Zur Behandlung von erhöhten Cholesterinwerten werden neben Lebensstiländerungen auch Medikamente eingesetzt. Erfahren Sie hier mehr über den Nutzen und Schaden einer medikamentösen Behandlung mit Statinen und warum es wichtig ist, bei der medikamentösen Behandlung am Ball zu bleiben.
Ziel der Behandlung ist es, durch Senkung der LDL-Cholesterinwerte das Risiko von Folgeerkrankungen zu senken.
Die Behandlung richtet sich nicht nach dem individuellen Cholesterinwert des Betroffenen, sondern nach dem jeweiligen Gesamtrisiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dementsprechend wird individuell ein Zielwert für das LDL-Cholesterin festgelegt.
Erster Schritt in der Behandlung von Hypercholesterinämie ist eine Lebensstiländerung mit gesünderer Ernährung und mehr körperlicher Bewegung. Können die Blutfettwerte durch diese Maßnahmen nicht ausreichend gesenkt werden, wird eine Behandlung mit Medikamenten erforderlich.
Aber auch die medikamentöse Behandlung sollte durch Veränderungen des Lebensstils ergänzt werden.
Für eine Behandlung mit Medikamenten kommen verschiedene Gruppen von Arzneimitteln infrage. Bei manchen Betroffenen reicht ein Medikament aus, um den Cholesterinwert zu senken. Andere benötigen zusätzlich ein zweites oder drittes Medikament. Die Wirkung lässt sich durch die Kombination unterschiedlicher Medikamente verstärken, da die Mittel an verschiedenen Stellen im Körper ansetzen.
Das Mittel der ersten Wahl und damit der sogenannte Goldstandard ist die Behandlung mit Statinen. Diese Statine haben einen nachweislichen Nutzen hinsichtlich einer Senkung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wird der individuelle LDL-Cholesterin-Zielwert mit Statinen alleine nicht erreicht, bietet sich eine kombinierte Behandlung mit Statinen und anderen blutfettsenkenden Medikamenten an.
Es reicht nicht, Medikamente nur kurzfristig einzunehmen. Um die Cholesterinwerte langfristig unter Kontrolle zu halten, müssen die Medikamente regelmäßig und dauerhaft eingenommen werden.
Statine gelten als Mittel der ersten Wahl in der medikamentösen Behandlung der Hypercholesterinämie, denn sie senken nachweislich das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und sind zudem in der Regel gut verträglich.
Zu den Statinen gehören die Wirkstoffgruppen Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin.
Statine werden in der Behandlung der Hypercholesterinämie als Goldstandard eingesetzt. Aber welchen Nutzen und Schaden hat es, Statine bei erhöhten Cholesterinwerten einzunehmen? Was sagen die Studien dazu?
Statine vermindern die körpereigene Cholesterinbildung. Eine Behandlung mit Statinen bewirkt dadurch eine Senkung des LDL-Cholesterins und der Triglyzeride sowie eine Erhöhung des HDL-Cholesterins.
Cholesterin wird zu einem großen Teil vom Körper selbst gebildet – zumeist in der Leber. Verantwortlich dafür ist das Eiweiß mit dem Namen „HMG-CoA-Reduktase“. Statine werden in die Leberzellen aufgenommen und hemmen dort die Funktion dieses Eiweißes. In den Zellen wird so weniger Cholesterin produziert und es kann vermehrt LDL-Cholesterin aus dem Blut aufgenommen werden. Dadurch nimmt der Gehalt an LDL-Cholesterin im Blut ab.
Wie helfen Statine bei erhöhten Cholesterinwerten?
Erhöhte Cholesterinwerte verursachen in der Regel keine Beschwerden, erhöhen aber das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was zu einem vorzeitigen Versterben führen kann.
Das Ziel einer Behandlung ist es, das Risiko für Folgeerkrankungen zu verringern, indem die LDL-Cholesterinwerte gesenkt werden. Wenn eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung dafür nicht ausreichen, gibt es verschiedene medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten.
Das Mittel der ersten Wahl sind hierbei sogenannte Statine, weil sie nachweislich das Risiko verringern, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen.Wenn sich zu viel Cholesterin in Form von LDL in den Blutgefäßen ablagert, dann können sich diese Blutgefäße verengen.
Aber wo kommt das ganze Cholesterin her?
Cholesterin nehmen wir nicht nur über die Nahrung auf. Es wird zu einem Großteil vom Körper selbst hergestellt, und zwar hauptsächlich in der Leber. Verantwortlich dafür ist ein Enzym. Statine hemmen dieses Enzym und damit die körpereigene Cholesterin-Produktion. In der Folge wird mehr Cholesterin aus dem Blut in die Zellen aufgenommen, weil diese weiterhin Cholesterin benötigen. Der Cholesteringehalt im Blut sinkt und es kommt zu weniger Ablagerungen in den Blutgefäßen.
Es gibt verschiedene Statine. Im Allgemeinen werden sie gut vertragen. Kommt es dennoch zu Nebenwirkungen, besteht die Möglichkeit, in Absprache mit dem Arzt zu einem anderen Statin zu wechseln.
Es reicht nicht, die Medikamente nur kurzfristig einzunehmen. Um die Cholesterinwerte langfristig unter Kontrolle zu haben, sollten die Medikamente regelmäßig und dauerhaft eingenommen werden - am besten vorm Zubettgehen, da nachts am meisten Cholesterin im Körper gebildet wird.
Die Behandlung erfolgt individuell. Sie wird von Arzt und Patient gemeinsam geplant. So können Nutzen und Schaden abgewogen und die Therapie bei Bedarf angepasst werden.
Wichtig: An die festgelegten Maßnahmen sollte man sich gewissenhaft halten. Auch wenn man die hohen Cholesterinwerte im Alltag nicht spürt. Nur so kann die Behandlung erfolgreich verlaufen.
Mehr zum Thema Cholesterin finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen.
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Statine sind allgemein gut verträglich. Trotzdem sind Nebenwirkungen möglich. Durch die Einnahme von Statinen können folgende Nebenwirkungen auftreten:
Schwere muskuläre Beschwerden oder Rhabdomyolyse treten selten auf.
Es besteht zudem ein erhöhtes Risiko der Entwicklung von Diabetes mellitus oder in seltenen Fällen einer Leberentzündung (Hepatitis).
Auch eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten ist möglich. Dies kann die Wirksamkeit der Statine oder anderer Medikamente beeinträchtigen, aber auch stärkere Nebenwirkungen verursachen. Statine sollten außerdem nicht gemeinsam mit Grapefruitsaft eingenommen werden, da es dadurch ebenfalls zu stärkeren Nebenwirkungen kommen kann.
In der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei bestehenden Leber- und Muskelerkrankungen sollten Statine nicht eingenommen werden.
Grundsätzlich sollten Arzt und Patient gemeinsam die Behandlung planen und ein individuelles Behandlungsziel festlegen. Dann lässt sich die Behandlung gezielt an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Treten Nebenwirkungen auf, kann in Absprache mit dem Arzt, der Ärztin ein Wechsel des Statins oder eine Dosisanpassung Abhilfe schaffen.
Statine hemmen im menschlichen Körper das Eiweiß „HMG-CoA-Reduktase“, welches für die körpereigene Cholesterinbildung in der Leber verantwortlich ist. Da über Nacht am meisten Cholesterin gebildet wird, empfiehlt es sich, Statine abends oder zur Schlafenszeit zu sich zu nehmen. Statine werden in Tablettenform und in der Regel einmal täglich eingenommen.
Außer den Statinen als Mittel der ersten Wahl gibt es weitere Wirkstoffe zur Behandlung erhöhter Blutfettwerte: Wird das Behandlungsziel mit der höchsten verträglichen Dosis an Statinen nicht erreicht, bieten sich die folgenden Wirkstoffe ergänzend an:
Cholesterinresorptionshemmer wie Ezetimib hemmen die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung. In der Folge nimmt der LDL-Cholesterinwert im Blut ab. Ebenfalls bewirkt Ezetimib eine Senkung der Triglyzeridwerte und des Gesamtcholesterins. Ezetimib kann außerdem einen Anstieg des HDL-Cholesterins hervorrufen.
An den Leberzellen befinden sich sogenannte Rezeptoren für das LDL-Cholesterin, an denen das LDL andocken kann. Es gelangt so in die Zellen, wo es abgebaut wird. Das Eiweiß PCSK9 fördert aber auch den Abbau dieser Rezeptoren. Damit verbleibt mehr LDL-Cholesterin im Blut.
Um den Abbau der Rezeptoren zu stoppen, bindet sich das Medikament PCSK9-Hemmer an das Enzym PCSK9. Damit nehmen die Leberzellen wiederum das LDL-Cholesterin leichter zum Abbau auf und es kommt zur Reduktion des LDL-Cholesterins im Blut.
Gallensäurebinder oder auch Ionenaustauscherharze schränken im Darm die Wiederaufnahme von Gallensäure ins Blut ein und bewirken eine erhöhte Ausscheidung von Gallensäure mit dem Stuhl. Dadurch wird die Leber angeregt, vermehrt Gallensäure zu produzieren, wozu sie Cholesterin benötigt. Die Anzahl der LDL-Rezeptoren auf den Leberzellen nimmt zu, um mehr Cholesterin aus dem Blut aufnehmen zu können. Dadurch kommt es zu einer Senkung der LDL-Cholesterinwerte.
Ein dauerhaft erhöhter Cholesterinwert steigert das Risiko von Folgeerkrankungen.
Therapietreue, also die Einhaltung der gemeinsam mit der Ärztin, dem Arzt vereinbarten Behandlungsmaßnahmen, macht einen Behandlungserfolg wahrscheinlich. Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel ein Schlaganfall oder Herzinfarkt, lassen sich so möglicherweise vermeiden.
Ein mangelndes Ansprechen auf eine medikamentöse Behandlung ist immer wieder auf eine unzureichende Therapietreue zurückzuführen. Hürden in der Therapietreue können eine unzureichende Krankheitseinsicht oder ein fehlendes Krankheitsempfinden aufgrund der Symptomlosigkeit sein. Auch schwierige Einnahmevorgaben oder Nebenwirkungen von Medikamenten beeinträchtigen mitunter die Therapietreue.
Erhöhte Cholesterinwerte an sich verursachen in der Regel keine Beschwerden. Das kann dazu führen, dass die Medikamenteneinnahme vergessen wird oder unwichtig erscheint. Wir haben einige Alltagstipps zusammengestellt, die bei einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme unterstützen können:
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
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Erstellt am: 20.01.2022