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Covid-19 (Corona)

Wie kann man Long Covid behandeln?

Es gibt keine Behandlung, die gezielt gegen Long Covid wirkt. Alle Behandlungen sind dazu gedacht, einzelne Beschwerden zu lindern und den Betroffenen ein weitgehend aktives Leben zu ermöglichen. Lesen Sie hier, welche Möglichkeiten es gibt und was Sie selbst tun können.

Video: Wie wird Long Covid behandelt?

Vorschaubild des Videos zur Long Covid-Behandlung
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Wie wird Long Covid behandelt?

Noch ist nicht klar, was genau Long Covid verursacht. Darum kann man die Erkrankung nicht direkt behandeln. Ziel ist es vielmehr, die Beschwerden zu lindern, die den Alltag und die Lebensqualität am meisten beeinträchtigen. Dafür kann der Hausarzt verschiedene Maßnahmen verschreiben, etwa Atemtherapien, Physio- oder Psychotherapien.

Man kann auch selbst etwas tun. Zum Beispiel Konzentrations- oder Gedächtnisübungen erlernen. Es gibt auch Strategien, mit deren Hilfe man sich die eigene Energie so einteilt, dass man besser durch den Alltag kommt. Gerade für Betroffene, die sich oft stark erschöpft fühlen, kommen sie in Frage.

Weitere Filme und Informationen zu Long Covid finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen.

Wissen ist gesund.

Welches Ziel hat die Behandlung bei Long Covid?

Long Covid kann viele Organe und Körperregionen betreffen. Noch ist nicht abschließend geklärt, wie die Störung genau ausgelöst wird. Aus diesem Grund lässt sich die Erkrankung nicht ursächlich behandeln. Ziel der Behandlung ist es also, die verschiedenen Beschwerden zu lindern. Im Folgenden wird die Behandlung der drei häufigsten Beschwerden dargestellt: Erschöpfung, Kurzatmigkeit und Störungen der geistigen Fähigkeiten.

Wer behandelt Long Covid?

Die Hausarztpraxis ist die zentrale Anlaufstelle für eine Long Covid-Behandlung. Der Hausarzt, die Hausärztin kann je nach Beschwerden verschiedene Maßnahmen wie etwa Atemtherapie oder Physiotherapie verschreiben. Falls nötig, kann er oder sie die betroffene Person auch an eine Fachärztin, einen Facharzt oder eine spezialisierte Einrichtung überweisen.

Wie wird Erschöpfung bei Long Covid behandelt?

Die Erschöpfung, die Menschen mit Long Covid zu schaffen macht, wird in der Fachsprache Fatigue genannt. Bei Fatigue handelt es sich um eine sehr belastende, andauernde Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf und Erholung nicht bessert. Die Erschöpfung kann so weit reichen, dass Betroffene nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten. 
Fatigue tritt mit oder ohne Belastungsintoleranz auf. Bei Belastungsintoleranz führt ein Zuviel an Belastung zu einem Zusammenbruch der Körpersysteme. Eine Fatigue mit Belastungsintoleranz ist eine eigene Erkrankung, die anders behandelt werden muss als eine Fatigue ohne Belastungsintoleranz.

Fatigue ohne Belastungsintoleranz

Fatigue ohne Belastungsintoleranz tritt häufig als Begleiterscheinung schwerer chronischer Erkrankungen wie Krebs, Multipler Sklerose oder Rheuma auf. Sie kann auch nach einem langen Krankenhausaufenthalt, einer Chemotherapie oder anderen Infektionskrankheiten entstehen. Die Behandlung zielt darauf ab, die Erschöpfung zu lindern. Sie soll auch vermeiden, dass die Erschöpfung zu einem dauerhaften Zustand wird. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Förderung des Schlafs
  • Schmerzen behandeln, die durch die Grunderkrankung verursacht werden (z. B. bei Krebs oder Rheuma)
  • Stress vermeiden
  • Entspannungsübungen
  • Bewältigungs-Maßnahmen für den Alltag lernen
  • Bewegung und Sport
  • Konzentrations- und Gedächtnisübungen
  • Rehabilitation („Reha“)

Fatigue mit Belastungsintoleranz

Fatigue mit Belastungsintoleranz wird auch myalgische Enzephalmyelitis oder Chronisches Fatigue-Syndrom genannt (ME/CFS). Bei ME/CFS sind die Beschwerden deutlich ausgeprägter und es liegen fast immer noch weitere Symptome vor, z. B. Konzentrations-Probleme, Herzrasen, Schwindel und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektions-Krankheiten. Sollte der Verdacht auf ME/CFS bestehen, wird zur Abklärung und Behandlung eine Überweisung an spezialisierte Fachärzte oder Ambulanzen empfohlen.

Wie wird Kurzatmigkeit bei Long Covid behandelt?

Kurzatmigkeit bei Long Covid lässt sich mithilfe von Atemtherapie und Physiotherapie behandeln. Bei der Atemtherapie lernen Patienten und Patientinnen Techniken, die ihnen das Atmen erleichtern sollen. Wenn sich die Kurzatmigkeit verschlimmert, kann es helfen, sich aufrecht hinzusetzen oder den Oberkörper hoch zu lagern. Lesen Sie außerdem hier, was Sie bei Kurzatmigkeit selbst tun können.

Lassen sich Gedächtnis-Probleme bei Long Covid behandeln?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen bei Long Covid zu behandeln. Je nachdem, welche Probleme im Vordergrund stehen, kann die Ärztin, der Arzt, geeignete Maßnahmen empfehlen. Zur Auswahl steht dabei Folgendes:

  • Training für bestimmte Gedächtnis-Funktionen
  • Methoden, die unbewusstes und automatisiertes Verhalten im Alltag trainieren (z. B. Gehen, Essen mit Messer und Gabel, Radfahren)
  • Gedächtnis-Stützen wie z. B. elektronische Kalender oder Erinnerungs-Funktionen im Smartphone
  • Rehabilitation („Reha“)

Blutwäsche ist eine medizinische Behandlung, die bestimmte Stoffe oder Zellen aus dem Blut herausfiltert. Die wohl bekannteste Form der Blutwäsche ist die Dialyse bei akuter oder chronischer Nierenschwäche. Dabei wird das Blut über einen Katheter aus dem Körper heraus durch einen Reinigungsapparat geleitet. Anschließend wird das gereinigte Blut wieder in den Körper zurückgepumpt.

Es gibt jedoch viele unterschiedliche Arten der Blutwäsche, die bei verschiedenen Krankheiten Anwendung finden. Einige Arten der Blutwäsche werden auch als Behandlung für Long Covid angeboten: beispielsweise die H.E.L.P.-Apherese und die Immunadsorption. Ob Blutwäsche Long Covid-Beschwerden lindern kann, wurde jedoch noch nicht in klinischen Studien erprobt (Stand Juni 2023). Auch wenn es einzelne positive Fallberichte und kleinere Fallserien geben mag, rät die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie derzeit von einer Anwendung ab. Blutwäschen bei Long Covid sind bisher keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. Auch der vom Medizinischen Dienst Bund betriebene IGeL-Monitor, der individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) einstuft, hat Nutzen und Schaden der Blutwäsche bei Long Covid mit „unklar“ bewertet: Es fehlen wissenschaftliche Studien, die diese Methode untersucht haben.

Gibt es eine Reha für Menschen mit Long Covid?

Erste Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Menschen mit Long Covid von einer Reha profitieren könnten. Die Deutsche Rentenversicherung bietet spezielle Reha-Programme für Menschen mit Long Covid an. Sie richten sich hauptsächlich an Betroffene, die durch die Erkrankung so eingeschränkt sind, dass sie nicht mehr arbeiten können, und bei denen andere Behandlungen noch keine Besserung gebracht haben. Ziel der Reha ist es, dass der Patient, die Patientin wieder möglichst aktiv und beschwerdefrei am Leben teilnehmen kann.
Wer sich für ein Reha-Programm interessiert, kann sich auf der Internet-Seite der Deutschen Rentenversicherung über die Voraussetzungen und die Antragstellung informieren.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Standard der therapeutischen Apherese; 2019. Verfügbar unter: https://www.dgfn.eu/apherese-standard.html [24.11.2022].

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Apheresetherapie bei Patientinnen und Patienten mit Long-/Post-COVID-Syndrom (aktualisiert); 2022. Verfügbar unter: https://www.dgfn.eu/stellungnahmen-details/apheresetherapie-long-post-covid-syndrom.html [11.11.2022].

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID. Stand: 12.07.2021.

Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zu Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der vertragsärztlichen Versorgung (Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung); 2022. Verfügbar unter: www.g-ba.de/downloads/62-492-3029/MVV-RL-2022-10-20-iK-2023-01-14.pdf [20.06.2023].

IGel-Monitor: H.E.L.P.-Apherese zur Behandlung von Long-/Post-COVID; 2023. Verfügbar unter https://www.igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/help-apherese-zur-behandlung-von-long-post-covid.html [20.06.2023].

Koczulla AR, Ankermann T, Behrends U, Berlit P et al. S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID (Stand 12.07.2021) 2021 Jul 12.

Kupferschmitt A, Langheim E, Tüter H, Etzrodt F, Loew TH, Köllner V: First results from post-COVID inpatient rehabilitation. Frontiers in rehabilitation sciences 2022; 3, S. 1093871. doi: 10.3389/fresc.2022.1093871.

Pschyrembel Online. Dialyse; 2020. Verfügbar unter: https://www.pschyrembel.de/dialyse/K05UH/doc/ [05.12.2022].

Scheibenbogen C, Loebel M, Freitag H, Krueger A, Bauer S, Antelmann M et al. Immunoadsorption to remove ß2 adrenergic receptor antibodies in Chronic Fatigue Syndrome CFS/ME. PLoS One 2018; 13(3):e0193672. doi: 10.1371/journal.pone.0193672.

Steenblock C, Walther R, Tselmin S, Jarzebska N, Voit-Bak K, Toepfner N et al. Post COVID and apheresis – where are we standing? Horm Metab Res 2022. doi: 10.1055/a-1945-9694.

Thöne-Otto A. Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen bei neurologischen Erkrankungen, S2e-Leitlinie; 2020.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Lisa-Marie Ströhlein
Lisa-Marie Ströhlein

Lisa-Marie Ströhlein

Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.
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Michael Mibs
Michael Mibs

Michael Mibs

Referent Evidenzbasierte Medizin
Michael Mibs ist studierter Gesundheitswissenschaftler und Soziologe. Für die Stiftung erarbeitet er Inhalte für multimediale Informationsangebote auf Basis der Methoden der evidenzbasierten Medizin und konzipiert Analysen mit Bezug zur klinischen Versorgung.
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Nastasia Vogelsang
Nastasia Heilemann

Nastasia Vogelsang

Senior-Multimedia-Producerin
Nastasia Vogelsang studierte Angewandte Medienwirtschaft mit Schwerpunkt TV-Producing. Für die Gesundheitsinformationen der Stiftung konzipiert sie multimediale Formate und steuert deren Umsetzung.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Martin Scherer
Prof. Dr. Martin Scherer

Prof. Dr. med. Martin Scherer

Prof. Dr. med. Martin Scherer ist seit 2012 Direktor des Instituts und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Seit 2015 ist er Vorsitzender des Expertenbeirats der Stiftung Gesundheitswissen. Zudem ist Prof. Scherer Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), deren Präsident er von 2019 bis 2025 war. Von 2009 bis 2011 hatte er die W2-Professur „Versorgungsforschung und ihre Methoden“ am Institut für Sozialmedizin der Universität Lübeck inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in der Über- und Unterversorgung und der Behandlung von Menschen mit Multimorbidität und Leitlinien. Martin Scherer studierte Humanmedizin in Marburg, Wien und Paris.
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Dr. med. Dagmar Lühmann
Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester und studierte anschließend Medizin an der Universität zu Lübeck. Nach dem Examen arbeitete sie als Assistenzärztin am Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie und promovierte dort zum Thema "Auswirkungen von Quecksilberexposition auf das menschliche Immunsystem". Später arbeitete sie am Institut für Sozialmedizin an der Universität zu Lübeck mit dem Schwerpunkt evidenzbasierte Medizin und Bewertung von medizinischen Verfahren (Health Technology Assessment). Seit 2013 ist sie als Forschungskoordinatorin am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.

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Aktualisiert am: 08.08.2023