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Insomnie

Wie wird Insomnie festgestellt?

Ob eine Insomnie vorliegt oder ob es sich lediglich um eine vorübergehende Ein- oder Durchschlafstörung handelt, kann im Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin geklärt werden. Dabei werden konkrete Fragen zum persönlichen Schlafverhalten erfasst. Dafür können Schlaftagebücher und weitere Hilfsmittel eingesetzt werden. Erfahren Sie mehr darüber, wie man Insomnie feststellen kann.

Wie stellt der Arzt Insomnie fest?

Ihr erster Ansprechpartner bei Schlafproblemen ist Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt. Ein erster Schritt ist das Gespräch mit dem Arzt bzw. der Ärztin. Dabei werden Betroffene sehr genau dazu befragt, wie sich die Schlafstörungen bei ihnen äußern. 

Speziell zum Schlaf wird es in der Regel um folgende Punkte gehen:

Wann gehen Sie abends zu Bett? Wie lange dauert es, bis Sie eingeschlafen sind? Wann werden Sie wach oder wann stehen Sie normalerweise auf?

Schlafen Sie in einem Schlafzimmer oder in einem Raum, der auch noch für andere Aktivitäten genutzt wird, z. B. auf dem Sofa im Wohnzimmer? Wie sind die Licht- und Belüftungsverhältnisse? Wird Ihr Schlaf von anderen Personen, z. B. Kindern oder dem Lebenspartner, oder auch äußeren Einflüssen wie Lärm gestört?

Wann essen Sie abends Ihre letzte Mahlzeit? Was essen Sie zum Abendessen? Aber auch Fragen zum Gebrauch von Alkohol, Nikotin, Drogen und Medikamenten sind von Bedeutung, da diese ebenfalls zu Schlafstörungen führen können.

In der Regel kann der Arzt, die Ärztin mit Hilfe Ihrer Angaben zu Beschwerden und Schlafverhalten beurteilen, ob bei Ihnen Insomnie vorliegt oder nicht. Fragebögen oder ein Schlaftagebuch helfen dabei, die Angaben präzise und nachvollziehbar festzuhalten.

Eine körperliche Untersuchung kann ebenfalls hinzukommen, wenn der Verdacht besteht, dass die Insomnie körperliche Ursachen hat. 

Falls Ihre Ärztin, Ihr Arzt in Betracht zieht, dass Sie zum Beispiel unter einer schlafbezogenen Atemstörung (Schlafapnoe) leiden oder eine tiefergehende Abklärung der Insomnie notwendig erscheint, werden Sie an die Schlafmedizin oder ein Schlaflabor überwiesen. Dort kann die Schlafstörung im Rahmen einer sogenannten Polysomnographie genauer abgeklärt werden.

Untersuchungsmethoden

Was ist ein Schlaftagebuch?

In einem Schlaftagebuch wird das Schlaf-Wach-Verhalten über einen längeren Zeitraum, meistens 14 Tage, detailliert erfasst. Dazu werden auf einem Fragebogen täglich immer die gleichen Fragen beantwortet.

Anhand der Angaben im Schlaftagebuch können Sie selbst und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt abschätzen, wie ausgeprägt die Schlafstörung ist. Außerdem können Hinweise auf mögliche Ursachen und Ansatzpunkte für eine Behandlung erkannt werden. 

Schlaftagebücher werden auch als Abend-Morgen-Protokolle bezeichnet, da sie abends vor dem Schlafen und morgens nach dem Aufstehen auszufüllen sind.

Schlaftagebuch

Sie können das Schlaftagebuch in Vorbereitung auf einen Arztbesuch ausfüllen und es zum Arztbesuch mitnehmen. Es ist etwas aufwändiger als ein einzelner Fragebogen. Dafür gibt das Schlaftagebuch detaillierte Informationen über Ihren Schlaf.

Es wird zwei Wochen lang geführt. Jeweils morgens und abends werden auf dem Formular Informationen wie Einschlaf- und Aufwachzeit, Schlafqualität und persönliches Befinden eingetragen. Dies dauert in der Regel jeweils fünf Minuten.

Schlaftagebuch als PDF

Was ist eine Polysomnographie?

Die Polysomnographie  ist eine Untersuchung, bei der verschiedene Körperfunktionen im Schlaf gemessen werden. Die Polysomnographie wird eingesetzt, wenn ein Verdacht auf schlafbezogene Begleiterkrankungen wie Schlafapnoe besteht oder die Schlafstörungen sich durch eine Verhaltenstherapie oder Medikamente nicht bessern. Für die Untersuchung müssen Patienten und Patientinnen in einem Schlaflabor übernachten, wo sie ein bis zwei Nächte an verschiedene Geräte angeschlossen werden. Im Einzelnen wird Folgendes erfasst:

Im Einzelnen wird Folgendes erfasst:

  • Hirnstrombild im Schlaf (Elektroenzephalographie [EEG])
  • Augenbewegungen im Schlaf (Elektrookulographie [EOG])
  • Muskelspannung im Schlaf (Elektromyographie [EMG])
  • Herzrhythmus im Schlaf (Elektrokardiogramm [EKG])  
  • Sauerstoffgehalt des Blutes (Pulsoxymetrie)
  • Körpertemperatur
  • Atemfluss über Mund und Nase
  • Atembewegungen
  • Beinbewegungen
  • Schnarchgeräusche
  • Körperlage

Wie messen Apps den Schlaf?

Verschiedene Apps und Geräte wie Smartwatches oder Fitnessarmbänder sollen dabei helfen, die Schlafdauer und Schlafqualität zu bewerten. Sie erfassen etwa Bewegungen in der Nacht, Herzschlag, Atmung und Umgebungsgeräusche. Daraus berechnen die Programme die Einschlafzeit, die Schlafdauer und auch Phasen des Tief- und REM-Schlafes.

Untersuchungen zeigen, dass die Wearables ähnlich gute Ergebnisse zur Schlafdauer liefern wie eine Polysomnographie. Die tatsächliche Schlafqualität oder die Schlafphasen (Tiefschlaf- oder REM-Phasen) können die Produkte derzeit allerdings häufig noch nicht genau erfassen. Viele der verfügbaren Apps und Wearables sind darüber hinaus auch nur bedingt wissenschaftlich überprüft. Sie können daher keine medizinische Untersuchung im Schlaflabor ersetzen.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Behar J, Roebuck A, Domingos JS, Gederi E, Clifford GD. A review of current sleep screening applications for smartphones. Physiol Meas 2013; 34(7):R29-R46. doi: 10.1088/0967-3334/34/7/R29.

Braun RN, Mader FH. Programmierte Diagnostik in der Allgemeinmedizin: 82 Checklisten für Anamnese und Untersuchung. 5. Aufl. Berlin: Springer; 2005.

Chinoy ED, Cuellar JA, Huwa KE et al. Performance of seven consumer sleep-tracking devices compared with polysomnography. Sleep 2021; 44(5). doi: 10.1093/sleep/zsaa291.

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Abend-Morgenprotokoll für 2 Wochen; 1999. Verfügbar unter: https://schlaf.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/kompetenzzentren/schlaf/Schlaftagebuch.pdf [18.11.2024].

Fino E, Plazzi G, Filardi M et al. (Not so) Smart sleep tracking through the phone: Findings from a polysomnography study testing the reliability of four sleep applications. J Sleep Res 2019; 29(1):e12935. doi: 10.1111/jsr.12935.

Hoffmann RM, Müller T, Hajak G, Cassel W. Abend-Morgenprotokolle in Schlafforschung und Schlafmedizin: Ein Standardinstrument für den deutschsprachigen Raum. Somnologie 1997; 1(3):103–9. doi: 10.1007/s11818-997-0019-z.

Ibáñez V, Silva J, Cauli O. A survey on sleep assessment methods. PeerJ 2018; 6:e4849. doi: 10.7717/peerj.4849.

Kahawage P, Jumabhoy R, Hamill K, Zambotti M, Drummond SPA. Validity, potential clinical utility, and comparison of consumer and research-grade activity trackers in Insomnia Disorder I: In-lab validation against polysomnography. J Sleep Res 2020; 29(1):e12931. doi: 10.1111/jsr.12931.

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Mader FH, Riedl B. Allgemeinmedizin und Praxis: Facharztwissen, Facharztprüfung. Anleitung in Diagnostik, Therapie und Betreuung. 8., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg; 2018.

Riedl B, Peter W. Basiswissen Allgemeinmedizin: 4.14.2 Schlafstörungen. Berlin, Heidelberg, s.l.: Springer Berlin Heidelberg; 2017.

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Weeß H-G. Diagnostische Methoden. In: Stuck BA, Maurer JT, Schlarb AA, Schredl M, Weeß H-G, Hrsg. Praxis der Schlafmedizin. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg; 2018. S. 23–85.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Jochen Randig
Jochen Randig

Jochen Randig

Senior-Multimedia-Producer / Fachleitung multimediale Formate
Jochen Randig ist Kommunikationswissenschaftler mit Schwerpunkt Bewegtbild. Für die Stiftung konzipiert er multimediale Formate und ist für die Qualitätssicherung und Dienstleistersteuerung in diesem Bereich zuständig.
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Michael Mibs
Michael Mibs

Michael Mibs

Referent Evidenzbasierte Medizin
Michael Mibs ist studierter Gesundheitswissenschaftler und Soziologe. Für die Stiftung erarbeitet er Inhalte für multimediale Informationsangebote auf Basis der Methoden der evidenzbasierten Medizin und konzipiert Analysen mit Bezug zur klinischen Versorgung.
Wissenschaftliche Beratung:
Edris Nury
Profilbild Edris Nury

Edris Nury

Edris Nury absolvierte ein Bachelorstudium in Medizin am Universitätsklinikum Utrecht in den Niederlanden und erwarb anschließend einen Masterabschluss in Health Sciences mit dem Schwerpunkt International Public Health an der Freien Universität Amsterdam. Nach seinem Studium war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Athena Institute der Freien Universität Amsterdam tätig. Dort wirkte er in verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich der qualitativen Forschung und der Patientenbeteiligung mit. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Nach seiner Zeit in der Klinik für Palliativmedizin konzentrierte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung) am Universitätsklinikum Freiburg auf quantitative Forschungsmethoden, auf die Erstellung und methodische Forschung zu Evidenzsynthesen sowie auf die kritische Bewertung von Evidenz (u.a. nach GRADE-Methodologie). Seit November 2021 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Evidenzbasierte Medizin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen, in der Erstellung von Evidenzsynthesen und in der kritischen Bewertung von Evidenz.
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M.Sc. Public Health Stefanie Butz
Profilbild M.Sc. Public Health Stefanie Butz

M.Sc. Public Health Stefanie Butz

Frau Butz schloss 2002 ihre Ausbildung zur examinierten Krankenschwester ab und arbeitete anschließend für zweieinhalb Jahre an der Orthopädischen Universitätsklinik in Frankfurt/Main. Nach Erwerb der Hochschulreife studierte sie von 2005 bis 2008 Gesundheitswissenschaften an der Fachhochschule Neubrandenburg. Anschließend erwarb sie ihren Master of Public Health an der Umeå University, Schweden. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als wiss. Mitarbeiterin am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein (Standort Lübeck), arbeitet sie seit 2013 am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie ist Teil der Arbeitsgruppe evidenzbasierte Medizin und arbeitet schwerpunktmäßig an der Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten, Evidenzsynthesen, HTA-Berichten und Patienteninformationen.
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M. Sc. Anne Stark
Profilbild M. Sc. Anne Stark

M. Sc. Anne Stark

Anne Stark schloss 2006 eine Ausbildung zur Physiotherapeutin ab und studierte anschließend Physiotherapie / Ergotherapie an der Fachhochschule Osnabrück. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Physiotherapeutin in der neurologischen Frührehabilitation in der Schön Klinik Hamburg Eilbek absolvierte sie den Masterstudiengang Health Sciences an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seit 2013 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der Durchführung systematischer Literaturrecherchen und Evidenzsynthesen.
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Dr. Kerstin Bitter

Dr. Kerstin Bitter

Kerstin Bitter studierte Pharmazie an der Universität zu Kiel. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Klinische Pharmazie der Universität Bonn absolvierte sie im Anschluss die Weiterbildung zur Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und promovierte 2018 zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Apothekerin ist sie seit 2024 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
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Anja Rakebrandt
Profilbild Anja Rakebrandt

Anja Rakebrandt

Anja Rakebrandt hat Medizinische Dokumentation studiert. Seit 2012 ist sie in unterschiedlichen Bereichen der Versorgungsforschung am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Derzeit liegt ihr Schwerpunkt auf systematischen Literaturrecherchen und Evidenzsynthesen.
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MMSc Christopher Jäger
Profilbild MMsc Christopher Jäger

MMSc Christopher Jäger

Christopher Jäger absolvierte ein Studium der Humanbiologie und einen Masterstudiengang in Globaler Gesundheit in Kopenhagen und Maastricht. Nach den Abschlüssen arbeitete er als Projektmitarbeitender bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Projekten zu Klimaschutz und Gesundheitsversorgung. Im Rahmen dieser Tätigkeit konnte er Erfahrungen und Eindrücke nationaler und lokaler Gesundheitsversorgung in Afrika, Südamerika und dem mittleren Osten sammeln. 2021 zog es ihn zum Medizinstudium nach Hamburg, wo er zunächst als wissenschaftlicher Assistent in der Arbeitsgruppe „Gesundheitskommunikation“ am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitarbeitete und ab 2023 als wissenschaftlicher Mitarbeitender in der Arbeitsgruppe „Evidenzbasierte Medizin“ am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig ist.

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Aktualisiert am: 21.01.2026