Kochendes Wasser, heiße Herdplatten, offenes Feuer: Verbrennungen oder Verbrühungen sind schmerzhaft und können die Haut dauerhaft schädigen. Was tut man in diesem Fall? Selbst wenn es naheliegend erscheint: Mit dem Kühlen sollte man vorsichtig sein. Die Stiftung Gesundheitswissen erklärt die Gründe dafür und wie man Verbrennungsunfälle vor allem bei Kindern verhindern kann.
Eine Schädigung der Haut durch starke Hitze, aber auch Kälte wird unter dem medizinischen Oberbegriff „thermische Verletzung“ zusammengefasst. Allerdings passieren Verletzungen durch Hitze häufiger – vor allem bei Kindern. Egal ob Verbrennung oder Verbrühung: Die Hitze schädigt oder zerstört Gewebe. Die Haut rötet sich, bildet Blasen, schmerzt. Eine Verbrennung entsteht durch trockene Hitze, zum Beispiel durch Feuer, Grillkohle, Sonnenstrahlung oder durch einen Stromschlag. Von einer Verbrühung spricht man, wenn heiße Flüssigkeiten oder Dämpfe auf die Haut treffen.
Um abzuschätzen wieviel Haut geschädigt wurde, hilft die Handflächenregel: Eine Handfläche mit Fingern entspricht etwa einem Prozent der Körperoberfläche.
Was wir als leichte oder schwere Verbrennung bezeichnen, ist in der Medizin in Verbrennungsgrade eingeteilt.
Eine leichte Verbrennung ist zwar schmerzhaft, aber meist unproblematisch. Die Haut wird rot, aber der Schaden ist oberflächlich und beschränkt sich auf die oberste Hautschicht (Epidermis). Die Haut erholt sich komplett.
Verbrennungen zweiten Grades reichen bis in die zweite Hautschicht, die Dermis, und sind sehr schmerzhaft. Es kommt auf jeden Fall zur Blasenbildung.
Hier wird zusätzlich unterschieden zwischen Grad 2 a und 2 b: Bei 2 a kann der sogenannte Wundgrund unter den Blasen noch heilen, was etwa 14 Tage dauert. Bei 2 b ist der Wundgrund abgestorben und weiß statt rot. Durch den Zelltod fehlt das Gefühl an der betroffenen Stelle. Es bildet sich eine Narbe. Eventuell muss das abgestorbene Gewebe entfernt werden.
Dabei sind die beiden oberen Hautschichten zerstört, die dritte (Subkutis) ist geschädigt. Kein Schmerz. Die verbrannte Haut wird in der Regel operativ entfernt und Haut von anderer Stelle transplantiert. Meist sind mehrere Eingriffe in Folge nötig.
Die Haut ist verkohlt und schwarz. Die Hitze hat alle Schichten zerstört und teils auch Muskeln, Sehnen, Knochen oder Gelenke geschädigt.
Einen Arzt aufsuchen sollte man stets, wenn es sich um mehr als nur um eine oberflächliche Verletzung handelt, also ab Verbrennungsgrad 2. Bei schweren und großflächigen Verbrennungen sollte man den Notarzt rufen. Das gilt auch, wenn Rauch eingeatmet wurde oder sensible Stellen wie Kopf, Gesicht, Hände oder Genitalien betroffen sind. Großflächige Verbrennungen machen nicht nur weitere Behandlungen nötig, sondern können auch zu Kreislaufproblemen führen, zu einem Schock, zu Entzündungsreaktionen oder sogar zu Organversagen. Lebensbedrohlich wird es, wenn bei Kindern fünf bis zehn Prozent, bei Erwachsenen mehr als 15 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind.
Für schwere Verbrennungsfälle gibt es in Deutschland 26 spezialisierte Einrichtungen, sogenannte Zentren für Brandverletzte, u.a. bei
Kühlen, aber richtig: Verbrannte Stellen zu kühlen, lindert den Schmerz. Bei kleinflächigen Verletzungen sollte mit Leitungswasser von etwa 20 Grad gekühlt werden. Fünf bis zehn Minuten sind ausreichend. Eine längere Kühlung reduziert nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht den Hautschaden, im Gegenteil: Die Temperatur im Gewebe normalisiert sich auch ohne Kühlung rasch, und eine zu starke Kühlung reduziert die Durchblutung und kann damit den Schaden der Haut eher vergrößern.
Verätzungen dagegen können ausgiebig mit sauberem Wasser gespült werden. Kleidung und Schmuck vorsichtig von betroffenen Hautstellen entfernen, weil sie sonst wie ein Hitzespeicher wirken. Falls sich Kleidungstücke nicht lösen, vorsichtig drumherum schneiden. Sterile Pflaster oder Verbände – idealerweise metallbeschichtet - sind am besten geeignet die Wunde abzudecken. Beim Befestigen sollte darauf geachtet werden, das Pflaster oder den Verband nicht zu straff anzulegen.
Brandblasen bilden sich bei Verbrennungen zweiten Grades. Es ist also nicht nur die erste, sondern auch die zweite Hautschicht betroffen. Zwischen den Hautschichten bildet sich Flüssigkeit. Die Flüssigkeit, die zur Kühlung der Wunde unter der Blase dient. Die Blase hat eine Schutzfunktion. Das Heißt: Brandblasen nicht aufstechen. Denn dann können Keime eindringen und die Hautstelle kann sich infizieren und entzünden. Die betroffene Hautpartie kann aber mit einer Mullkompresse abgedeckt werden. Ist die Blase besonders groß und droht durch hohe Spannung einzureißen oder zeigen sich infektionsbedingte Rötungen und Schwellungen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Hier kann die Brandblase unter sterilen Bedingungen geöffnet werden. Dann wird die oberste Hautschicht entfernt, das sogenannte Blasendach. Das ist schmerzfrei.
Langzeitfolgen entstehen ab Verbrennungsgrad 2 b. Durch die Gewebezerstörung und den Zelltod kann die Haut sich nicht regenerieren, es bilden sich Narben. Sie können chirurgisch behandelt werden. Sogenannte plastisch-rekonstruktive Eingriffe sind bei etwa 13 Prozent aller Verbrennungspatienten nötig, durchschnittlich müssen sie 2 - 4-mal operiert werden. Bei schweren Verletzungen können auch organische Spätfolgen auftreten oder sogar Amputationen nötig werden.
Von leichteren Verbrennungen sind 600 von 100.000 Einwohnern pro Jahr betroffen. Bei schweren Verbrennungen sind es etwa zwei von 100.000 Einwohnern pro Jahr. Männer sind mit 72,5 Prozent deutlich häufiger betroffen als Frauen (28,5 %). Kinder unter 10 Jahren stellen knapp zehn Prozent der Betroffenen. Im Haushalt sind besonders Kinder bis fünf Jahren gefährdet, vor allem in der Küche. Insgesamt erleiden aber die 20 - 59-Jährigen am häufigsten Verbrennungen (59,5 %). Bei Menschen über 60 Jahren liegt der Anteil der Brandverletzten noch bei 24,6 %.
Die Hauptursache von Verbrennungen sind:
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Erstellt am: 11.05.2021