Leitfaden für den richtigen Gebrauch von Masken

Berlin, 05.11.2020 (aktualisiert am 27.11.2020) - Selbstgenähte Stoffmaske, Schal oder FFP-Maske? Nach dem Tragen desinfizieren, waschen oder wegwerfen? Rund um die Mund-Nasen-Abdeckpflicht gibt es viele Fragen und unterschiedliche Meinungen. Die Stiftung Gesundheitswissen hat deshalb einen Leitfaden für den richtigen Gebrauch zusammengestellt – und geschaut, was die Wissenschaft zur Schutzwirkung verschiedener Masken sagt.

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung die Empfehlung für eine Maskenpflicht ausgesprochen. Sämtliche Bundesländer haben daraufhin für bestimmte Orte eine Maskenpflicht eingeführt.

Wo gilt die Maskenpflicht konkret? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Die Maskenpflicht gilt in allen Bundesländern. Allerdings können sich die Regelungen in den jeweiligen Bundesländern etwas unterscheiden. In allen Bundesländern müssen aber Masken u. a. in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen getragen werden sowie bei Besuchen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Teilweise gilt die Maskenpflicht sogar im Freien, beispielsweise auf belebten Einkaufsstraßen. Auch in den meisten Schulen gibt es Regelungen zur Maskenpflicht.

Was passiert, wenn ich keine Maske trage?

Wer sich nicht an die Abdeckpflicht von Mund und Nase hält, dem kann im schlimmsten Fall ein Bußgeld drohen. Allerdings unterscheiden sich auch hier die Regelungen in den jeweiligen Bundesländern.

Warum wird empfohlen, eine Maske zu tragen? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Nach dem aktuellen Forschungsstand geht man davon aus, dass sich das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) durch Tröpfchen ausbreitet, die man ausatmet, aushustet oder ausniest. Viren können sich an diese Tröpfchen binden und so von anderen Personen eingeatmet werden. Wenn dies zu einer Infektion führt, spricht man von Tröpfcheninfektion.  Masken können dafür sorgen, dass weniger Tröpfchen in die Umgebung gelangen und sich nicht so weit ausbreiten.

Auch Aerosole können bei der Ausbreitung eine Rolle spielen. Aerosole sind kleinere Teilchen als Tröpfchen, und werden nicht erst beim Niesen und Husten, sondern schon beim Atmen und Sprechen ausgestoßen. Weil sie so klein und leicht sind, sinken Aerosole im Gegensatz zu den größeren und schwereren Tröpfchen nicht schnell zu Boden, sondern halten sich Minuten bis mehrere Stunden in der Luft. Deswegen kann jemand in einem nicht gelüfteten Raum Corona-Virus-haltige Aerosole einatmen, auch wenn eine infizierte Person nicht mehr im Raum ist. Die Ausbreitung von Aerosolen kann durch eine Mund-Nasen-Bedeckung abgeschwächt werden - je nach Maskenart unterschiedlich stark.

Welche Masken-Typen gibt es und wie gut schützen sie? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Es gibt unterschiedliche Schutzmasken: selbst genähte, medizinische OP-Masken oder sogenannte FFP-Masken. Manche schützen auch den Träger, andere schützen vor allem sein Umfeld.

Alltagsmasken OP-Masken FFP2- oder FFP3-Masken

Worauf sollte beim Tragen von Gesichtsmasken geachtet werden?

Auch der richtige Gebrauch von Masken ist für deren Schutzwirkung relevant, so das Ergebnis einer Studie von van der Sande (2008). Eine falsche Verwendung kann nämlich auch zu gegenteiligen Effekten führen. Daher haben verschiedene Institutionen, wie das Bundesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte oder die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung Empfehlungen für den richtigen Umgang mit Mund-Nasen-Bedeckungen erstellt. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

1. Vor dem Auf- und Absetzen Hände waschen 2. Die Mund-Nasen-Bedeckung möglichst eng anlegen 3. Nicht an die Maske fassen 4. Die Maske regelmäßig tauschen 5. Nach jeder Benutzung gründlich reinigen

Hinweis: Diese Regelungen gelten für den Umgang mit der aktuellen Maskenpflicht im Alltag. Im beruflichen Kontext gelten andere gesetzliche Bestimmungen, die ihre Gültigkeit behalten.

Grafik "Masken richtig tragen und pflegen" als PDF

Was hilft noch, um Infektionen zu vermeiden? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Das Virus kann unter Umständen auch über die Hände übertragen werden, wenn man sich ins Gesicht fasst, nachdem man vorher mit dem Sars-COv-2 verschmutze Oberflächen berührt hat. Daher ist es sinnvoll, trotz Mund- und Nasenschutz, noch weitere Maßnahmen zu beachten, um eine Ausbreitung des Virus' zu verhindern. Dazu gehören:

  • Abstand halten: Empfohlen wird, mindestens 1,50 Meter Abstand einzuhalten. So wird die Wahrscheinlichkeit, dass einen die Tröpfchen erreichen, verringert. Da sich die Aerosole im Raum verteilen können, hilft der Mindestabstand nur bedingt. Aber auch hier gilt: Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion wird durch das Einhalten des Abstandes zumindest verringert.  
  • Husten- und Nies-Etikette beachten: Nach Möglichkeit, in den Ellenbogen niesen oder husten. Das hilft dabei, andere vor einer Tröpfcheninfektion zu bewahren.
  • Hände waschen: Regelmäßig und richtig! Das hilft dabei, die Hände von Schmutz und Krankheitserregern zu reinigen. 
  • Regelmäßig lüften: Eine möglichst hohe Frischluftzufuhr ist eine hilfreiche  Methode, potenziell virushaltige Aerosole aus Innenräumen zu entfernen bzw. die Konzentration zu vermindern. Das Umweltbundesamt empfiehlt bei einer "normalen" Wohnungsnutzung das Lüften über weit geöffnete Fenster (Stoßlüftung) für mindestens 10-15 Minuten. Am effektivsten ist das Querlüften, d.h. das Lüften durch gegenüberliegende Fenster. 

Wichtig: Gesichtsmasken sind kein Ersatz für die anderen Maßnahmen, sondern verbessern lediglich zusätzlich den Schutz. 

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Welches Material sollte eine Stoffmaske haben? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Anleitungen zum Selbernähen finden sich inzwischen viele im Netz – neben solchen für Baumwollstoffe gibt es auch Anleitungen für Masken aus Geschirrtüchern, alten T-Shirts oder gar Küchenrollen. Doch eine eindeutige Antwort darauf, welches Material bei einer Stoffmaske die beste Filterwirkung hat, gibt es leider nicht. Denn selbst genähte Masken wurden bisher wissenschaftlich kaum untersucht. Allerdings gibt es vereinzelte experimentelle Studien, die getestet haben, welche Materialien wieviel Partikel verschiedener Größe durchlassen oder eben filtern.

Mehr zu Experimenten zur Filterwirkung von Stoffmasken erfahren

Als Ergebnis aus diesen Studien lässt sich zumindest mitnehmen: Auch wenn Stoffmasken eine schlechtere Filterwirkung aufweisen als medizinische Masken, schaffen sie es doch, Partikel aus der Atemluft zu filtern. Dabei sind fest gewebte Stoffe besser geeignet als leicht gewebte Stoffe. Denn: Je dichter das Gewebe ist, desto besser wird gefiltert. Insbesondere mehrlagige Masken aus verschiedenen Stoffen schneiden beim Zurückhalten von Tropfen gut ab. 

Der Nachteil dabei ist, dass einem das Atmen unter einer Maske aus einem fest gewebten Stoff oder mehreren Lagen schwerer fallen dürfte. Hier gilt es eine gute Balance zu finden, damit man am Ende die Maske nicht dauernd abnimmt, weil man schlecht Luft bekommt.

Allerdings ist die Filterwirkung allein nur ein Aspekt für die Wirksamkeit von Stoffmasken. Auch wie gut die Maske am Gesicht anliegt und wie gut man durch sie hindurch atmen kann, spielt eine wichtige Rolle. Liegt sie nicht gut genug an, geht zu viel Atemluft ungefiltert an der Maske vorbei. Weicherer Stoff schmiegt sich eher an das Gesicht an, und verhindert damit, dass Lücken entstehen können, an denen die Atemluft vorbei geht.

Bei der Stoffauswahl ist es wichtig zu beachten, dass die Stoffmaske bei mindestens 60 ° C gewaschen werden kann, da ab diesen Temperaturen Bakterien, Viren und Pilze abgetötet werden.

Was sagen Studien zur Wirksamkeit von Atemschutzmasken im Alltag?

Forschungsergebnisse aus randomisierten kontrollierten  Studien, die sich mit der Schutzwirkung von Masken vor SARS-Cov-2 im Alltag befassen – also außerhalb von Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen – liegen nur aus einer Untersuchung aus Dänemark vor (Buungard et al 2020). Nach wie vor gilt: Was es bisher an gesicherten Erkenntnissen gibt, bezieht sich zu großen Teilen auf andere Viren, i. d .R. Grippeviren oder andere Coronaviren wie MERS oder SARS-CoV-1 . 

Dass es bisher kaum hochwertige Evidenz für die Schutzwirkung von Gesichtsmasken gegen eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 im Alltag gibt, heißt aber nicht, dass sie nicht schützen können. Es bedeutet lediglich, dass die bisherige Studienlage nicht ausreicht, um eine eindeutig belastbare Aussage zu treffen.

Warum ist es schwierig randomisierte kontrollierte Studien zur Wirksamkeit von Masken durchzuführen?

Normalerweise wird die Wirksamkeit von gesundheitlichen Maßnahmen, zu denen auch das Tragen von Gesichtsmasken gehört, in randomisierten kontrollierten Studien untersucht. Aus praktischen und ethischen Gründen ist die Durchführung von solchen Studien zu Masken als Schutz vor SARS-CoV-2- Übertragungen schwierig. Aus ethischen Gründen kann man z. B. nicht einfach Testpersonen einem Infektionsrisiko aussetzen bzw. ihnen Schutzmaßnahmen verweigern. Auch ist es nach einer landesweit eingeführten Maskenpflicht an bestimmten Orten nicht möglich, diese für eine Gruppe von Studienteilnehmenden rückgängig zu machen. 

 

Zu welchem Ergebnis kam die Studie aus Dänemark? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

In dieser randomisierten kontrollierten Studie wurde untersucht, ob das Tragen einer OP-Maske den Träger oder die Trägerin vor einer Ansteckung mit SARS-Cov-2 schützt. Dazu wurden etwa 6.000 Menschen in Dänemark zufällig auf zwei fast gleichgroße Gruppen verteilt. Den Teilnehmenden der einen Gruppe wurden empfohlen, für einen Monat hochwertige OP-Masken zu tragen, die andere Gruppe erhielt diese Empfehlung nicht. Beide Gruppen wurden ermutigt, soziale Distanzierungsmaßnahmen zu befolgen. Dieser Studienaufbau war nur möglich, weil zu der Zeit in Dänemark keine Maskenpflicht herrschte. Die Studie wurde im April und Mai 2020 durchgeführt. (Bungaard et al 2020).

Die Ergebnisse zeigten, dass das Tragen einer OP-Maske für die Person, die die Maske trägt, statistisch gesehen keine Schutzwirkung hat. Dieses Ergebnis muss jedoch vorsichtig interpretiert werden, weil es einige gewichtige Einschränkungen gibt: So nahmen zum Beispiel nicht genug Personen an der Studie teil, damit die durchaus gefundene (wenngleich eher kleine) Schutzwirkung durch Masken überhaupt statistisch signifikant werden könnte. Statistiker berechnen die Signifikanz eines Effekts, um auszuschließen, dass das Ergebnis rein zufällig zustande gekommen ist. Es ist  möglich, dass der kleine Schutzeffekt auch statistisch nachweisbar (signifikant) gewesen wäre, wenn mehr Menschen an der Studie teilgenommen hätten. Zudem sind die Ergebnisse statistisch so ungenau, dass man nicht ganz eindeutig sagen kann, ob die Maßnahme hilft oder nicht (Buungard et al 2020; Frieden & Cash-Goldwasser 2020, Laine et al 2020).

Die Übertragbarkeit auf die aktuelle Situation in Deutschland (Herbst 2020) ist fraglich, denn die Studie wurde in einem Zeitraum durchgeführt, in dem in Dänemark das tägliche Neuauftreten von Sars-CoV-2 Infektionen im Vergleich zu den aktuellen Zahlen in Deutschland relativ gering war. Diese Studie gibt Hinweise darauf, dass der persönliche Schutz durch Masken gering bzw. gar nicht vorhanden ist, wenn zwar Maßnahmen zur sozialen Distanzierung angeordnet wurden, andere Menschen jedoch kaum Masken tragen. 

Die Ergebnisse der bisher einzigen randomisierten kontrollierten Studie aus Dänemark bedeuten  nicht, dass das Tragen von Masken nicht andere schützen kann. Das wurde nicht untersucht. Auch wurde nicht untersucht, ob es insgesamt zu einer Verringerung der Übertragungen des neuen Coronavirus kommt, wenn fast alle Menschen in bestimmten Situationen Masken tragen. Im Zeitraum der Studiendurchführung war dies in Dänemark (außerhalb von Krankenhäusern) nicht der Fall.

Sind weitere randomisierte kontrollierte Studien in Planung? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Eine weitere sehr große randomisierte kontrollierte Studie wird zurzeit in Guinea-Bissau durchgeführt. Die Studie soll voraussichtlich Ende November beendet sein. Laut einem Überblicksartikel in der Fachzeitrift Nature nehmen 40.000 Personen daran teil (Peeples 2020). Die Hälfte der teilnehmenden Haushalte erhalten doppellagige Stoffmasken.

Unter Wissenschaftlern ist die Studie laut Peeples (2020) ethisch umstritten. Manche Wissenschaftler fürchten, dass hiermit vulnerable Bevölkerungen quasi unnötig einer Gefahr ausgesetzt werden. Andere wiederum sind gespannt auf die Ergebnisse. Eine der Forscherinnen verteidigt die Studien, da die Menschen aus der Kontrollgruppe zumindest über weitere Maßnahmen gegen eine Ansteckung aufgeklärt werden und nach Studienende ebenfalls Masken erhalten.

Zu welchen Ergebnissen kommen Beobachtungsstudien? Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Eine systematische Übersichtsarbeit, die regelmäßig aktualisiert wird (Chou et al 2020a, Chou et al 2020b, Chou et al 2020c) führt zwei sogenannte Beobachtungsstudien an. Beide Studien haben einen Zusammenhang zwischen Schutzwirkung und dem Tragen einer Maske gefunden.

Beobachtungsstudien haben im Vergleich zu randomisierten kontrollierten Studien jedoch eine geringere Aussagekraft. Auch wenn es z. B. in der beobachteten Gruppe, die eine Maske trägt, weniger Infektionen mit SARS-CoV-2 gibt, stellt sich die Frage, ob der Unterschied tatsächlich auf das Tragen einer Maske zurückzuführen ist oder ob andere Einflüsse, die nicht erfasst wurden, der Grund sind. Trotzdem können Beobachtungsstudien zumindest Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit von Masken geben, insbesondere wenn verschiedene Studien zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Mehr über die Beobachtungsstudien zur Schutzwirkung von Masken erfahren

Allerdings haben die beiden Studien, so die Autoren der Übersichtsarbeit, starke methodische Mängel. Die Ergebnisse sind dementsprechend nicht als zuverlässig einzuschätzen.
  
Ein Experiment mit infizierten und gesunden Hamstern, zwischen deren Käfige OP-Masken gehängt wurden (Chan et al 2020), sowie Modellrechnungen wie z .B. von Lyu et al (2020) weisen auch in diese Richtung. Sie liefern aber für sich genommen keine Beweise für eine Schutzwirkung.
 
Zu bedenken ist ebenfalls, dass die Verwendung von Gesichtsmasken nur eine Maßnahme aus einem ganzen Maßnahmenpaket wie Abstandhalten oder nur wenige Leute treffen ist. So hat eine weitere Beobachtungsstudie (Cowling et al 2020) aus Hong-Kong die Effektivität von nicht-medizinischen Maßnahmen, wozu auch der Einsatz von Masken zählt, bei SARS-CoV-2 untersucht. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen und Gesichtsmasken in Kombination mit anderen Eindämmungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der sozialen Distanzierung, die Ausbreitung der Infektionen in den ersten Monaten des Jahres  verhindert haben. 
Die Wirksamkeit des Abstandhaltens wurde auch in einer systematischen Übersichtsarbeit (Chu et al 2020) auf der Basis von Beobachtungsstudien analysiert.  Es zeigte sich, dass ein Abstand von mehr als einem Meter tatsächlich einen Schutzeffekt hat, wobei in die Analyse auch Studien mit Personen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, einflossen.

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