Das wichtigste Ziel in der Behandlung von Diabetes Typ 2 ist die Senkung des Blutzuckerwerts. Daneben können sich Patientinnen und Patienten aber auch noch weitere Ziele setzen. Wie die Behandlungsziele festgelegt werden und welche Bedeutung sie für die Behandlung haben, erfahren Sie hier.
Diabetes Typ 2 ist eine komplexe und chronische, d. h. lebenslang andauernde Erkrankung, deren Behandlung auch die dauerhafte Mitarbeit der Patienten und Patientinnen erfordert. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene diese Mitarbeit auch leisten können und nicht damit überfordert sind. Die Maßnahmen und Ziele der Behandlung sollten Patientinnen, Patienten gemeinsam mit dem Arzt, der Ärztin festlegen. Dann fällt es vielen leichter, die Behandlung umzusetzen und mit dem Alltag zu vereinbaren. Oft wird die Behandlung dann auch als weniger belastend empfunden.
Diagnose Diabetes mellitus Typ 2: Worauf zielt die Behandlung des Diabetes Typ 2 ab?
Beim Diabetes Typ 2 geht es vor allem darum, mögliche Komplikationen zu vermeiden. Die häufigsten Komplikationen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Aber das Risiko unterscheidet sich sehr stark, abhängig vom Alter, in dem die Diagnose gestellt wird
und von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder auch Rauchen und Ähnliches.
Welche Aspekte beeinflussen die Wahl der Therapieziele?
Ganz wichtig ist, was der Patient überhaupt erreichen möchte und wie sein Risiko ist. Und danach wählen wir die Therapieziele aus, die für den Patienten wichtig sind. Und dazu braucht er natürlich eine Beratung, sodass er abschätzen kann: Was sind die möglichen Nachteile und was ist der Aufwand, den ich mit der Therapie habe?
Ganz wichtig ist das Alter, in dem Diabetes diagnostiziert wird, weil Diabetes eine chronische Erkrankung ist und viele Komplikationen brauchen mindestens zehn Jahre, bevor sie auftreten, wie z.B. Augenkomplikationen. Das heißt je älter ein Patient ist, umso weniger streng müssen die Behandlungsziele zum Beispiel beim Langzeitblutzuckerwert sein.
Wie werden medizinische Erfordernisse und Patientenwünsche in Einklang gebracht?
Die beiden Aspekte müssen auf jeden Fall miteinander in Einklang gebracht werden. Zum einen gibt es die Wünsche, dass bestimmte Komplikationen nicht auftreten sollen oder dass bestimmte Zielwerte bei Blutdruck oder dem Langzeitblutzuckerwert erreicht werden.
Auf der anderen Seite steht der Patient. Manche Patienten sind gerne bereit, eine Tablette zu nehmen, während das für andere Patienten ganz schrecklich ist, der Gedanke, eine Tablette nehmen zu müssen. Die sind z.B. eher bereit, Ernährungsumstellungen vorzunehmen, sich mehr zu bewegen oder auch Gewicht zu verlieren.
Warum ist es wichtig, Behandlungsziele individuell festzulegen?
Patienten, die mit ihrem Arzt zusammen bestimmte Gesundheitsziele und Maßnahmen festgelegt haben, können diese oft besser einhalten. Das heißt, sie nehmen die Tabletten oft regelmäßiger oder führen andere Maßnahmen wie Gewichtsreduktion oder regelmäßige Bewegung eher durch und erreichen dann auch eher die positiven Effekte.
Wie kann ich mich auf die Vereinbarung meiner Therapieziele vorbereiten?
So eine Vorbereitung ist ganz wichtig, denn je besser man als Patient über die Krankheit Bescheid weiß, umso eher kann man dann auch gemeinsam mit seinem Arzt Entscheidungen treffen, weil der Patient muss sie ja dann selber umsetzen. Dazu gibt es z.B. die Möglichkeit, Schulungen anzunehmen, die angeboten werden. Es gibt natürlich auch Möglichkeiten, im Internet sich zu informieren oder auch Dinge dazu zu lesen.
Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen.
Wissen ist gesund.
Behandlungsziele können je nach Alter, Blutzuckerwert, weiteren Erkrankungen und persönlichen Lebensumständen der Betroffenen sehr unterschiedlich sein. Das wichtigste Ziel jeder Diabetes-Behandlung ist es, den Langzeit-Blutzuckerwert zu senken. Die genauen Zielwerte können jedoch sehr unterschiedlich sein.
Außerdem können Patientinnen und Patienten noch individuelle Ziele verfolgen. Manchen Betroffenen ist es wichtig, Folgeerkrankungen wie Schäden an den Augen zu vermeiden, z.B. um weiterhin Auto fahren zu können. Andere legen besonderen Wert darauf, eine Insulintherapie möglichst zu vermeiden oder zu verzögern. Für ältere Patienten oder Patientinnen hingegen ist es häufig entscheidend, weiterhin ein möglichst unabhängiges Leben mit wenig Einschränkungen durch die Behandlung zu führen.
Manche Menschen mit Diabetes sind körperlich oder geistig nicht in der Lage, ihre Behandlung selbstständig durchzuführen. In diesem Fall können neben Angehörigen auch Pflegedienste unterstützen.
Wie gut die bisherige Behandlung anschlägt, wird mithilfe des Langzeit-Blutzuckerwerts (HbA1c-Wert) überprüft. Dieser gibt an, wie sich der Blutzuckerwert innerhalb der letzten acht bis zwölf Wochen entwickelt hat. Wie hoch der Langzeit-Blutzuckerwert sein sollte, ist nicht genau vorgeschrieben. Die Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes gibt an, dass der Wert idealerweise zwischen 6,5 und 8,5 Prozent liegen sollte, um Folgeerkrankungen zu verhindern. Ärzte, Ärztinnen und Betroffene können aber auch entscheiden, von dieser Vorgabe abzuweichen. Bei manchen Menschen kann es zum Beispiel bei einer sehr strengen Blutzucker-Senkung zu gefährlichen Unterzuckerungen kommen. In diesem Fall kann man sich für eine Behandlung entscheiden, bei der man höhere HbA1c-Werte in Kauf nimmt.
Der Zielwert sollte den Betroffenen also immer mehr nutzen als schaden. Dafür werden verschiedene Faktoren bedacht:
Eine Diabetes-Therapie muss nicht immer gleich Medikamente oder Insulin bedeuten. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie die Behandlung aufgebaut ist.
Behandlungsziele können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. So lassen sie sich besser überblicken. Innerhalb dieser Kategorien lassen sich die Ziele nochmals unterschiedlich gewichten.
Die übergeordneten Lebensziele stehen über allen weiteren Zielen. Hier kann es z. B. darum gehen, die Lebensqualität, die Unabhängigkeit und die Teilhabe am Alltag zu erhalten.
Diese Ziele betreffen die Funktionen und die Leistungsfähigkeit des Körpers. Mögliche Ziele in dieser Kategorie können sein, Belastungen und Nebenwirkungen durch die Therapie so gering wie möglich zu halten. Es kann aber auch ein Ziel sein, die Fähigkeit zum Autofahren und damit das Sehvermögen möglichst gut zu bewahren. Dies erfordert unter Umständen eine sehr strikte Behandlung mit niedrigem Zielwert.
Diese Ziele beziehen sich auf Aspekte und Beschwerden, die mit dem Diabetes und dessen Folgeerkrankungen einhergehen. Hier kann das Ziel lauten, Überzuckerungen oder Unterzuckerungen zu vermeiden. Ein Ziel kann auch sein, Folgeerkrankungen wie z. B. Nervenschädigungen vorzubeugen. Wenn schon Folgeerkrankungen aufgetreten sind, dann kann das Ziel darin bestehen, deren Beschwerden zu lindern.
Die Kategorien sind nicht starr voneinander abzugrenzen, zum Teil überschneiden sie sich. In welcher Reihenfolge die Ziele festgelegt werden, bleibt den Patientinnen und Patienten selbst überlassen. Manchen fällt es leichter, mit übergeordneten Lebenszielen zu beginnen, da diese sowohl krankheitsbezogene als auch funktionsbezogene Ziele beeinflussen. Anderen fällt es leichter, aus den funktionsbezogenen und krankheitsbezogenen Zielen die übergeordneten Ziele abzuleiten. Im Verlauf der Erkrankung ändern sich mitunter die Ziele. Daher gilt es, sie regelmäßig neu zu überdenken und einzuordnen.
Verschiedene Lebensgewohnheiten können den Verlauf des Diabetes Typ 2 beeinflussen. Diese Gewohnheiten zu ändern ist ein wichtiger Baustein der gesamten Diabetesbehandlung. Erfahren Sie, welche Möglichkeiten es gibt, erhöhte Blutzuckerwerte ohne Medikamente zu senken.
Die Behandlungsziele sollen von der Ärztin, dem Arzt und dem Patienten, der Patientin gemeinsam festgelegt werden. Damit Menschen mit Diabetes gleichberechtigt über ihre Behandlung mitentscheiden können, benötigen sie ausreichendes Wissen. Dazu gehören unter anderem folgende Themen:
Diese und weitere Fragen beantwortet die Ärztin oder der Arzt in einem Gespräch.
Patientinnen und Patienten können einen ganz wichtigen Beitrag leisten, indem sie ihre persönlichen Wünsche für die Behandlung äußern und auf besondere Herausforderungen in ihrem Alltag hinweisen. Wenn diese Wünsche und Besonderheiten beim Festlegen der Behandlungsziele berücksichtigt werden, steigt die Chance, dass man die Behandlung auch durchhalten kann.
Nach Klärung aller Fragen zur Erkrankung sowie zu Wünschen und Vorstellungen der Patientin, des Patienten können Behandlungsziele und eine geeignete Behandlung festgelegt werden.
Nachdem Ärzte, Ärztinnen und Betroffene sich auf eine Behandlung geeinigt haben, wird diese umgesetzt. Nach einem vereinbarten Zeitraum wird dann überprüft, wie sich der Langzeit-Blutzuckerwert entwickelt hat und wie gut andere Behandlungsziele erreicht wurden. Es ist möglich, die Ziele dann noch einmal neu zu formulieren oder anzupassen.
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Erstellt am: 15.09.2021