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KI-Chatbots in der Gesundheitsaufklärung

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Ein Referenzmodell für eine evidenzbasierte und verständliche Wissensvermittlung

Immer mehr Menschen befragen eine künstliche Intelligenz zu Symptomen und Gesundheitsthemen. Doch wie lässt sich sicherstellen, dass Antworten medizinisch korrekt, laienverständlich und verlässlich sind? Die Stiftung Gesundheitswissen und das ZTM Bad Kissingen entwickeln ein Referenzmodell, das zeigt, wie evidenzbasierte KI-Chatbots entwickelt, sicher betrieben und kontinuierlich qualitätsgesichert werden können.

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Hintergrund

KI-Chatbots wie ChatGPT oder Gemini liefern schnell verständliche Antworten auf gesundheitsbezogene Fragen. Durch ihre Funktionsweise bergen sie jedoch Risiken: Sie können überzeugend klingende Fehlinformationen (Halluzinationen) erzeugen, Warnsignale übersehen oder Ratsuchende durch Fehleinschätzungen beunruhigen. Für den verantwortungsvollen Einsatz in der Gesundheitsaufklärung müssen Sprachmodelle an evidenzbasierte Quellen gebunden und von strengen Kontrollmechanismen flankiert werden. Bislang fehlte es im deutschsprachigen Raum an praxisnahen Standards und praxiserprobten Architekturen, die diesen Spagat zwischen medizinischer Evidenz, Zielgruppenorientierung und technischer Umsetzbarkeit systematisch abbilden. 

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Ziel

Das Projekt zielt auf die Schaffung eines praxistauglichen Referenzmodells (Leitfaden), das als verlässlicher Leitfaden dient. Es beantwortet drei zentrale Fragen:

  1. Was macht einen guten Gesundheits-Chatbot aus? (Qualitätskriterien)

    Wir definieren konkrete Anforderungen für den praktischen Einsatz: Antworten müssen medizinisch belegbar, laienverständlich formuliert und neutral sein. Gleichzeitig muss das System klare Grenzen wahren – etwa indem es keine eigenständigen Diagnosen stellt, Notfälle erkennt und strengen Datenschutzvorgaben (DSGVO, EU AI Act) folgt.

  2. Wie baut man das System technisch sicher auf? (Praxisnaher Bauplan)

    Wir beschreiben bewährte technische Architekturmuster. Dazu gehört vor allem, wie ein Sprachmodell fest mit verifizierten medizinischen Datenbanken verknüpft wird (RAG-Prinzip), damit es ausschließlich auf geprüfte Fachinhalte zugreift und Quellen korrekt zitiert.

  3. Wie bleibt der Chatbot dauerhaft verlässlich? (Laufende Qualitätssicherung)

    Ein Chatbot ist nach dem Start nie „fertig“. Wir erarbeiten Prüfverfahren, die auch im laufenden Betrieb sicherstellen, dass Antworten fehlerfrei bleiben. Dazu kombinieren wir automatisierte KI-Tests (z. B. „LLM-as-a-Judge“) zur Messung von Texttreue mit regelmäßigen Stichproben durch Fachpersonal.

Aus der Praxis für die Praxis: Um zu beweisen, dass diese Kriterien im Alltag funktionieren, erproben wir das Modell kontinuierlich an einem eigenen Testsystem und gemeinsam mit externen Partnern an bestehenden Systemen.

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Ergebnisse auf einen Blick

  • Umfassender Anforderungskatalog: Es wurden praxisorientierte Qualitätsanforderungen in sechs Dimensionen zusammengefasst: Ausgabequalität, Inhaltsqualität, Transparenz, technische Funktionen, Qualitätssicherung sowie Datenschutz und rechtliche Anforderungen.
  • Funktionsfähiges Testsystem: Zusammen mit dem ZTM Bad Kissingen hat die Stiftung Gesundheitswissen einen KI-Prototypen zu Testzwecken entwickelt.
  • Automatisierte Qualitätsprüfung: Erste Implementierung automatisierter Prüfverfahren zur schnellen Messung von Antwortgüte, Quellenbindung und Verständlichkeit.

Das Arbeitspapier als Download

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Das Projekt und sein Verlauf

Eckdaten

Laufzeit: Evaluationsphase und Erprobungsphase bis Mitte 2027

Projektleitung: Markus Seelig, Stiftung Gesundheitswissen

Projektpartner: ZTM Bad Kissingen GmbH

Methodischer Ansatz

Kern des Projekts ist die schrittweise Entwicklung eines praxistauglichen Referenzmodells. 

Folgende Schritte sind bereits abgeschlossen:

  • Entwicklung eines prototypischen KI-Chatbots zur Prüfung der technischen und inhaltlichen Machbarkeit.
  • Erstellung eines Anforderungskatalogs (Version 0.9) auf Basis systematischer Recherchen, Praxiserfahrungen und Expertengespräche.
  • Entwicklung prototypischer Testverfahren zur automatisierten Qualitätsmessung („LLM-as-a-Judge“).
  • Erste Bewertungen der Machbarkeit eines evidenzbasierten Chatbots, der Messbarkeit von Qualitätskriterien sowie der Automatisierung der Prüfprozesse mit positivem Ergebnis.

Aktuell in der Umsetzung:

  • Weiterentwicklung des Anforderungskatalogs (Version 1.0) durch vertiefende Recherchen und Erkenntnisse aus laufenden Anwendungstests.
  • Ausbau der automatisierten Testverfahren („LLM-as-a-Judge“) um weitere Qualitätsanforderungen z. B. zur weiteren Minimierung von Halluzinationen oder zur Messung der Verständlichkeit.
  • Entwicklung eines Referenzmodells zur Verknüpfung der Qualitätsanforderungen mit passenden Systemarchitekturen und Betriebsprozessen.
  • Erprobung der Qualitätsanforderungen in realen Anwendungsszenarien mit Entwicklungspartnern.

Zukünftig geplant:

•    Vorstellung und Diskussion des Anforderungskatalogs in Fachkreisen und bei relevanten Stakeholdern.
•    Evaluation und Validierung der automatisierten Testverfahren über einen systematischen Vergleich zwischen menschlicher Bewertung und Maschinen-Output.
•    Ganzheitliche Evaluation des Referenzmodells zur Bewertung der Wirksamkeit und Skalierbarkeit im Gesundheitswesen

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Fazit

Evidenzbasierte und zielgruppengerechte Gesundheitskommunikation stellt höchste Anforderungen an Verlässlichkeit, Verständlichkeit und Sicherheit. KI-Chatbots können diesen Anspruch erfüllen – allerdings nur, wenn sie auf einer geprüften Wissensbasis aufsetzen und methodisch gut gesteuert werden.

Die einmalige Einrichtung reicht nicht aus. Um Patientensicherheit und inhaltliche Exzellenz langfristig zu garantieren, müssen Konzeption, technischer Aufbau und fortlaufende Qualitätskontrolle Hand in Hand gehen. Das Referenzmodell der Stiftung Gesundheitswissen liefert hierfür die wissenschaftlich fundierte und praxiserprobte Blaupause.

Weiterführende Informationen

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Ansprechpartner

Projektleitung

Markus Seelig
Bereichsleitung Prävention und Gesundheitsförderung Stiftung Gesundheitswissen
markus.seelig@stiftung-gesundheitswissen.de

Technische Leitung

Dr. Asarnusch Rashid
Geschäftsführer ZTM Bad Kissingen GmbH
rashid@ztm.de
 

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen: Markus Seelig, Michael Mibs, Lisa-Marie Ströhlein, Constantin Erlenbeck (Stiftung Gesundheitswissen)
Wissenschaftliche Beratung: Robert Orzanna, Marian Weber, Dr. Asarnusch Rashid

Die Stiftung Gesundheitswissen hat das Ziel, verlässliches Gesundheitswissen in der Bevölkerung zu stärken. Die an der Erstellung unserer Angebote beteiligten Personen haben keine Interessenkonflikte, die eine unabhängige und neutrale Informationsvermittlung beeinflussen.

Weitere Hinweise zum Umgang mit Interessenkonflikten finden Sie hier.

Alle unsere Angebote beruhen auf den derzeit besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie stellen keine endgültige Bewertung dar und sind keine Empfehlungen.

Weitere wichtige Hinweise zu unseren Angeboten finden Sie hier.

Erstellt am: 10.09.2026