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Erhöhte Blutfette

Weniger Triglyzeride durch Omega-3-Fettsäuren?

Dauerhaft erhöhte Triglyzeridwerte können die Entstehung verschiedener Folgeerkrankungen wie einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Lebensstiländerungen bilden für alle Betroffenen die wichtigste Säule der Behandlung. Zur Veränderung des Lebensstils gehören vor allem eine Ernährungsumstellung, aber auch mehr körperliche Aktivität und ggf. Gewichtsabnahme.   

Eine spezielle Ernährungsweise bei erhöhten Triglyzeridwerten ist die einer Omega-3-Fettsäuren-reichen oder -angereicherten Ernährung. Omega-3-Fettsäuren sollen den Triglyzeridwert senken und vor Arteriosklerose schützen. 

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den sogenannten mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Sie sind für den Körper essentiell. Das heißt, der menschliche Körper kann die Fettsäuren nicht selbst herstellen und ist auf deren Zufuhr durch die Nahrung angewiesen. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Fisch- und bestimmten Pflanzenölen wie Raps- und Leinsamenöl enthalten. Zu Omega-3-reichem Fisch gehören Hering, Lachs, Thunfisch, Makrele, Sardine und Sardelle.

Welchen Nutzen hat es, sich Omega-3-reich zu ernähren? Wir haben uns die Studienlage für Betroffene mit erhöhten Triglyzeridwerten angeschaut. Die Wirkung der Einnahme von Omega-3-Fettsäurekapseln war dabei nicht Gegenstand der Untersuchung.

Was wurde untersucht?

Fünf randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) untersuchten den Nutzen einer Omega-3-Fettsäuren-reichen oder -angereicherten Ernährung bei erwachsenen Personen mit erhöhten Triglyzeridwerten ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

In vier Studien wurde eine fischreiche Ernährung untersucht. Die Teilnehmenden nahmen dabei verschiedene Fischsorten wie Lachs, Hering, Sardinen oder Makrele in unterschiedlichen Mengen – zumeist in einer Mahlzeit pro Tag – zu sich. In einer fünften Studie wurde ein mit Omega-3-Fettsäuren angereicherter Joghurt untersucht.

Die Teilnehmenden wurden dazu per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt:

  • Eine Gruppe nahm Omega-3-Fettsäuren-reiche Lebensmittel zu sich.
  • Die andere Gruppe ernährte sich wie üblich und achtete nicht auf einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren.

Die Studien erstreckten sich über einen Zeitraum von vier bis 16 Wochen. Im Anschluss wurden die Blutfettwerte der Teilnehmenden gemessen.

Die Ergebnisse auf einen Blick

Auf Basis der derzeit verfügbaren Evidenz scheint es, dass bei Erwachsenen mit erhöhten Triglyzeridwerten ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine fischreiche Ernährung mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren über einen Zeitraum von vier bis 16 Wochen der Triglyzeridwert gesenkt werden kann. Auf andere Blutfettwerte scheint diese Ernährungsform keine oder nur sehr geringe Auswirkungen zu haben.

Es liegen derzeit keine RCTs zu den Auswirkungen einer Ernährung mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren auf die Sterblichkeit oder das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

Unerwünschte Wirkungen oder Schäden wurden nicht berichtet.

Ob der triglyzeridsenkende Effekt über einen längeren Zeitraum anhält, ist unklar. Für eine verlässlichere Aussage sind Studien mit einer längeren Beobachtungsdauer notwendig. 

Einschränkung der Ergebnisse

Die Aussagekraft der Ergebnisse ist stark eingeschränkt, da die wenigen Einzelstudien eine geringe methodische Qualität aufweisen. 
Zudem lässt sich keine verlässliche Aussage über einen Langzeiteffekt der Ernährung mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren treffen. 

Nutzen der Behandlungsmethode

Konnte eine Veränderung der Triglyzeridwerte durch die Umstellung auf eine Ernährung mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren gezeigt werden?

In den vier RCTs, die eine fischreiche Ernährung mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren über einen Zeitraum von vier bis 16 Wochen untersuchten, waren im Vergleich zu einer üblichen Ernährung niedrigere Triglyzeridwerte festzustellen.  

Hingegen zeigte der Verzehr eines mit Omega-3-Fettsäuren angereicherten Joghurts im Vergleich zu einem normalen Fruchtjoghurt über einen Zeitraum von zehn Wochen keine Änderung der Triglyzeridwerte. 

Welche Wirkung hat die Umstellung auf eine Omega-3-Fettsäuren-reiche Ernährung auf weitere Blutfettwerte? 

In Hinblick auf die Veränderung des Gesamtcholesterins erbrachten die Studien widersprüchliche Resultate. Durch eine fischreiche Ernährung mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zur üblichen Ernährung ließ sich in zwei RCTs eine Senkung des Gesamtcholesterinwerts über jeweils vier Wochen beobachten. In den beiden anderen Studien zur fischreichen Ernährung war dies jedoch nicht der Fall. 

Auch auf den LDL- und HDL-Cholesterinwert hat nach den vorliegenden Daten die Umstellung auf eine Omega-3-Fettsäuren-reiche Ernährung keine wesentlichen Auswirkungen. 

Der Verzehr von mit Omega-3-Fettsäuren angereichertem Joghurt ergab im Vergleich zu einem normalen Fruchtjoghurt über einen Zeitraum von zehn Wochen bei den Teilnehmenden der Studie keine Änderung der LDL- und Gesamtcholesterinwerte. Möglicherweise kann durch einen mit Omega-3-Fettsäuren angereicherten Joghurt eine leichte Erhöhung des HDL-Cholesterinwerts erreicht werden. 

Kann durch eine Ernährung mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren die Sterblichkeit gesenkt werden?

Diese Frage lässt sich derzeit nicht beantworten, denn es wurden keine RCTs gefunden, die dies zum Gegenstand hatten. 

Treten durch eine Ernährung mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf?

In den eingeschlossenen Studien wurde nicht untersucht, ob eine Ernährung mit hohem Omega-3-Fettsäuren-Gehalt das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern kann.

Hat eine Ernährung mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren Einfluss auf die Lebensqualität?

Diese Frage lässt sich derzeit nicht beantworten, denn es wurden keine RCTs gefunden, die die Lebensqualität erhoben haben.

Schaden der Behandlungsmethode

Welche unerwünschten Folgen oder Nebenwirkungen sind aufgetreten?

In keiner der eingeschlossenen Studien wurden Ergebnisse zu unerwünschten Folgen einer Ernährung mit hohem Omega-3-Fettsäuren-Gehalt berichtet. Das bedeutet nicht, dass solche Folgen nicht auftreten können.

Die Aussagekraft der Ergebnisse ist stark eingeschränkt, da die wenigen Einzelstudien eine geringe methodische Qualität aufweisen und das Verzerrungspotenzial daher groß ist.

Mit insgesamt 239 Personen beruhen die Ergebnisse auf einer geringen Studienpopulation. In zwei Studien wurden zudem ausschließlich Frauen eingeschlossen. 

Auch die mittlere Studiendauer der RCTs mit vier bis 16 Wochen ist nicht ausreichend, um Aussagen über mögliche langfristige Effekte treffen zu können.

Die hier dargestellten Informationen stammen aus fünf RCTs aus Deutschland, China, Japan, Australien und den USA. Insgesamt nahmen in den fünf Studien 239 Personen mit einer nicht-familiären, erworbenen Hypertriglyzeridämie ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen teil. Das mittlere Alter der Studienteilnehmenden in den einzelnen Studien lag bei 47 bis 70 Jahren.

In vier Studien wurde eine fischbasierte Ernährung untersucht. Die Teilnehmenden verzehrten verschiedene Fischsorten in unterschiedlichen Mengen.

In Studie 1 sollten die Teilnehmenden fünfmal pro Woche 80 g Lachs, Hering oder Makrele als Mittagsmahlzeit zu sich nehmen. In Studie 2 aßen die Teilnehmenden täglich rund 276 g mageren Fisch bei einer Gesamtenergiemenge von täglich 2.000 kcal. In Studie 3 ernährten sich die Teilnehmenden fischbasiert mit ca. 3 g Omega-3-Fettsäuren pro Tag. In Studie 4 nahmen die Teilnehmenden täglich eine Fischmahlzeit ein.

Eine weitere Studie prüfte eine mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Ernährungsform, und zwar 125 g Joghurt mit Omega-3-Fettsäuren: 0,8 g oder 3 g langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren (n-3 LC-PUFA) pro Tag.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Dawczynski C, Massey KA, Ness C, Kiehntopf M, Stepanow S, Platzer M et al. Randomized placebo-controlled intervention with n-3 LC-PUFA-supplemented yoghurt: Effects on circulating eicosanoids and cardiovascular risk factors. Clinical Nutrition 2013;32(5):686–96.

Huch R, Jürgens KD, editors. Stoffwechsel, Wärmehaushalt und Ernährung. In: Mensch, Körper, Krankheit. München: Urban & Fischer; 2015. p. 375–92.

Kondo K, Morino K, Nishio Y, Kondo M, Nakao K, Nakagawa F et al. A fish-based diet intervention improves endothelial function in postmenopausal women with type 2 diabetes mellitus: A randomized crossover trial. Metabolism 2014;63(7):930–40.

Leaf D, Hatcher L. The effect of lean fish consumption on triglyceride levels. The Physician and Sportsmedicine 2009;37:37–43.

Mori TA, Bao DQ, Burke V, Puddey IB, Watts GF, Beilin LJ. Dietary fish as a major component of a weight-loss diet: Effect on serum lipids, glucose, and insulin metabolism in overweight hypertensive subjects. The American Journal of Clinical Nutrition 1999;70(5):817–25.

Pschyrembel Online. Omegafettsäuren. Available from: URL: https://www.pschyrembel.de/Omegafetts%C3%A4uren/K0FP4 [07.01.2021].

Zhang J, Wang C, Li L, Man Q, Meng L, Song P et al. Dietary inclusion of salmon, herring and pompano as oily fish reduces CVD risk markers in dyslipidaemic middle-aged and elderly Chinese women. The British Journal of Nutrition 2012;108(8):1455–65.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Erstellt vom Team Stiftung Gesundheitswissen.

Wissenschaftliche Beratung:
PD Dr. med. Karl Horvath
PD Dr. med. Karl Horvath

PD Dr. med. Karl Horvath

Priv.-Doz. Dr. Karl Horvath promovierte 1993 an der Karl-Franzens-Universität Graz. 1997 Erhalt des Diploms Arzt für Allgemeinmedizin, 2002 Erhalt des Facharztdiploms, Facharzt für Innere Medizin und 2013 des Additivfachs, Facharzt für Endokrinologie und Diabetologie. Im Jahr 2010 Habilitation im Fach Innere Medizin an der Medizinischen Universität Graz. Aktuell ist er als Facharzt für Innere Medizin an der Universitätsklinik für Innere Medizin, Universitätsklinikum Graz, Medizinische Universität Graz praktisch ärztlich tätig. Von 2005 bis 2014 hatte er die Co-Leitung des „EBM Review Center“ der Medizinischen Universität Graz inne. Seit 2015 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Instituts für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung der Medizinischen Universität Graz. Dort leitet er den Fachbereich Evidenzbasierte Medizin.
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Univ. Ass. Mag. rer. nat. Thomas Semlitsch
Portrait Univ.Ass. Mag.rer.nat. Thomas Semlitsch

Univ. Ass. Mag. rer. nat. Thomas Semlitsch

Mag. rer. nat. Thomas Semlitsch studierte Chemie mit dem Ausbildungsschwerpunkt Biochemie und Zellbiologie der Karl Franzens Universität Graz. Vor seiner Anstellung an der Medizinischen Universität Graz war er mehrere Jahre im Bereich Qualitätsmanagement und als Koordinator klinischer Studien an einer österreichischen Privatklinik tätig und absolvierte 2007 eine Post-Graduate Ausbildung zum Good Laboratory Practice (GLP) -Beauftragten für den Bereich analytisches Labor. Von 2008 bis 2014 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Research Unit „EBM Review Center“ der Medizinischen Universität Graz und von 2011 bis 2014 auch am Institut für Biomedizin und Gesundheitswissenschaften der Joanneum Research Forschungsgesellschaft tätig. Seit 2015 ist er als Univ. Assistent am Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung im Fachbereich Evidenzbasierte Medizin beschäftigt. Herr Semlitsch ist seit 2018 Fachbereichssprecher der Sektion Österreich und somit Mitglied des erweiternden Vorstands des Deutschen Netzwerks Evidenz basierte Medizin (DNEbM).

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Aktualisiert am: 01.01.2022