Werbung, Produktplatzierungen und bunte Verpackungen verführen im Supermarkt dazu, ungesünder einzukaufen, als man eigentlich möchte. So gelingt der gesunde Einkauf trotzdem.
Wer hat solche Momente nicht schon erlebt: Man hat sich vorgenommen, ab jetzt gesünder zu leben. Doch auf mysteriöse Weise schleichen sich beim nächsten Einkauf dann doch wieder Schokoriegel, Chips und hochverarbeitete Lebensmittel in den Einkaufswagen. Hier sind nicht etwa kleine Kobolde am Werk, sondern vielmehr die Werbestrategen der Lebensmittelhersteller und Supermärkte. Denn die versuchen vieles, um uns zu beeinflussen.
Wenn Lebensmittel gezielt beworben werden, kann das einen Einfluss auf unsere Kaufentscheidung ausüben. Dabei kann Werbung uns auch indirekt beeinflussen, wenn sie sich gar nicht an uns richtet, sondern an unsere Kinder. Eine Studie der Universität Hamburg fand heraus, dass Kinder pro Tag etwa 15 Werbespots für ungesunde Lebensmittel wie Frühstücksflocken mit Zucker, Süßigkeiten oder Fast Food im Fernsehen oder Internet sehen. Vielleicht haben auch Sie schon einmal nachgegeben, wenn Ihr Kind den Schokoriegel oder das besondere Fruchtgummi aus der Werbung im Supermarkt wiedererkannt hat und unbedingt haben wollte. Eltern sollten sich also bewusst sein, dass gerade Kinder vielen Werbebotschaften ausgesetzt sind. Diese sollten Sie mit ihnen besprechen.
Die Tricks der Supermärkte beginnen schon beim Aufbau der Regale: Lebensmittel, die auf Augenhöhe ausliegen, werden häufiger wahrgenommen und gekauft als Produkte ganz oben oder unten im Regal. Produkte für Kinder werden dabei bewusst auf deren Augenhöhe gelegt. Es ist also kein Zufall, dass an der Kasse, wo man warten muss, besonders viele Süßigkeiten liegen.
Die Märkte setzen außerdem gezielt Licht ein, um Waren besonders gut aussehen zu lassen. Mithilfe der richtigen Temperatur, von Gerüchen und angenehmer Musik versuchen die Märkte, eine Wohlfühl-Umgebung zu schaffen – damit wir möglichst lange und viel einkaufen.
Unter Superfood versteht man Lebensmittel, denen aufgrund ihrer Nährstoffe besonders gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Meist handelt es sich dabei um exotische Früchte und Samen, die aus fernen Ländern stammen. In unserem Beitrag über Superfood erfahren Sie, wie gesund diese Lebensmittel tatsächlich sind und welche Alternativen es gibt.
Wie beeinflussen Supermärkte unser Kaufverhalten?
Natürlich sind Supermärkte die Orte, wo ich meine Lebensmittel einkaufe, das, was ich täglich brauche. Aber jeder Supermarktbetreiber möchte natürlich, dass ich möglichst lange bleibe und möglichst viel Geld dort ausgebe. Denn das ist natürlich das Geschäftsmodell. Und durch verschiedene Faktoren in jedem Supermarkt werden wir beeinflusst, dass wir uns wohler fühlen, dass wir länger dortbleiben und am Ende mehr kaufen.
Das fängt schon gleich vorne am Eingang an. In der Regel haben wir als erstes die Obst- und Gemüse-Abteilung. Diese ist besonders hell, besonders frisch und sorgt natürlich erst mal dafür, dass ich mich gut fühle, und dass ich auch denke, okay, dann habe ich die gesunden Lebensmittel gleich am Anfang und verlieren vielleicht am Ende so ein bisschen den Überblick und nehme auch noch mal ungesündere Lebensmittel. Denn am Anfang habe ich ja schon die Gesunden mitgenommen. Und dann vermittelt natürlich so eine Frischeabteilung den Eindruck, dieser Markt ist sauber, hier kann ich mich wohlfühlen.
Was noch dazu kommt, ist eine besondere Beleuchtung, sodass zum Beispiel Obst und Gemüse besonders frisch aussehen. Aber das findet man auch an der Fleischtheke, sodass das Fleisch besonders schön rot aussieht, und wenn ich es zu Hause auspacke, bin ich manchmal doch enttäuscht.
Durch den ganzen Supermarkt begleitet mich so ein Lichtkonzept, aber teilweise auch ein Konzept nach Musik, das heißt, unterschwellig höre ich häufig Musik, die mich entspannen soll, also dass ich möglichst lange dortbleibe. Und ganz, ganz wichtig sind vor allem Gerüche. So weiß man, dass der Geruch von frischem Brot, von frisch Gebackenem mich dazu verleitet, etwas mehr zu kaufen, weil wir alle das sehr gerne mögen und uns dann besonders wohlfühlen.
Wenn man dann durch den Supermarkt geht, ist er so aufgebaut, dass ich in der Regel nicht direkt zur Kasse gehen kann, sondern meistens einen Rundkurs laufen muss. Der ist in der Regel so aufgebaut, dass ich linksherum gehe, denn es wurde herausgefunden, dass Menschen weniger gestresst sind, wenn sie linksherum gehen. Und natürlich sorgt das dafür, wenn ich einen Rundkurs laufen muss, dass ich an vielen verschiedenen Lebensmitteln vorbeikomme, die ich vielleicht gar nicht einkaufen wollte und dann denke: Ah, das wollte ich doch auch noch und am Ende ist der Einkaufswagen voller, als ich wollte.
Wissen ist gesund!
Für einen gesunden Einkauf sind vor allem zwei Dinge entscheidend: Zeit und Planung. Wer schnell durch den Supermarkt hetzt, entscheidet meist nicht vernünftig, sondern aus dem Bauch heraus. Dann landen ungesunde Produkte im Wagen. Planen Sie also für den Einkauf Zeit ein und gehen Sie nicht hungrig einkaufen. Um schon vor dem Einkauf gesunde Entscheidungen zu treffen, helfen ein Essensplan und die gute alte Einkaufsliste. Das zeigt eine Studie an Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren: Wer vor dem Einkauf einen Speiseplan erstellt und dementsprechend eine Einkaufsliste geschrieben hatte, aß nach dem Einkauf auch häufiger Gemüse. Eine mögliche Erklärung dafür ist: Mit Liste kauft man gezielt ein und lässt sich weniger von Werbung und Angeboten beeinflussen.
Lebensmittelhersteller sind per Gesetz dazu verpflichtet, Nährwerte auf ihren Produkten anzugeben. Man findet sie als Tabelle, meist auf der Rückseite der Verpackung. Die Nährwerte informieren darüber, wie viel Energie das Produkt enthält und aus welchen Grundbausteinen es zusammengesetzt ist. Die Angabe muss als Menge pro 100 Gramm oder pro 100 Milliliter erfolgen. Zu den Nährwerten gehören folgende Informationen:
Manche Hersteller führen freiwillig noch weitere Informationen auf, wie z. B. die Menge an Vitaminen, Ballaststoffen oder ungesättigten Fettsäuren. Neben den Mengenangaben stehen manchmal Prozentzahlen. Diese geben an, wie viel Prozent des Tagesbedarfs ein Produkt abdeckt. Für die Berechnung des Tagesbedarfs gibt es gesetzliche Vorgaben, er bezieht sich normalerweise auf einen durchschnittlichen Erwachsenen mit einem Energiebedarf von 2000 kcal pro Tag. Dieser Bezugswert ist in oder unter der Nährwerttabelle angegeben. Der Tagesbedarf kann vom Hersteller pro 100 g oder ml oder pro Portion angegeben werden. Aber Vorsicht, auch hier wird getrickst, indem etwa sehr kleine Portionsgrößen angegeben werden.
Bei unverpackten Lebensmitteln wie Obst und Gemüse sind die Hersteller nicht dazu verpflichtet, Nährwerte anzugeben. Dasselbe gilt für verpackte Lebensmittel, die nur aus einer Grundzutat bestehen, z. B. Mehl, Reis oder Kaffee. Weitere Ausnahmen sind Kaugummis, Tee, Kräuter und Gewürze, lose Ware wie beispielsweise Wurst an der Fleischtheke und Lebensmittel, die direkt vom Hersteller vermarktet werden (z. B. in Hofläden).
Der Nutri-Score ist eine Art Lebensmittel-Ampel, die im Jahr 2020 von der Bundesregierung eingeführt wurde. Man findet ihn auf der Vorderseite von Lebensmittel-Verpackungen. Die Hersteller entscheiden aber selbst, ob sie den Nutri-Score abbilden möchten. Der Nutri-Score bewertet den Nährwert von Lebensmitteln und dient dazu, Produkte innerhalb derselben Produktgruppe miteinander zu vergleichen. So soll er dem Verbraucher helfen, z. B. das Müsli oder den Joghurt mit den besten Nährwerten im Regal zu finden. Er wird immer für 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Lebensmittels berechnet.
Die Hersteller legen den Nutri-Score nach gesetzlichen Vorgaben fest. Grundsätzlich gilt: Je mehr Kalorien, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz ein Lebensmittel enthält, desto schlechter die Bewertung. Ein hoher Anteil an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Ballaststoffen und Eiweißen führt zu einer besseren Bewertung. Die Bewertung wird mithilfe von fünf Farben und Buchstaben angegeben. Eine günstige Nährwertbilanz haben Produkte, die dunkelgrün und mit dem Buchstaben A gekennzeichnet sind. Lebensmittel mit der Farbe Rot und dem Buchstaben E sollten eher selten und nur in geringen Mengen gegessen werden. Die Berechnung des Nutri-Scores wurde vor einiger Zeit aktualisiert und ab 2026 darf nur noch die neue Version benutzt werden. Diese ist u. a. bei den Vorgaben für Zucker und Salz strenger als vorher. Viele Lebensmittel werden daher in Zukunft schlechter bewertet.
Wichtig: Der Nutri-Score sagt wenig darüber aus, ob ein Lebensmittel grundsätzlich gesund ist. So kann ein Schokoriegel z. B. die Bewertung dunkelgrün/A erhalten, weil er im Vergleich zu anderen Schokoriegeln einen besseren Nährwert hat. Im Vergleich zu Obst und Gemüse etwa schneidet er trotzdem deutlich schlechter ab. Wer also genau wissen möchte, wie gesund ein Produkt ist, muss die Nährwerttabelle zurate ziehen.
Was ist der Nutri-Score?
Der Nutri-Score ist eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung. Das heißt, es ist etwas, was errechnet wird aus den positiven Inhaltsstoffen von Lebensmitteln, zum Beispiel Proteingehalt, Gehalt an Obst, Gemüse und Nüssen oder auch Ballaststoffen. Und diese werden verrechnet mit den negativen Inhaltsstoffen, die man eher meiden sollte, zum Beispiel gesättigte Fettsäuren, Salzgehalt, Zucker und auch der Kalorienzahl, die dieses Lebensmittel eben hat. Daraus wird dann eine Note gebildet von A bis E.
Das Problem daran ist, das sagt mir jetzt nicht automatisch, das Produkt ist gesund oder ungesund. Ich sollte den Nutri-Score nur benutzen, um Lebensmittel in einer Kategorie zu vergleichen. Das heißt: ein Müsli mit einem anderen Müsli, oder eine Tiefkühlpizza mit einer anderen Tiefkühlpizza.
Denn ganz wichtig ist, der Nutri-Score sollte nicht über meine Ernährung entscheiden, was kaufe ich und was kaufe ich nicht, denn die allergesündesten Lebensmittel, Obst, Gemüse, Nüsse oder Hülsenfrüchte, die tragen in der Regel gar keinen Nutri-Score. Und davon sollte ich besonders viel essen.
Wissen ist gesund!
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
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Aktualisiert am: 24.06.2026