Superfood sind oft exotische Lebensmittel, denen besonders gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Aber braucht man sie, um sich gesund zu ernähren?
Superfood ist ein Sammelbegriff für verschiedenes exotisches Obst, für Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide oder Samen aus fernen Ländern. In der Regel ist Superfood besonders reich an sogenannten Mikronährstoffen. Dazu zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Zudem sollen Superfoods auch viele Antioxidantien und wertvolle Fette wie Omega-3-Fettsäuren enthalten.
Wegen dieser Nährstoffe gilt Superfood als besonders gesund. Der Begriff „Superfood“ ist jedoch nicht genormt, sondern ein Werbebegriff ohne einheitlich festlegte Definition. Rein rechtlich könnte man jedes Lebensmittel als Superfood bezeichnen.
Was ist Superfood?
Es ist nicht immer einfach, sich und seine Familie gesund zu ernähren. Superfoods versprechen hier Hilfe – sind sie doch besonders reich an Nährstoffen und sollen deshalb besonders gesund sein. Aber was ist Superfood überhaupt und wieso wird es als „super“ beworben?
Als Superfoods werden in der Werbung einzelne Lebensmittel bezeichnet, die einen hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen oder Omega-3-Fettsäuren aufweisen – im Vergleich zu üblichen Nahrungsmitteln. Oft handelt es sich dabei um weniger bekannte Lebensmittel wie Chia-Samen, Goji-Beeren oder Quinoa. Ihnen wird nachgesagt, einen besonders großen Nutzen für die Gesundheit und das Wohlbefinden zu haben. So sollen sie – laut Werbung – besonders wirksam sein gegen Erkrankungen, schlank machen oder für eine schönere Haut und jüngeres Aussehen sorgen.
Die Bezeichnung und das Bewerben von Lebensmitteln als Superfood ohne Beweis der Wirksamkeit ist in der Europäischen Union verboten. Daher versuchen viele Hersteller, die Wirksamkeit ihrer Produkte zu belegen. Tatsächlich fehlen aber größtenteils die wissenschaftlichen Beweise für diese gesundheits-förderlichen Eigenschaften. Auch gibt es keine gesetzliche Regelung oder einheitliche Definition dafür, was den Begriff Superfood eigentlich ausmacht.
In den meisten Fällen handelt es sich bei Superfoods einfach um eine Marketingstrategie, die sich das öffentliche Interesse an gesunder Ernährung zunutze macht. Superfoods sind dabei nicht neu: Oft sind diese Lebensmittel in ihren Heimatländern schon lange als gesund bekannt.
Doch auch in Deutschland gibt es viele Obst- und Gemüsesorten, Nüsse, Samen und Getreide, die hier heimisch sind und genauso viel wertvolle Inhaltsstoffe enthalten. Teilweise sogar noch mehr! Diese sind noch dazu oftmals preiswerter und da sie regional angebaut werden und keine langen Transportwege haben, schonen sie auch die Umwelt. Der Verzehr von Superfood ist daher nicht notwendig, denn auch lokale Lebensmittel sind „super“ genug.
Superfood kann eine ausgewogene Ernährung durch gesunde heimische Lebensmittel also unterstützen, aber nicht ersetzen. Und – richtig zubereitet – kann aus jedem Essen ein echtes Superfood werden!
Mehr Informationen zum Thema „Superfood“ und gesunder Ernährung finden Sie auf dem Internetportal der Stiftung Gesundheitswissen.
Wissen ist gesund.
Folgende Lebensmittel gelten allgemein als Superfood:
Superfoods werden mit verschiedenen gesundheitsfördernden Eigenschaften beworben. So sollen sie beispielsweise:
Diese Versprechungen sind jedoch größtenteils nicht wissenschaftlich belegt. Manche Wirkungen wurden in Experimenten mit Tieren oder Zellen festgestellt. Ergebnisse aus solchen Studien lassen sich aber nicht einfach auf den Menschen übertragen.
Es ist vorstellbar, dass Superfood aufgrund seiner vielen wichtigen Nährstoffe gesundheitsfördernd ist. Nachgewiesen ist dies bisher aber nicht.
Dürfen Lebensmittelhersteller Superfood als gesund bewerben, obwohl es dafür keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt? Laut Health-Claim-Verordnung der Europäischen Union ist das nicht zulässig. Gesundheitsbezogene Angaben oder Werbeaussagen müssen laut dieser Verordnung wissenschaftlich belegt sein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) genehmigt auf Antrag nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen. Die Überprüfung der Angaben ist aufwendig und viele Anträge liegen noch unbearbeitet bei der EFSA. Bis eine Aussage abschließend bewertet wurde, darf man damit werben. Die Voraussetzung: Es handelt sich laut Hersteller wirklich um eine wissenschaftlich fundierte Angabe und nicht um Kundentäuschung. Einige Hersteller nutzen einen Trick, wenn sie ein bestimmtes Produkt mit einer Aussage bewerben wollen, die eigentlich verboten ist: Sie versetzen Lebensmittel zusätzlich mit Stoffen, für die diese Angabe erlaubt ist.
„Besser zu viel als zu wenig!“, denken viele Menschen, wenn es um Nährstoffe geht. Doch auch Vitamine oder Mineralstoffe können dem Körper schaden, wenn man zu viel davon zu sich nimmt – das gilt vor allem bei Superfood, das als Nahrungsergänzungsmittel angeboten wird. Anders als bei Arzneimitteln kann der Gehalt an Inhaltsstoffen stark schwanken. Dies liegt an unterschiedlichen Rezepturen und Herstellungsmethoden.
Auch aus anderen Gründen sollte man Superfoods nicht bedenkenlos zu sich nehmen. Zum Beispiel enthalten Acai-Beeren den Stoff Mangan, der in großen Mengen möglicherweise die Aufnahme von Eisen im Körper verschlechtert. Matcha oder Amaranth können in großen Mengen die Aufnahme von Eisen, Calcium oder Magnesium im Körper stören und so zu Mangelerscheinungen führen. Die Aufnahme von Eisen, Calcium und Magnesium wird durch die Oxalsäure gehemmt. Zusätzlich kann sie mit Kalzium Kristalle bilden, wodurch Nierensteine entstehen können. Menschen mit Nierenproblemen sollten Oxalsäure deshalb mit Bedacht und in geringen Mengen zu sich nehmen.
Die Einnahme von rohen, nicht vorgequollenen Chia-Samen kann zu Blähungen und Verstopfungen führen, wenn man nicht genug Wasser dazu trinkt. Außerdem kann manches Superfood zu Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten führen.
Superfood stammt überwiegend aus fernen Ländern, in denen andere Gesetze für den Anbau gelten als hierzulande. Dadurch kann es passieren, dass die Pflanzen mit Schwermetallen, Mineralölen, Insektengiften oder Bakterien belastet sind. Für den langen Transport bis nach Deutschland müssen die Produkte oft durch Konservierungsmittel haltbar gemacht werden, damit sie noch reif bei uns ankommen. Geerntet werden daher oftmals unreife Produkte. Durch das Haltbarmachen und die zum Teil wochenlange Lagerung auf Schiffen gehen viele wertvolle Inhaltsstoffe verloren.
Superfood kann Teil einer abwechslungsreichen und gesunden Ernährung sein. Es ist aber kein Ersatz dafür.
Auch viele heimische Obst- und Gemüsesorten, Getreidearten, Hülsenfrüchte und Kräuter sind reich an gesunden Nährstoffen und stehen den exotischen Superfoods in nichts nach. Eine gesunde Ernährung ist also auch mit heimischen Lebensmitteln möglich und braucht keine exotischen Superfoods.
Wie nachhaltig ist Superfood?
Eine nachhaltige Ernährung soll sicherstellen, dass wir möglichst wenige negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Das heißt, das passt gar nicht zusammen mit exotischem Superfood, das von weit her zu uns kommen muss, denn dafür brauche ich Transportmittel, dafür brauche ich Kraftstoff. Das passt mit Nachhaltigkeit natürlich nicht zusammen.
Ein weiterer Faktor ist natürlich, wenn diese Produkte nur in fernen Ländern produziert werden können, sei es in Mittel- und Südamerika zum Beispiel, und diese Länder das zu uns exportieren, dann belegen wir dort die Anbauflächen und nehmen vielleicht der dortigen Bevölkerung die Anbauflächen weg für ihre eigenen Lebensmittel. Das ist immer etwas, was man im Kopf behalten sollte und noch ein weiteres Argument dafür, zu heimischen Superfood zu greifen.
Wissen ist gesund!
Exotisches Superfood hat einen schlechten Einfluss auf die Umwelt. Dies ist nicht nur den langen Transportwegen geschuldet. Die Herstellung vieler Superfoods benötigt sehr viel Wasser und Energie. Außerdem werden in den Anbauländern immer mehr Wälder gerodet, um Platz für neue Felder zu schaffen. In Europa nimmt die Nachfrage nach exotischem Superfood zu. Das führt in einigen Anbauländern auch zu gesundheitlichen und sozialen Problemen, zum Beispiel durch den starken Einsatz von Insektengiften oder durch schlechte Arbeitsbedingungen wie niedrige Löhne. Für die einheimische Bevölkerung bleibt zudem oft nicht genügend Wasser für den Eigenbedarf oder zur Bewässerung ihrer Felder übrig. Lokale Märkte leiden unter der Konkurrenz durch Massenproduktion und niedrige Exportpreise. Gleichzeitig kann die steigende globale Nachfrage nach Superfoods wie Quinoa oder Amaranth in den Anbauregionen zu Preiserhöhungen führen, wodurch sie für ärmere Bevölkerungsgruppen – obwohl sie dort wichtige Energie- und Eiweißquellen darstellen – unbezahlbar werden.
Die Nährstoffe, die exotisches Superfood so gesund machen sollen, findet man aber auch in vielen heimischen Lebensmitteln. Diese sind zudem oftmals preiswerter als die Exoten. Man kann sie im eigenen Garten anbauen oder zumindest regional und zur richtigen Saison kaufen. Da sie dann nicht so weit transportiert werden müssen, schont man mit ihrem Kauf auch die Umwelt.
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
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Aktualisiert am: 23.06.2026