Ausbildung zur examinierten Krankenschwester ab und arbeitete anschließend für zweieinhalb Jahre an der Orthopädischen Universitätsklinik in Frankfurt/Main. Nach Erwerb der Hochschulreife studierte sie von 2005 bis 2008 Gesundheitswissenschaften an der Fachhochschule Neubrandenburg. Anschließend erwarb sie ihren Master of Public Health an der Umeå University, Schweden. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als wiss. Mitarbeiterin am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein (Standort Lübeck), arbeitet sie seit 2013 am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie ist Teil der Arbeitsgruppe evidenzbasierte Medizin und arbeitet schwerpunktmäßig an der Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten, Evidenzsynthesen, HTA-Berichten und Patienteninformationen.

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Aktualisiert am: 21.01.2026