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Diabetes Typ 2

Diabetes Typ 2: Behandlungsziele festlegen

Das wichtigste Ziel in der Behandlung von Diabetes Typ 2 ist die Senkung des Blutzuckerwerts. Daneben können sich Patientinnen und Patienten aber auch noch weitere Ziele setzen. Wie die Behandlungsziele festgelegt werden und welche Bedeutung sie für die Behandlung haben, erfahren Sie hier.

Warum ist es wichtig, Behandlungsziele zu vereinbaren?

Diabetes Typ 2 ist eine komplexe und chronische, d. h. lebenslang andauernde Erkrankung, deren Behandlung auch die dauerhafte Mitarbeit der Patienten und Patientinnen erfordert. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene diese Mitarbeit auch leisten können und nicht damit überfordert sind. Die Maßnahmen und Ziele der Behandlung sollten Patientinnen, Patienten gemeinsam mit dem Arzt, der Ärztin festlegen. Dann fällt es vielen leichter, die Behandlung umzusetzen und mit dem Alltag zu vereinbaren. Oft wird die Behandlung dann auch als weniger belastend empfunden.

Prof. Dr. med. Jean-François Chenot, Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald
Bitte um das Video zu sehen.

Diagnose Diabetes mellitus Typ 2: Worauf zielt die Behandlung des Diabetes Typ 2 ab?

Beim Diabetes Typ 2 geht es vor allem darum, mögliche Komplikationen zu vermeiden. Die häufigsten Komplikationen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Aber das Risiko unterscheidet sich sehr stark, abhängig vom Alter, in dem die Diagnose gestellt wird 
und von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder auch Rauchen und Ähnliches.

Welche Aspekte beeinflussen die Wahl der Therapieziele?

Ganz wichtig ist, was der Patient überhaupt erreichen möchte und wie sein Risiko ist. Und danach wählen wir die Therapieziele aus, die für den Patienten wichtig sind. Und dazu braucht er natürlich eine Beratung, sodass er abschätzen kann: Was sind die möglichen Nachteile und was ist der Aufwand, den ich mit der Therapie habe? 

Ganz wichtig ist das Alter, in dem Diabetes diagnostiziert wird, weil Diabetes eine chronische Erkrankung ist und viele Komplikationen brauchen mindestens zehn Jahre, bevor sie auftreten, wie z.B. Augenkomplikationen. Das heißt je älter ein Patient ist, umso weniger streng müssen die Behandlungsziele zum Beispiel beim Langzeitblutzuckerwert sein.

Wie werden medizinische Erfordernisse und Patientenwünsche in Einklang gebracht?

Die beiden Aspekte müssen auf jeden Fall miteinander in Einklang gebracht werden. Zum einen gibt es die Wünsche, dass bestimmte Komplikationen nicht auftreten sollen oder dass bestimmte Zielwerte bei Blutdruck oder dem Langzeitblutzuckerwert erreicht werden.

Auf der anderen Seite steht der Patient. Manche Patienten sind gerne bereit, eine Tablette zu nehmen, während das für andere Patienten ganz schrecklich ist, der Gedanke, eine Tablette nehmen zu müssen. Die sind z.B. eher bereit, Ernährungsumstellungen vorzunehmen, sich mehr zu bewegen oder auch Gewicht zu verlieren.

Warum ist es wichtig, Behandlungsziele individuell festzulegen?

Patienten, die mit ihrem Arzt zusammen bestimmte Gesundheitsziele und Maßnahmen festgelegt haben, können diese oft besser einhalten. Das heißt, sie nehmen die Tabletten oft regelmäßiger oder führen andere Maßnahmen wie Gewichtsreduktion oder regelmäßige Bewegung eher durch und erreichen dann auch eher die positiven Effekte.

Wie kann ich mich auf die Vereinbarung meiner Therapieziele vorbereiten?

So eine Vorbereitung ist ganz wichtig, denn je besser man als Patient über die Krankheit Bescheid weiß, umso eher kann man dann auch gemeinsam mit seinem Arzt Entscheidungen treffen, weil der Patient muss sie ja dann selber umsetzen. Dazu gibt es z.B. die Möglichkeit, Schulungen anzunehmen, die angeboten werden. Es gibt natürlich auch Möglichkeiten, im Internet sich zu informieren oder auch Dinge dazu zu lesen. 

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen.

Wissen ist gesund.

Welche Behandlungsziele gibt es?

Behandlungsziele können je nach Alter, Blutzuckerwert, weiteren Erkrankungen und persönlichen Lebensumständen der Betroffenen sehr unterschiedlich sein. Das wichtigste Ziel jeder Diabetes-Behandlung ist es, den Langzeit-Blutzuckerwert zu senken. Die genauen Zielwerte können jedoch sehr unterschiedlich sein.

Außerdem können Patientinnen und Patienten noch individuelle Ziele verfolgen. Manchen Betroffenen ist es wichtig, Folgeerkrankungen wie Schäden an den Augen zu vermeiden, z.B. um weiterhin Auto fahren zu können. Andere legen besonderen Wert darauf, eine Insulintherapie möglichst zu vermeiden oder zu verzögern. Für ältere Patienten oder Patientinnen hingegen ist es häufig entscheidend, weiterhin ein möglichst unabhängiges Leben mit wenig Einschränkungen durch die Behandlung zu führen. 

Unterstützung durch Pflegedienste

Manche Menschen mit Diabetes sind körperlich oder geistig nicht in der Lage, ihre Behandlung selbstständig durchzuführen. In diesem Fall können neben Angehörigen auch Pflegedienste unterstützen.

Warum werden Zielwerte immer individuell festgelegt?

Wie gut die bisherige Behandlung anschlägt, wird mithilfe des Langzeit-Blutzuckerwerts (HbA1c-Wert) überprüft. Dieser gibt an, wie sich der Blutzuckerwert innerhalb der letzten acht bis zwölf Wochen entwickelt hat. Wie hoch der Langzeit-Blutzuckerwert sein sollte, ist nicht genau vorgeschrieben. Die Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes gibt an, dass der Wert idealerweise zwischen 6,5 und 8,5 Prozent liegen sollte, um Folgeerkrankungen zu verhindern. Ärzte, Ärztinnen und Betroffene können aber auch entscheiden, von dieser Vorgabe abzuweichen. Bei manchen Menschen kann es zum Beispiel bei einer sehr strengen Blutzucker-Senkung zu gefährlichen Unterzuckerungen kommen. In diesem Fall kann man sich für eine Behandlung entscheiden, bei der man höhere HbA1c-Werte in Kauf nimmt.

Der Zielwert sollte den Betroffenen also immer mehr nutzen als schaden. Dafür werden verschiedene Faktoren bedacht:

  • Lebensalter: Bei sehr alten Menschen steht das Thema der Folgeerkrankungen möglicherweise nicht mehr im Vordergrund. Ihnen kann wichtiger sein, dass lediglich Symptome wie starker Durst und häufiges Wasserlassen vermieden werden. 
  • Begleiterkrankungen: Menschen mit Diabetes Typ 2 haben häufig auch andere Erkrankungen wie z. B. Bluthochdruck. In solchen Fällen ist es möglich, vorrangig die Begleiterkrankung und den Diabetes nur an zweiter Stelle zu behandeln.
  • Anzahl der Medikamente: Um den Blutzuckerwert zu senken, kann es sein, dass Patientinnen und Patienten mehrere Medikamente einnehmen müssen. Für Menschen, die aufgrund anderer Erkrankungen schon verschiedene Medikamente einnehmen müssen, kann das problematisch sein. In diesem Fall wird manchmal kein oder nur ein einzelnes Medikament für die Diabetes-Behandlung eingesetzt.
  • Risiko von Unterzuckerungen: Je niedriger der Zielwert für den Langzeit-Blutzucker ist, umso mehr steigt das Risiko einer Unterzuckerung. Bei Personen, die zu Unterzuckerungen neigen, kann ein höherer Zielwert für den Blutzucker sinnvoll sein.
  • Belastung durch Therapie: Ein sehr niedriger Zielwert erfordert möglicherweise eine aufwendigere Therapie. Das ist z. B. der Fall, wenn man dafür Insulin spritzen und häufig den Blutzucker messen muss. Ist diese Belastung zu groß für die Betroffenen, gilt es, einen anderen Zielwert und eine andere Therapie zu wählen.
  • Möglichkeiten der Unterstützung: Wenn Betroffene nicht ausreichend Unterstützung erhalten, können sie von der Behandlung eventuell überfordert sein. Möglicherweise wird dann entschieden, trotz hoher Blutzuckerwerte keine aufwändigere Behandlung vorzunehmen. 
  • Einschränkungen: Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen benötigen ggf. dauerhaft Unterstützung, wenn z. B. Insulin verabreicht oder der Blutzucker gemessen werden muss. Fehlt diese Unterstützung, müssen die Betroffenen möglicherweise auf eine Insulintherapie verzichten.
  • Wünsche der Patientinnen und Patienten: Auch die Wünsche der Betroffenen spielen werden bei der Festlegung der Behandlungsziele berücksichtigt. 

Diabetes: Wie läuft die Behandlung ab?

Eine Diabetes-Therapie muss nicht immer gleich Medikamente oder Insulin bedeuten. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie die Behandlung aufgebaut ist.

Welche Kategorien von Zielen gibt es? 

Behandlungsziele können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. So lassen sie sich besser überblicken. Innerhalb dieser Kategorien lassen sich die Ziele nochmals unterschiedlich gewichten.

Die übergeordneten Lebensziele stehen über allen weiteren Zielen. Hier kann es z. B. darum gehen, die Lebensqualität, die Unabhängigkeit und die Teilhabe am Alltag zu erhalten.

Diese Ziele betreffen die Funktionen und die Leistungsfähigkeit des Körpers. Mögliche Ziele in dieser Kategorie können sein, Belastungen und Nebenwirkungen durch die Therapie so gering wie möglich zu halten. Es kann aber auch ein Ziel sein, die Fähigkeit zum Autofahren und damit das Sehvermögen möglichst gut zu bewahren. Dies erfordert unter Umständen eine sehr strikte Behandlung mit niedrigem Zielwert.

Diese Ziele beziehen sich auf Aspekte und Beschwerden, die mit dem Diabetes und dessen Folgeerkrankungen einhergehen. Hier kann das Ziel lauten, Überzuckerungen oder Unterzuckerungen zu vermeiden. Ein Ziel kann auch sein, Folgeerkrankungen wie z. B. Nervenschädigungen vorzubeugen. Wenn schon Folgeerkrankungen aufgetreten sind, dann kann das Ziel darin bestehen, deren Beschwerden zu lindern.

Die Kategorien sind nicht starr voneinander abzugrenzen, zum Teil überschneiden sie sich. In welcher Reihenfolge die Ziele festgelegt werden, bleibt den Patientinnen und Patienten selbst überlassen. Manchen fällt es leichter, mit übergeordneten Lebenszielen zu beginnen, da diese sowohl krankheitsbezogene als auch funktionsbezogene Ziele beeinflussen. Anderen fällt es leichter, aus den funktionsbezogenen und krankheitsbezogenen Zielen die übergeordneten Ziele abzuleiten. Im Verlauf der Erkrankung ändern sich mitunter die Ziele. Daher gilt es, sie regelmäßig neu zu überdenken und einzuordnen. 

Was kann ich selbst zur Behandlung beitragen?

Verschiedene Lebensgewohnheiten können den Verlauf des Diabetes Typ 2 beeinflussen. Diese Gewohnheiten zu ändern ist ein wichtiger Baustein der gesamten Diabetesbehandlung. Erfahren Sie, welche Möglichkeiten es gibt, erhöhte Blutzuckerwerte ohne Medikamente zu senken.

Wie werden Behandlungsziele festgelegt? 

Die Behandlungsziele sollen von der Ärztin, dem Arzt und dem Patienten, der Patientin gemeinsam festgelegt werden. Damit Menschen mit Diabetes gleichberechtigt über ihre Behandlung mitentscheiden können, benötigen sie ausreichendes Wissen. Dazu gehören unter anderem folgende Themen:

  • Welche Behandlungen kommen für mich in Frage und wie wirken sie genau?
  • Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungen?
  • Wie beeinflusst die Behandlung meinen Blutzuckerwert?
  • Wie gut kann mich die Behandlung vor Folgeerkrankungen schützen?
  • Wie sieht ein gesunder Lebensstil in meinem Fall aus? 
  • Welche Nebenwirkungen können durch Medikamente auftreten?
  • Muss ich lebenslang Medikamente einnehmen?
  • Wie sehr beeinflusst die Behandlung meinen Alltag? 
  • Benötige ich Unterstützung bei der Umsetzung der Behandlung?
  • Muss ich mit finanziellen Kosten rechnen? 

Diese und weitere Fragen beantwortet die Ärztin oder der Arzt in einem Gespräch.

Wie kann ich zur Festlegung der Behandlungsziele beitragen?

Patientinnen und Patienten können einen ganz wichtigen Beitrag leisten, indem sie ihre persönlichen Wünsche für die Behandlung äußern und auf besondere Herausforderungen in ihrem Alltag hinweisen. Wenn diese Wünsche und Besonderheiten beim Festlegen der Behandlungsziele berücksichtigt werden, steigt die Chance, dass man die Behandlung auch durchhalten kann. 

Hilfestellung zur Festlegung von Behandlungszielen zum Ausdrucken

Nach Klärung aller Fragen zur Erkrankung sowie zu Wünschen und Vorstellungen der Patientin, des Patienten können Behandlungsziele und eine geeignete Behandlung festgelegt werden. 

Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen

Nachdem Ärzte, Ärztinnen und Betroffene sich auf eine Behandlung geeinigt haben, wird diese umgesetzt. Nach einem vereinbarten Zeitraum wird dann überprüft, wie sich der Langzeit-Blutzuckerwert entwickelt hat und wie gut andere Behandlungsziele erreicht wurden. Es ist möglich, die Ziele dann noch einmal neu zu formulieren oder anzupassen. 

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes – Teilpublikation der Langfassung, 2. Auflage. Version 1. [online]. 2021. https://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/diabetes-mellitus/diabetes-2aufl-vers1.pdf  [28.06.2021].

Charles C, Gafni A, Whelan T. Shared decision-making in the medical encounter: What does it mean? (Or it takes, at least two to tango). Social Science and Medicine 1997 Mar;44(5):681–92.
Elwyn G, Vermunt NP. Goal-based shared decision-making: Developing an integrated model. Journal of Patient Experience 2020;7(5):688–696. DOI: 10.1177/2374373519878604. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33294602 [28.06.2021].

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Anne Engler
Anne Engler

Anne Engler

Referentin Evidenzbasierte Medizin
Anne Engler ist Gesundheitswissenschaftlerin. Für die Stiftung erarbeitet sie mit den Methoden der evidenzbasierten Medizin Inhalte für multimediale Informationsangebote.
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Lisa-Marie Ströhlein
Lisa-Marie Ströhlein

Lisa-Marie Ströhlein

Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.
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Nastasia Vogelsang
Nastasia Heilemann

Nastasia Vogelsang

Senior-Multimedia-Producerin
Nastasia Vogelsang studierte Angewandte Medienwirtschaft mit Schwerpunkt TV-Producing. Für die Gesundheitsinformationen der Stiftung konzipiert sie multimediale Formate und steuert deren Umsetzung.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Anke Steckelberg
Prof. Dr. Anke Steckelberg

Prof. Dr. Anke Steckelberg

Prof. Dr. phil. Anke Steckelberg studierte Lehramt Berufliche Schulen mit der Fachwissenschaft Gesundheit; promovierte in den Gesundheitswissenschaften zum Thema Evidenzbasierte Gesundheitsinformation und arbeitete danach an den Universitäten Hamburg und Bremen. Die Wissenschaftlerin forscht und lehrt zu den Themen evidenzbasierte Gesundheitsinformationen und kritische Gesundheitskompetenz. Sie ist seit 2016 als Professorin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg tätig.

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Erstellt am: 15.09.2021