Online-Selbsthilfeprogramme sind eine mögliche Behandlungsform bei Insomnie. Es handelt sich dabei um Software oder Apps, die nach Methoden der Psychotherapie arbeiten, konkret der kognitiven Verhaltenstherapie. Menschen mit Insomnie nutzen solche Programme selbstständig. Es gibt dabei keinen direkten persönlichen Austausch mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin.
Insomnie ist eine krankhafte Schlafstörung. Betroffene haben mehrmals pro Woche Ein- oder Durchschlafprobleme, und das über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg. Dadurch werden das Alltagsleben und insbesondere die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
Manche Programme bieten allerdings Kontaktmöglichkeiten mit Fachpersonal an. Onlinetherapien vermitteln beispielsweise Schlaftipps sowie Techniken und Verhaltensweisen, die den Schlaf verbessern können.
Wir haben die aktuelle Studienlage überprüft, um herauszufinden, wie gut solche Programme gegen Insomnie helfen.
Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Online-Selbsthilfeprogrammen bei Insomnie. Die Übersichtsarbeit berücksichtigte insgesamt 26 Studienarme aus randomisiert-kontrollierten Studien. Darin erhielten die Teilnehmenden entweder Zugang zu einem Onlineprogramm oder einen Wartelistenplatz für eine Psychotherapie. Mithilfe eines speziellen Fragebogens zum Insomnie-Schweregrad-Index wurde bewertet, wie sich die Beschwerden der Insomnie durch die jeweilige Behandlung verändert haben.
Online-Selbsthilfeprogramme sind eine wirksame Behandlung bei Insomnie.
Einschränkung der Ergebnisse
Die Übersichtsarbeit zeigt verschiedene methodische Mängel. Dadurch ist das Vertrauen in die Ergebnisse eingeschränkt. Allerdings kommen andere Übersichtsarbeiten zu ähnlichen Ergebnissen. Dies stärkt wiederum unser Vertrauen in die Wirksamkeit der Onlineprogramme.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Onlineprogramme im Vergleich zur Warteliste die Schlafprobleme bei Insomnie verbessern können. Sie bieten eine ergänzende Versorgung für Menschen, die keinen Zugang zu einer persönlichen Psychotherapie haben oder möchten. Die Ergebnisse decken sich mit den Empfehlungen der ärztlichen Leitlinien zu Insomnie.
In der Übersichtsarbeit zeigt sich ein mittelgroßer Effekt auf die Schlafprobleme: Bei Menschen, die Onlineprogramme verwendeten, besserte sich der Insomnie-Schweregrad-Index um 4 Punkte. Dieser Index reicht von 0 (= gar keine Insomnie) bis 28 (= schwerste Insomnie).
Die Übersichtsarbeit analysierte mögliche Nebenwirkungen der Onlineprogramme nicht, da die Einzelstudien diese sehr unterschiedlich erhoben haben. Viele Studien erhoben gar keine Nebenwirkungen oder eher unsystematisch und uneinheitlich. Eine andere Untersuchung fand heraus, dass lediglich 32 von 99 Studien überhaupt Nebenwirkungen der Verhaltenstherapie bei Insomnie untersuchten. In ihnen wurden so gut wie keine festgestellt. Dies bedeutet nicht, dass es in der Verhaltenstherapie keine Nebenwirkungen gibt. Um die Frage besser beantworten zu können, wären Studien erforderlich, die denkbare Nebenwirkungen im Einzelnen erfassen.
Zu einer Verhaltenstherapie bei Insomnie gehören Methoden, die die Bettzeiten beschränken, und bestimmte Verhaltensänderungen. Diese können dazu führen, dass Sie vorübergehend schläfrig, weniger aufmerksam und konzentriert sind. Entsprechend ist z. B. beim Autofahren Vorsicht geboten. Die Müdigkeit kann sich außerdem auf bestimmte Begleiterkrankungen wie Epilepsie, bipolare Störungen oder NREM-Parasomnie auswirken.
Die Übersichtsarbeit hat eine niedrige methodische Qualität, sodass das Vertrauen in die Ergebnisse eingeschränkt ist. Andere systematische Reviews kommen allerdings zu einem ähnlichen Ergebnis. Dies stärkt das Vertrauen in die Ergebnisse wieder. Es ist davon auszugehen, dass die Onlinetherapie tatsächlich wirksam ist und dass zukünftige Studien zu einem ähnlichen Ergebnis kommen werden.
In der systematischen Übersichtsarbeit von Simon et al. (2023) repräsentierten 26 Studienarme die internetbasierte KVT-I, wobei 16 auf das unbegleitete Format und 10 auf das begleitete Format fielen. Für den Vergleich der Warteliste wurden 24 Studienarme in die Analyse eingeschlossen. Die Teilnehmenden waren im Mittel zwischen 36 und 48 Jahre alt, 54 bis 72 Prozent von ihnen weiblich. Es nahmen zwischen 31 und 156 Personen an den jeweiligen Studien teil.
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Aktualisiert am: 21.01.2026