Berlin, 20.12.2019 - „Muss diese Operation wirklich sein – oder gibt es vielleicht eine Alternative?“, fragen sich viele Patienten, wenn ein Eingriff ansteht. Um auf Nummer sicher zu gehen, möchten sie dann eine zweite Expertenmeinung dazu hören. Für bestimmte planbare Eingriffe ist dieses Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung im Sozialgesetzbuch (SGB V) geregelt, in den allermeisten Fällen gibt es jedoch kein gesetzlich festgelegtes Verfahren.

Wie das Zweitmeinungsverfahren genau abzulaufen hat und welche Qualifikationen die Ärzte dafür haben müssen, ist in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), des höchsten Gremiums der Ärzte und Krankenkassen, geregelt, die Ende 2018 in Kraft getreten ist. Damit soll der Patient eine unabhängige, neutrale ärztliche Meinung erhalten. Sie soll ihm helfen, zu entscheiden, ob der Eingriff notwendig ist und aufklären, welche Alternativen es gibt.

Dazu schaut ein zweiter Facharzt oder eine Fachärztin die bereits vorhandenen Befunde durch; wenn nötig untersucht er den Patienten noch einmal. Die Kosten dafür übernehmen Krankenkassen. Dieses gesetzlich geregelte Zweitmeinungsverfahren gilt zunächst für drei Eingriffe: Gebärmutterentfernung, Mandeloperation und Schulterarthroskopie. Für welche Eingriffe darüber hinaus ein gesetzlicher Anspruch auf eine Zweitmeinung besteht, ist bisher nicht geregelt. 

Recht auf freie Arztwahl – Recht auf zweite Meinung Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Das heißt aber nicht, dass Patientinnen und Patienten in anderen Fällen keinen zweiten Mediziner zu Rate ziehen dürften. Das Recht der freien Arztwahl gestattet es, einen anderen Behandler aufzusuchen und diesen um eine Einschätzung zu bitten. Im Gegensatz zur gesetzlichen Neuregelung gibt es hier kein standardisiertes, strukturiertes Prozedere. Um sicher zu gehen, sollte man sich vorher über eventuelle Kostenfolgen beim Arzt oder Kostenträger informieren, wenn man plant, eine Zweitmeinung einzuholen.

Viele Kassen bieten auch eigene Zweitmeinungsverfahren an, etwa bei Operationen am Hüft- oder Kniegelenk, am Rücken oder bei der Behandlung von Krebs. Auch private Vermittler bieten kostenpflichtige Begutachtungen durch Experten an. 

Wenn Sie Zweifel an der Diagnose oder vorgeschlagenen Behandlung eines Arztes oder einer Ärztin haben, dürfen Sie sich eine Zweitmeinung einholen. Nicht immer bezahlt das jedoch die Krankenkasse. Wann Sie ein Recht auf Zweitmeinung haben, sehen Sie im Film.

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Recht auf Kopien von Befunden Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Wer als Patient oder Patientin plant, einen weiteren Facharzt zu Rate zu ziehen, sollte seinen behandelnden Arzt bzw. seine Ärztin darum bitten, ihm Kopien von Befunden, Berichten und Laborwerten auszuhändigen. Die Kosten für die Kopien kann der Arzt Ihnen in Rechnung stellen. Demnächst besteht auch die Möglichkeit, diese Daten in eine elektronische Patientenakte (ePA) eintragen zu lassen, da alle Krankenkassen gesetzlich verpflichtet sind, ihren Versicherten bis spätestens ab dem 1.1.2021 eine datenschutzrechtlich gesicherte ePA zur Verfügung zu stellen.

Die eigene Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapie kann jedoch auch eine Zweitmeinung nicht ersetzen. Unterscheiden sich die Ansichten der beiden Ärzte, kann das Patienten durchaus verunsichern. Dann kann es helfen, die unterschiedlichen Behandlungsvorschläge offen mit dem Arzt zu besprechen.

10 wichtige Patientenrechte Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In unserer dreiteiligen Serie geben wir Ihnen einen Überblick über Patientenrechte, von A wie Arztwahl bis Z wie Zweitmeinung. Aus der Vielfalt haben wir Ihnen 10 wichtige Patientenrechte aufbereitet:

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