Es gibt keine Behandlung, die gezielt gegen Long Covid wirkt. Alle Behandlungen sind dazu gedacht, einzelne Beschwerden zu lindern und den Betroffenen ein weitgehend aktives Leben zu ermöglichen. Lesen Sie hier, welche Möglichkeiten es gibt und was Sie selbst tun können.
Wie wird Long Covid behandelt?
Noch ist nicht klar, was genau Long Covid verursacht. Darum kann man die Erkrankung nicht direkt behandeln. Ziel ist es vielmehr, die Beschwerden zu lindern, die den Alltag und die Lebensqualität am meisten beeinträchtigen. Dafür kann der Hausarzt verschiedene Maßnahmen verschreiben, etwa Atemtherapien, Physio- oder Psychotherapien.
Man kann auch selbst etwas tun. Zum Beispiel Konzentrations- oder Gedächtnisübungen erlernen. Es gibt auch Strategien, mit deren Hilfe man sich die eigene Energie so einteilt, dass man besser durch den Alltag kommt. Gerade für Betroffene, die sich oft stark erschöpft fühlen, kommen sie in Frage.
Weitere Filme und Informationen zu Long Covid finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen.
Wissen ist gesund.
Long Covid kann viele Organe und Körperregionen betreffen. Noch ist nicht abschließend geklärt, wie die Störung genau ausgelöst wird. Aus diesem Grund lässt sich die Erkrankung nicht ursächlich behandeln. Ziel der Behandlung ist es also, die verschiedenen Beschwerden zu lindern. Im Folgenden wird die Behandlung der drei häufigsten Beschwerden dargestellt: Erschöpfung, Kurzatmigkeit und Störungen der geistigen Fähigkeiten.
Die Hausarztpraxis ist die zentrale Anlaufstelle für eine Long Covid-Behandlung. Der Hausarzt, die Hausärztin kann je nach Beschwerden verschiedene Maßnahmen wie etwa Atemtherapie oder Physiotherapie verschreiben. Falls nötig, kann er oder sie die betroffene Person auch an eine Fachärztin, einen Facharzt oder eine spezialisierte Einrichtung überweisen.
Die Erschöpfung, die Menschen mit Long Covid zu schaffen macht, wird in der Fachsprache Fatigue genannt. Bei Fatigue handelt es sich um eine sehr belastende, andauernde Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf und Erholung nicht bessert. Die Erschöpfung kann so weit reichen, dass Betroffene nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten.
Fatigue tritt mit oder ohne Belastungsintoleranz auf. Bei Belastungsintoleranz führt ein Zuviel an Belastung zu einem Zusammenbruch der Körpersysteme. Eine Fatigue mit Belastungsintoleranz ist eine eigene Erkrankung, die anders behandelt werden muss als eine Fatigue ohne Belastungsintoleranz.
Fatigue ohne Belastungsintoleranz
Fatigue ohne Belastungsintoleranz tritt häufig als Begleiterscheinung schwerer chronischer Erkrankungen wie Krebs, Multipler Sklerose oder Rheuma auf. Sie kann auch nach einem langen Krankenhausaufenthalt, einer Chemotherapie oder anderen Infektionskrankheiten entstehen. Die Behandlung zielt darauf ab, die Erschöpfung zu lindern. Sie soll auch vermeiden, dass die Erschöpfung zu einem dauerhaften Zustand wird. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:
Fatigue mit Belastungsintoleranz
Fatigue mit Belastungsintoleranz wird auch myalgische Enzephalmyelitis oder Chronisches Fatigue-Syndrom genannt (ME/CFS). Bei ME/CFS sind die Beschwerden deutlich ausgeprägter und es liegen fast immer noch weitere Symptome vor, z. B. Konzentrations-Probleme, Herzrasen, Schwindel und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektions-Krankheiten. Sollte der Verdacht auf ME/CFS bestehen, wird zur Abklärung und Behandlung eine Überweisung an spezialisierte Fachärzte oder Ambulanzen empfohlen.
Kurzatmigkeit bei Long Covid lässt sich mithilfe von Atemtherapie und Physiotherapie behandeln. Bei der Atemtherapie lernen Patienten und Patientinnen Techniken, die ihnen das Atmen erleichtern sollen. Wenn sich die Kurzatmigkeit verschlimmert, kann es helfen, sich aufrecht hinzusetzen oder den Oberkörper hoch zu lagern. Lesen Sie außerdem hier, was Sie bei Kurzatmigkeit selbst tun können.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen bei Long Covid zu behandeln. Je nachdem, welche Probleme im Vordergrund stehen, kann die Ärztin, der Arzt, geeignete Maßnahmen empfehlen. Zur Auswahl steht dabei Folgendes:
Blutwäsche ist eine medizinische Behandlung, die bestimmte Stoffe oder Zellen aus dem Blut herausfiltert. Die wohl bekannteste Form der Blutwäsche ist die Dialyse bei akuter oder chronischer Nierenschwäche. Dabei wird das Blut über einen Katheter aus dem Körper heraus durch einen Reinigungsapparat geleitet. Anschließend wird das gereinigte Blut wieder in den Körper zurückgepumpt.
Es gibt jedoch viele unterschiedliche Arten der Blutwäsche, die bei verschiedenen Krankheiten Anwendung finden. Einige Arten der Blutwäsche werden auch als Behandlung für Long Covid angeboten: beispielsweise die H.E.L.P.-Apherese und die Immunadsorption. Ob Blutwäsche Long Covid-Beschwerden lindern kann, wurde jedoch noch nicht in klinischen Studien erprobt (Stand Juni 2023). Auch wenn es einzelne positive Fallberichte und kleinere Fallserien geben mag, rät die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie derzeit von einer Anwendung ab. Blutwäschen bei Long Covid sind bisher keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. Auch der vom Medizinischen Dienst Bund betriebene IGeL-Monitor, der individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) einstuft, hat Nutzen und Schaden der Blutwäsche bei Long Covid mit „unklar“ bewertet: Es fehlen wissenschaftliche Studien, die diese Methode untersucht haben.
Erste Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Menschen mit Long Covid von einer Reha profitieren könnten. Die Deutsche Rentenversicherung bietet spezielle Reha-Programme für Menschen mit Long Covid an. Sie richten sich hauptsächlich an Betroffene, die durch die Erkrankung so eingeschränkt sind, dass sie nicht mehr arbeiten können, und bei denen andere Behandlungen noch keine Besserung gebracht haben. Ziel der Reha ist es, dass der Patient, die Patientin wieder möglichst aktiv und beschwerdefrei am Leben teilnehmen kann.
Wer sich für ein Reha-Programm interessiert, kann sich auf der Internet-Seite der Deutschen Rentenversicherung über die Voraussetzungen und die Antragstellung informieren.
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Standard der therapeutischen Apherese; 2019. Verfügbar unter: https://www.dgfn.eu/apherese-standard.html [24.11.2022].
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Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID. Stand: 12.07.2021.
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Koczulla AR, Ankermann T, Behrends U, Berlit P et al. S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID (Stand 12.07.2021) 2021 Jul 12.
Kupferschmitt A, Langheim E, Tüter H, Etzrodt F, Loew TH, Köllner V: First results from post-COVID inpatient rehabilitation. Frontiers in rehabilitation sciences 2022; 3, S. 1093871. doi: 10.3389/fresc.2022.1093871.
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Aktualisiert am: 08.08.2023