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Hilfe und Ansprechpartner

Was macht welcher Arzt?

Vom Angiologen bis zum Phoniater, vom Proktologen bis zum Venerologen: Die Spezialisierungen in der Medizin können verwirrend sein. Wer macht eigentlich was? Wann sollte man überhaupt zum Facharzt gehen? Und welche Rolle spielt dabei der Hausarzt? Antworten darauf gibt es hier.

Hätten Sie's gewusst?

Ein Phoniater ist übrigens ein Arzt, der Stimm- und Sprechprobleme behandelt. Ein Proktologe befasst sich vorwiegend mit Erkrankungen des Enddarms und ein Venerologe therapiert keine Venen-, sondern Geschlechtskrankheiten.

Medizin ist komplex und das Fachwissen entwickelt sich schnell. Deshalb sind Fachärzte wichtig. Sie sind besonders qualifiziert in ihrem Spezialgebiet. Um Facharzt zu werden, müssen Ärzte zusätzlich zum Medizinstudium eine spezielle Weiterbildung absolvieren. Diese Facharztausbildung findet in Unikliniken statt oder in zugelassenen ärztlichen Einrichtungen und dauert je nach Fachgebiet fünf bis sechs Jahre. Nach bestandener Facharztprüfung stellt die zuständige Landesärztekammer eine Anerkennungsurkunde aus. Es gibt 34 Facharztrichtungen in Deutschland. Um hier als Laie zu wissen, zu welchem Arzt ich wann gehen sollte, ist der Hausarzt der richtige erste Ansprechpartner.

Der Hausarzt: Vermittler zwischen Patienten und Spezialist

Grippe, Rückenschmerzen, Bluthochdruck oder ein Termin zur Früherkennungsuntersuchung: Viele Menschen in Deutschland gehen bei gesundheitlichen Problemen zuerst zum Hausarzt. Denn Hausärztinnen und Hausärzte haben eine Vermittlerrolle zwischen Patienten und weiteren Spezialisten. Sie haben den ganzen Patienten im Blick und können einschätzen, ob man wirklich einen Spezialisten braucht und wenn ja welchen. Denn selbst wenn Sie wissen, dass Sie eine Gefäßerkrankung haben, wissen Sie vielleicht nicht, ob Sie einen Angiologen, einen Kardiologen, einen Neurologen oder einen Phlebologen aufsuchen sollten.

Fachärzte – dafür sind sie zuständig

Es gibt 34 Facharztrichtungen in Deutschland, festgelegt in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer. Für einige gibt es weitere Spezialisierungen, so dass zusätzliche Facharzttitel existieren. Die meisten Fachärzte arbeiten in vier Bereichen: in der Inneren Medizin, in der Allgemeinmedizin, in der Chirurgie und in der Anästhesie. 

Da sich die Innere Medizin mit den inneren Organen befasst, ist sie sehr breit gefächert. Hier gibt es zahlreiche Teilgebiete: Der Facharzt für Angiologie behandelt Gefäßkrankheiten, der Facharzt für Endokrinologie behandelt hormonabhängige Erkrankungen. Der Facharzt für Gastroenterologie kümmert sich um Beschwerden im Magen- und Darmbereich, der Facharzt für Hämatologie behandelt Blutkrankheiten, der Onkologe Krebserkrankungen. Der Facharzt für Kardiologie ist zuständig für Herz- und Kreislauferkrankungen, der Nephrologe für Erkrankungen der Niere, der Pneumologe behandelt die Lunge und der Rheumatologe die Gelenke.

Bei den operierenden Chirurgen gibt es spezialisierte Fachärzte, zum Beispiel für Gefäßchirurgie (Behandlung der Blutgefäße), die Herzchirurgie, die Unfallchirurgie, die Viszeralchirurgie (Behandlung der Bauchorgane) oder die Plastische Chirurgie für rein ästhetische und kosmetische Eingriffe.

Ebenfalls viele Fachärzte gibt es in der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie in der Kinder- und Jugendheilkunde

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Gut vorbereitet

Gut vorbereitet haben Sie mehr von dem Gespräch. Und nicht nur Sie. Auch Ihr Arzt oder Ihre Ärztin profitiert davon.

Diese Fachärzte sollte man kennen

Augenärzte diagnostizieren und behandeln alles rund ums Augenlicht, den Grünen Star (Glaukom), den Grauen Star (Katarakt), die Altersbedingte Makuladegeneration und die Diabetische Retinopathie. Gerade Augenärzte arbeiten viel mit anderen ärztlichen Fachgebieten zusammen, um eine Diagnose oder einen Krankheitsverdacht zu bestätigen oder auszuschließen.

Radiologen sind zwar innerhalb der Ärzteschaft eine kleine Gruppe, aber sie sind oft unentbehrlich für eine sichere Diagnose. Mit Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Kernspin- bzw. Magnet-Resonanztomographie, digitalem Röntgen oder digitaler Mammographie helfen Radiologen, einen Befund zu bestätigen oder auszuschließen.

Sie behandeln Krankheiten des Nervensystems, und zwar vom Gehirn bis in die Beine. Dazu gehören Epilepsie, die Parkinson-Krankheit oder Multiple Sklerose. Auch Schlaganfall-Patienten oder Menschen mit Schwindel oder Lähmungen sind hier richtig.

Beim Hals-Nasen-Ohrenarzt war sicher fast jeder schon mal, denn er ist für so häufige Erkrankungen wie Nasennebenhöhlenentzündung und Mittelohrentzündung zuständig. Aber HNO-Ärzte behandeln auch Kehlkopfentzündungen, Mandelentzündungen, Pfeiffersches Drüsenfieber, Tinnitus und Schnarchen.

Sie gelten als Männerarzt, aber tatsächlich behandeln sie auch Frauen. Denn neben den männlichen Geschlechtsorganen gehören auch Nieren, Blase, Harnleiter und Harnröhre von Mann und Frau zu diesem Fachgebiet. Urologen behandeln z. B. Blasenentzündungen oder Harnsteine. Bei den Geschlechtsorganen sind Urologen jedoch nur für Männer zuständig und behandeln Hoden, Penis und Prostata.

Den richtigen Arzt finden

Wenn Sie Ihren Arztbesuch gut planen, haben Sie mehr davon. Einige Tipps, die dabei helfen können:

  1. Bauen Sie auf die Kompetenz Ihres Hausarztes – er kennt Sie und das Gesundheitssystem am Besten und kann helfen, den richtigen Facharzt zu finden.
  2. Gehen Sie gut vorbereitet auf die Suche und in das Arztgespräch – so können Sie über die Dinge zu sprechen, die Ihnen wichtig sind: eine Untersuchung, ein Medikament, eine Diagnose oder über Ihre Ängste und Sorgen. 
  3. Geben Sie nicht allzu viel auf Bewertungsportale für Ärzte – sie können unterschiedliche Qualität haben und es gelingt nicht immer, gefälschte Patientenbewertungen zu verhindern. Fragen Sie sich auch, inwieweit Patienten immer genau die Fachkompetenz eines Arztes beurteilen können. Die Behandlungsqualität muss nämlich nicht mit den Bewertungen der Patienten zusammenhängen. Das wurde sogar in einer Studie untersucht.
  4. Behalten Sie die Arzt- und Klinikqualität im Blick: Seit 2005 sind Krankenhäuser gesetzlich dazu verpflichtet, in Qualitätsberichten über ihre Arbeit zu informieren. Diese sind über die Referenzdatenbank des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) frei zugänglich. Auch Arztpraxen müssen die Versorgungsqualität ihrer Patienten dokumentieren, aber keine Qualitätsberichte veröffentlichen. Hinweise, woran man eine gute Arztpraxis erkennt, gibt Ihnen die Checkliste des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

Freie Arztwahl – aber mit Einschränkungen

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern gilt in Deutschland für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung das Prinzip der freien Arztwahl. Grundsätzlich kann sich also jeder, der gesetzlich versichert ist, einen Arzt aussuchen. Das gilt auch bei einer Überweisung, denn darauf ist nur die ärztliche Fachrichtung aufgeführt, nicht ein konkreter Name oder eine bestimmte Praxis. Ein paar Einschränkungen gibt es aber doch:

  • Wer gesetzlich krankenversichert ist, kann nur Ärzte oder Zahnärzte aufsuchen, die eine Kassenzulassung haben – also an der vertrags(zahn)ärztlichen Versorgung teilnehmen, wie es offiziell heißt. Andere Ärzte dürfen nur im Notfall in Anspruch genommen werden.
  • Gesetzlich Versicherte sollten den Arzt innerhalb eines Kalendervierteljahres nur aus wichtigen Gründen wechseln. Treten Probleme während einer laufenden Behandlung auf, kann man zur Sicherheit die Krankenkasse kontaktieren.
  • Mit bestimmten Krankenkassenverträgen kann die freie Arztwahl eingeschränkt sein. Das gilt vor allem beim „Hausarztmodell“, einem Tarif, den Versicherte freiwillig abschließen können (sogenannte „hausarztzentrierte Versorgung“). Dabei verzichten Patienten auf die freie Arztwahl und suchen erst nach einer Überweisung vom Hausarzt einen ambulant tätigen Facharzt auf. Die Patienten erhalten gegebenenfalls Prämien oder Ermäßigungen von ihrer Krankenkasse.  Ausnahmen gelten für Termine beim Gynäkologen, Zahnarzt oder Augenarzt – sie dürfen auch ohne Überweisung in Anspruch genommen werden.

Facharzt-Termine vereinbaren bei den Terminservicestellen

Wer gesetzlich versichert ist und keinen Facharzttermin bekommt, kann sich an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden. Diese Stellen sind verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Frist einen Behandlungstermin bei Hausärzten, Fachärzten oder Psychotherapeuten zu vermitteln, und zwar in zumutbarer Entfernung. Auf diesen Termin müssen Patienten maximal vier Wochen warten.

Überweisungen für bestimmte Fälle zwingend erforderlich

Auch wenn Patienten in der Regel das Recht auf freie Arztwahl haben, gilt für Ärzte, dass sie weiterhin Überweisungen ausstellen und annehmen müssen. Nach dem sogenannten Bundesmantelvertrag muss ein Vertragsarzt diagnostische und therapeutische Leistungen, die von einem anderen Vertragsarzt durchgeführt werden sollen, per Überweisung veranlassen. 

Trotzdem kann ein Patient einen Arzt auch ohne Überweisung aufsuchen. Ausgenommen sind bestimmte Fachärzte, die nur auf Überweisung tätig werden dürfen.

Wer privat versichert ist, kann ohne Überweisung jederzeit einen Arzt der Wahl aufsuchen. Doch auch in der privaten Krankenversicherung gibt es Haus- oder Primärarzt-Modelle. Wie bei gesetzlichen Krankenkassen verpflichten sich Versicherte dabei, zuerst einen Haus- oder Primärarzt aufzusuchen. Dafür zahlen die Patienten niedrigere Prämien.

Überversorgung: Viel hilft nicht immer viel

Deutschland gehört im EU-Vergleich zu den Spitzenreitern bei den Arztkontakten: Durchschnittlich rund zehn Mal geht jeder Einwohner im Jahr zum Arzt. Dabei wird manchmal auch mehr gemacht, als eigentlich nötig wäre. In einer Leitlinie zum Schutz vor Über- und Unterversorgung hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) Maßnahmen zusammengetragen, wie Überversorgung vermieden werden kann.

Arztkontakte pro Jahr im EU-Vergleich

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten. Innere Medizin – Der Internist [online] https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/innere-medizinder-internist.html [26.06.2022]

Bundesärztekammer: Ärztliche Ausbildung (Medizinstudium) in Deutschland. Muster-Weiterbildungsordnung, Stand 25.06.2022. [online]: https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/BAEK/Themen/Aus-Fort-Weiterbildung/Weiterbildung/20220625_MWBO-2018.pdf [26.07.2022]

Bundesärztekammer. Ärztestatistik zum 31. Dezember 2021. [online] https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/BAEK/Ueber_uns/Statistik/Statistik_2021/2021_Statistik.pdf.

Bundesministerium für Gesundheit. Freie Arztwahl. 2019 [online] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/grundprinzipien/freie-arztwahl.html [26.07.2022]

Bundesministerium für Gesundheit. Hausarztsystem [online] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/hausarztsystem.html [26.07.2022]

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Qualitätsberichte der Krankenhäuser [online]. https://www.g-ba.de/themen/qualitaetssicherung/datenerhebung-zur-qualitaetssicherung/datenerhebung-qualitaetsbericht [26.07.2022]

Görgen J. Braucht man eine Überweisung zum Facharzt? [online] https://www.praktischarzt.de/ratgeber/ueberweisung-facharzt/#:~:text=Privatversicherte%20sind%20bez%C3%BCglich%20der%20%C3%9Cberweisungspflicht,Eine%20%C3%9Cberweisung%20wird%20nicht%20ben%C3%B6tigt. [26.07.2022]

Gray BM et al. Website Ratings of Physicians and Their Quality of Care. JAMA Intern Med. 2015;175(2):291-293

Kassenärztliche Bundesvereinigung. Terminservicestellen. [online] https://www.kbv.de/html/terminservicestellen.php [26.07.2022]

Kassenärztliche Bundesvereinigung, GKV-Spitzenverband (Spitzenverband Bund der Krankenkassen). Bundesmantelvertrag – Ärzte vom 1. Januar 2022 [online] https://www.kbv.de/media/sp/BMV-Aerzte.pdf [26.07.2022]

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Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

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Aktualisiert am: 01.08.2022