Benzodiazepine sind verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von anhaltenden Schlafstörungen (Insomnie). Benzodiazepine verstärken die Wirkung des beruhigenden Botenstoffes GABA im Gehirn und wirken angstlösend. Auf der anderen Seite können sie das Denkvermögen beeinträchtigen, weil andere Hirnzellen ebenfalls über Andockstellen für GABA verfügen und die Bindung des Botenstoffes auch an ihnen verstärkt wird.
Insomnie ist eine krankhafte Schlafstörung. Betroffene haben mehrmals pro Woche Ein- oder Durchschlafprobleme, und das über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg. Dadurch werden das Alltagsleben und insbesondere die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
Bei Benzodiazepinen unterscheidet man zwischen Wirkstoffen mit kurzen, mittellangen und langen Halbwertszeiten (HWZ). Die Halbwertszeit gibt an, wie schnell das Medikament im Körper abgebaut wird. Grundsätzlich sollte man Benzodiazepine nicht länger als vier Wochen einnehmen.
In Deutschland sind Wirkstoffe aus allen drei Gruppen für die Behandlung der Insomnie zugelassen:
In diesem Studiencheck haben wir uns angeschaut, wie gut Benzodiazepine gegen Schlafstörungen helfen und welche Nebenwirkungen auftreten können.
Hinweis:
Benzodiazepine können abhängig machen. Deswegen sollten sie erst eingesetzt werden, wenn andere Insomnie-Behandlungen, z. B. eine Psychotherapie, die Schlafprobleme nicht verbessert haben.
Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte, wie gut Schlafmedikamente wirkten, wie häufig Nebenwirkungen auftraten und wie oft die Behandlung aufgrund der Nebenwirkungen abgebrochen wurde. Die Übersichtsarbeit wertet Einzelstudien (randomisiert-kontrollierte Studien) aus und fasst deren Ergebnisse zusammen. In den Einzelstudien wird die Wirksamkeit von Benzodiazepinen mit der von anderen Schlafmedikamenten oder einem Placebo verglichen. Ein Placebo ist ein wirkungsloses Scheinmedikament.
Hier stellen wir die Ergebnisse zu Benzodiazepinen im Vergleich zu einem Placebo dar.
Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit zeigen, dass Benzodiazepine den Schlaf bei Insomnie verbessern können. Die größte Verbesserung zeigte sich bei den kurz wirksamen Benzodiazepinen. Bei allen untersuchten Benzodiazepinen traten mehr Nebenwirkungen auf als bei den Placebos.
Einschränkung der Ergebnisse
Die Ergebnisse gelten für Erwachsene mit diagnostizierter Insomnie. Es wurden auch Wirkstoffe untersucht, die in Deutschland nicht zugelassen sind.
Das Vertrauen in die Ergebnisse zur Wirksamkeit von Benzodiazepinen ist mittelgroß. Bei den Nebenwirkungen ist das Vertrauen für die kurz wirksamen Benzodiazepinen mittelgroß, für die mittellang und lang wirksamen Benzodiazepinen sehr niedrig.
Um die Wirksamkeit der Benzodiazepine zu bewerten, füllten die Studienteilnehmenden einen Fragebogen aus. Darin wurde u. a. gefragt, wie sich der Schlaf durch die Medikamente verändert hat und wie zufrieden sie damit waren. Teilnehmende, die Benzodiazepine einnahmen, waren mit ihrem Schlaf zufriedener als Teilnehmende, die ein Placebo bekommen hatten.
Die Wirksamkeit der Medikamente wurde für höchstens vier Wochen beobachtet. Aus den Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, wie die Wirkung sich über einen längeren Zeitraum entwickelt.
Das Vertrauen in die Ergebnisse ist mittelgroß. Wir glauben grundsätzlich, dass Benzodiazepine den Schlaf bei Insomnie verbessern können. Wie deutlich diese Verbesserung ausfällt, könnten zukünftige Studien allerdings noch einmal anders beurteilen. Der wahre Effekt spiegelt sich wahrscheinlich in den Ergebnissen der Forschung wider, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Forschung in der Zukunft zu einem anderen Ergebnis kommt.
Bei Menschen, die Benzodiazepine einnahmen, traten mehr Nebenwirkungen auf als bei Teilnehmenden, die ein Placebo bekamen.
In manchen Studien wurden die Benzodiazepine auch länger als vier Wochen eingenommen. In diesen Fällen ließ sich entsprechend länger beobachten, ob sich Nebenwirkungen einstellten.
Häufige Nebenwirkungen von Benzodiazepinen sind zum Beispiel Schwindel, Benommenheit und Konzentrationsschwierigkeiten. Solange die Medikamente wirken, ist man nicht fahrtüchtig und sollte keine schweren Maschinen bedienen. Vor allem bei älteren Menschen steigt das Risiko für Stürzen. Die Nebenwirkungen können bis zum Tag nach der Einnahme anhalten.
Eine Nebenwirkung gilt als häufig, wenn sie bei mehr als einer von 100 Personen auftritt.
Das Vertrauen in die Ergebnisse zu kurz wirksamen Benzodiazepinen ist mittelmäßig. Es ist wahrscheinlich, dass die Einnahme von Benzodiazepinen mit Nebenwirkungen verbunden ist. Wie häufig diese Nebenwirkungen sind, könnten zukünftige Studien allerdings anders bewerten. Die Ergebnisse zu den Nebenwirkungen der mittellang und lang wirksamen Benzodiazepine sind sehr unsicher.
Menschen, die Benzodiazepine einnahmen, haben die Behandlung häufiger aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen als Teilnehmende, die ein Placebo bekamen.
Die Abbrüche wurden über einen Zeitraum von vier Wochen beobachtet.
Das Vertrauen in die Ergebnisse zu den lang wirksamen Benzodiazepinen ist niedrig. Die Ergebnisse zu mittellang und kurz wirksamen Benzodiazepinen sind sehr unsicher. Es ist wahrscheinlich, dass die Zahl der Studienabbrecher in zukünftigen Untersuchungen höher liegen wird.
Die Ergebnisse gelten für Erwachsene mit diagnostizierter Insomnie. Auch Erwachsene mit Begleiterkrankung durften an der Studie teilnehmen, solange die Insomnie die Haupterkrankung war, die behandelt wurde. Für alle anderen Personen gelten diese Ergebnisse nicht.
Studien mit Patientinnen und Patienten, die von schweren psychischen Erkrankungen (z. B. Schizophrenie, fortgeschrittene Demenz) als Begleiterkrankung betroffen sind, wurden ausgeschlossen. Für diese Personen gelten die Ergebnisse nicht.
In der systematischen Übersichtsarbeit werden die Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit von Benzodiazepinen mit drei unterschiedlichen Halbwertszeiten zusammengefasst berichtet. Darunter waren auch fünf Wirkstoffe, die in Deutschland nicht für die Behandlung von Insomnie zugelassen sind.
Das Vertrauen in die Ergebnisse ist bei den jeweiligen Ergebnissen angegeben und bezieht sich auf die Studienlage zu den einzelnen Medikamenten, die in der Übersichtsarbeit verwendet wurden. Die meisten Einzelstudien der Übersichtsarbeit wurden von Pharmafirmen finanziert. Dies muss nicht bedeuten, dass die Ergebnisse nicht vertrauenswürdig sind. Allerdings haben die Unternehmen möglicherweise ein finanzielles Interesse am Ausgang der Studien.
Die Autoren und Autorinnen der Übersichtsarbeit erklären nicht, welche Studien sie aus welchen Gründen nicht in ihrer Auswertung berücksichtigt haben. Diese fehlende Transparenz schränkt das Vertrauen in die Ergebnisse insgesamt ein.
Die Informationen stammen aus einer Übersichtsarbeit, die 34 Einzelstudien mit kurz wirksamen Benzodiazepinen, 40 Einzelstudien mit mittellang wirksamen Benzodiazepinen und 30 Einzelstudien mit lang wirksamen Benzodiazepinen bewertete.
An den Einzelstudien zu kurz wirksamen Benzodiazepinen nahmen insgesamt 2176 Menschen teil. Sie waren im Durchschnitt 47 Jahre alt. 62 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen.
An den Einzelstudien zu mittellang wirksamen Benzodiazepinen nahmen insgesamt 3363 Menschen teil. Sie waren im Durchschnitt 46 Jahre alt. 62 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen.
An den Einzelstudien zu lang wirksamen Benzodiazepinen nahmen insgesamt 1625 Menschen teil. Sie waren im Durchschnitt 45 Jahre alt. 65 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen.
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Aktualisiert am: 21.01.2026