Leitfaden für den richtigen Gebrauch von Masken

Berlin, 28. April 2020 - Selbstgenähte Stoffmaske, Schal oder FFP-Maske? Nach dem Tragen desinfizieren, waschen oder wegwerfen? Rund um die Mund-Nasen-Abdeckpflicht, die ab dieser Woche in allen Bundesländern gilt, gibt es viele Fragen und unterschiedliche Meinungen. Die Stiftung Gesundheitswissen hat deshalb einen Leitfaden für den richtigen Gebrauch zusammengestellt – und geschaut, wo es welche Evidenz gibt.

In der zurückliegenden Woche hatte die Bundesregierung nicht nur erste Lockerungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie beschlossen, sie hatte zugleich die dringende Empfehlung für eine Maskenpflicht ausgesprochen. Sämtliche Bundesländer haben daraufhin eine Maskenpflicht eingeführt. Die Regelungen der einzelnen Bundesländer unterscheiden sich etwas. Eines aber ist gleich: Ohne Mund-Nasen-Maske oder zumindest einen Schal darf man spätestens ab Mittwoch (29. April) nicht mehr Bus und Bahn fahren oder auch nicht mehr zum Einkaufen gehen.

Einer Studie der Universität Bielefeld und der Hertie School of Governance zur Gesundheitskompetenz der Bevölkerung im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie zufolge, ist eine Mehrheit der Bevölkerung (56 Prozent der Befragten) in der gegenwärtigen Krise durch die Vielfalt an Informationen zum Thema Sars-CoV-2 verunsichert. Sie gaben an, nicht mehr genau zu wissen, welchen Informationen sie trauen sollen. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Gesundheitswissen einen Überblick zu relevanten Fragen rund um die Maskenpflicht zusammengestellt.

Was passiert, wenn ich keine Maske trage? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Wer sich nicht an die Abdeckpflicht von Mund und Nase hält, dem kann im schlimmsten Fall ein Bußgeld drohen. Allerdings unterscheiden sich auch hier die Regelungen in den jeweiligen Bundesländern. In Berlin beispielsweise werden aktuell keine Kontrollen geplant. Somit droht hier auch kein Bußgeld. Bayern dagegen hat angekündigt, dass sowohl Polizei als auch das Personal in Bussen und Bahnen die Einhaltung der Maskenpflicht kontrollieren werden. Bei Zuwiderhandeln kann ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro fällig werden. Die Geschäfte weisen ihre Kunden bei entsprechenden Einlasskontrollen am Eingang auf die Maskenpflicht hin.

Wie sinnvoll ist es, eine Maske zu tragen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Nach dem aktuellen Forschungsstand geht man davon aus, dass sich das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) vor allem durch Tröpfchen ausbreitet, die man ausatmet, aushustet oder ausniest. Man spricht hier auch von Tröpfcheninfektion. Das Virus kann aber auch über die Hände übertragen werden, wenn man sich ins Gesicht fasst. Daher ist es sinnvoll, trotz Mundschutz, noch weitere Maßnahmen zu beachten, um eine Ausbreitung des Virus' zu verhindern. Dazu gehören:

  • Abstand halten: Empfohlen wird, mindestens 1,50 Meter Abstand einzuhalten. So wird die Wahrscheinlichkeit, dass einen die Tröpfchen erreichen, verringert. 
  • Husten- und Nies-Etikette beachten: Nach Möglichkeit, in den Ellenbogen niesen oder husten. Das hilft dabei, andere vor einer Tröpfcheninfektion zu bewahren.
  • Hände waschen: Regelmäßig und richtig! Das hilft dabei, die Hände von Schmutz und Krankheitserregern zu reinigen. 
  • Gesichtsmasken aufsetzen: Das Tragen von Masken ist eine Zusatzmaßnahme zu Handhygiene und Abstand halten. Masken können also zusätzlich dafür sorgen, dass weniger Tröpfchen in die Umgebung gelangen und sich nicht so weit ausbreiten.

Wichtig: Die Gesichtsmasken sind also kein Ersatz für die anderen Maßnahmen, sondern verbessern lediglich zusätzlich den Schutz. 

Schützt mich eine Maske vor Ansteckung? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Es gibt unterschiedliche Schutzmasken, angefangen von selbst genähten bis hin zu Masken, die nur dem medizinischen Personal vorbehalten sind. Manche schützen den Träger, andere schützen vor allem sein Umfeld. 

Alltagsmasken OP-Masken FFP2- oder FFP3-Masken

Worauf sollte beim Tragen von Gesichtsmasken geachtet werden?

Damit ein Schutz durch die Masken auch gegeben ist, sollten einige Regeln beachtet werden. Eine falsche Verwendung kann nämlich auch zu gegenteiligen Effekten führen. Daher haben verschiedene Institutionen, wie das Bundesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte oder die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung Empfehlungen für den richtigen Umgang mit Mund-Nasen-Bedeckungen erstellt. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

1. Vor dem Auf- und Absetzen Hände waschen 2. Die Mund-Nasen-Bedeckung möglichst eng anlegen 3. Nicht an die Maske fassen 4. Die Maske regelmäßig tauschen 5. Nach jeder Benutzung gründlich reinigen

Diese Regelungen gelten für den Umgang mit der aktuellen Maskenpflicht im Alltag. Im beruflichen Kontext gelten andere gesetzliche Bestimmungen, die ihre Gültigkeit behalten.

Welches Material sollte eine Stoffmaske haben? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Anleitungen zum selber Nähen finden sich inzwischen viele im Netz – neben Baumwollstoffen kursieren auch Versionen mit Kaffeefiltern, Staubsaugerbeuteln oder Klarsichtfolie und Küchenrolle. Doch eine eindeutige Antwort darauf, welches Material bei einer Stoffmaske die beste Filterwirkung hat, gibt es leider nicht. Denn selbst genähte Masken wurden bisher wissenschaftlich kaum untersucht. Allerdings gibt es vereinzelte experimentelle Studien, die getestet haben, welche Materialien wieviel Partikel verschiedener Größe durchlassen oder eben filtern. 

In diesen Experimenten zeigte sich, dass die meisten geprüften Stoffe durchaus in der Lage sind, größere Tröpfchen und Partikel herauszufiltern. Das reicht aber nur für Speicheltröpfchen und weniger gut für sehr kleine Tröpfchen, wie Aerosole. Getestet wurden unter anderem Baumwolle – und dabei, sehr praxisnah, T-Shirt-Stoff oder Geschirrhandtücher, Jersey, Seide aber auch Chiffon. Grundsätzlich erzielte dichtes Gewebe eine größere Filterwirkung als dünner gewebter Stoff. Geschirrhandtücher haben eine bessere Filterwirkung als T-Shirt-Stoff und Leinen (Davies et al 2013). Und 2-oder 3 Lagen Stoff erhöhen die Filterwirkung zusätzlich. Auch die Kombination von unterschiedlichen Stoffen wurde getestet. So zeigte ein zweilagiger, dichtgewebter Baumwollstoff oder eine Lage dichter Baumwolle plus eine Lage Chiffon (feiner Seidenstoff) eine bessere Filterwirkung als dünner gewebte Baumwolle oder Flanell (Konda et al 2020).

Eine Einschränkung: Die Stoffe wurden nur unter Laborbedingungen getestet. Und: die Filterwirkung allein ist nur ein Aspekt für die Wirksamkeit von Stoffmasken. Auch wie gut die Maske am Gesicht anliegt und wie gut man durch sie hindurch atmen kann, spielt laut den Autoren eine wichtige Rolle. Liegt sie nicht gut genug an, geht zu viel Atemluft ungefiltert an der Maske vorbei. Behindert die Maske das Atmen zu sehr, ist sie für den alltäglichen Gebrauch kaum zweckmäßig. 

Als Ergebnis aus diesen Studien lässt sich zumindest mitnehmen: Auch wenn Stoffmasken eine schlechtere Filterwirkung aufweisen als medizinische Masken, schaffen sie es doch, Partikel aus der Atemluft zu filtern. Dabei sind fest gewebte Stoffe besser geeignet als leicht gewebte Stoffe. Denn: Je dichter das Gewebe ist, desto besser wird gefiltert. Der Nachteil dabei ist, dass einem das Atmen unter einer Maske aus einem fest gewebten Stoff oder mehreren Lagen schwerer fallen dürfte. Hier gilt es eine gute Balance zu finden, damit man am Ende die Maske nicht dauernd abnimmt, weil man schlecht Luft bekommt.

Weicherer Stoff schmiegt sich eher an das Gesicht an, und verhindert damit, dass Lücken entstehen können, an denen die Atemluft vorbei geht. Bei der Stoffauswahl ist es wichtig zu beachten, dass die Stoffmaske bei mindestens 60 ° C gewaschen werden kann, da ab diesen Temperaturen Bakterien, Viren und Pilze abgetötet werden.

Zum neuartigen Corona-Virus gibt es noch so gut wie gar keine Forschung in dem Bereich. Die vorhandene – geringe – Evidenz bezieht sich ausschließlich auf andere Keime, i.d.R. Influenzaviren oder andere Coronaviren (nicht Sars-CoV-2). Es lässt sich aber vermuten, dass sich diese auch bis zu einem gewissen Grad auf die aktuelle Situation mit den neuen Coronaviren übertragen lässt.

Was sagen die Studien insgesamt zur Wirkung von Atemschutzmasken?

Auch hier ist die Studienlage sehr unterschiedlich und somit nicht eindeutig. Möchte man ein Fazit aus der vorhandenen Evidenz ziehen, so gibt es zumindest Hinweise darauf, dass Masken dabei helfen können, die Ansteckungsgefahr zu senken. Das legt eine Metaanalyse von Beobachtungsstudien der Cochrane Collaboration nahe, die u. a. mit medizinischen Masken durchgeführt wurden. Auch wenn medizinische Masken etwas besser sind als eine Alltagsmaske, sind sie doch mit den Stoffmasken am ehesten vergleichbar. Daher könnte man daraus ableiten, dass auch selbst genähte Stoffmasken, bei richtigem Gebrauch, dabei helfen, die Ausbreitung von Viren einzudämmen. Es gibt allerdings keine bevölkerungsweiten Studien zu Stoffmasken und damit auch keine gute wissenschaftliche Evidenz. Und auch hier gilt: Zu Sars-CoV-2, dem neuartigen Corona-Virus, gibt es noch so gut wie keine Untersuchungen. 

Zu bedenken ist ebenfalls, dass die Verwendung von Gesichtsmasken nur eine Maßnahme aus einem ganzen Maßnahmenpaket wie Händewaschen oder Abstandhalten ist. So hat eine aktuelle Beobachtungsstudie (Cowling et al 2020) aus Hong-Kong die Effektivität von nicht-medizinischen Maßnahmen, wozu auch der Einsatz von Masken zählt, bei Sars-CoV-2 untersucht. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen und Gesichtsmasken in Kombination mit anderen Eindämmungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der sozialen Distanzierung, die Ausbreitung der Krankheit COVID-19 erfolgreich verhindert haben. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch ein Cochrane Review (Jefferson et al 2011), der nicht-medizinische Maßnahmen mit Blick auf virale Atemwegserkrankungen untersucht hat. Auch wenn es dabei nicht speziell um das Sars-CoV-2-Virus ging, zeigte sich hier ein Mix von Maßnahmen als wirksam. Es gab Hinweise darauf, dass nicht medikamentöse Maßnahmen, insbesondere das Händewaschen und Tragen von Masken, Kitteln und Handschuhen die Ausbreitung von Atemwegsviren verringern können. Auch der richtige Gebrauch der Maske ist für deren Schutzwirkung relevant (van der Sande 2008).

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