Seit 2007 sind etwa 190.000 Menschen in Deutschland an Krankheiten gestorben, gegen die Impfungen helfen allein fast 300 Menschen an den Spätfolgen von Masern. Ursache ist eine noch zu niedrige Impfquote in Deutschland. 

Berlin, 09.01.2018 - Impfungen zählen zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen in der Medizin. Doch viele lassen sie nicht durchführen. Allein 150.000 Kinder des Jahrgangs 2013 waren nicht vollständig gegen Masern geimpft; 28.000 Kinder gar nicht. Das stellt das Robert Koch-Institut (RKI) mit Verweis auf die Impfsurveillance der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) heraus. Die KVen übermitteln dafür dem RKI anonymisierte Daten unter anderem zu Impfleistungen und Diagnosen von Erkrankungen, die durch Impfungen vermeidbar wären. 

Masern gelten als hochansteckend und können schwerwiegende Folgen haben. Zwischen den Jahren 2007 und 2015 sind nach Daten des Statistischen Bundesamtes mindestens 280 Personen in Deutschland an den Spätfolgen der Infektionskrankheit gestorben. Die Dunkelziffer könnte aber noch höher sein, da nicht in jedem Verdachtsfall eine entsprechende Untersuchung erfolgt und Infektionen, gegen die Impfungen helfen, in den Todesfallstatistiken damit nur unvollständig erfasst werden.

Die Daten gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zum Thema „Defizite bei Impfquoten“ hervor. Darin heißt es ebenfalls, dass zwischen 2007 und 2017 in Deutschland etwa 190.000 Menschen an Krankheiten gestorben sind, gegen die man sich impfen kann. Die Angaben beruhen auf Schätzungen des RKI. 

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In Europa haben 33 Länder dank einer hohen Impfquote die Masern bereits überwunden. Deutschland zählt jedoch nicht dazu. In der Bundesrepublik liegt die Impfquote nach Angaben des RKI bei lediglich 86,1 Prozent. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind 95 Prozent notwendig, um die Krankheit vollständig auszurotten. 

Dass viele Menschen in Deutschland den Stich mit der Nadel scheuen oder ihre Kinder nicht impfen lassen, hat verschiedene Ursachen. Ein wichtiger Faktor ist die persönliche Einschätzung: 77 Prozent der Bevölkerung halten eine Masern-Impfung zwar für „besonders wichtig“ oder „wichtig“. Fast jeder Vierte (21 Prozent) findet sie jedoch „nicht so wichtig“. Das zeigt eine repräsentative Befragung zum Wissen und Verhalten der Menschen mit Blick auf Impfungen, herausgegeben von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Ebenfalls zeigt die Umfrage: Die Mehrheit der Befragten, die keinen ausreichenden oder ungewissen Schutz gegen Masern haben, geben an, dass sie nicht auf die Notwendigkeit einer Masern-Schutzimpfung hingewiesen wurden. Das trifft auf 70 Prozent der Befragten zu. Jeder Vierte (25 Prozent) fürchtet die Nebenwirkungen einer Impfung. 

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© vacmap.de

Die Humboldt Universität zu Berlin und das Robert Koch-Institut haben eine interaktive Karte entwickelt, die den Masern-Impfstatus nach Regionen in Deutschland visualisiert.

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Die Ständige Impfkommission gibt Empfehlungen Button: Infokorb-Ablage In den Infokorb legen

Seit 2010 empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) allen Erwachsenen eine Impfung gegen Masern, die nach 1970 geboren wurden – sofern der immunologische Schutz noch nicht ausreichend ist. Kleinkinder sollten grundsätzlich zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat gegen Masern geimpft werden. Eine weitere Impfung ist zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat vorgesehen. Später sind ggf. weitere Impfungen sinnvoll, sofern keine komplette Immunisierung besteht. 

Vielen Menschen sind die Vorgaben der STIKO unbekannt. Laut BZgA kennen fast 74 Prozent der Bevölkerung in Deutschland bspw. die konkrete Empfehlung nicht, dass auch nach 1970 geborene Erwachsene eine Masern-Impfung durchführen lassen sollten.

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