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Insomnie

Helfen Onlinetherapien bei Insomnie?

Studiencheck

Was sind Online-Selbsthilfeprogramme?

Online-Selbsthilfeprogramme sind eine mögliche Behandlungsform bei Insomnie. Es handelt sich dabei um Software oder Apps, die nach Methoden der Psychotherapie arbeiten, konkret der kognitiven Verhaltenstherapie. Menschen mit Insomnie nutzen solche Programme selbstständig. Es gibt dabei keinen direkten persönlichen Austausch mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin.

Was ist Insomnie?

Insomnie ist eine krankhafte Schlafstörung. Betroffene haben mehrmals pro Woche Ein- oder Durchschlafprobleme, und das über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg. Dadurch werden das Alltagsleben und insbesondere die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

Manche Programme bieten allerdings Kontaktmöglichkeiten mit Fachpersonal an. Onlinetherapien vermitteln beispielsweise Schlaftipps sowie Techniken und Verhaltensweisen, die den Schlaf verbessern können.

Wir haben die aktuelle Studienlage überprüft, um herauszufinden, wie gut solche Programme gegen Insomnie helfen.

Was wurde untersucht?

Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Online-Selbsthilfeprogrammen bei Insomnie. Die Übersichtsarbeit berücksichtigte insgesamt 26 Studienarme aus randomisiert-kontrollierten Studien. Darin erhielten die Teilnehmenden entweder Zugang zu einem Onlineprogramm oder einen Wartelistenplatz für eine Psychotherapie. Mithilfe eines speziellen Fragebogens zum Insomnie-Schweregrad-Index wurde bewertet, wie sich die Beschwerden der Insomnie durch die jeweilige Behandlung verändert haben.

Die Ergebnisse auf einen Blick

Online-Selbsthilfeprogramme sind eine wirksame Behandlung bei Insomnie.

Einschränkung der Ergebnisse

Die Übersichtsarbeit zeigt verschiedene methodische Mängel. Dadurch ist das Vertrauen in die Ergebnisse eingeschränkt. Allerdings kommen andere Übersichtsarbeiten zu ähnlichen Ergebnissen. Dies stärkt wiederum unser Vertrauen in die Wirksamkeit der Onlineprogramme.

Studienergebnisse

Helfen Online-Selbsthilfeprogramme gegen Insomnie?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Onlineprogramme im Vergleich zur Warteliste die Schlafprobleme bei Insomnie verbessern können. Sie bieten eine ergänzende Versorgung für Menschen, die keinen Zugang zu einer persönlichen Psychotherapie haben oder möchten. Die Ergebnisse decken sich mit den Empfehlungen der ärztlichen Leitlinien zu Insomnie.

In der Übersichtsarbeit zeigt sich ein mittelgroßer Effekt auf die Schlafprobleme: Bei Menschen, die Onlineprogramme verwendeten, besserte sich der Insomnie-Schweregrad-Index um 4 Punkte. Dieser Index reicht von 0 (= gar keine Insomnie) bis 28 (= schwerste Insomnie).

Die Übersichtsarbeit analysierte mögliche Nebenwirkungen der Onlineprogramme nicht, da die Einzelstudien diese sehr unterschiedlich erhoben haben. Viele Studien erhoben gar keine Nebenwirkungen oder eher unsystematisch und uneinheitlich. Eine andere Untersuchung fand heraus, dass lediglich 32 von 99 Studien überhaupt Nebenwirkungen der Verhaltenstherapie bei Insomnie untersuchten. In ihnen wurden so gut wie keine festgestellt. Dies bedeutet nicht, dass es in der Verhaltenstherapie keine Nebenwirkungen gibt. Um die Frage besser beantworten zu können, wären Studien erforderlich, die denkbare Nebenwirkungen im Einzelnen erfassen.

Zu einer Verhaltenstherapie bei Insomnie gehören Methoden, die die Bettzeiten beschränken, und bestimmte Verhaltensänderungen. Diese können dazu führen, dass Sie vorübergehend schläfrig, weniger aufmerksam und konzentriert sind. Entsprechend ist z. B. beim Autofahren Vorsicht geboten. Die Müdigkeit kann sich außerdem auf bestimmte Begleiterkrankungen wie Epilepsie, bipolare Störungen oder NREM-Parasomnie auswirken.

Einordnung der Ergebnisse

Die Übersichtsarbeit hat eine niedrige methodische Qualität, sodass das Vertrauen in die Ergebnisse eingeschränkt ist. Andere systematische Reviews kommen allerdings zu einem ähnlichen Ergebnis. Dies stärkt das Vertrauen in die Ergebnisse wieder. Es ist davon auszugehen, dass die Onlinetherapie tatsächlich wirksam ist und dass zukünftige Studien zu einem ähnlichen Ergebnis kommen werden.

In der systematischen Übersichtsarbeit von Simon et al. (2023) repräsentierten 26 Studienarme die internetbasierte KVT-I, wobei 16 auf das unbegleitete Format und 10 auf das begleitete Format fielen. Für den Vergleich der Warteliste wurden 24 Studienarme in die Analyse eingeschlossen. Die Teilnehmenden waren im Mittel zwischen 36 und 48 Jahre alt, 54 bis 72 Prozent von ihnen weiblich. Es nahmen zwischen 31 und 156 Personen an den jeweiligen Studien teil.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Condon HE, Maurer LF, Kyle SD. Reporting of adverse events in cognitive behavioural therapy for insomnia: A systematic examination of randomised controlled trials. Sleep Med Rev 2021; 56:101412. doi: 10.1016/j.smrv.2020.101412.

Hasan F, Tu Y-K, Yang C-M et al. Comparative efficacy of digital cognitive behavioral therapy for insomnia: A systematic review and network meta-analysis. Sleep Med Rev 2022; 61:101567. doi: 10.1016/j.smrv.2021.101567.

Knutzen SM, Christensen DS, Cairns P, Damholdt MF, Amidi A, Zachariae R. Efficacy of eHealth Versus In-Person Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia: Systematic Review and Meta-Analysis of Equivalence. JMIR Ment Health 2024; 11:e58217. doi: 10.2196/58217.

Riemann D, Espie CA, Altena E et al. The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. J Sleep Res 2023; 32(6):e14035. doi: 10.1111/jsr.14035.

Simon L, Steinmetz L, Feige B, Benz F, Spiegelhalder K, Baumeister H. Comparative efficacy of onsite, digital, and other settings for cognitive behavioral therapy for insomnia: a systematic review and network meta-analysis. Sci Rep 2023; 13(1):1929. doi: 10.1038/s41598-023-28853-0.

Soh HL, Ho RC, Ho CS, Tam WW. Efficacy of digital cognitive behavioural therapy for insomnia: a meta-analysis of randomised controlled trials. Sleep Med 2020; 75:315–25. doi: 10.1016/j.sleep.2020.08.020.

Spiegelhalder K, Baum E, Becker M, Cornaro C, Crönlein T, Frase L, Harth V, Hertenstein E, Johann AF, Mertel I, Kunz D, Langhorst J, Maurer JT, Mayer G, Nissen C, Pietrowsky R, Pollmächer T, Schumacher C, Sitter H, Steffen A, Weeß HG, Wehling M, Winter Y, Riemann D. Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ - Update 2025 (AWMF-Registernummer 063-003) Version 2.0; 2025 [23.06.2025].

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Michael Mibs
Michael Mibs

Michael Mibs

Referent Evidenzbasierte Medizin
Michael Mibs ist studierter Gesundheitswissenschaftler und Soziologe. Für die Stiftung erarbeitet er Inhalte für multimediale Informationsangebote auf Basis der Methoden der evidenzbasierten Medizin und konzipiert Analysen mit Bezug zur klinischen Versorgung.
Wissenschaftliche Beratung:
Anja Rakebrandt
Profilbild Anja Rakebrandt

Anja Rakebrandt

Anja Rakebrandt hat Medizinische Dokumentation studiert. Seit 2012 ist sie in unterschiedlichen Bereichen der Versorgungsforschung am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Derzeit liegt ihr Schwerpunkt auf systematischen Literaturrecherchen und Evidenzsynthesen.
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M. Sc. Anne Stark
Profilbild M. Sc. Anne Stark

M. Sc. Anne Stark

Anne Stark schloss 2006 eine Ausbildung zur Physiotherapeutin ab und studierte anschließend Physiotherapie / Ergotherapie an der Fachhochschule Osnabrück. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Physiotherapeutin in der neurologischen Frührehabilitation in der Schön Klinik Hamburg Eilbek absolvierte sie den Masterstudiengang Health Sciences an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seit 2013 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen und Evidenzsynthesen.
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MMSc Christopher Jäger
Profilbild MMsc Christopher Jäger

MMSc Christopher Jäger

Christopher Jäger absolvierte ein Studium der Humanbiologie und einen Masterstudiengang in Globaler Gesundheit in Kopenhagen und Maastricht. Nach den Abschlüssen arbeitete er als Projektmitarbeitender bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Projekten zu Klimaschutz und Gesundheitsversorgung. Im Rahmen dieser Tätigkeit konnte er Erfahrungen und Eindrücke nationaler und lokaler Gesundheitsversorgung in Afrika, Südamerika und dem mittleren Osten sammeln. 2021 zog es ihn zum Medizinstudium nach Hamburg, wo er zunächst als wissenschaftlicher Assistent in der Arbeitsgruppe „Gesundheitskommunikation“ am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitarbeitete und ab 2023 als wissenschaftlicher Mitarbeitender in der Arbeitsgruppe „Evidenzbasierte Medizin“ am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig ist.
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Edris Nury
Profilbild Edris Nury

Edris Nury

Edris Nury absolvierte ein Bachelorstudium in Medizin am Universitätsklinikum Utrecht in den Niederlanden und erwarb anschließend einen Masterabschluss in Health Sciences mit dem Schwerpunkt International Public Health an der Freien Universität Amsterdam. Nach seinem Studium war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Athena Institute der Freien Universität Amsterdam tätig. Dort wirkte er in verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich der qualitativen Forschung und der Patientenbeteiligung mit. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Nach seiner Zeit in der Klinik für Palliativmedizin konzentrierte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung) am Universitätsklinikum Freiburg auf quantitative Forschungsmethoden, auf die Erstellung und methodische Forschung zu Evidenzsynthesen sowie auf die kritische Bewertung von Evidenz (u.a. nach GRADE-Methodologie). Seit November 2021 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Evidenzbasierte Medizin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen, in der Erstellung von Evidenzsynthesen und in der kritischen Bewertung von Evidenz.
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Dr. Kerstin Bitter

Dr. Kerstin Bitter

Kerstin Bitter studierte Pharmazie an der Universität zu Kiel. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Klinische Pharmazie der Universität Bonn absolvierte sie im Anschluss die Weiterbildung zur Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und promovierte 2018 zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Apothekerin ist sie seit 2024 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
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M.Sc. Public Health Stefanie Butz
Profilbild M.Sc. Public Health Stefanie Butz

M.Sc. Public Health Stefanie Butz

Frau Butz schloss 2002 ihre Ausbildung zur examinierten Krankenschwester ab und arbeitete anschließend für zweieinhalb Jahre an der Orthopädischen Universitätsklinik in Frankfurt/Main. Nach Erwerb der Hochschulreife studierte sie von 2005 bis 2008 Gesundheitswissenschaften an der Fachhochschule Neubrandenburg. Anschließend erwarb sie ihren Master of Public Health an der Umeå University, Schweden. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als wiss. Mitarbeiterin am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein (Standort Lübeck), arbeitet sie seit 2013 am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie ist Teil der Arbeitsgruppe evidenzbasierte Medizin und arbeitet schwerpunktmäßig an der Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten, Evidenzsynthesen, HTA-Berichten und Patienteninformationen.

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Aktualisiert am: 21.01.2026