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Covid-19 (Corona)

STIKO-Empfehlung zur Corona-Impfung: Was gilt?

Wie viele Impfungen brauche ich gegen Corona? Soll ich mein Kind noch impfen lassen? Lesen Sie hier, was die Ständige Impfkommission (STIKO) zur Corona-Impfung empfiehlt.

Grundsätzlich darf in Deutschland jeder selbst entscheiden, ob er sich gegen COVID-19 impfen lassen möchte oder nicht. Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) können dabei Orientierung bieten. Das unabhängige Expertengremium orientiert sich dabei an der evidenzbasierten Medizin und wägt Nutzen und Risiken für den Einzelnen als auch für die Bevölkerung genau ab.

Während der Corona-Pandemie hat die STIKO ihre Empfehlung für die Corona-Impfung regelmäßig angepasst, beispielsweise wenn sich eine neue Virusvariante ausgebreitet hat oder ein neuer Impfstoff zugelassen wurde. Inzwischen hat die STIKO die Empfehlungen für die Corona-Impfung dauerhaft in ihre allgemeinen Impfempfehlungen aufgenommen. Diese wird jährlich aktualisiert.

STIKO-Empfehlung: Corona-Impfung für Erwachsene

Allen Menschen ab 18 Jahren empfiehlt die STIKO einen Grundschutz gegen Covid-19. Für den Aufbau dieses Grundschutzes sind drei Impfungen notwendig. 

  1. Erste Impfung mit einer Dosis eines Corona-Impfstoff, der für den Aufbau des Grundschutzes zugelassen ist.
  2. Nach frühestens 4 Wochen, am besten nach 12 Wochen, erfolgt eine zweite Impfung mit einer weiteren Dosis desselben Impfstoffs.
  3. Mindestens 6 Monate nach der zweiten Impfung wird eine dritte Impfdosis verabreicht. Diese nennt man auch Auffrischimpfung oder Booster-Impfung. Diese Impfung sollte mit einem Impfstoff erfolgen, der für die Auffrischung zugelassen ist.

Wer ein- oder mehrmals nachweislich mit dem Coronavirus infiziert war, kann unter Umständen auf eine oder zwei der drei Impfungen verzichten. Voraussetzung ist, dass die Ansteckung mindestens 3 Monate nach einer vorangegangenen Impfung stattgefunden hat. Eine Impfung sollte frühestens 3 Monate nach einer Ansteckung stattfinden. Für Menschen mit Vorerkrankungen oder über 60-Jährige empfiehlt die STIKO eine jährliche Corona-Auffrischungsimpfung im Herbst.

Laut STIKO sollten Personen im Alter von 12 Jahren bis unter 30 Jahren und bei Schwangeren keine Spikevax-Impfstoffe des Herstellers Moderna zum Einsatz kommen.

Hier erfahren Sie, welche Impfstoffe in Deutschland zugelassen sind.

Was macht die STIKO?

Die STIKO entwickelt Empfehlungen für den Einsatz von Impfstoffen, die in Deutschland zugelassen sind. Dabei berücksichtigt sie, welchen Personen eine Impfung nützt und welchen sie vielleicht eher schadet. Sie wägt auch die Vor- und Nachteile von möglichen Impf-Strategien für die Gesamtbevölkerung in Deutschland ab. Für Empfehlungen verwendet die STIKO Daten aus Studien, die sie kritisch bewertet. Die Vorgehensweise und Gründe für die Entscheidungen der STIKO sind öffentlich zugänglich. Die Empfehlungen der STIKO gelten als Standard in der Medizin. Das bedeutet, dass Ärzte und Ärztinnen sich in der Regel daran halten und orientieren – sie müssen es aber nicht.

STIKO-Empfehlung: Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche?

Für gesunde Säuglinge, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird kein Grundschutz gegen Covid-19 empfohlen. Grund dafür ist, dass Kinder selten schwer an Covid-19 erkranken.

Bei Kindern ab 6 Monaten, die bereits eine Vorerkrankung oder Immunschwäche haben, wird jedoch ein Grundschutz gegen Covid-19 empfohlen, da bei ihnen unter Umständen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Es sollen Impfstoffe verwendet werden, die für Kinder zugelassen sind.

Auch Jugendlichen, die aufgrund ihrer Ausbildung oder ihres Berufes, z.B. in einer Pflegeeinrichtung, ein erhöhtes Risiko haben sich zu infizieren, wird ein Grundschutz gegen Covid-19 empfohlen.

Ein dritter Grund für eine Covid-Impfung liegt vor, wenn Kinder und Jugendliche engen Kontakt zu gefährdeten Personen haben. Das kann z. B. sein, wenn im Haushalt Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf leben.

Auch bei der Impfung von Kindern können durchgemachte Infektionen unter Umständen eine oder zwei Impfungen ersetzen.

Säuglinge und Kleinkinder mit Grunderkrankungen erhalten entweder drei Impfungen plus eine Auffrischimpfung mit Comirnaty oder drei Impfungen mit Spikevax. Laut Fachinformation soll in dieser Altersgruppe die zweite Comirnaty-Impfung nach 3 Wochen und die dritte Impfung nach 8 Wochen erfolgen. Nach Einschätzung der STIKO ist jedoch auch bei Kindern ein längerer Impfabstand zwischen den einzelnen Impfstoffdosen sinnvoll. Bei Spikevax sollte der Abstand zur zweiten und zur dritten Impfung jeweils 4 Wochen betragen.

Kinder dieser Altersgruppe erhalten drei Impfdosen. Die Impfabstände sind wie bei den Erwachsenen. Für diese Altersgruppe werden die angepassten Impfstoffe Comirnaty und Spikevax empfohlen.

Jugendliche können drei Impfdosen Comirnaty oder eines Protein-Impfstoffs erhalten. Die Impfabstände sind wie bei den Erwachsenen.

Für wen empfiehlt die STIKO weitere Auffrischimpfungen?

Manchen Menschen empfiehlt die STIKO, ihren Grundschutz aus drei Corona-Impfungen jährlich mit weiteren Impfungen aufzufrischen:

  • Menschen, die älter als 60 Jahre sind
  • Menschen, die durch eine Grunderkrankung oder Immunschwäche ein erhöhtes Risiko für eine schwere Covid-Erkrankung haben
  • Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen mit direktem Kontakt zu Patientinnen und Patienten oder Bewohnenden 
  • Menschen mit engem Kontakt zu Personen, die durch eine Impfung keinen ausreichenden Schutz gegen Covid aufbauen können.

Zur Auffrischung sollten Impfstoffe eingesetzt, die an die neuen Corona-Varianten angepasste wurden und als Auffrischungsimpfstoff zugelassen sind.

Warum werden Auffrischungs-Impfungen empfohlen?

Inzwischen ist ein Großteil der deutschen Bevölkerung gegen Corona geimpft und viele haben zudem eine oder gar mehrere Infektionen durchgemacht. Die dadurch erworbene Immunabwehr bietet einen guten Schutz gegen einen schweren Verlauf. Es gibt aber auch Personengruppen, die weiterhin ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder gar tödlich endenden Verlauf haben. Bei diesen Personen kann eine Auffrischung den Immunschutz verbessern und sie dadurch schützen. Dies betrifft insbesondere ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen oder Immunschwäche. Die Auffrischimpfungen dienen nicht nur dem eigenen Schutz, sondern sollen auch das Risiko der Ansteckung und der Übertragung von Coronaviren an die Risikogruppen senken.

Wann sollte die Auffrischimpfung stattfinden?

Die Auffrischimpfungen sollten einmal jährlich im Herbst stattfinden. Erfolgt die Auffrischimpfung gegen Covid-19 in dieser Zeit, dann kann sie gleichzeitig mit der Grippe-Schutzimpfung durchgeführt werden, die ebenfalls jährlich erfolgen sollte. Eine gleichzeitige Impfung gegen Pneumokokken ist ebenfalls möglich.

Die Auffrischimpfung kann mit einem anderen Impfstoff erfolgen als die Grundschutz-Impfungen. Wer z. B. einen Grundschutz mit einem Vektor-Impfstoff bekommen hat, kann für die Auffrischimpfung auch einen mRNA- oder Protein-Impfstoff erhalten.

Können sich auch Schwangere und Stillende impfen lassen?

Hier lesen Sie, was die Ständige Impfkommission zur Impfung bei Schwangeren und Stillenden empfiehlt und was Studien sagen.

Ich war an Covid-19 erkrankt. Zählt das mit zum Impfschutz?

Unter Umständen kann eine durchgemachte Covid-Erkrankung zum Grundschutz dazugezählt werden. In der Regel sollten dann zwischen einer Impfung und einer Erkrankung mindestens drei Monate vergangen sein.

Dürfen für die Impfung unterschiedliche Impfstoffe verwendet werden?

Wird nur eine Impfstoffart verwendet, z.B. nur mRNA-Impfstoffe, so spricht man von einem homologen Impfschema. Es können jedoch auch unterschiedliche Arten von Impfstoffen verwendet werden, dann spricht man von einem heterologen Impfschema. Beispielsweise kann bei über 60-Jährigen ein heterologes Impfschema für die Grundimmunisierung angewendet werden, bei dem die nach der ersten Impfung mit Jcovden entweder ein mRNA- oder ein Protein-Impfstoff für die zweite Impfung verwendet werden soll. Umgekehrt sollte eine Auffrischimpfung mit Jcovden nur dann gemacht werden, wenn der Grundschutz durch mRNA- oder Vektorimpfstoffe aufgebaut wurde.

Empfehlung für Menschen mit Immunschwäche

Menschen mit Immunschwäche haben ein hohes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Um den bestmöglichen Impfschutz zu erreichen, hat die Ständige-Impfkommission (STIKO) spezielle Empfehlungen veröffentlicht. Mehr erfahren Sie hier:

Video: Welche Rolle spielen STIKO und EMA?

Porträtbild von Prof. Dr. med. Martin Scherer.
Bitte um das Video zu sehen.

Wie kommt es zu unterschiedlichen Aussagen von EMA und STIKO?
Die EMA und die STIKO haben unterschiedliche Aufträge und deshalb haben sie auch unterschiedliche Brillen auf. Die EMA ist mehr eine Zulassungsbehörde, die wertet Zulassungsdaten aus, schaut, wie sicher das Medikament oder der Wirkstoff ist und ob er überhaupt in den Handel darf, ob er überhaupt angewendet werden darf. Die STIKO ist mehr eine Kommission, die dann Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte macht, die dann auch helfen sollen in der Entscheidungsfindung zwischen Ärzten und Patienten.

Nicht alles, was zugelassen wird, wird auch immer empfohlen. Dafür gibt es normalerweise medizinische Fachgesellschaften, die Leitlinien-Empfehlungen machen. Und die Leitlinien-Kommission für Impfungen, wenn man so will, ist nun mal die STIKO.

Wie kommt die STIKO zu ihren Empfehlungen?
Die STIKO ist mit konkreten Fragen konfrontiert. Eine Frage zum Beispiel ist, inwiefern sich das Pandemiegeschehen ändert, wenn man alle Kinder und Jugendlichen von 12 - 17 Jahren impft. Also gibt das dem Pandemiegeschehen und der Infektionsdynamik noch mal den richtigen "Spin", wenn man diese Gruppe impft? Das ist die eine Frage. Die andere Frage ist: Inwiefern nützt es dem einzelnen Kind oder dem einzelnen Jugendlichen? Werden Krankenhauseinweisungen, schwere Verläufe, Todesfälle verhindert? Und ist das Risiko, was man dafür in Kauf nehmen muss, gering? Also das Risiko an Nebenwirkungen durch die Impfungen. Das sind die Fragen, mit denen die STIKO konfrontiert ist.

Und was das Pandemiegeschehen anbelangt, gibt es Modellierungen. Auch die STIKO hat Modellierer, die das genau analysieren, wie sich das ändern würde, wenn man alle impft.

Und für die andere Frage müssen Daten gesammelt werden, da müssen Daten ausgewertet werden aus anderen Ländern, wo diese vielen Impfungen eben schon durchgeführt und dokumentiert worden sind. Da werden ständige Literaturanalysen gemacht. Da werden Artikel aus Datenbanken extrahiert und analysiert. Um dann genau sagen zu können: Wie ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis für dieses einzelne Kind oder diesen einzelnen Jugendlichen?

Mehr zum Thema finden Sie auf dem Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswissen.

Wissen ist gesund.

Was heißt Aspiration und was bedeutet das für die Covid-19-Impfung?

Seit dem 15. Februar empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), dass Ärzte und Ärztinnen vor der Corona-Impfung eine sogenannte Aspiration vornehmen. Aspiration ist eine Spritz-Technik, mit der man prüfen kann, wohin der Impfstoff gespritzt wird. Die COVID-19-Impfstoffe sollen ausschließlich in den Oberarm-Muskel gespritzt werden, nicht etwa in die Haut oder in die Blutbahn. Beim Aspirieren sticht der Arzt die Spritze ein und saugt etwas Flüssigkeit aus der Einstichstelle ein. Saugt er dabei Blut ein, hat er eine Vene getroffen. In diesem Fall muss er mit einer neuen Spritze eine andere Einstichstelle wählen. Die STIKO begründet ihre Empfehlung mit den Ergebnissen aus Tierversuchen. In diesen traten vermehrt Herzbeutel-Entzündungen auf, wenn mRNA-Impfstoffe in die Blutbahn gelangten.

Seit dem Jahr 2016 wird die Aspiration für die meisten Impfungen nicht mehr empfohlen. Grund dafür war, dass viele Menschen die Einstiche als schmerzhaft empfinden. Zudem sind die Blutgefäße am Oberarm-Muskel sehr klein. Es ist unwahrscheinlich, dass beim Impfen versehentlich eine Vene getroffen wird.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 21/2023: Implementierung der COVID-19-Impfung in die allgemeinen Empfehlungen der STIKO 2023 2023; (21).

Robert Koch Institut. Epidemiologisches Bulletin 2/2024 - STIKO: Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung. Epidemiologisches Bulletin 2024; (2):3–19.

Robert Koch-Institut (RKI). COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ); 2024. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html;jsessionid=F40165DEC82E7F0471842B088EF1DEC2.internet081. [19.01.2024].

Robert Koch-Institut (RKI). Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Influenza; 2023. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/FAQ_Uebersicht.html [19.01.2024].

Robert Koch-Institut (RKI). Aufgaben und Methodik; 2023. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Aufgaben_Methoden/
methoden_node.html#:~:text=Die%20St%C3%A4ndige%20Impfkommission%
20(STIKO)%20entwickelt,den%20Kriterien%20der%20evidenzbasierten%20Medizin [19.01.2024].

Robert Koch-Institut (RKI). Warum hat die STIKO empfohlen, auf eine Aspiration bei der Injektion von Impfstoffen zu verzichten?; 2022. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Stichwortliste/A/Aspiration.html [19.01.2024].

Info Praxisteam - Das Magazin für medizinische Fachangestellte. Tips für den Praxisalltag: Intramuskuläre Impfungen; 2012 Verfügbar unter: http://www.info-praxisteam.de/2012/01/8_Intramuskulaere_Impfungen.php [19.01.2024].

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Erstellt vom Team Stiftung Gesundheitswissen.

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Erstellt am: 01.12.2022