Dauerhaft erhöhte Cholesterinwerte können die Entstehung verschiedener Folgeerkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, fördern. Lebensstiländerungen bilden für alle Betroffenen die Basistherapie. Dazu gehören mehr körperliche Aktivität, Ernährungsumstellungen und ggf. Gewichtsabnahme.
Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, wird eine regelmäßige körperliche Bewegung von mittlerer Intensität empfohlen, zu der Ausdauertraining wie zum Beispiel Walken, Wandern, Joggen, Tanzen oder Schwimmen zählt. Beim Ausdauertraining wird eine bestimmte Leistung über einen ausgedehnten Zeitraum erbracht. Es soll positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, das Atmungssystem, den Stoffwechsel und die psychische Verfassung haben.
Welchen Nutzen hat Ausdauertraining? Wir haben uns die Studienlage für Betroffene mit erhöhten Cholesterinwerten ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen angeschaut.
In zwei systematischen Übersichtsarbeiten aus 25 bzw. 31 randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) wurde der Nutzen von Ausdauertraining bei erwachsenen Personen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Die Teilnehmenden der einzelnen Studien wurden dazu per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt:
Die Teilnehmenden absolvierten die Sporteinheiten jeweils in unterschiedlicher Häufigkeit, Länge und Intensität. Die mittlere Trainingsdauer lag bei 126 bzw. 167 Minuten pro Woche (und 29 bzw. 41 Minuten pro Einheit).
Nach acht bis 52 Wochen wurde untersucht, wie sich die Cholesterinwerte in beiden Gruppen verändert hatten.
Auf Basis der derzeit verfügbaren Evidenz scheint Ausdauertraining bei Personen mit erhöhten Cholesterinwerten zu keiner mittel- und langfristigen Reduktion der Lipidwerte (Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin) zu führen.
Es liegen derzeit keine randomisiert-kontrollierten Studien zu den Auswirkungen von Ausdauertraining auf die Sterblichkeit oder das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.
Unerwünschte Wirkungen oder Schäden wurden nicht berichtet.
Einschränkung der Ergebnisse
Die Verlässlichkeit der Ergebnisse ist aufgrund methodischer Mängel als niedrig einzustufen. Die beobachteten Effekte sind daher unsicher. Zudem ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die deutsche Bevölkerung eingeschränkt.
Die dargestellten Ergebnisse beziehen sich nur auf acht bzw. 14 RCTs, da nur in diesen Studien Personen mit erhöhten Blutfettwerten untersucht wurden.
Konnte eine Veränderung der Cholesterinwerte durch das Ausdauertraining erreicht werden?
Bei Personen mit erhöhten Blutfettwerten zeigte das Ausdauertraining keine oder nur eine sehr geringe Veränderung der LDL- und Gesamtcholesterinwerte nach acht bis 52 Wochen. Zwar war in Bezug auf das HDL-Cholesterin eine geringfügige Erhöhung der Werte zu beobachten, die klinische Bedeutung dieser Erhöhung ist wahrscheinlich aber vernachlässigbar.
Sinkt durch Ausdauertraining bei Erwachsenen mit erhöhten Cholesterinwerten die Sterblichkeit?
Diese Frage lässt sich derzeit nicht beantworten, denn es wurden keine Übersichtsarbeiten und keine RCTs gefunden, die dies untersucht haben.
Treten durch Ausdauertraining weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen mit erhöhten Cholesterinwerten auf?
In den eingeschlossenen Studien wurde nicht untersucht, ob Ausdauertraining das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern kann.
Verbessert sich die Lebensqualität durch Ausdauertraining bei Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten?
Diese Frage lässt sich derzeit nicht beantworten, denn es wurden keine Übersichtsarbeiten und keine RCTs gefunden, die dies untersucht haben.
Welche unerwünschten Folgen sind durch das Ausdauertraining aufgetreten?
In keiner der eingeschlossenen Studien der Übersichtsarbeiten wurden Ergebnisse zu unerwünschten Folgen des Ausdauertrainings berichtet. Das schließt nicht aus, dass solche Folgen auftreten können.
Auch wenn Ausdauersport zu keiner bedeutsamen Veränderung der Cholesterinwerte zu führen scheint, wird ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung empfohlen. Das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen richtet sich nicht nur nach den Blutfettwerten, sondern auch nach anderen Faktoren, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht und Vorliegen von anderen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.
Bewegung hat neben vielen unmittelbaren Effekten (wie z. B. Aufbau von Muskelmasse, bessere Durchblutung, Stärkung von Sehnen und Bändern oder Freisetzung von Glückshormonen) auch eine präventive Wirkung auf den Körper. Regelmäßige körperliche Aktivität kann u. a. Übergewicht vorbeugen. Auch das Risiko, bestimmte Erkrankungen wie Bluthochdruck oder eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln, kann sich durch regelmäßige körperliche Aktivität reduzieren.
Körperliche Betätigung tut dem Körper in vielfacher Hinsicht gut und wird daher auch für die Behandlung erhöhter Cholesterinwerte empfohlen.
Auf Grundlage der vorliegenden Studien lässt sich keine verlässliche Aussage treffen, ob gesteigerte körperliche Aktivität bei Personen mit erhöhten Cholesterinwerten ohne weitere bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu einer Senkung des LDL- und Gesamtcholesterinspiegels sowie zu einer Erhöhung des HDL-Cholesterinspiegels führen kann. Die beobachteten Effekte sind unsicher.
Zudem ist die Verlässlichkeit der Ergebnisse aufgrund verschiedener methodischer Mängel als niedrig einzustufen.
Die hier dargestellten Informationen beruhen auf den Ergebnissen von zwei systematischen Übersichtsarbeiten.
In einer Übersichtsarbeit aus Japan aus dem Jahr 2019 wurden 25 RCTs berücksichtigt, davon acht RCTs mit 321 Personen mit erhöhten Blutfettwerten (erhöhtes LDL- oder Gesamtcholesterin oder Triglyzeride), auf denen die dargestellten Ergebnisse beruhen. Alle eingeschlossenen Studien haben einen starken Ostasienbezug. Das heißt, es handelt sich um ostasiatische Studienteilnehmende und Forschende, die in Ostasien arbeiten, oder die Intervention wurde in Ostasien durchgeführt. Die Teilnehmenden waren zwischen 45 und 72 Jahren alt, 62 Prozent von ihnen waren Frauen.
Die zweite Übersichtsarbeit wurde 1999 in Großbritannien veröffentlicht. Sie umfasste 31 RCTs, davon 14 RCTs mit 905 Personen mit Hyperlipidämie. Die Teilnehmenden waren zwischen 35 und 85 Jahren alt. An drei Studien nahmen nur Frauen teil, an acht Studien nur Männer und in drei Studien waren beide Geschlechter vertreten.
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Aktualisiert am: 01.01.2022