Demenz ist ein Oberbegriff für viele verschiedene Erkrankungen. Sie alle führen dazu, dass die geistige Leistungsfähigkeit nachlässt. Häufig sind ältere Menschen von Demenz betroffen. Auf dieser Seite erfahren Sie, was Demenz ist, woran man sie erkennt und welche Formen es gibt.
Demenz ist keine eigenständige Erkrankung: Sie lässt sich meist nicht auf eine konkrete Ursache zurückführen. Der Begriff „Demenz“ bezeichnet eine Kombination von bestimmten Krankheitssymptomen. Diese treten üblicherweise gleichzeitig und gemeinsam auf:
Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung. Das bedeutet, dass die Probleme im Laufe der Zeit meist stärker werden. Viele Menschen mit Demenz sind dann nicht mehr in der Lage, ihren Alltag allein zu bewältigen und benötigen Hilfe.
Was ist Demenz?
Es ist völlig normal etwas zu vergessen oder nicht zu verstehen. Aber wenn die Vergesslichkeit merklich zunimmt und der Alltag dadurch stark beeinträchtigt ist, kann es sich um eine Demenz handeln. Doch nicht immer steht eine Gedächtnisstörung im Vordergrund. Auch wechselhafte Stimmungen und zunehmende Schwierigkeiten beim Verstehen und Durchführen komplexer Aufgaben können auf eine Demenz hinweisen.
Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Krankheiten. Die beiden häufigsten Formen sind Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz. Auch Mischformen sind möglich.
Einzelne Demenzformen können sich durch unterschiedliche Beschwerden äußern. Doch eines haben alle gemeinsam: Gehirnfunktionen lassen immer weiter nach. Das bedeutet: Betroffene verlieren die Fähigkeit zu planen, sich zu erinnern oder sich angemessen zu verhalten. Dies betrifft auch den Orientierungssinn oder die Sprache. Auch die Persönlichkeit kann sich verändern. Das geht so weit, dass Betroffene ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können.
Das Risiko an Demenz zu erkranken steigt mit zunehmendem Alter. Unter 65 Jahren sind nur 0,1 Prozent der Bevölkerung von Demenz betroffen. Zwischen 65 und 69 Jahren sind weniger als 2% erkrankt. Zwischen 80 und 84 Jahren sind es dagegen 16 Prozent der Bevölkerung.
Dabei sind Frauen anderthalbmal so häufig betroffen wie Männer.
Verschiedene Faktoren können eine Demenz auslösen. Bei einer Alzheimer-Demenz lagern sich veränderte Eiweiße im Gehirn ab. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht.
Bei einer vaskulären Demenz sind Durchblutungsstörungen im Gehirn die Ursache.
Um festzustellen, ob überhaupt eine Demenz vorliegt, werden zunächst Symptome erfragt und gegebenenfalls ein Kurztest durchgeführt. Um andere Ursachen auszuschließen und um die Demenzform zu bestimmen, kommen noch weitere Untersuchungsmöglichkeiten in Betracht.
Eine Demenz kann ganz unterschiedlich verlaufen. Je nach Schwere nehmen die Beeinträchtigungen im Alltag immer weiter zu. Eine Heilung gibt es bisher nicht.
Dennoch stehen zur Behandlung der Demenz neben medikamentöser vor allem nichtmedikamentöse Therapien zur Verfügung. Ziel ist, die alltäglichen Fähigkeiten und Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Ebenso soll Verhaltensstörungen entgegengewirkt und die Lebensqualität insgesamt erhalten werden.
Weitere Informationen zur Demenz und wie sie behandelt wird finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen.
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Es gibt verschiedene Erkrankungen, die zu einer Demenz führen können. Diese Erkrankungen haben unterschiedliche Ursachen. Man nennt die Erkrankungen auch Demenz-Formen.
In dieser Gesundheitsinformation geht es um Demenz-Formen, die durch Veränderungen im Gehirn entstehen. Dabei sterben nach und nach Gehirnzellen ab. Außerdem gehen die Verbindungen zwischen den einzelnen Gehirnzellen verloren. Man nennt diese Demenzformen primäre Demenzen. Dazu gehören:
Es gibt auch gemischte Demenz-Formen. Manche Menschen sind an Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz erkrankt. Die oben genannten Demenz-Formen sind nicht heilbar. Es gibt aber Behandlungen, mit denen man den Beschwerden zum Teil entgegenwirken kann.
Es gibt auch Demenz-Formen, die nicht durch Veränderungen im Gehirn entstehen, sondern als Folge einer anderen Erkrankung. Solche Demenz-Formen heißen sekundäre Demenzen. Beispiele dafür sind Schilddrüsenerkrankungen, Vitamin-Mangelzustände und chronische Vergiftungen durch Alkohol oder Medikamente. Auch bestimmte Entzündungen, Infektionen und Depressionen können Demenz verursachen. Diese Formen machen aber nur neun Prozent aller Demenz-Erkrankungen aus – sie sind also eher selten. Im Prinzip lassen sie sich heilen, wenn man sie frühzeitig erkennt und die Grunderkrankung behandelt. Allerdings gelingt es nur in wenigen Fällen, die Demenz wieder teilweise oder vollständig umzukehren.
Demenz-Formen mit anderen Grunderkrankungen werden in dieser Gesundheitsinformation nicht besprochen.
Für Deutschland liegen keine genauen Zahlen darüber vor, wie viele Menschen an Demenz erkrankt sind. Schätzungen aus dem Jahr 2018 beruhen auf Zahlen aus europäischen Studien. Meistens trifft es Ältere: Von den Menschen über 65 Jahren erkranken 6,3 Prozent der Männer und 10,4 Prozent der Frauen. Eine Ausnahme stellt die frontotemporale Demenz dar. Sie tritt in der Regel bereits im mittleren Lebensalter auf. Von 1.000 Demenzkranken im Alter ab 65 Jahren sind circa 680 Frauen.
Die folgende Tabelle zeigt, wie die Erkrankungshäufigkeit mit dem Alter steigt:
Wie kann ich bei beginnender Demenz meinen Alltag besser gestalten? Was kann ich als pflegender Angehöriger tun? Welche Anlaufstellen gibt es?
Die primären Demenz-Formen entstehen dadurch, dass im Gehirn Zellen absterben und das umliegende Gewebe geschädigt wird. Die genauen Ursachen für die Schädigung sind abhängig von der Demenzform.
Menschen mit Demenz verlieren ihre geistigen Fähigkeiten. Dies kann sich in vielen Alltagssituationen bemerkbar machen. Folgende Anzeichen für Demenz sind häufig zu beobachten:
Durch diese Beschwerden können viele Menschen mit Demenz ihren Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen und sind auf Hilfe angewiesen. Je nach Demenz-Form können die Beschwerden unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Diagnose Demenz: Was ist Demenz und welche Formen gibt es?
Demenz ist eine Erkrankung, bei der die geistige Leistungsfähigkeit soweit nachlässt, dass es im Alltag Probleme gibt. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Demenz. Da steht die Vergesslichkeit im Vordergrund.
Es gibt andere Formen - oder eigentlich bei allen anderen Formen der Demenz steht die Vergesslichkeit nicht so im Vordergrund. Es gibt zum Beispiel die frontotemporale Demenz, bei der Verhaltensstörungen oder Verhaltensveränderungen im Vordergrund stehen. Das heißt, es kommt primär zu einer Vernachlässigung. Die Patienten kleiden sich nicht mehr so akkurat, waschen sich nicht mehr oder nicht mehr so wie früher, sind nicht mehr so ordentlich, werden etwas flapsig, etwas enthemmt. Das heißt, die Angehörigen merken zunächst, dass sich das Wesen verändert, nicht das Gedächtnis.
Es gibt noch andere Demenzformen: die vaskuläre Demenz, wo es zu Durchblutungsstörungen kommt oder wo aufgrund von Durchblutungsstörungen des Gehirns sich eine Demenz entwickelt. Da steht meistens die Verlangsamung im Vordergrund. Das heißt, die Patienten sind deutlich langsamer, die Konzentration ist deutlich schlechter, das Gedächtnis ist aber nicht so schlecht wie bei den Alzheimer-Patienten.
Welche Anzeichen können auf eine beginnende Demenz hinweisen?
Termine vergessen würde darauf hinweisen, wenn es häufiger oder gehäuft vorkommt, dass die Vergesslichkeit zunimmt, Gegenstände verlegen und zwar häufiger verlegen, auch Dinge, die wichtig sind, nicht nur aus Schusseligkeit.Aber wenn es primär darum geht, dass man sich Neues nicht mehr merken kann, die Patienten sagen in der Regel: 'Von früher weiß ich alles, aber was gestern war, das kann ich mir nicht merken.'
Das zweite Symptom, wo es dann schon steil Richtung Demenz geht, ist, dass die Orientierung schlechter wird. Das heißt, die zeitliche Orientierung wird schlechter, man kann sich den Tag nicht mehr merken oder das Jahr.
Wie unterscheidet man zwischen Demenz und Altersvergesslichkeit?
Im Alter wird es in der Regel so, dass man langsamer wird. Das Denken wird langsamer, die Auffassungsgabe wird etwas langsamer, das Arbeitsgedächtnis, das heißt, Dinge, die ich gleichzeitig bearbeiten kann, wird etwas kleiner, die geistige Flexibilität nimmt etwas ab.
Bei der Alzheimer-Demenz ist es so, dass primär das Gedächtnis schlechter wird. Und wer das feststellt, dass primär die Aufnahme neuer Informationen nicht mehr funktioniert, das heißt, ich weiß alles, ich kann über alles diskutieren, ich bin genauso intelligent und pfiffig wie vorher, nur am nächsten Tag weiß ich nicht mehr, was ich am Vortag beredet oder besprochen habe, das wäre ein Warnzeichen.
Die Übergänge sind fließend, so dass man, wenn es ganz früh anfängt, nicht sicher sagen kann - durch ein Interview zum Beispiel - dass es eine Demenz ist und nicht normale Altersvergesslichkeit. Und deswegen muss man es untersuchen.
Eine Kooperation vom Zentrum für Qualität in der Pflege und der Stiftung Gesundheitswissen.
Demenz kann auch die Psyche und das Verhalten beeinflussen. Dies kann dazu führen, dass Menschen mit Demenz sich anders benehmen oder auf bekannte Situationen ungewohnt reagieren. Häufige Veränderungen sind:
Für die Erkrankten sind diese Veränderungen oft belastend. Aber auch für Angehörige und Pflegende stellen sie meist eine Herausforderung dar. Man spricht daher auch von herausforderndem Verhalten. Darüber hinaus können weitere Beschwerden wie Schlafstörungen sowie Appetitlosigkeit und Essstörungen auftreten.
Die primären Demenz-Formen sind nicht heilbar. Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung: Sie verschlimmert sich also im Laufe der Zeit. Je mehr Gewebe im Gehirn abgebaut wird, desto mehr geistige Fähigkeiten gehen verloren. Ausnahme: Bei der vaskulären Demenz kommt es manchmal vor, dass die Beschwerden sich ab einem gewissen Punkt nicht mehr verschlechtern oder sogar etwas verbessern. Sie verschwinden aber nicht völlig.
In der Regel können Menschen mit fortgeschrittener Demenz nicht mehr allein leben. Sie sind zunehmend auf Hilfe von anderen Menschen angewiesen. Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, wie schnell es dazu kommt, denn jede Demenz verläuft anders.
Demenz ist keine tödliche Erkrankung. Ein Mensch mit Demenz kann also ein hohes Alter erreichen. Allerdings können die Folgen der Demenz dazu führen, dass man anfälliger für Krankheiten wird. Zu diesen Folgen gehören z. B. mangelnder Appetit oder Bettlägerigkeit. Häufige Todesursachen bei Menschen mit Demenz sind eine Lungenentzündung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Es lässt sich nicht vorhersagen, wie alt ein Mensch mit Demenz wird. Dies hängt davon ab, in welchem Alter und zu welchem Zeitpunkt die Demenz festgestellt wird. Auch die Demenz-Form, der Schweregrad und Begleiterkrankungen spielen eine Rolle.
Bei Verdacht auf Demenz führt der Arzt verschiedene Tests und Untersuchungen durch. Manchmal ist auch ein Spezialist nötig. Die Verfahren im Überblick.
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
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Aktualisiert am: 13.09.2022