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Arthrose

Was ist Kniearthrose?

Bei Kniearthrose baut sich der Knorpel im Knie immer weiter ab, was bei Betroffenen zu gesundheitlichen Folgen wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann. Diese Form von Gelenkverschleiß ist die häufigste Form von Arthrose. Wie sie entsteht, welche Symptome damit verbunden sind und wie die Krankheit diagnostiziert wird, erfahren Sie auf dieser Seite.

Was ist Kniearthrose?

Allgemein spricht man von Arthrose oder auch Gelenkverschleiß, wenn sich der Knorpel in einem Gelenk allmählich abbaut. Bei Kniearthrose betrifft dieser Vorgang den Knorpel im Knie. Dies kann wiederum Veränderungen in angrenzenden Knochen verursachen. In diesem Fall treten Beschwerden wie z. B. Schmerzen, Steifigkeitsgefühl und Bewegungseinschränkungen auf, die im Laufe der Zeit zunehmen.

Wie häufig kommt Kniearthrose vor?

Von 100 Menschen mit Arthrose haben 53 ihre Beschwerden im Knie. Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung bei erwachsenen Menschen.  Etwa 20 von 100 Personen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren gaben in einer Befragung an, dass bei ihnen jemals Arthrose diagnostiziert wurde.

Dabei können auch zeitgleich mehrere Gelenke betroffen sein. 

Wie entsteht Kniearthrose?

Im Laufe des Lebens werden die Knie besonders stark beansprucht. Dabei kann sich der Knorpel im Alter oder bei starker Beanspruchung abnutzen, denn er federt permanent Bewegungen ab und ist der Reibung durch die Knochen ausgesetzt. Prinzipiell kann sich der Gelenkknorpel langsam erneuern, um Schäden auszugleichen. Bei Kniearthrose ist der Knorpel im Knie jedoch nicht mehr in der Lage, sich von selbst ausreichend zu regenerieren. Es kommt zur zunehmenden Abnutzung. Im Laufe der Zeit kann sich dieser Verschleiß auch auf die Gewebe in der Umgebung des Knorpels ausbreiten.

Grafik als PDF: Arthrose - Wie entsteht die Erkrankung?

Video: Wie funktioniert ein Gelenk?

Zeichnung verschiedener Gelenke. Beim Klick auf das Bild sehen Sie das Video zum Thema Gelenke.
Bitte um das Video zu sehen.

Unser Körper besteht aus ca. 200 Knochen, die durch rund 100 "echte" Gelenke beweglich miteinander verbunden sind. Die Gelenke sind sehr flexibel - aber auch besonders verletzlich - z.B. kann die Schulter leicht auskugeln. 

Prinzipiell haben alle Gelenke den gleichen Aufbau: 

Sehnen verbinden die Knochenenden mit der Muskulatur und übertragen die Kraft auf das Skelettsystem. Stabilisierend wirken die Bänder. Sie können leicht schlaff werden oder reißen, wenn man sie überdehnt. Eine elastische Knorpelschicht überzieht die Knochenenden. Sie kann je nach Gelenk bis zu einem Zentimeter dick sein und federt Druck und Stöße ab. Die Knorpel-Schichten werden nicht durchblutet. Stattdessen sind sie von Gelenkflüssigkeit umgeben, die alle nötigen Nährstoffe enthält. Bewegung ist deshalb so wichtig, weil dadurch alle Nährstoffe in den Knorpel transportiert werden.

Welche Risikofaktoren können zu Kniearthrose führen?

Für das Auftreten von Kniearthrose gibt es beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren. Sie gelten auch für Arthrose allgemein.

Risikofaktoren, die Sie unter Umständen selbst beeinflussen können

  • zu wenig Bewegung
  • schwere körperliche Arbeit (schweres Heben, Hocken, Kniebeugen)
  • gelenkbelastender Sport
  • (starkes) Übergewicht

Zu den behandelbaren Einflussfaktoren gehören:

  • Fehlstellungen wie X- und O-Beine
  • Über- und Fehlbelastungen, die entstehen können, weil bspw. das Kniegelenk von Geburt an oder nach einem Unfall nicht richtig funktioniert

Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren gehören:

  • steigendes Alter
  • weibliches Geschlecht
  • genetische Veranlagung

Kennen Sie Ihren BMI-Wert?

Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht und dem Auftreten von Kniearthrose gibt. Menschen mit einem sogenannten Body Mass Index (BMI) über 25 kg/m² gelten als übergewichtig, mit einem BMI über 30 als stark übergewichtig.

Welche Beschwerden treten bei Kniearthrose auf?

Kniearthrose ist eine Erkrankung, die häufig schleichend beginnt. Ihre Anzeichen werden anfangs kaum bemerkt. Typische Symptome für den Beginn einer Kniearthrose sind drei Arten von Schmerzen:

  • der Anlaufschmerz („eingerostete Gelenke“) zu Beginn einer Bewegung, zum Beispiel beim Losgehen
  • der Ermüdungsschmerz nach langer Belastung, wenn man zum Beispiel lange steht
  • der Belastungsschmerz, wenn man eine Bewegung sehr intensiv ausübt, zum Beispiel schnelles Laufen.

Bei Arthrose kann man das Knie auch schlechter durchstrecken.

Wie gehen Betroffene mit Kniearthrose um?

Schauen Sie sich Berichte über persönliche Erfahrungen von Betroffenen im Umgang mit ihrer Kniearthrose an.

Wie verläuft Kniearthrose?

Kniearthrose ist eine chronische Erkrankung, die mit der Zeit fortschreitet und nicht geheilt werden kann. Die Erkrankung selbst ist nicht lebensgefährlich, auch wenn sie sehr weit fortgeschritten ist. Kniearthrose kann auch lange Zeit beschwerdearm oder gar beschwerdefrei verlaufen.

Prinzipiell entwickelt sich Kniearthrose über einen längeren Zeitraum von anfänglichen Belastungsschmerzen über Bewegungsschmerzen hin zum Ruheschmerz. Das Steifigkeitsgefühl verstärkt sich. Im Kniegelenk ist ein Knorpelreiben fühlbar und mit dem Stethoskop auch hörbar. Die Beweglichkeit des Gelenks wird immer weiter eingeengt. 

Betroffene leiden bei fortgeschrittener Kniearthrose an andauernden nächtlichen Gelenk- und Muskelschmerzen. Bei sehr weit fortgeschrittener Arthrose kann es auch zu einer bleibenden Verformung des Gelenkes kommen. Es ist in diesem Fall nicht mehr in der Lage, seine eigentliche Aufgabe zu erfüllen.

Ein Gelenkverschleiß unterliegt vielen Einflüssen. Der Verlauf von Kniearthrose ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Das Körpergewicht und die Gewichtsentwicklung über die Jahre, die Art der beruflichen Tätigkeit und die Freizeitaktivitäten spielen dabei eine Rolle. Wie bei anderen Arthrose-Formen kann die Erkrankung wellenförmig verlaufen. Das heißt, dass man mal Beschwerden haben kann und mal nicht.

Nicht jede Kniearthrose endet zwingend mit der Zerstörung des Gelenks, die einen Gelenkersatz notwendig macht.

Wie stellt mein Arzt die Erkrankung Arthrose fest?

Ihre Ärztin, Ihr Arzt kommt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung, die Anamnese, zu der Diagnose Arthrose – meistens in Verbindung mit einer Röntgenuntersuchung

In der Anamnese werden Patientinnen und Patienten nach ihren aktuellen Beschwerden befragt. Schmerzende Gelenke werden durch Tasten, Anschauen, Bewegungs- und z. T. auch Funktionsprüfungen untersucht. Die Veränderungen, die durch Arthrose entstanden sind, werden häufig erst im Röntgenbild sichtbar.

Den Knorpel selbst kann man auf dem Röntgenbild nicht sehen. Man sieht aber einen schmaleren Gelenkspalt als normalerweise. Auch Knochenanbauten (Osteophyten) sind zu erkennen. Nicht alle Patientinnen und Patienten haben Beschwerden, obwohl auf ihrem Röntgenbild Anzeichen von Arthrose erkennbar sind. Umgekehrt gibt es aber auch von Arthrose Betroffene, deren Gelenke auf dem Röntgenbild unauffällig sind 

Kann man Kniearthrose vorbeugen?

Was Sie tun können, um Kniearthrose vorzubeugen oder bereits auftretende Beschwerden zu verringern, lesen Sie im nächsten Reiter:

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Blagojevic M, Jinks C, Jeffery A, Jordan K. Risk factors for onset of osteoarthritis of the knee in older adults: A systematic review and meta-analysis. Osteoarthritis Cartilage 2010;18(1):24–33.

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). S2k-Leitlinie: Gonarthrose. AWMF-Registernr.: 033-004. 18.01.2018.

Fuchs J, Rabenberg M, Scheidt-Nave C. Prävalenz ausgewählter muskuloskelettaler Erkrankungen. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2013;56(5–6):678–86.

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Glyn-Jones S, Palmer AJ, Agricola R, Price AJ, Vincent TL, Weinans H et al. Osteoarthritis. Lancet 2015;386(9991):376–87.

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Robert Koch-Institut (RKI). Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 54: Arthrose. Berlin: RKI; 2013.

Sharma L. Osteoarthritis of the knee. N Engl J Med 2021;384(1):51-9. doi: 10.1056/NEJMcp1903768.

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Dr. med. Dagmar Lühmann
Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann

Dr. med. Dagmar Lühmann absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester und studierte anschließend Medizin an der Universität zu Lübeck. Nach dem Examen arbeitete sie als Assistenzärztin am Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie und promovierte dort zum Thema "Auswirkungen von Quecksilberexposition auf das menschliche Immunsystem". Später arbeitete sie am Institut für Sozialmedizin an der Universität zu Lübeck mit dem Schwerpunkt evidenzbasierte Medizin und Bewertung von medizinischen Verfahren (Health Technology Assessment). Seit 2013 ist sie als Forschungskoordinatorin am Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
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Prof. Dr. med. Martin Scherer
Prof. Dr. Martin Scherer

Prof. Dr. med. Martin Scherer

Prof. Dr. med. Martin Scherer ist seit 2012 Direktor des Instituts und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Seit 2015 ist er Vorsitzender des Expertenbeirats der Stiftung Gesundheitswissen. Zudem ist Prof. Scherer Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), deren Präsident er von 2019 bis 2025 war. Von 2009 bis 2011 hatte er die W2-Professur „Versorgungsforschung und ihre Methoden“ am Institut für Sozialmedizin der Universität Lübeck inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in der Über- und Unterversorgung und der Behandlung von Menschen mit Multimorbidität und Leitlinien. Martin Scherer studierte Humanmedizin in Marburg, Wien und Paris.

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Erstellt am: 10.09.2021