Patientenrechte Teil 2

Berlin, 20.12.2019 (aktualisiert am 29.03.2021) - Welche Rechte und Pflichten haben Patienten? In einer dreiteiligen Serie stellt die Stiftung Gesundheitswissen eine erste Auswahl wichtiger Patientenrechte vor. Die Serie entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Rainer Hess. In Teil 2 erfahren Sie mehr zu den Themen ärztliche Aufklärung, Ablehnung einer Behandlung, Zweitmeinung und Widerspruch gegen Kostenentscheidungen der Krankenkasse.

Ärztliche Zweitmeinung einholen Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Sie haben vor planbaren Eingriffen das Recht auf eine unabhängige, neutrale zweite Meinung durch dafür qualifizierte Fachärztinnen oder -ärzte. Das Einholen einer solchen Expertenmeinung kann dazu beitragen, Unsicherheiten hinsichtlich der Diagnose oder der vorgeschlagenen Behandlung haben zu beseitigen. Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen, derzeit aber nur für Mandeloperationen, wenn eine Gebärmutterentfernung angeraten wird, eine Schulterarthroskopie oder Kniegelenkersatz geplant ist. Unabhängig davon haben Patienten aufgrund des Rechts der freien Arztwahl die Möglichkeit, einen weiteren Mediziner um seine Meinung zu bitten.  Dazu sollte man sich allerdings vorher über eventuelle Kostenfolgen beim Arzt oder Kostenträger informieren. Viele Kassen bieten auch eigene Zweitmeinungsverfahren an, etwa bei Operationen am Hüftgelenk, am Rücken oder bei der Behandlung von Krebs. 

> Erfahren Sie hier, was Sie beim Einholen einer ärztlichen Zweitmeinung beachten sollten.

Wann hat man das Recht auf eine Zweitmeinung? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Video als Text

Anspruch auf ärztliche Aufklärung Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Ihr Arzt muss Sie umfassend und verständlich aufklären – insbesondere über Diagnose, Therapie, alternative Behandlungsmöglichkeiten und die absehbare gesundheitliche Entwicklung. Chancen und Risiken einer Behandlung muss er Ihnen in verständlicher Sprache erklären – und zwar persönlich. Nutzen Sie diese Gelegenheit für Fragen und bitten Sie Ihren Arzt, andere Worte zu verwenden, sofern Sie etwas nicht verstehen. Schriftliche Unterlagen (Merkblätter, Broschüren) kann der Arzt einbeziehen. Sie dürfen das Gespräch jedoch nicht ersetzen.

Das Aufklärungsgespräch muss der Behandelnde selbst führen – oder eine Person, die entsprechend erfahren ist und Ihre Krankengeschichte kennt. Ebenfalls muss das Gespräch rechtzeitig erfolgen. Nur so haben Sie Gelegenheit, alle Fragen zu stellen, die Sie beschäftigen und Ihre Entscheidung frei zu treffen. Sie wiederum sollten Ihren Arzt über alle behandlungsrelevanten Tatsachen informieren. Dazu zählt auch, über ansteckende Krankheiten zu sprechen, die seine Gesundheit gefährden könnten.

In besonderen Fällen darf das ärztliche Aufklärungsgespräch entfallen. Etwa in Notsituationen wie nach einem Verkehrsunfall. Sie können selbst entscheiden, in welchem Umfang Sie aufgeklärt werden möchten. Sie können auch ausdrücklich ganz darauf verzichten.

Muss der Arzt auch über die Behandlungskosten informieren? Grundsätzlich ja. Als sozialversicherter Patient können Sie nach Abschluss der Behandlung oder quartalsweise eine Patientenquittung verlangen (mehr dazu in Teil 3 der Patientenrechte). Als selbstzahlender Patient ist der Arzt insbesondere verpflichtet, Sie über voraussichtlich von Ihnen zu tragende Kosten zu informieren, wenn sich abzeichnet, dass die Versicherung die Kosten nicht voll übernimmt oder Klärungsbedarf besteht. 

Ablehnung einer Behandlung Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Welche Behandlung erfolgt, entscheiden Sie allein. Sie können eine Behandlung auch ablehnen – selbst wenn der Arzt die Maßnahme für medizinisch notwendig hält. Das ist Teil Ihres Rechtes auf Selbstbestimmung.

Eine Besonderheit ist allerdings zu beachten, wenn Sie auf eigenen Wunsch gegen den ausdrücklichen Rat des verantwortlichen Arztes aus dem Krankenhaus entlassen werden: Dann müssen Sie nach Aufklärung über die dadurch entstehenden Risiken für ihre Gesundheit und ggf. Hinweisen für eine notwendige ambulante Weiterbehandlung eine Erklärung unterschreiben, dass Sie das Krankenhaus auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung verlassen. Damit sind Haftungsansprüche wegen eines nach der Entlassung eintretenden Gesundheitsschadens weitgehend ausgeschlossen.

Widerspruch gegen Kostenentscheidungen der Krankenkasse Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Die Krankenkasse übernimmt für die meisten Behandlungen die Kosten ohne vorherige Genehmigung der Behandlung. Es gibt jedoch Leistungen, die Sie vorher genehmigen lassen müssen – beispielsweise Zahnersatz oder besondere Psychotherapieverfahren. Hierfür müssen Sie mit Hilfe ihres Zahnarztes bzw. Psychotherapeuten einen schriftlichen Antrag stellen. Die Kasse hat – bis auf Ausnahmefälle – drei Wochen Zeit zu entscheiden. Lässt sie diese Frist verstreichen, können Sie die Leistung in Anspruch nehmen und sie der Kasse in Rechnung stellen. Lehnt sie Ihren Antrag fristgerecht ab, können Sie Widerspruch einlegen – in der Regel innerhalb von vier Wochen nach dem Ablehnungsbescheid. Weist die Krankenkasse den Widerspruch zurück, können Sie beim Sozialgericht Klage einreichen. Das muss innerhalb eines Monats nach Eingang des Widerspruchbescheids geschehen. Gerichtskosten entstehen hierfür nicht.

10 wichtige Patientenrechte Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Teil 1 unserer Reihe zu Patientenrechten informiert über die freie Arztwahl, den Facharzttermin und die Patientenverfügung.

Im dritten Teil unserer Serie stellen wir Ihnen diese Themen vor: Behandlungsfehler, Patientenakte und Patientenquittung.

Quellen Bildnachweis